Über Gräser

Gedanken / Informationen / Wissenswertes

Gartenpraxis-Seminar 2015 – Großartige Gräser

Ein Resümee

Seit längerer Zeit verfolge ich die Ankündigungen in der „Gartenpraxis“ über die jährlich stattfindenden Seminare in der Bildungsstätte Gartenbau Grünberg zu den unterschiedlichsten Gartenthemen. Sie werden gleichermaßen angeboten für einschlägige Berufsgruppen als auch für interessierte Laien. Ich gehöre zu Letzteren, gleichwohl versprach das Thema interessante Inhalte, ausnahmslos vorgetragen von exzellenten Referenten. Ich meldete mich also an nicht ohne gewisse Bedenken, ob ich der Sache denn auch gewachsen wäre. Diese Zweifel zerstreuten sich jedoch bereits während der Begrüßung der Teilnehmer durch den Chefredakteur der GP, Jonas Reif, der kompetent und humorvoll durch das gesamte weitere Programm führte.

Großartige Gräser – dieses Thema wurde in den letzten Jahren mehr und mehr bestimmend sowohl für naturnahe als auch für architektonische Pflanzenverwendung. Das Sortiment der kultivierten Arten hat sich in kürzester Zeit vervielfacht. Das Seminar gab deshalb einen Überblick über das heutige Gräsersortiment und zeigte Gestaltungspotentiale auf, die in ihm steckt. Es wurden so ziemlich alle Gattungen vorgestellt und angesprochen einschließlich ihrer unzähligen Arten und Auslesen bzw. Sorten.

Der erste Beitrag befasste sich mit gestalterischen Verwendungsmöglichkeiten von Gräsern. Referent war Prof. Cassian Schmidt. Er ging insbesondere noch einmal auf die zunehmende Sortimentsvielfalt ein, was besonders augenfällig ist bei den Gattungen Panicum, Pennisetum, Hakonechloa, aber auch wieder verstärkt bei Miscanthus. Diese Tatsache birgt jedoch auch Risiken. Nicht alles was neu ist, ist auch zwangsläufig gut. Zudem liegen oftmals keine gesicherten Erfahrungen über Gartenwert und Winterhärte vor. Deshalb wird sich die Staudensichtung dieses Themas wohl verstärkt annehmen, die Spreu vom Weizen trennen. Ebenfalls neue Sortimente kamen mit dem Boom der Präriestaudenverwendung. Damit erfolgte eine Überleitung zum Wachstumsrhythmus der Gräser, die diesbezüglich in zwei Gruppen eingeteilt werden: Früh grünende Cool-Season-Gräser (C-3-Gräser) und spät grünende Warm-Season-Gräser (C-4-Gräser). Erstere treiben früh aus, sind oftmals wintergrün, blühen früh und stellen ihr Wachstum während der warmen Jahreszeit ein. Solche Gräser können gut im Herbst gepflanzt werden, da sie dann noch Wurzeln bilden und deshalb anwachsen. Gräser der zweiten Gruppe treiben sehr spät aus, sind in unseren Breiten niemals wintergrün, wachsen und blühen nur in der warmen Jahreszeit und warten mit einer oftmals spektakulären Herbstfärbung auf. Diese Gräser benötigen in der Hauptwachstumszeit (später Frühling bis Hochsommer) ausreichend Bewässerung. Sie sind sehr wärmebedürftig und sollten ausschließlich im späten Frühjahr bei guter Bodenerwärmung gepflanzt werden.

Anschließend ging Prof. Schmidt auf die ästhetischen Funktionen der Gräser in verschiedenen Pflanzungen ein. Besonders wurde die lang anhaltende und meist strukturstabile Funktion als Gerüstbildner hervorgehoben. Durch ihre vertikale Ausrichtung unterstützen sie die Raumbildung und gliedern bei wiederholter Verwendung eine Pflanzung rhythmisch. Aber auch die Kontraste zu den Blattformen der Stauden sind unverzichtbares Gestaltungselement (Harfe-Pauke-Effekt). Nicht zuletzt sind die filigranen Grannen der Gräser besondere Lichtfänger, und besonders in der kalten Jahreszeit zeichnen Tau bzw. Raureif zauberhafte Bilder. Als weiteres Gestaltungselement sollten die unterschiedlichen Laubfärbungen nicht unterschätzt werden. So hellen gelbliches Laub oder panaschierte Formen beschattete Bereiche auf. Herbstfärbungen, besonders der Präriegräser, können dramatische Farbakzente setzen. In Verbindung mit nordamerikanischen Korbblütlern lassen sich so wunderbare Assoziationen an die Prärie wecken; man sollte jedoch größere Stückzahlen ins Auge fassen, um solche Effekte zu erzielen.

Einmal mehr wurde das wunderbare Herbstkopfgras Sesleria autumnalis hervorgehoben. Es ist langlebig, trockenheitstolerant, als Matrixgras bestens geeignet und durch seine gelbgrüne Blattfärbung vielseitig mit vielen anderen, vorzugsweise trockenheitsverträglichen Stauden zu kombinieren.

Der zweite Tag war vorrangig der Vorstellung einzelner Gräsergattungen gewidmet. Los ging‘s mit „Cortaderia und Co.“, Referent Sven Nürnberger. Es wurde hauptsächlich sein Beitrag, veröffentlicht in der GP 10/15, als Grundlage verwendet und um etliche Anmerkungen erweitert. Für mich persönlich ist die wärmeliebende Südamerikanerin kein Thema, obwohl ich zugeben muss, dass die imposanten Riesen, richtig in Szene gesetzt, durchaus faszinieren können. Neben der allseits bekannten Cortaderia selloana wurde Cortaderia araucana besonders hervorgehoben, da sie frostfester, früher blühend und besonders die weiblichen Exemplare schöner sein sollen. Ausgesprochen schön sei C. ‚Sunningdale Silver‘ im Garten von Peter Janke. Das entsprechende Foto ist in vielen Veröffentlichungen zu bestaunen. Für alle aber gilt: Sie benötigen Winterschutz, Sommmerfeuchte und bieten m. E. nur in größeren Anlagen ansprechende Bilder.

Der nächste Beitrag befasste sich mit der Vorstellung der Staude des Jahres 2015 – CAREX. Till Hofmann gliederte seinen Beitrag vornehmlich nach Standorten, um so die riesige Gattung übersichtlich darzustellen. Stark vertreten ist der Lebensbereich Gehölz/Gehölzrand, da die Mehrzahl aller Arten und Sorten eigentlich Nischenbewohner sind, Schatten und feuchte Bereiche lieben. Es gibt jedoch auch Arten für die Felssteppe, Steppenheide, Steinanlagen und Heide. Alle Arten und Sorten wurden mit Bild vorgestellt und ergänzende Kommentare bzw. Pflanzvorschläge gemacht. So erhielt man eine umfassende Übersicht über die Sauergräser, ihre Ansprüche und ihr Wuchsverhalten. Der Rat vom Fachmann lautet: lieber auf horstwüchsige Arten und Sorten zurückgreifen, wenn man sich nicht sicher über das Konkurrenzverhalten ist.

Danach wurde uns eine dreiseitige Liste der Carex-Arten Neuseelands näher gebracht. Referentin war Anne Humbug, die längere Zeit an verschiedenen Naturstandorten verbrachte und die Arten vor Ort studierte, aber auch über Erfahrungen aus dem heimischen Garten berichtete. Um es grob auszudrücken: es sind allesamt heikle Pfleglinge und erfüllen nach meinem Dafürhalten in unseren Breiten nie und nimmer die Ansprüche, die von Aufnahmen natürlicher Standorte suggeriert werden. Sie sind – betrachtet man die riesige Auswahl geeigneterer Gattungen – für eine ansprechende Gartengestaltung eigentlich verzichtbar, sofern man nicht Sammler neuseeländischer Pflanzen ist. Das jedoch ist lediglich die unbedeutende Meinung des Autors.

Der nächste Beitrag befasste sich mit dem wachsenden Sortiment des Japanwaldgrases. Jonas Reif bezog sich in seinem Referat hauptsächlich auf die Veröffentlichung in GP 09/15 und beschrieb erfrischend burschikos seine Reise nach Japan, bei welcher er trotz akuter Flugangst zwei Ziele fokussierte: Hakonechloa am Naturstandort zu finden und den Fuji mit eigenen Augen zu sehen. Beides ging mehr oder weniger schief; der Gipfel des Fuji verbarg sich hartnäckig unter Wolken, und die eigentlich anvisierten Standorte des Japan-Waldgrases in den Wäldern der Provinz Honshu erwiesen sich als ungeeignet, da im Unterholz ausschließlich dichte Bambusbestände vorherrschten. Im Folgenden beschrieb Herr Reif seine Erfahrungen, die er im eigenen Garten mit dem wunderbaren Gras gemacht hatte und gab Empfehlungen zu einzelnen Sorten und geeigneten Standorten. Als nicht empfehlenswert wurden die Sorten ‚Nicolas‘, Sunny Delight‘ und ‚Naomi‘ eingestuft.

Ein weiteres Thema befasste sich mit Gräsern eurasischer Steppen und Wiesensteppen, Referent wiederum Prof. Cassian Schmidt. Ausgangspunkt war eine Expedition ins zentralasiatische Kirgisistan, um dort die üppigen Steppengesellschaften des Tien-Shan zu studieren. Es handelt sich in der Regel um trockenheitsverträgliche, wärmeliebende und störungstolerante Arten, die sommerliche Trockenperioden und winterliche Kälteperioden überstehen können. Niederschläge gibt es im Frühsommer und im Herbst. Dadurch trumpft die Steppenvegetation im Frühsommer bis etwa Mitte Juli mit üppiger Blüte auf. Vor allem Vertreter der Familien der Laminaceen und Asteraceen sind häufig vertreten. Gräser verweben die gesamte Situation. Man erkennt, dass die stabilen Strukturen der Samenstände der Stauden und Gräser bis weit in den Winter hinein erhalten bleiben. Dies macht den ästhetischen Reiz einer Steppenpflanzung aus und sollte unbedingt berücksichtigt werden bei der Umsetzung einer solchen Pflanzengesellschaft im eigenen Garten. Prof. Schmidt verwies auf die etwa 400 m² große Salbei-Schafgarben-Pflanzung im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof, wo eine solche Pflanzung beispielhaft umgesetzt wurde. Als Gräser eignen sich das noch wenig bekannte, jedoch sehr gelobte Achnatherum splendens sowie Festuca-Arten, Helictotrichon-Arten oder Melica-Arten. Als verwebende Elemente dienen Galium-Arten. In diesem Zusammenhang wurden weiterhin Chrysopogon gryllus (zart, attraktiv, straff aufrecht), Stipa gigantea (langlebig, attraktive goldgelbe Grannen) und Achnatherum calamagrostis ‚Lemperg‘ (standfester als die Art) als sehr empfehlenswert erwähnt.
Es folgte eine Aufstellung gartenwürdiger europäischer Gräser, deren Standortvorlieben und möglicher Benachbarung. Die Palette reichte von Luzula-Arten über Melica, Festuca bis wiederum zu Carex-Arten, die wegen ihrer großen Standortamplitude einen breiten Raum einnahmen. Jedes Gras wurde durch Fotos vorgestellt und ergänzende nützliche Angaben dazu gemacht. Diese Aufstellung brachte Till Hofmann zu Gehör.

Nach der Kaffeepause gab es einen Exkurs zu gräserartigen Stauden, deren Vorteil sowohl in der strukturbildenden Wirkung als auch im dekorativen Blüheffekt dieser Stauden zu suchen ist. Es ging hauptsächlich um kleine Stauden für Steinanlagen (Armeria, Plantago u.a.), Lilien- und Affodillgewächse (Asphodeline lutea, Kniphofia-Arten, Zigadenus elegans und weitere) und Schwertlilliengewächse. Sie alle wurden durch Pflanzbeispiele von Sven Nürnberger erläutert.

Am Ende des Tages ging es noch einmal um Gräser der Prärie, selbstverständlich vorgetragen von Prof. Schmidt. Er spannte den Bogen von den niedrigen Gattungen Bouteloua, Sporobolus über mittelhohe und hohe Gräser wie Eragrostis und vor allem Panicum mit seinen vielfältigen Sorten und Auslesen, Schizachyrium, Sorghastrum und Andropogon. Zu vielen genannten Arten gab es nähere Erläuterungen bzw. Hinweise zu sehr guten Auslesen. Sie alle verlangen frischen Boden, um gut zu gedeihen. Das bedeutet, in der warmen Jahreszeit wenn nötig zu wässern, da es sich ausschließlich um C-4-Gräser handelt.

Der Sonntag begann mit der Vorstellung verschiedenster, in der Regel kleinwüchsiger Gräser für den Steingartenbereich, untergliedert nach bevorzugten Standorten, Farbeffekten und Aufgaben, die diese Gräser im Lebensbereich Steingarten übernehmen. Sie können gerüstbildende, begleitende, aber auch solitäre Aufgaben erfüllen. Nicht zuletzt sichern sie Schuttränder und Halden vor dem Abrutschen. Wer je im Hochgebirge unterwegs war, erinnert sich mit Sicherheit lebhaft an die Gräsersäume der schmalen alpinen Steige.

Der nächste Beitrag kann als Kontrastprogramm zum vorhergehenden angesehen werden. Es ging um die großartigen Miscanthus sinensis; alle gartenwürdigen Arten aufgelistet mit bevorzugten Eigenschaften und Größenverhältnissen. Herr Friedrich Camehl, Inhaber der gleichnamigen Spezialgärtnerei, wartete mit eindrucksvollen Fotos aus dem Mutterpflanzenquartier seines Schaugartens auf. Mir war bis dato nicht geläufig, welch riesiges Sortiment die Gattung beinhaltet. Da tat es not, Lieblingspflanzen herauszugreifen, um nicht komplett die Orientierung zu verlieren, was wiederum Jonas Reif in bewährter Art tat. Hier also seine Auswahl: M. sinensis ‚Gracillimus‘, ‚Morning Light‘, ‚Kaskade‘, ‚Malepartus‘ und ‚Ghana‘.

Die Veranstaltung neigte sich langsam dem Ende zu; es gab noch zwei Beiträge. Der erste befasste sich mit empfehlenswerten Pennisetum, vorgestellt von Prof Schmidt. Das Sortiment wurde unterteilt in drei Rubriken: Mehrjährig und winterhart für sonnige und warme Lagen. Dazu zählen alle Arten von P. alopecuroides und bedingt P. orientale. Es sind allesamt C-4-Gräser für überwiegend frische Böden. Etliche wurden besonders durch Bild und Vortrag hervorgehoben. Dazu zählt z.B. Pennisetum fo. viridescens ‚Moudry‘, das einen aparten Olivton aufweist, breitblättrig und mit niedrigem Horst daherkommt. Es kommt selten zur Blüte und braucht eine gute Drainage. Ich werde es ausprobieren. Zur zweiten Rubrik zählen mehrjährige, aber nur bedingt winterharte Pennisetum. Hier wurde besonders Pennisetum macrourum hervorgehoben und eindrucksvolle Bilder aus dem Hermannshof gezeigt. Die dritte Rubrik umfasste einjährige bzw. nicht winterharte Pennisetum. Besonders verwiesen wurde auf Pennisetum glaucum, die Perlhirse, ein wichtiges Getreide in Afrika. Weitere Vertreter dieser Gruppe sind P. x advena sowie P. purpurea.

Noch ein wichtiger Beitrag von Till Hofmann zum Schluss zur Gräserpflege. Sie unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der Staudenpflege, jedoch sind einige Besonderheiten zu beachten, die sich vor allem aus dem Wachstumsrhythmus der Gräser ergeben, siehe weiter oben. Zu beachten ist bei den C-3-Gräsern, als Beispiel diente wiederum Sesleria, dass kein bodenebener Rückschnitt erfolgt im Frühjahr, was eigentlich auf alle immergrünen Gräser zutrifft. Vermehren sollte man sie möglichst im September/Oktober und zwar dergestalt, dass einzelne Teilstücke abgerissen und etwas tiefer als die ursprüngliche Pflanze einzusetzen sind. Till Hofmann erläuterte weiterhin die im Hermannshof entwickelten 5 Pflegestufen, die aufeinander aufbauend eine Zunahme an Ordnung und Ästhetik nach sich ziehen. Es wurden weiterhin Tipps zum Umpflanzen von Großgräsern sowie zur Rückschnitttechnik gegeben. Ein weiteres Thema waren Gräser und Unkraut. Gräser können selbst zum Unkraut werden (starke Ausläuferbildung, starke Versamung). Erforderliche Gegenmaßnahmen wurden erläutert. Es wurde in diesem Zusammenhang eine spezielle Warnung vor Muehlenbergia mexikana ausgesprochen.

Nach einer kurzen Abschlussdiskussion erfolgte die Verabschiedung durch Jonas Reif, und damit war das überaus spannende, abwechslungs- und lehrreiche Seminar beendet.

Fazit: Für mich stellten diese 3 Tage eine ungeheure Bereicherung meines fachlichen Wissens über Gräser dar; es gab Dutzende von Anregungen für die eigene Verwendung. Hervorzuheben waren weiterhin die entspannte Athmosphäre und die Möglichkeit, in den Pausen mit den Referenten bzw. anderen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen. Das eröffnete mir nebenbei auch einen Blick auf die Probleme der professionellen Gartengestalter, die sich grundsätzlich von denen der Autodidakten bzw. gärtnerischen Laien unter den Pflanzenverwendern unterscheiden. Ich denke, dass ich nicht das letzte Mal in Grünberg gewesen bin, interessante Themen vorausgesetzt.

Aufgestellt: Elke Wagner/ im Februar 2016

Sesleria caerulea – die pure Konfusion

Sesleria caerulea ist ein Gras, das ganz sicher zum Standartsortiment der Staudenbetriebe gerechnet werden kann. Zumindest taucht der Name in den meisten Katalogen und Listen auf. Es ist kein spektakuläres Gras, wie etwa das Diamantährengras oder gar ein Chinaschilf. Und so existiert es in aller Bescheidenheit in den Sortimenten.

Im Handel ist unter dem Namen "S. caerulea" das Moor-Blaugras. Allerdings wird es mit deutschem Namen oft als "Kalk-Blaugras" bezeichnet u. die Standortempfehlungen sind die des Kalk-Blaugrases. Da besteht aber doch ein großer Unterschied:

Moor-Blaugras
nach Adler, Oswald, Fischer: feuchte bis nasse Wiesen, Flachmoore; vom Hügelland bis in die Bergstufe
nach Foggi/Nardi/Rossi: hauptsächlich auf feuchten Standorten, in Torfsümpfen, lichten Wäldern, selten auf steinigen Böden

Kalk-Blaugras
nach Oberdorfer: Selten aber gesellig in alpinen Steinrasen, in praealpinen Trocken- und Halbtrockenrasen, in lichten Kiefern- und Buchenwäldern auf +/- sommerwarmen, frischen, kalkreichen, neutral-milden, humosen, lockeren, flach- bis mittelgründigen, steinigen Lehmböden oder feinerdearmen Steinböden, auf Abwitterungs-Halden, bis 80 cm tief wurzelnde Pionierpflanze, Schuttstauer und Humusbildner, Licht-Halbschattpflanze, vom Hügelland bis ins Gebirge (Alpen bis 2560 m)
nach Foggi/Nardi/Rossi: hauptsächlich in trockenem, kalkreichen Grasland, selten auch in Kalk-Flachmooren (var. pseudouliginosa)

Weil das Moor-Blaugras eine große Standorttoleranz hat, verträgt es auch trockene Standorte. Aber: es verträgt eben auch "nasse Füsse". Allerdings ist es keine Uferstaude.

Sogar die Experten (Staudengärtner und Pflanzenverwender, u.a.) kennen oft nicht die Unterschiede zwischen dem Moor-Blaugras und dem Kalk-Blaugras. Auch in der Literatur finden sich daher falsche Angaben, so etwa in dem renommierten Buch von Hansen/ Stahl, „Die Stauden und ihre Lebensbereiche“ (4.Aufl.). Hier wird die Beschreibung beider Arten bei den Blättern vertauscht: vom Moor-Blaugras heißt es: „grüne, schwach bereifte, schmale, rinnige, lange Blätter“, vom Kalk-Blaugras hingegen: „derbe, oberseits bläulich bereifte, unterseits grüne, lineale, breite Blätter“. Richtig ist es genau umgekehrt. Da der „Hansen/Stahl“ ein anerkanntes Werk ist, könnte darin die Ursache liegen, dass viele deutsche Staudengärtner das „Sesleria caerulea des Handels“ - also das echte Moor-Blaugras - als Kalk-Blaugras bezeichnen, verbunden mit der Standortempfehlung: "für trockene Standorte".

In einem weiteren, sonst sehr guten Buch, der „Enzyklopädie der Gräser“ von Rick Darke (Ulmer Verlag Stuttgart 2010) geht es durcheinander. Er nennt das Kalk-Blaugras „S. caerulea“ mit dem Synonym „S.albicans“ und gibt die richtigen Standortbedingungen an. Die Beschreibung aber, wie auch die Bilder, sind die vom Moor-Blaugras. Möglicherweise wird in den USA letzteres unter dem Namen des ersteren kultiviert. Das Moor-Blaugras wird in der Kopfgras-Auflistung bei Darke gar nicht erwähnt.
Dabei lassen sich die beiden Arten ganz leicht voneinander unterscheiden, wenn man weiß, worauf es ankommt.

Moor- und Kalk-Blaugras – eine nomenklatorisches Drama
Wenn ich bislang vermieden habe, den beiden deutschen Namen Moor- bzw. Kalk-Blaugras botanische Namen zuzuorden, dann weil da ein echtes Problem vorliegt. Linné gab dem Moor-Blaugras einen Namen. Allerdings nannte er es „Cynosurus coeruleus“. In Schweden, auch in der Gegend von Upsala, kommt es sehr häufig vor. Da in Schweden das Kalk-Blaugras nicht heimisch ist, hatte Linné bei der Benennung sicherlich das Moor-Blaugras vor Augen, bzw. in Händen. Vom Hören-und sagen kannte er das Kalk-Blaugras. Damals meinte man, dass es sich um Standortformen einer Art handelt u. warf die beiden in einen Topf. Heute zweifelt keiner mehr daran, dass es sich um zwei "gute" Arten handelt. Mehrere Experten haben sich schon daran versucht, die richtigen Namen der beiden Arten zu belegen. Aber das wurde von anderen Experten nicht anerkannt.

Unter Berücksichtigung aller gesichteten Literatur ist die Untersuchung von Bruno Foggi, Enio Nardi und Graziano Rossi so schlüssig, dass es wohl doch nötig ist, eine Umbenennung vorzunehmen. Die Drei kommen zum Schluss, dass das Moor-Blaugras botanisch S. uliginosa Opiz, das Kalk-Blaugras S. caerulea (L.) Ard. genannt werden muss. Das jedoch ist vom Standpunkt der Gärtner und Pflanzenverwender die reinste Katastrophe. Denn mit Sicherheit ändern nicht alle Staudengärtner bzw. Staudenproduzenten ihren Bestand an Moor-Blaugras um und nennen es "S.uliginosa". Das Kalk-Blaugras wird nur von wenigen Betrieben angeboten - leider. Denn es ist ein sehr wertvolles Gras für trockene Standorte, besonders südgeneigte Böschungen. Wenn dieses dann als "S. caerulea" in den Listen steht, ist das Chaos perfekt. Wer ungesehen "S. caerulea" bestellt, darf gespannt sein, ob er das Moor- oder Kalk-Blaugras erhält.
Besser wäre es - aus gärtnerischer Sicht - das Kalk-Blaugras weiterhin "S. albicans" zu nennen. Das Moor-Blaugras könnte durchaus in "S. uliginosa" umbenannt werden. "uliginosa" heißt Sumpf u. somit gibt der Name einen Hinweis auf die Standortansprüche. Wenn der Name "S. caerulea" nicht mehr auftauchen würde – was unwahrscheinlich ist, da sich so manche Staudengärtner wenig um die richtige Benennung der Pflanzen kümmern -, wäre es nur von Vorteil.

Moor- und Kalk-Blaugras in der Verwendung
Noch einmal zurück zu den Standortansprüchen der beiden Arten und einige Empfehlungen zu deren Verwendung.
Wie schon geschrieben, verträgt das Moor-Blaugras Trockenheit wie Nässe. Es hat eine große Standortamplitude. Wie die eingangs genannten Beschreibungen der natürlichen Standorte zeigen, liegt die Präferenz jedoch im eher feuchten Bereich. Als ich dies vor Jahrzehnten schon erkannt hatte, pflanzte ich meine Exemplare um. Vorher wuchsen sie im trockenen, sandigen Boden des Gartens. Dann kamen sie in ein ca. 1,5 m² großes "Kalk-Flachmoor". Mittels einer Teichfolie, die mit Lehm - durchsetzt mit Kalksplitt u. –schotter in den oberen Schichten – aufgefüllt wurde. Im Winter und bei langen Regenperioden stand das Wasser bis zu 15 cm über der Bodenoberfläche – und das manchmal für Wochen. Das machte dem Moor-Blaugras überhaupt nichts aus. Einige der Staudennachbarn aus dieser Gemeinschaft: Carex davalliana, Epipactis palustris, Primula farinosa.

Die Fähigkeit zeitweilig sogar „nasse Füsse“ zu ertragen, sollte jedoch nicht dazu verleiten, das Gras als Uferstaude für Teiche zu empfehlen. Uferstauden sind etwas anderes; sie gehören zu ganz anderen Pflanzengesellschaften. Das Moor-Blaugras findet dort seinen Platz, wo auf (frischen bis) feuchten (bis nassen) Böden eine Staudengemeinschaft etabliert werden soll. Dies wird weniger eine klassische Staudenrabatte sein, sondern eher eine naturhafte Feuchtwiese. Zu Berücksichtigen ist jedoch, dass ein Individuum im Laufe der Jahre von Zentrum radial nach außen wächst, so dass die Mitte immer mehr leer wird. Damit dadurch keine Lücken entstehen, ist es gut, wenn es in der Pflanzung versamende Arten gibt, die entstehende Lücken wieder füllen.

Alleine oder zusammen mit anderen niedrigen Süß- und Sauergräsern kann das Moor-Blaugras eine „Decke“ unter den mittelhohen bis hohen Stauden bilden. Als Nachbarn denkbar sind: Sibirische Wieseniris (Iris sibirica), Blutweiderich (Lythrum), Mädesüß (Filipendula palmata, F. purpurea), Wiesenknopf (Sanguisorba), Bach-Nelkenwurz (Geum rivulare), Primeln (Primula denticulata, P. japonica, P. florindae, u.a.), Trollblumen (Trollius), Bachdistel (Cirsium rivulare ’Atropurpureum’), Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre), Schlangen-Knöterich (Bistorta officinalis ’Superba’), Jakobsleiter (Polemonium caeruleum). Natürlich gibt es für solche Standorte auch Zwiebel- und Knollenpflanzen: Schachbrettblume (Fritillaria meleagris), Sommertürchen (Leucojum aestivum), Dichter-Narzissen (Narcissus poeticus), Zwerg-Osterglocken (Narcissus lobularis = N. pseudonarcissus), Präriekerzen (Camassia), Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale), Sumpf-Gladiole (Gladiolus palustris) und einige andere.

Bedauerlich, dass das echte Kalk-Blaugras bislang fast nicht kultiviert wird. Nur wenige Staudenbetriebe bieten es an. Dabei ist es eine sehr wertvolle Art. Durch den kriechenden, aber trotzdem horstigen Wuchs ist es in der Lage loses Gestein in Splitt- und Schottergröße zu stauen und zu binden. Es eignet sich zur Dachbegrünung. Überhaupt passt es gut zu Steinen (bis Felsengröße). In der alpinen Stufe bildet es zusammen mit der immergrünen Horst-Segge (Carex sempervirens) den Blaugras-Horstseggenrasen. Das sind die arten- und blütenreichen Bergwiesen auf kalkreichen Böden. Blaugras u. Segge bilden einen sehr dicht verfilzenden Wurzelkörper, der sich wie eine schützende Haut über das Erdreich legt und so vor Erosion schützt. Trotzdem kann dieser verfilzte Wurzelkörper von anderen Pflanzen durchwachsen werden, beispielsweise von der Schneeheide. Mit ihr findet sich das Blaugras auch in den Schneeheide-Kiefernwäldern auf kalkreichen Südhängen oder kalkreichen Auen-Kiesböden. Die Schneeheide ist wohl in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Vielleicht liegt das auch an der früher oft monotonen Verwendung der Schneeheide: Heidepflanze dicht an dicht (eventuell verschiedene Sorten, auch buntlaubige), dazwischen vielleicht einmal eine Zwerg-Kiefer, das eine oder andere Gras und mitunter den einen oder anderen Findling. Wie viel attraktiver könnte die Schneeheide kombiniert werden, wenn wir uns die Natur als Vorbild nehmen. Eine ganze Menge Stauden, die auch in Halbtrockenrasen vorkommen, vertragen sich mit der Heide und erweitern die Blütezeit der Fläche über das ganze Jahr.

„Halbtrockenrasen“ ist das nächste Stichwort. Alle gartentauglichen und Gärtnerei-verfügbaren Stauden aus diesem Lebensraum – ebenso wie Arten der echten Trockenrasen – sind Nachbarn für das Kalk-Blaugras. Solche Pflanzengemeinschaften könnten beispielsweise auf Dächern entstehen, wenn die Vegetationsschicht mehr als 30 cm beträgt. Hermann Müssel schrieb: „In Gärten und landschaftlichen Pflanzungen kommt das Wesen des Kalk-Blaugrases allein im sonnigen Bereich in Verbindung mit Stein und Schotter zur Geltung. Als Charakterpflanze steiler Kalksteinfluren passt es so recht in den Lebensbereich Felssteppe, womit durch Gestein und Schotter unterlagerte und durchsetzte Flächen zu verstehen sind, die durch eine darauf abgestimmte Bepflanzung naturhaft belebt werden.“

Nun hoffe ich, dass vor allem auch die Staudengärtner und Pflanzenproduzenten sich diesen Beitrag zu Herzen nehmen und die falschen Angaben in den Katalogen und Listen korrigieren, dass sie aber auch bereit sind, sich mit der richtigen Benennung auseinanderzusetzen.

Klaus Kaiser, Coburg ( www.gartenkaiser.de )

Quellen:
• https://de.wikipedia.org/wiki/Blaugr%C3%A4ser
http://www.kew.org/data/grasses-db/www/gen00578.htm
• Janchen, Erich: Der korrekte Name des Kalk-Blaugrases (Wien, 15. Jan. 1964), Download unter http://www.biologiezentrum.at
• Foggi/Nardi/Rossi: Nomenclatural notes and typification in Sesleria Scop. (Poaceae)
• Oberdorfer, Erich: Pflanzensoziologische Exkursionsflora, 7. Aufl. 1994, Ulmer-Verlag Stuttgart
• Adler/Oswald/Fischer: Exkursionsflora von Österreich, 1994, Ulmer-Verlag Stuttgart
• Müssel, Hermann: Sesleria-Arten für naturnahe Gartenbereiche, Gartenpraxis Heft 2/1994, S. 24
• Foerster, Karl: Einzug der Gräser und Farne in die Gärten, Verlag Neuman-Neudamm, Melsungen, 4. Aufl. 1978

Staude des Jahres 2015

Carex muskingumensis, die Palmwedelsegge

Carex muskingumensis, die Palmwedelsegge ist in die Gräser- und Staudenpflanzung an vielen Orten prägend eingebunden
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Der Bund der Staudengärtner hat die Gattung Carex zur Staude des Jahres 2015 gewählt. Es erschien mir recht ungewöhnlich, dass ein Sauergras Staude des Jahres wird, ist aber per definitionem korrekt.

"Staude" ist eigentlich ein gärtnerischer Begriff, wird auch von Botanikern in Bestimmungsbüchern verwendet, ist aber ohne taxonomische Bedeutung.
"Stauden sind ...mehrjährige ausdauernde krautige Pflanzen,... deren oberirdische Pflanzenteile krautig weich sind und in der Regel nach jeder Vegetationsperiode absterben. ... Das Spektrum der Stauden reicht von kleinen Sukkulenten (fleischig-saftige Stauden, die sich besonders der Trockenheit angepasst haben, allerdings üblicherweise nicht als Stauden bezeichnet werden) bis hin zu großen Prachtstauden. Neben den eigentlichen „Blütenstauden“ zählen auch die meisten winterharten Farne sowie viele Gräser, Zwiebel- oder Knollenpflanzen und Wasserpflanzen zu den Stauden." (Wikipedia)

In unserem "Wassergarten am Sündenborn" haben wir mittlerweile im und am Wasser, aber auch in den Staudenpflanzungen eine ganze Reihe Carex- Arten- und Sorten gepflanzt. Besonderen Wert bei der Auswahl haben wir auf pflegerische Anspruchslosigkeit und Farbigkeit gelegt, gleichgültig, ob die Pflanzen im normalen besonnten Gartenteilen, im Halbschatten von Gehölzen oder im Wasser oder Sumpfbereich der Teiche angesiedelt wurden.

Arten, mit intensiver Ausläuferbildung wie Carex riparia, Carex gracilis, aber auch andere Sauergräser, wie Cladium mariscus wurden von vorn herein ausgeschlossen. Einmal angesiedelt, sind solche recht invasiven Sauergräser nur mit viel Aufwand wieder zu entfernen.

Carex pendula

Carex pendula
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Seggen für den Staudengarten
Schon seit einigen Jahren pflegen wir Carex grayi, die Morgensternsegge in unserem Garten. Den Namen erhielt die Art wegen der an Morgensterne, eine mittelalterliche Kriegswaffe erinnernden Blüten und Fruchtstände. Sie ist eine Art, mit breiter ökologischer Amplitude. Die aus dem östlichen Nordamerika stammende Art wächst in nahezu jedem nicht zu trockenen Gartenboden und steht auch mit den Wurzeln im Wasser des Kiesfilters unseres Schwimmteiches. Hier gedeiht sie gemeinsam mit den im Anschluss behandelten Carex muskingumensis und Carex pendula.
Carex grayi lässt sich wegen ihrer Anpassungsfähigkeit in den verschiedensten Gartensituationen verwenden und wird, trotzdem sie sich hin und wieder versamt, nie lästig.

Carex grayi Foto

Carex grayi
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Eine der unglaublich flexiblen Seggen, die sowohl in der prärieartigen Pflanzung, als auch am Gehölzrand, erstaunlicherweise auch im Wurzeldruckbereich einer großen Birke, die bekanntlich sehr viel Wasser absaugt, ebenso im Flachwasserbereich des Kiesfilters des Schwimmteiches gedeiht, ist die Palmwedelsegge Carex muskingumensis. Sie stammt aus dem zentralen bis östlichen Nordamerika und ist eine der essentiellen Präriepflanzen. Der aufrechte bis leicht überhängende Wuchs und die wechselständig über die gesamten Halme angeordneten Blätter führten zum Namen der Pflanze. Bei Starkregen drückt es vor allem die zu schattig stehenden Pflanzen zu Boden, so dass es angezeigt ist, sie mit kräftigeren Stauden seitlich zu stützen. Ansonsten ist die Art sehr standfest. Hin und wieder tauchen bei etwas freiem Boden Sämlinge auf, die aber kaum lästig werden. Von der Palmwedelsegge sind einige Sorten im Handel.

Carex umbrosa

Carex umbrosa
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Während die zuvor genannten Arten und Sorten sich nur wenig versamen, ist die Hängesegge Carex pendula ausgesprochen fertil. Sie verstreut sich in ihrer Umgebung sehr freigiebig. Die Blätter der Art werden bei nährstoffreichem Boden und ausreichend Feuchtigkeit schon mal über einen Meter lang. Aus einem gut zwei Quadratmeter messenden, älteren Horst erheben sich die, unbestritten attraktiven, bis zwei Meter lang werdenden Blütenstände. Eine wahrlich imposante Erscheinung. Die Art ist wintergrün, dörrt aber bei uns regelmäßig in den austrocknenden, eisigen Ostwinden winters zusammen. Das geschieht leider auch bei andern wintergrünen Stauden. Solch vertrockneter Blattschopf regeneriert nur zögerlich und es ist besser, vom reichlich aufgelaufenen Nachwuchs Jungpflanzen nachzuziehen. Nicht verhehlen möchte ich, dass der Gärtner, der die Pflanze dauerhaft pflegen möchte, einer gewissen Leidensfähigkeit bedarf...

Carex buchananii

Carex buchananii
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Aus Neuseeland kommen ausgesprochen attraktive, farbige Seggen in unsere Gärten. Nicht alle sind gleichermaßen sicher winterhart und frieren in besonders kalten Wintern aus. Wir lassen uns davon aber nicht weiter beeindrucken und ersetzen die wenigen Verluste umgehend wieder.
Schon seit einigen Jahren pflegen wir die Fuchsrote Segge Carex buchananii im Garten. Sie wird so um 60 Zentimeter hoch und besitzt eigentümlich spiralig gedrehte Spitzen der Halme. Basal fuchsrot austreibend wirken die Blattspitzen oft etwas ausgeblichen. Der elegante Aufbau der Pflanze und die kräftig leuchtende Farbe machen die "immergrüne" Art zu einem besonderen Kontrast in der Staudenpflanzung. Besonders gut wächst Carex buchananii in feucht griffigem Gartenboden, kann aber auch kurzzeitig Trockenphasen ertragen. Die meist niederliegenden Blütenstände der Fuchsroten Segge sind unauffällig und werden bis zu 80 Zentimeter lang. Die Art wird nicht zurückgeschitten. Im Frühjahr rauft man die abgeblühten Blütenstände aus dem Horst aus. Wir pflanzen fast alle Gräser in dekorativen Gruppen mit bis zu 10 Einzelpflanzen, wobei gerade Carex buchananii, rhythmisch als Einzelpflanze in grünlaubige Matrixpflanzungen eingestreut, eine besondere Wirkung entfaltet.

Carex comans 'Bronze Form'

Carex comans 'Bronze Form'
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Eine weitere farbige Segge mit feiner Belaubung ist Carex comans. Wir pflegen seit vielen Jahren die Sorte 'Bronze Form', auch als 'Bronze' im Handel. Die sehr schmalen, bronzefarbenen Blätter hängen weit bogig perückenartig über. Ebenso wie die vorgenannte Art bevorzugt sie frischen Gartenboden und ist ausgesprochen pflegeleicht. In größeren Gruppen mit mehr als fünf Exemplaren kommt diese Pflanze besonders zur Geltung. Beide versähen sich reichlich und ich bin mir nicht sicher, ob es, werden mehrere Arten der Neuseeland- Seggen auf engem Raum kultiviert, zu Hybridisierungen kommt. Nachwuchs der braunen Seggen entsteht reichlich und ich pflanze immer reichlich Sämlinge auf, um ausreichend Jungpflanzen vorrätig zu haben, weil diese schönen Sauergräser nicht sehr langlebig sind. Beide Arten sind aber nur sicher winterhart bis Winterhärtezone 7 (-17,8°C bis -12,3°C). Bei "Ostwetterlagen" sinken bei uns die Wintertemperaturen oft auch darunter. Wenige Zentimeter große Jungpflanzen haben jedoch erstaunlicherweise jeden Winter überstanden.

Carex testacea 'Pairie Fire'

Carex testacea 'Pairie Fire'
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Carex testacea, eine weitere bräunlich bis bronzefarbene Art aus Neuseeland verträgt dagegen etwas tiefere Temperaturen (WHZ 6). So ganz kann man sich darauf aber nicht verlassen, denn sie ist mir bereits in milderen Wintern ausgefallen. Da waren es wahrscheinlich die Nässe und ständig wechselnden Witterungsbedingungen. Eine besonders schöne Auslese ist die Sorte 'Prairie Fire'. Trockenheitsverträglich ist die obendrein. Zwei oder drei starke Sämlinge habe ich zum Herbst hin gefunden und werde mir eine größere Gruppe daraus aufbauen.

Carex siderosticta 'Banana Boat'

Carex siderosticta ' Banana Boat '
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Eigentlich bin ich kein Freund der panaschierten Pflanzen, da sie irgendwie nicht zu mir und in unseren Garten passen. Eine Ausnahme gestatte ich mir allerdings (u.a.) und das ist Carex siderosticta 'Banana Boat'. Leuchtend gelb mit auffällig grünem Rand gefiel sie mir sofort, als ich sie auf englischen Internetseiten gesehen hatte. Drei Jahre hab ich gebraucht, ehe ich sie bei der Gräserspezialistin Lianne Pot in De Wilp in den Niederlanden endlich bekommen habe.
Carex siderosticta 'Banana Boat' soll sicher in der Winterhärtezone 6 überdauern (-23,4°C bis -17,8°C). Halbschatten und ein immer etwas griffig feuchter Gartenboden reichen aus. Wenn sie doch mal ein wenig mehr Kälte abbekommt, sollen die erfrorenen, eigentlich wintergrünen Blätter willig wieder durchtreiben.

Carex montana

Carex montana
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Bleiben von den unendlich vielen gartenwürdigen Seggen noch drei niedrig bleibende, teils für Steinbeete, Felssteppen, aber auch Trockenmauern sowie schattenverträgliche Carex Arten, mit denen ich Erfahrung sammeln konnte.

Carex montana, die Bergsegge, ist eine sich schwach ausbreitende, polsterartig bis horstig wachsende Segge, die etwa 20 bis 25 Zentimeter hohe Halme treibt. Die Blütenstände, die je nach Witterung, ab März erscheinen, sind auffällig dunkel gefärbt. Die Art ist nahezu unverwüstlich. Hauptsache, sie steht sonnig auf etwas durchlässigem Boden. Unverzichtbar im Steinbeet, auch der Felssteppe hält die Art jahrzehntelang aus und bildet währenddessen wunderbar sattgrüne Polster aus.

Anders Carex plantaginea und Carex umbrosa. Beide Arten sind wintergrün und bei uns absolut winterhart (WHZ 4-5). Unverzichtbar in schattigen bis halbschattigen Lagen wachsen beide zuverlässig auch im Wurzeldruck von Gehölzen. Sollte längere Zeit Barfrost drohen, dann reichen ein paar Fichtenzweige zur Abdeckung.

Carex pseudocyperus

Seggen für Feuchtbiotope
Von den Seggen, die am und im Teich Verwendung finden können, will ich beispielgebend nur zwei Arten nennen, auf die ich keinesfalls mehr verzichten möchte.
Die Schein Zyperngras Segge, Carex pseudocyperus fühlt sich bei uns im Flachwasser des Uferbereichs am wohlsten. Sie wird so gegen 80 Zentimeter hoch und wächst willig, sowohl in voller Sonne als auch im Halbschatten. Sie ist in der Natur Bestandteil von Großseggenrieden und Röhrichtgesellschaften und fällt dort durch ihre grazil überhängenden walzlichen, weiblichen Blütenständen auf. Diese Infloreszenzen schmücken die Art bis in den Herbst. Eine unverzichtbare Art für den naturnahen Teich.

Carex elata 'Aurea'

Carex elata 'Aurea'
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Der englische Gärtner E.A. Bowles führte einen farbintensiven Findling der Steifsegge Carex elata in die gärtnerische Kultur ein und so wurde die Sorte lange Zeit und oftmals heute noch, ihm zu Ehren, als Carex elata 'Bowles Golden' gehandelt. Weithin leuchtend goldfarben treibt die Sorte aus und jedes Blatt ist zart hellrün gerandet. Der goldgelbe Gesamteindruck bleibt übers Jahr erhalten und nur im Schatten vergrünt die Sorte etwas. An zusagenden, etwas feuchteren bis nassen Standorten gedeiht die Schlanksegge hervorragend. Soll der farbige Eindruck noch verstärkt wirken, ist eine flächige Aufpflanzung von wenigstens fünf Einzelpflanzen vorteilhaft. Im Gegensatz zu manch anderen Seggen der heimischen Feuchtgebiete verbreitet sich Carex elata 'Aurea' nur sehr schwach, so dass jedes Jahr etwas größere Horste entstehen, sich aber kaum Ausläufer breit machen.

Carex elata 'Aurea'

Carex elata 'Aurea'
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Die heimische Carex elata ist eine Art der Verlandungszonen stehender Gewässer, kommt aber auch in langsam fließenden Bächen vor. Sie trägt, ihres mächtigen Wurzelstockes wegen, zur Verlandung der Gewässer bei und kann schon mal um die 120 cm Höhe erreichen. Die Blütezeit reicht von April bis Mai.
Wir haben Carex elata 'Aurea' seit langem und sind nach wie vor von ihr begeistert.

Text und Fotos Claus Gering