Über Farne

Die Sporenaussaat

Wie vermehre ich Farne aus Sporen?

aus "Buch der Freilandfarne" von Richard Maatsch 1980

Am besten geeignet ist Einheitserde ( Blumenerde aus dem Handel )mit einem pH-Wert von etwa 5,5.

Zunächst muss die Erde sterilisiert werden, um Pilzwachstum zu verhindern. Auch die Pflanzgefäße müssen keimfei gemacht werden. Nach eigener Erfahrung eignet sich dazu besonders gut eine Mikrowelle. (Anschließend muss sie sehr gut gelüftet werden !)

Nach dem Erhitzen muss die Erde wieder abkühlen. Die Sporen werden dann möglichst dünn gestreut, mit Wasser besprüht und sofort mit Klarsichtfolie o.ä. abgedeckt. Um auch hier ein Vermischen der Sporen zu verhindern, bitte jede Farnart einzeln bearbeiten !
Sehr gut eignen sich flache Weckgläser mit den Glasdeckeln als Aussaatgefäße.
Ein Verdunklen der Saatschalen z.B. durch Papier, hemmt die Keimung. Nur direktes Sonnenlicht ist zu vermeiden. Es soll möglichst kein Tropfwasser entstehen.
Die Keimung frischer Sporen beginnt bei den meisten Arten im allgemeinen sehr bald. Sie zeigt sich durch einen feinen smaragdgrünen Schimmer auf der Oberfläche.

Sobald die Prothallien entwickelt sind, ist, um die Befruchtung zu gewährleisten, dafür zu sorgen, dass ein feiner Wasserfilm sie umhüllt. Dazu wird täglich fein gesprüht.

Sollten die Prothallien zu dicht stehen, müssen sie pikiert werden. Auch wenn sich Algen- oder Moosbildung zeigt, muss pikiert werden.
Sonst wartet man bis sich kleine Farnpflanzen entwickelt haben.

Wir haben die Pflänzchen in Mini-Gewächshäusern weitergepflegt. Je nach Jahreszeit lässt man sie drinnen stehen oder stellt sie nach draußen. Direkte Sonne ist auf jeden Fall zu vermeiden.

Beim endgültigen Auspflanzen in den Garten ist darauf zu achten, dass die Pflanzen nicht verbrennen, also langsam an die Bedingungen im Garten gewöhnt werden.

Ich wünsche viel Erfolg. Sollten Sie noch Fragen haben, melden Sie sich bitte gern bei mir.

Wie vermehre ich Farne aus Sporen?

Die Vermehrung der Farne
aus dem" Buch der Freilandfarne " von Richard Maatsch 1980

Die Sporenernte

Bei Sortimentspflanzungen von Freilandfarnen besteht immer die Gefahr, dass Sporen durch den Wind auf die Wedel anderer Farne getragen werden, so dass, ohne es zunächst zu bemerken, Fremdsporen mit geerntet werden. Es ist daher zu empfehlen, die ersten reifen Wedel jeweils zu ernten, um Verunreinigungen durch Fremdsporen möglichst zu vermeiden. Die Sporangien an den unteren Wedeln sind früher reif als die an der Wedelspitze. Kurz vor der Reife stehende Sporangien reifen am geschnittenen Wedel nach.
Man kann die Wedel auch abspülen, um Fremdsporen zu vermeiden. Anschließend müssen die Wedel wieder getrocknet werden !

Die Sporen der verschiedenen Arten reifen sehr unterschiedlich. Als erste sind die Sporen der Osmunda ( Königsfarne) reif. Ab ca. Mitte Mai bis etwa Mitte Juni reifen die Sporen. Es ist besonders auf den Beginn der Reife zu achten. Die Sporen der Osmunda sind grün. Geerntet werden muss daher, wenn die Sporenwedel bräunlich-grün erscheinen. Die Sporen müssen sofort nach der Reife ausgesät werden, da die Keimfähigkeit schnell verloren geht.

Bei Adiantum pedatum und A. venustum reifen die Sporen erst Ende August - Anfang September. Die Sporen dieser beiden Arten werden nur an den ersten Wedeln gebildet. Wurden sie vom Spätfrost zerstört, fällt die Ernte aus.

Polystichum-Arten können ab ca. Ende Juni beerntet werden.
Cystopteris fragilis und Hypolepis beginnen ab Anfang Juli mit der Sporenreife, die meisten Dryopteris und Athyrium Ende August - Anfang September.

Die Sporenwedel sollten in Papiertüten ( Briefumschlägen) getrocknet werden. Nach einigen Tagen kann man sie "ausdreschen" durch leichtes Klopfen mit der Hand. Durch kühle Lagerung in Papiertütchen kann man die Sporen auch längere Zeit aufheben. Frische Sporen keimen jedoch am besten.

Klima in Hauptherkunftsgebieten

Das Klima in den Hauptherkunftsgebieten unserer Farne aber auch für alle anderen Pflanzen

von Rolf Thiemann

Auf Grund der Tatsache, dass Europa im Vergleich zu anderen gemäßigten Zonen der Erde relativ arm an Pflanzenarten ist, stammt ein Großteil der Farne, die wir in unseren Gärten kultivieren, aus anderen Erdteilen. In vielen Fällen kennen wir die Ansprüche der einzelnen Arten nicht genau und fahren daher bei deren Kultur im Garten wie ein Schiff im Nebel.

Glücklicherweise nehmen es viele Farne mit ihren Ansprüchen nicht so genau und wir könen uns ohne Probleme im Garten an ihnen erfreuen. Einige andere jedoch wollen hier bei uns nicht recht gedeihen ohne dass wir uns dies erklären können. Manchmal kann es daran liegen. dass diese Farne so extrem gut an das Klima ihrer Heimat angepasst sind, dass sie mit unserem Klima nicht zurecht kommen.

Die meisten unserer ausländischen Farne stammen aus dem östlichen und westlichen Nordamerika, Nordostasien, südlichstem Südamerika und Neuseeland.
Wir neigen zu der Annahme, dass diese wie Mitteleuropa in der gemäßigten Zone liegenden Gebiete der Welt auch ähnliches Klima haben. Ähnlich ist es schon, aber nicht gleich.

Die Unterschiede wollen wir uns im Folgenden näher ansehen. Die Erkenntnisse können für uns manchmal bei der Kultur der Farne im Garten hilfreich sein.

DEUTSCHLAND

Um besser vergleichen zu können, wollen wir uns zunächst unser eigenes Wettergeschehen vergegenwärtigen:
Die geografischen Verhältnisse bedingen, dass nahezu alle Luftmassen der Umgebung ungehindert nach Deutschland einströmen können. Lediglich der Einfluss direkt aus dem Süden ist wegen der Alpen stärker eingeschränkt und auf Süddeutschland begrenzt. Von West kommt typischerweise kühle, feuchte Luft (ozeanische Luftmassen)im Winter bei 0 bis +5 Grad und Regen bis feuchtem Schnee, im Sommer bei ca. + 16 Grad und Regen.
Von Nordwest bis Nord kommt polare Kaltluft mit Schauern bei ca. 0 bis - 4 Grad im Winter und 8 bis 12 Grad im Sommer.
Von Nordost bis Ost kommen trockene kontinentale Luftmassen , im Winter sehr kalt bis unter - 25 Grd, im Sommer warm.
Geraten die ozeanischen und kontinentalen Luftmassen aneinander und vermischen sich, hat dies katastrophale Niederschläge zur Folge.
Von Südwesten kommen feucht-warme subtropische Luftmassen zu uns, die im Winter auch mal + 12 Grad oder mehr erreichen können. Im Sommer ist diese Luft oft unerträglich schwül-heiß.
Von Südosten wird seltener Luft herangeführt, meist als warme Luft im Sommer.
Typisch für unser Wetter ist daher die große Vielfalt und Unregelmäßigkeit der Wettererscheinungen. Kontinentales und ozeanisches Wettergeschehen wechseln ständig einander ab.
Unser Klima ist daher nicht eindeutig ozeanisch, aber auch nicht kontinental. Im Schnitt ist es als Übergangsklima zu bezeichnen, allerdings noch mehr zum Seeklima tendierend - im Nordwesten mehr, im Süden und Osten weniger.
Seeklima ist durch milde Winter und relativ kühle Sommer ausgezeichnet, kontinentales Klima durch kalte Winter und warme Sommer.
Die langjährigen Durchschnittstemperaturen bei uns liegen in Tieflagen je nach Gegend zwischen -2 bis +2 Grad im Januar und + 16 bis + 19 Grad im Juli.
Zum Vergleich: Dublin im Seeklima hat + 5 Grad Januardurchschnitt und + 15 Grad im Juli. Kiew im gemäßigten kontinentalen Klima hat einen Januardurchschnitt von - 6 Grad und einen Julidurchschnitt von + 20 Grad.
Wladiwostok im Berich des starken Kontinentalklimas hat im Januar durchschnittlich - 12,5 Grad und im Sommer + 20 Grad.
Ein weiteres Kennzeichen unseres Klimas, das auch für ganz Europa gilt, ist die durch den Golfstrom bedingte extreme Nordverschiebung der Klimazonen. Sie ist die größte Klimaanomalie der Erde. Nirgendwo anders ist es auf gleichem Breitengrad im Winter so warm wie bei uns.
Zum Vergleich: Auf gleicher Höhe wie Oslo oder Stockholm beginnt in Grönland das Inlandeis und auf der Höhe von Berlin beginnt im Bereich der Hudson Bay in Kanada die Tundra.

Östliches Nordamerika

Das mit dem unseren in etwa vergleichbare Klimagebiet im Osten Nordamerikas reicht etwa von der Südgrenze Virginias nordwärts bis Boston (Massachusetts ) und westwärts bis Tennessee, zum Mississippi und bis Chicago. Unterschiede zu unserem Klima bestehen zum einen darin, dass das genannte Areal wesentlich weiter südlich liegt als Mitteleuropa. New York nahe der Nordgrenze des bezeichneten Gebietes liegt auf der Höhe von Rom.

Die dadurch bedingte größere Kraft der Sonne heizt das Land im Sommer stark auf, mit einem Wort: Das Gebiet vereint die Wärme Italiens mit der Nässe Deutschlands. Zum anderen ist die Hauptzugrichtung des Wettergeschehens von Südwest nach Nordost. Dies führt feucht-warme Luft in das Gebiet, die, wenn sie Tennessee und Virginia erreicht hat, bereits 1000 km über Land gezogen ist. Im Winter hat sie sich bereits abgekühlt. Von Norden her kann im Winter auch sehr kalte kontinentale Luft vordringen.
Das Klima ist daher im Osten Nordamerikas im Sommer feucht-heiß und im Winter je nach Lage ähnlich kühl oder auch kälter als bei uns.

Im Südosten der USA in der Natur vorkommende Farne, deren Verbreitung nicht über Alabama, Georgia und Süd-Carolina nordwärts hinausreicht, sind in der Regel bei uns n i c h t winterhart.
Die Anpassung an die extrem warmen Sommer hat dazu geführt, dass sich die Pflanzen im Frühjahr viel Zeit mit dem Austrieb lassen können. Während bei uns die Natur bereits im März erwacht, ist es den "Amerikanern" meist bis April zu ungemütlich.
Die Farne aus dem Gebiet gehören daher meist nicht zu den früh austreibenden und damit besonders spätfrostgefährdeten Arten.

Westliches Nordamerika

Dieses zweite große "Farnzentrum" winterharter Farne Nordamerikas erstreckt sich längs der Pazifik-Küste etwa vom nördlichen Oregon nordwestwärts bis zu den Aleuten. Über die gesamte Strecke zieht sich eine hohe Gebirgsbarriere längs der Küste dahin, die trockene, im Winter sehr kalte Festlandsluft aus dem Inneren des Kontinents im Osten von der Küste fernhält. Umgekehrt hält es die feuchte Seeluft vom Inland ab. Alle Niederschläge müssen sich an den Küstenbergen abregnen.
Das Gebiet ist daher durch ausgeprägtes Seeklima gekennzeichnet mit milden Wintern und teilweise extrem hohen Niederschlägen, vor allem im "Pfannenstiel" Alaskas. Dort fällt im Winter so viel Schnee, dass die Schneegrenze im Sommer teilweise nur 250 Höhenmeter über der Waldgrenze liegt. Zum Vergleich: In den Alpen beträgt die Höhendistanz zwischen Wald- und Schneegrenze rund 1000 Höhenmeter.

Im südlichen Bereich ( Oregon, Washington, südliches British Columbia ) gibt es direkt an der Meeresküste in tiefen Lagen jedoch nur wenig Schnee. Die Temperaturen liegen hier meist über Null. Die genannte Abschirmung durch die Gebirge sorgt auch dafür, dass hier nur geringe Fröste auftreten, in Oregon bis ca. - 7 Grad.
Nach Norden zu wird es allmählich kälter. Wegen des warmen Alaska-Stromes, der hier im Nordostpazifik eine ähnliche - wenn auch schwächere - Rolle spielt wie bei uns der Golfstrom, ist es aber auch noch an der Südküste von Alaska und auf den Aleuten vergleichsweise wintermild.
Die auftretenden Tiefstwerte sind denen bei uns in etwa vergleichbar. 100 km landeinwärts sieht es dagegen schon ganz anders aus: Temperaturen von - 45 Grad C können hier nicht nur vorkommen, sie treten auch regelmäßig und über längere Zeit auf.
Auch im Süden wird es im Hinterland recht kalt: Im östlichen Oregon können auch - 30 Grad C und darunter erreicht werden.
Die Sommertemperaturen ähneln denen in Mitteleuropa, ebenso ist auch die Niederschlagsverteilung.

Farne, die nur im Küstenbereich von Kalifornien und Oregon vorkommen und nicht wenigstens bis Washington vordringen, sind in der Regel nur ungenügend winterhart.

Südlichstes Südamerika

Was über das westliche Nordameriak ausgeführt wurde, gilt weitgehend auch für diesen Bereich und das im Rahmen dieses Aufsatzes nicht gesondert behandelte Neuseeland. Die Südwinter sind auf Meereshöhe mild. In Punta Arenas schwanken die Temperaturen überwiegend zwischen - 1 bis + 4 Grad C. Die tiefste dort gemessene Temperatur betrug - 16 Grad C. Im dortigen Sommer ( Januar ) liegt die langjährige Durchschnittstemperatur bei + 10 Grad C.
In Neuseeland ist es im Winter noch etwas wärmer: In Strandnähe direkt an der Küste der Südspitze der Südinsel liegt das langjährige Wintermittel bei + 5 Grad C, was in Europa dem Küstenbereich von Irland bis Westfrankreich entspricht.

Die Winterhärte von Farnen, die hier nicht in die Hochlagen der Gebirge steigen, ist gering. Typisch ist dies für die Gattung Blechnum, die in der Südhemisphäre ihre Hauptverbreitung hat.

Blechnum filiforme
die breiten Wedel sind steril, die schmalen fertil
als "erwachsene" Pflanze klettert sie in Bäume
(auch nicht winterhart - leider )
Foto © 2013 Dietrich Nittritz

Blechnum discolor
wächst bis in eine Höhe von 900 m überm Meer
(leider nicht winterhart)
Foto © 2013 Dietrich Nittritz

Ostasien

Dieses Paradies der winterharten Farne reicht vom Himalya und den Hochgebirgen im Südwesten Chinas nordwärts bis Ostsibirien und von Kamtschatka über Sachalin, Korea, Nord- und Mitteljapan bis zu den hohen Bergen Taiwans. Markantes klimatisches Kennzeichen dieses Bereiches ist das Monsunklima: Im Sommer erwärmt sich die asiatische Landmasse und damit auch die darüber befindliche Luft, die aufsteigt und damit von den tropischen Meeren neue, feuchte Luft ansaugt, die ebenfalls aufsteigt und dabei die gespeicherte Feuchtigkeit als Regen verliert (Sommermonsun)
Im Winter kehr sich dieser Vorgang um. Jetzt strömt die kalte trockene Festlandsluft dem Meer zu. Die Winter sind daher sehr trocken und die Sommer sehr nass. Teilweise fallen im Sommer unvorstellbare Regenmengen, im Osthimalaya (Assam) bis zu 12.000 mm.
Im Vergleich:Am Feldberg in Schwarzwald fallen durchschnittlich 1.900 mm, am Brocken im Harz 1.800 mm im Jahr.
Die ausgeprägte Wintertrockenheit ist auf den japanischen Inseln und Taiwan gemildert, da die Luft über dem Meer Feuchtigkeit aufnimmt bevor sie die Inseln erreicht.

Einige Farne Ostasiens haben sich diesen Klimaverhältnissen besonders gut angepasst, insbesondere die Angehörigen der Gattung Cyrtomium. Sie müssen im Winter unbedingt trocken stehen, wollen aber im Sommer gleichmäßige Feuchtigkeit haben. Beides - Winternässe und Trockenheit im Sommer - kann diese Farne umbringen.

Etwa nördlich des 40. Breitengrades (entspricht bei uns in Europa etwa der Linie Madrid - Mallorca - Sardinien) wird es im Winter sehr kalt. Es sind die Gebiete von Sachalin, Kamtschatka, Mandschurei und Japans Nordinsel Hokkaido. Weiter südlich wird es schnell milder. Die Winter in Korea und im Nordteil der japanischen Hauptinsel Honschu (Hondo) sind mit den unsrigen am ehesten vergleichbar. Weiter nach Süden werden Fröste in der Ebene schwächer und seltener. Tokio hat bereis ein Januarmittel von + 5 Grad C. Hier beginnt die Winterhärte grenzwertig zu werden.
Die japanische Insel Kyuschu ist bereits subtropisch. Was dort nur in der Ebene vorkommt, ist in der Regel bei uns nicht winterhart. Subtropisch ist auch der gesamte südchinesische Bereich ( Hunan, Yünnan, Zetschuan) und der Himalaya.

Alle bei uns im Freien kultivierbaren Farnarten (und natürlich auch alle anderen Pflanzen) aus diesen Gebieten stammen daher aus den dortigen Hochlagen. Als Faustregel kann gelten, dass Farne, die dort in Höhen über 3.000 m vorkommen, bei uns hart sind.
Man kann daher leider nicht nur aufgrund der Herkunft eines Farnes auf seine Härte schließen, sondern muss versuchen, auch Angaben über seine Höhenverbreitung zu bekommen.

Im Sommer wird es wegen der südlichen Breite auch in höheren Lagen recht warm. Der Osthimalaya liegt auf gleicher Höhe mit Florida und dem Persischen Golf. Viele ansonsten recht winterharte Farne lieben daher im Sommer etwas Wärme. Häufig treiben sie deswegen (und auch wegen der Anpassung an den meist erst im Juni einsetzenden Monsun) spät aus.
Bei anhaltend kaltem Sommerwetter wachsen sie bei uns im Schneckentempo und bleiben auch kleiner als in warmen Sommern.
Als typisch für dieses Verhalten sei hier Dryopteris sieboldii genannt.

Ähnliches gilt in abgeschwächter Form für Farne aus dem sommerwarmen Südosten der USA. Als Beispiel au diesem Raum sei hier Dryopteris ludoviciana genannt.
Überhaupt haben Nordostasien und das östliche Nordamerika klimatisch vieles gemeinsam: sehr warme, feuchte Sommer und kalte Winter. Nur die Winterfeuchtigkeit ist im Osten Nordamerikas höher.
Diese Gemeinsamkeiten führen zu dem Paradoxon, dass einige Farne in Ostasien und im östlichen Nordamerika vorkommen, nicht jedoch im dazwischen gelegenen (ozeanischen) pazifischen Nordamerika.
Ein Beispiel für diese Florengemeinschaft ist Onoclea sensibilis, der Perlfarn.

Plädoyer für eine "Arten(er)Findung" mit Augenmaß

von Wolfram Gaßner

Seit einigen Jahren beobachte ich mit Unbehagen, wie einige Pteridologen - die sich im übrigen sehr um die Erforschung der Farne verdient gemacht haben - in mancher Hinsicht zunehmend über das erklärte Ziel des Forschers hinausschießen , nämlich die natürliche Ordnung der Arten zu entschlüsseln und praxisnah darzulegen.

Es kommt mir etwas vor wie: Das Terrain ist tausendfach durchforstet und nahezu 'abgegrast' - da schaffe ich mir einfach 'Neuland' als Betätigungsfeld und Berechtigung meines Forscherdaseins. Und so werden dann von Botanikern der Löwenzahn, die Brombeere, der Rotschwingel und manche Weidenarten in teilweise Dutzende neue 'Arten' (oder 'Unterarten') aufgesplittet.

Eklatantestes Beispiel bei den heimischen Farnen ist Dryopteris affinis.
Der augenscheinliche Grund: Die Art ist apogam, alle Individuen sind identisch, es sei denn, es ereignet sich einmal eine Mutation, was selten vorkommt. Die Nachkommen dieser Mutante sind wiederum allesamt identisch. Dies hat zur Folge, dass die Art Dryopteris affinis aus einer Ansammlung von im Laufe von tausenden von Jahren und Generationen als überlebensfähig selektierter Klone besteht.

Der "Vorteil" für den "splittenden Farnforscher": Es gibt mehr oder weniger große einheitliche Populationen zu jedem Typ, die homogen sind und sich ohne Zwischenformen von anderen Populationen abgrenzen.

Dieser "Vorteil" entfällt bei sich sexuell fortpflanzenden Arten, weshalb auch niemand auf die Idee kommt, hier mit Splitting anzufangen, obwohl die Variabilität z.B. bei Polystichum aculeatum und setiferum mindestens ebenso groß ist wie bei D. affinis. Nimmt man die z.T. in der Natur gefundenen und weitergezüchteten Kultivare hinzu, so übertrifft deren Vielfalt diejenige von D. affinis sogar bei weitem, insbesondere, wenn man an Veränderungen wie beispielsweise die Brutbulbenbildung denkt, für die sicherlich eine ganze Reihe von Genen mutiert sein müssen!

Aber auch andere heimische Arten weisen eine hohe Variabilität bzw. optische Heterogenität auf, z.B. Athyrium filix-femina, Dryopteris dilatata und Polypodium interjectum. Ganz zu schweigen von Cystopteris fragilis.

Auch dass es von D. affinis verschiedene Ploidiestufen gibt, rechtfertigt keine Artenaufspaltung. Unterschiedliche Ploidiestufen sind von etlichen Farnen bekannt, bei denen glücklicherweise die Zugehörigkeit zu nur einer Art nicht bestritten wird. Es würde auch kein Mensch auf die Idee kommen, ein durch künstliche Chromosomenverdoppelung erzeugtes Individuum - wie es in der Pflanzenzüchtung nicht selten vorkommt - als neue Art zu beschreiben. Und das, obgleich damit sogar eine Grunddefinition des Artbegriffs bewusst außer Acht gelassen wird, nämlich die uneingeschränkte fertile, sexuelle Fortpflanzungsfähigkeit der Nachkommen (üblicherweise sind die triploiden Nachkommen einer Kreuzung aus diploid x tetraploid nämlich steril - und die Sterilität von Nachkommen ist wiederum ein Kriterium dafür, dass die Eltern nicht einer Art angehören).

Apropos Artdefinition:
Ein riesengroßes Defizit in der "splitting-Arbeit" und allgemein der Beschreibung neuer Arten ist: Es wird die Artdefinition nicht überprüft, weil es kompliziert ist, noch mehr bei Farnen und erst recht bei apogamen Arten.

Eine Art wird wie folgt definiert: Wenn die Nachkommen von zwei Individuen einer sich ähnelnden Gruppe von Lebewesen wieder den Eltern ähneln und sich wiederum bei Weitergabe der Fertilität mit beliebigen Individuen der Gruppe fortpflanzen können, dann gehören diese Individuen zu einer Art.

Bei (höheren) Tieren einschließlich de Menschen ist dieser Test noch vergleichsweise einfach. Man ,muss meist nur Männchen und Weibchen eine Zeitlang zusammensperren und irgendwann "passiert" es.
Ich habe jedoch noch nie von einem Farnforscher gehört oder gelesen, der einen entsprechenden Arttest zur Verifizierung seiner Vermutung durchgeführt hätte. Ein großes Manko ! Eine solche Überprüfung würde sicher die Artenzahl insbesondere der ostasiatischen Farne, von denen etliche apogam sind und die dem Farnsammler im eigenen Garten doch oftmals allzu ähnlich erscheinen, spürbar reduzieren.

Schaut man über den europäischen Tellerrand hinaus, wir die Sache mit D. affinis noch haariger. So geht diese Art über viele Zwischenstufen nahtlos in D. wallichiana über, wenn man von Mitteleuropa zum Himalaya wandert.

Noch schlimmer: Ich habe Typen von D. affinis aus den Alpen im Garten, die - würde ich sie in eine Mischpflanzung verschiedener Typen von D. wallichiana integrieren - kein Pteridologe sicher herausfinden könnte, würde ich ihnen verbieten, nach dem mehr oder weniger schwach ausgeprägten dunklen Fiederstielansatz zu schauen. (Übrigens habe ich auch schon D. affinis in der Wildnis gefunden, bei denen diese Pigmentierung praktisch nicht vorhanden war, jedenfalls nicht mehr als auch bei manchen D.wallichiana).

Ganz schlimm wird es, zieht man in die Betrachtung noch weitere apomiktische Arten aus dem D.wallichiana-Komplex hinzu, die z.T. D.affinis so ähnlich sehen, dass sie "hier im Wald kaum auffallen würden ", wie D. neorosthornii, redactopinnata, yigongensis oder xanthomelas. Diese Arten beinhalten alle ebenfalls die "Klon-Problematik"!
(Hierzu sei die vielleicht ein wenig polemische Bemerkung gestattet: Diese Arten ähneln sich untereinander erheblich mehr als viele Kulturpflanzen-Arten in sich, man denke nur an Tomaten, Bohnen, Äpfel oder gar Kohl).

Und schaut man über den Atlantik hinüber: D. pseudo-filix-mas aus Mexiko ist optisch zumindest makroskopisch identisch mit einem D.affinis-Typ aus dem Tessin, bis hin zur ausgeprägten Wintergrünheit. Bei mir im Garten unterscheiden sich beide nur darin, dass der Mexikaner 1 - 2 Monate länger noch einzelne Wedel nachschiebt - eindeutig eine lokale Anpassung an das mexikanische Klima und als Merkmal nicht einmal tauglich, um auch nur eine Varietät abzugrenzen!

Übrigens haben die großen Farnforscher schon vor 150 Jahren festgestellt, dass D. wallichiana erstaunlicherweise nicht nur in Asien, sondern auch in Mittelamerika vorkommt. Warum soll das denn nicht auch die "Schwesternart" D. affinis geschafft haben - die Distanz wäre sogar noch kürzer.

Noch ein Letztes:
Wünschenswert und hilfreich wäre es auch, gärtnerische Erfahrungen mit einzubeziehen. Manchmal werden zwei geographisch weit entfernte Arten sich sehr - zu? - ähnlich, wenn sie im Garten unter gleichen Standortbedingungen kultiviert werden.

Ein krasses Beispiel, von dem ich im übrigen selbst nicht weiß, was ich davon halten soll:
Ich habe Asplenium cuneifolium von absolut vertrauenswürdigen Spezialisten bekommen (und obendrein selbst identifiziert), einmal aus Sachsen, einmal aus Österreich. Im Garten wurden beide Herkünfte dem A. adiantum-nigrum sehr ähnlich, so wie auch aus Sporen gezogene Nachkommen dieser A. cuneifolium, die im Falle der sächsischen Herkunft vom gleichen Spezialisten "eindeutig" als A.adiantum-nigrum identifiziert wurden (was ich im übrigen nachvollziehen konnte).

Die österreichische Herkunft war ebenfalls nicht mehr von einem schlanken Typen von A. adiantum-nigrum zu unterscheiden. Die gleiche Erfahrung machte eine Farnsammlerin aus Mittteldeutschland.
Die vielzitierte Wintergrünheit von A, adiantum-nigrum versus Sommergrünheit bei A. cuneifolium taugt als diagnostisches Merkmal überhaupt nichts. Sie ist lediglich abhängig von der Länge und Strenge des Winters - und die sind nun mal im Verbreitungsgebiet von A. cuneifolium ausgeprägter. In milden norddeutschen Wintern und vor allem im Frühbeetkasten ist A. cuneifolium genauso gut wintergrün wie A. adiantum-nigrum!
Eindeutige Unterschiede betreffen die Winterhärte und Winternässeempfindlichkeit - ein gängiges Phänomen im Vergleich einer ozeanischen und einer kontinentalen Art.

Mein Appell an alle "splittingversessenen" Pteridologen:
Bitte haltet Euch zurück und rudert zurück!
Verkompliziert nicht einen natürlichen Sachverhalt und - ganz wichtig - erstellt nicht eine falsche Darstellung eines natürlichen Bildes!

Wenn Ihr neue Taxa von apomiktischen Arten wie D. affinis ausweisen wollt, dann macht es als "Forma" oder "Varietas" in ganz wenigen 'gravierenden' Fällen als "Subspecies" - doch nieals als neue Art ("Species"), wenn nicht im mindesten die Artdefinition (s.o.) gewissenhaft und belastbar überprüft wurde!

Und nicht zuletzt: Hinterfragt die Sinnhaftigkeit dessen, jeden Klon erfassen und benamen zu wollen, denn darauf liefe es schlussendlich hinaus.

Die Vielfalt der Farne

Um einmal zu zeigen wie vielfältig das Aussehen von Farnen ist, sind hier verschiedene Wedelformen und -größen zu sehen.

Um einmal zu zeigen wie vielfältig das Aussehen von Farnen ist, sind hier verschiedene Wedelformen und -größen zu sehen.
Um einmal zu zeigen wie vielfältig das Aussehen von Farnen ist, sind hier verschiedene Wedelformen und -größen zu sehen.
Adiantum pedatum ca. 30 cm hoch Foto © 2016 Sabine Nittritz
Adiantum pedatum ca. 30 cm hoch Foto © 2016 Sabine Nittritz
Araiostegia spec. Foto © 2016 Sabine Nittritz
Araiostegia spec. Foto © 2016 Sabine Nittritz
Pellaea falcata Australien Foto © 2016 Sabine Nittritz
Pellaea falcata Australien Foto © 2016 Sabine Nittritz
Angiopteris evecta Tropisches Australien Wedel werden bis zu 8 m lang Foto © 2016 Sabine Nittritz
Angiopteris evecta Tropisches Australien Wedel werden bis zu 8 m lang Foto © 2016 Sabine Nittritz