Literatur

Unter dieser Rubrik finden Sie alle Artikel, die von Mitgliedern der Fachgruppe Hosta geschrieben und teilweise auch im "Staudengarten" veröffentlicht wurden. Die dort veröffentlichten Artikel werden jeweils nach der Auslieferung der entsprechenden Ausgabe hier eingestellt.

Wenn Sie Artikel zu Hostathemen veröffentlichen möchten oder Ideen zu solchen Themen haben, setzen Sie sich gern mit der Fachgruppenleitung in Verbindung.

Vielen Dank!

Hosta-Literatur - eine Übersicht

Hostaliteratur - eine Übersicht
von Arthur Wiesmet initialisiert

Arthur Wiesmet hat seine Literaturliste mit Anmerkungen und persönlichen Empfehlungen zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Diese Liste finden Sie im Anschluß. Alle Hosta-Liebhaber sind aufgefordert, ggf. eigene Anmerkungen, Bewertungen und Ergänzungen mir zukommen zu lassen. Diese können dann mit eingearbeitet werden.

Ferner möchte ich hier auf eine Seite der BHHS verweisen, die sich ebenfalls mit Hostaliteratur beschäftigt: http://www.hostahem.org.uk/FAQS/books

Nachtrag: Ich habe - sofern gefunden - Verweise auf die Open Library eingebunden; dort finden Sie dann zumeist die ISBN und können sich dort auch anzeigen lassen, wo ggf. in Ihrere Nähe das Buch zu entleihen ist. Man kann dort auch selbst aktiv werden, um die dort vorhandenen Angaben selbst zu vervollständigen.
Thomas Hülsmann

 

"Hosta", Dr. hc. Fritz Köhlein, Ulmer Stuttgart, 1993, deutsch.
A. Wiesmet: In Deutschland hat einzig Dr.hc. Fritz Köhlein sich intensiv mit Hosta befasst. Sein kleines Buch „Hosta“ ist, auch wenn es seit 1993 nicht mehr aktualisiert wurde, ein Grundlagenwerk, befasst es sich doch mit der Entstehung, Geschichte und Verbreitung bis hin zu Kultur, Floristik und Verwendung mit der ganzen Bandbreite der Pflanzengattung Hosta. Ob nomenklatorisch (Einteilung der Arten) alles korrekt und aktuell ist, spielt für den Hostafreund kaum eine Rolle.
Persönliche Empfehlung: Ein Muss.
OpenLibrary: http://openlibrary.org/works/OL9019212W/Hosta._%28_Funkien%29

"Hosta", Sandra Bond,1992, englisch
A. Wiesmet: Ein kleines Buch aus dem Englischen. Verwendung und Planung stehen im Vordergrund, Sorten sind wenige beschrieben, nur einige Bilder.
Persönliche Empfehlung: Für Anfänger als Einstieg.
OpenLibrary: http://openlibrary.org/works/OL3088386W/Hostas
s.a. OpenLibrary: http://openlibrary.org/works/OL3088385W/Hostas_%28Foliage_Plants_in_Garden_Design%29

"The Hosta Book", Paul Aden, Timber Press, 1988, 1990, englisch
A. Wiesmet: Kleines Buch, ein Klassiker. Viele Grundlagen, eher wenige Sortenbeschreibungen.
Persönliche Empfehlung: Gut
OpenLibrary: http://openlibrary.org/books/OL16690457M/The_hosta_book
s.a. OpenLibrary: http://openlibrary.org/books/OL8176084M/Hosta_Book

"Hostas", Andrew Mikolajski, 1997, 2001, 64 Seiten, englisch
A. Wiesmet: Kleines englisches Büchlein. Viele gute Fotos. Brauchbares für Anfänger.
Persönliche Empfehlung: Ganz gut.
OpenLibrary: http://openlibrary.org/works/OL8309202W/Hostas_%28The_New_Plant_Library%29

"Hostas", Rosemarie Barrett, David Bateman Ltd., 2004, 143 Seiten, 200 Fotos, englisch
OpenLibrary: http://openlibrary.org/works/OL5785828W/Hostas

"Hostas", Diana Grenfell , Royal Horticultural Society, 2003, 2008 englisch
A. Wiesmet: Ausgaben mit gleichem Inhalt, aber anderem Cover. Kleines Handbuch.
Persönliche Empfehlung: Zum Anregen.
OpenLibrary: http://openlibrary.org/works/OL1884274W/Hostas

"Hosta – The Aristocratic Plant for Shady Gardens" Eunice Fisher Book, 1969, 1973 und 1979

"Hosta – The Flowering Foliage Plant", Diana Grenfell, Timber Press, 1990, englisch
OpenLibrary:

"Hostas and other shade-loving plants", Richard Bird und David Traum, 1999, englisch
A. Wiesmet: Schmales Buch mit wenigen Hosta.
Persönliche Empfehlung: Entbehrlich.

"Les Hostas", Jane Philips und Michael Shadrack, 2006, französisch
A. Wiesmet: Schmales Buch mit relativ vielen Sortenbeschreibungen.
Persönliche Empfehlung: Zu kleine Bilder, entbehrlich.

"Les Hostas", Rèjean Milette, 2003 im Eigenverlag, 350 Seiten, ca. DIN A5, französisch
A. Wiesmet: Viele Sortenbeschreibungen mit vielen, aber kleinen Bildern. Symbole zur Einteilung. Persönliche Empfehlung: Kompakt im Text, gut.

"Les Hostas - the Universe of Hostas", Rejean Milette, Paperback, Februar 2003, 352 Seiten, 721 g, französisch

"Hostas The complete Guide", Rosemary Barrett, 2004, englisch
A. Wiesmet: Persönliche Empfehlung: Kaum Sortenbeschreibungen, fast nur Verwendung, Gestaltung. Zum Reinschnuppern.

"The Color Enzyklopedia of Hostas", Grenfell und Shadrack, Timber Press, 2004, großformatig, englisch
Neuauflage: "The New Enzyklopedia of Hostas", Diana Grenfell and Michael Shadrack, Timber Press, 2009, 472 Seiten, 849 farbige Fotos, englisch
A. Wiesmet: Sehr viele Sortenbeschreibungen mit sehr vielen Bildern. Typ Foto-Lexikon.
Persönliche Empfehlung: Ein Muss.
OpenLibrary: http://openlibrary.org/works/OL1884276W/The_new_encyclopedia_of_hostas

"The book of little hostas - 200 mini, small, and very small varieties for your garden" 1st ed., Diana Grenfell, Kathy Guest Shadrack and Michael Shadrack ; consultant editor, Diana Grenfell, Published 2010 by Timber Press in Portland, Or englisch
OpenLibrary: http://openlibrary.org/works/OL15632619W/The_book_of_little_hostas

"The Hosta Handbook", Mark Zilles, 2000. Handbuch mit Spiralbindung, englisch
A. Wiesmet: Grundlagenwerk der Sortenbeschreibungen. Nicht mehr verfügbar, deswegen lange überteuert. Soll schön handlich sein. Nicht persönlich gesichtet.

"The Hostapedia", Mark Zilles, 2009, 1125 Seiten, mit 3,5 kg ein schwerer „Brocken“, englisch
A. Wiesmet: Wissenschaftliches Werk zur Sortenkunde. Beschreibung von fast 7.000 Sorten nach den Richtlinien der AHS, Angaben zu Züchtern Eltern, ähnlichen Sorten, signifikanten Sports und Sämlingen, fast alle mit Abbildung.
Persönliche Empfehlung: Für Fachleute zur Vervollständigung. Durch das große Format und das hohe Gewicht leider äußerst unhandlich.

"The Genus Hosta", Wolfram Georg Schmid, Timber Press,1991, DIN A4, 430 Seiten, englisch
A. Wiesmet: Wissenschaftliches Grundlagenwerk, mit teilweiser botanischer Neuordnung der Gattung. Viele Arten- und Sortenbeschreibungen, kaum Fotos, wenige Skizzen.
Persönliche Empfehlung: Für den tieferen Einstieg, wissenschaftlich. Immer wieder günstig antiquarisch zu haben.

"The Book of Little Hostas – 200 Small, Very Small, and Mini Varieties", Kathy Guest Shadrack and Michael Shadrack, Timerpress, 2010, englisch
A. Wiesmet: Persönliche Empfehlung: Für Liebhaber der zwergigen Hosta. Schöne Fotos, gut.

"Timber Press Pocket Guide to Hostas", Diana Grenfell and Michael Shadrack, Timberpress, 2007, 212 Seiten,298 farbige Fotos, englisch
OpenLibrary: http://openlibrary.org/works/OL1884277W/Timber_Press_pocket_guide_to_hostas

"The Gardener‘s Guide to Chronik Hostas", Diana Grenfell, Timber Press, 1996, englisch
?? OpenLibrary: http://openlibrary.org/works/OL1884275W/Hostas ??

"An Essential Guide", Richard Ford – Ein praktisches Buch über Wachsen und Gedeihen von Hostas. ISBN 978-1-84797-218-7

"Shadows and Light: A Year of Hostas", 2016, Robert Zimmer, 198 Seiten, engl., ISBN 978-151 9640994

 

Hosta-Potrait

Funkien, auch Herzblattlilien (Hosta) genannt, sind perfekte Stauden für schattige Plätze.

Die Gattung Hosta gehört in die Familie der Spargelartigen (Asparagaceae). Das Verbreitungsgebiet liegt im Fernen Osten, die meisten Arten kommen aus Japan und den angrenzenden Regionen, einige wenige kommen auch in China, Korea und Russland vor. Der Gattungsname ist dem österreichischen Botaniker Thomas Host (1761–1834) gewidmet.

Funkien haben ausdauernde, horizontal wachsende, kurze und meist verzweigte Rhizome, manchmal bilden sich auch Ausläufer. Durch die eng beieinander stehenden Triebknospen, aus denen im Frühjahr die grundständigen, spiralig angeordneten Laubblätter erscheinen, ist der Wuchs sehr kompakt und horstförmig.

Der traubige Blütenstand erscheint meist im Juni bis Juli und trägt weiße, blaue, rosafarbene oder violette röhrige oder glockige Blüten sitzen. Je nach Standort variieren die Blüten in ihrer Intensität: ist kühler, werden die Farben dunkler, an warmen Standorten heller.

Hosta im Garten
Aus den etwa 40 bis 45 Arten sind im Laufe der Zeit durch gärtnerische Kreuzungen, Auslese und Spontanmutationen (Sports) schätzungsweise über 7500 unterschiedliche Hybriden, Cultivare und Sorten entstanden. Hosta sind die Blattschmuckstauden schlechthin, keine andere Pflanzengruppe hat vergleichbar vielfältige Blattformen und -zeichnungen. Aber auch die Blüten sind eine attraktive Bereicherung von Schattenbeeten, es gibt auch duftende Sorten. Diese haben immer weiße Blüten. Diese benötigen mehr Wärme und in kühlerem Klima mehr Sonne als nicht-duftende Funkien.

Der ideale Standort ist im Schatten oder Halbschatten, wobei speziell die grünblättrigen Formen auch in voller Sonne wachsen können, vorausgesetzt der Boden ist feucht genug. Aber auch diese Sorten zeigen nach mehrtägiger Hitze mit voller Sonneneinstrahlung Schäden an den Blatträndern. Sorten mit hellem Blattzentrum sollten nur etwas direktes Sonnenlicht bekommen, denn sie verbrennen in voller Sonne sehr schnell. Als Grundregel gilt: Je mehr Zeichnung die Blätter aufweisen, desto weniger sonnenverträglich sind diese Sorten. Hosta pflanzt man daher gern an Standorte, die im Frühjahr mehr Sonneneinstrahlung haben und im Sommer eher beschattet sind. Von daher sind z.B. Laubbäume als Schattenspender ideal.

Hosta sind eine Lieblingsspeise für Schnecken aller Art. Daher sollten unbedingt prophylaktische Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

„Ein Standort mit Morgensonne und Schatten am Nachmittag bewirkt, dass Funkien eine wesentlich ausgeprägtere Blattzeichnung zeigen.“
 

Empfehlenswerte Sorten

Sorte Wuchshöhe in cm Beschreibung
Cho Cho Train 55–60 Blätter herzförmig, goldgelb, von dicker Substanz, Rand eng gerüscht. Blüten fast weiß
Deep Blue Sea 25-30 Blätter herzförmig bis rund, tief blaugrün. Eine der besten blauen Selektionen. Ältere Pflanzen zeigen eine ausgeprägte Hämmerung der Blätter. Blüte fast weiß
Fire and Ice 40-45 Blätter reinweiß mit einem dunkelgrünen Rand. Blüte lavendel
Fireworks 25-35 Blätter länglich aufrecht, fast weiß mit grünem Rand. Blüte lavendelfarben
Francee 50-60 Blätter herzförmig, dunkelgrün mit scharf abgesetztem weißem Rand. Blüte lavendelfarben
Frosted Mouse 10 sehr kleine Sorte mit festen Blättern
Ground Master 15-20 Blätter grün mit cremegelbem Rand. Blüte lavendelfarben
Ground Sulphur 15-20 Blätter schwefelgelb, besonders bei sonnigerem Stand, Blüte purpurn
Guardian Angel 55–60 Blätter hell graugrün mit einem breiten blaugrünen Rand. Bei älteren Blätter wird die helle Mitte dunkler. Blüte weißlich
Gypsy Rose 55 Blätter schmal und mattgrün, im Zerntrum gelbweiß, am Rand blaugrün, Unterseite bereift. Blüte lavendelfarben
Halcyon 40-50 Blätter herzförmig, blau mit prominenten Blattrippen. Blüte weiß bis blasslila
Island Charm 17-20 Blätter oval, weiß, mit breitem grünen Rand. Blattstiele und Samenkapseln rosa, Blüte lavendel mit dunkleren Streifen
Medusa 15-40 Blätter cremefarben, Rand grün, gewellt, schmal lanzettlich. Blüte hellviolett
Minuteman 50-55 Blätter dunkelgrün mit einem sehr ausdrucksvollen rein weißen Rand. Blüte lavendelfarben
Orange Marmelade 45-60 Blätter gelb, blaugrün gerandet, oben und unten bemehlt, Rand gewellt, oval bis herzförmig, Blattmitte beim Austrieb sofort gelb. Blüte hell lavendelfarben
Paul’s Glory 45-50 Blätter anfangs bläulichgrün, zur Sommermitte dann hellgelb mit einem blaugrünen Rand. Blüte lavendelfarben
Pizzazz 70-90 Blätter herzförmig, blau mit gewelltem cremeweißem Rand. Blüte fast weiß
Praying Hands 30-35 Blätter straff aufrecht, grün mit einem weißen schmalen Rändchen. Das ganze Blatt ist mit seinen gewellten Rändern zusammengerollt. Gleichzeitig zeigen sich auffälligen Blattnerven der Rückseite. Blüte lavendelfarben
Queen of the Seas 60-90 Blätter blau-grün und am Rand gewellt. Je heller sie steht, desto grüner werden die Blätter. Blüte hell lavendelfarben
Remember Me 30-35 Blätter herzförmig, cremeweiß mit einem bläulich grünen Rand, behält die helle Mitte auch im Schatten Blüte hell lavendelfarben
Revolution 40-50 Blätter oval, cremeweiß mit grünen Flecken und Strichen, eingerahmt durch einen dunkelgrünen Rand. Blüte hell lavendelfarben
Saint Paul 45-50 Blätter dick, herzförmig, goldgelb mit einem breiten blaugrünen Rand. Blüte blass lavendelfarben
Sitting Pretty 10 Blätter gelb mit grünem Rand. Blüte purpurn gestreift
Striptease 45-50 Blätter herzförmig, seidig glänzend, dunkelgrün. Am Übergang der beiden Farbbereiche zeigt sich ein schmaler weißer Streifen. Blüte blass violett
Sultana 25-30 Blätter dunkelgrün, breiter Rand chartreuse-gelb, gewellt, herzförmig. Blüte weiß
Tokudama 30-40 Blätter mit blaugrünem, unregelmäßigen Rand mit grüngelber bis goldfarbener Mitte, von blaugrünen Streifen durchzogen. Blüte fast weiß
White Christmas 25-30 Blätter oval, weiß mit einem grünen unregelmäßigen Rand, in sich gewellt und gedreht. Blüte lavendelfarben

aus:
Stauden im Garten, S.70f
Gesellschaft der Staudenfreunde (Hrg.). Bettina Rehm-Wolters ; Markus Zeiler
München : Callwey 2011
ISBN: 978-3-7667-1866-2
http://d-nb.info/100865504X bei der Deutschen Nationalbibliothek

 

Prof. Dr. agr. h.c. Karl Foerster - ein deutscher Hosta-Züchter?

Text und Fotos: Harald Berger

Karl Foerster (K.F.) haben wir, die FG Hosta, als Züchter von Hosta in der Liste der deutschen Hosta-Züchter nicht aufgeführt, obwohl er im Internet und anderen Publikationen – ohne Quellenangabe – immer wieder als solcher genannt wird (für H. ‘Semperaurea’, Dauergoldfunkie).

Tatsächlich hat das Ehepaar J.&P. Ruh bei der AHS diese Registrierung vorgenommen: H. 'Semperaurea' Japan/Karl Foerster/Pete & Jean Ruh 2003.

Hugo Philips www.myhostas.be schreibt:
=sieboldiana 'Semperaurea'. (Also 'Semper Aurea'.)
Introduced from Japan by Karl Foerster before 1940.
Produces yellow seedlings.
This is a very important plant historically, as it was the first known lutescent gold hosta, and possibly the first gold hosta of any kind. It travelled from Japan to Germany before H.'Frances Williams' was discovered. It's a gold sieboldiana type that still makes a pretty good showing in the garden. Own a piece of hosta history! Not very common, despite its age, because few examples have made it over from Germany, where its been hiding all these years.

Die AHS unterscheidet bei der Registrierung zwischen Originator (O), Nominant(namer) (N), Introducer (I) und Name of Registrant (R). – Japan (O) ist sicher nicht ganz falsch, es könnte aber auch eine Hybride sein, die in Europa ausgelesen wurde oder ein Sport. Die Einführung, also die erste Einführung (first introduced for sale), ist ebenso unsicher. Zweifelsfrei hat K.F. diese 1959/60 in seinen Katalog aufgenommen, aber unter dem Namen „ Hosta japonica (lancifolia) semperaurea, die Dauergoldfunkie“. Woher K.F. diese Sorte erhalten hat, kann nicht mehr festgestellt werden. Ebenso wird die Elternschaft (parantage) unbekannt bleiben. Besser wäre der Eintrag: H. 'Semperaurea' Japan ? (O) / unbekannt (NI) / Pete & Jean Ruh 2003 (R).
Ob jemals die Herkunft und Elternschaft der Hosta sieboldiana ‘Semperaurea’ geklärt werden kann, bleibt ungewiss. Gleiches gilt für die Namensgebung und den wirklichen ,Introducer‘.

K.F. hat die Gattung Hosta in seine Überlegungen zur Gestaltung und Kombination mit anderen Pflanzen einbezogen („Harfe und Pauke“), aber es ist richtig, dass er nie Hosta gezüchtet hat.

Das wurde von Wolfgang Härtel von den Foerster-Stauden/Bornim bestätigt: „Diese Auslese H. 'Semperaurea' geistert schon viele Jahre als Foerster-Züchtung durch das Internet. Ich kann Ihnen nach unseren Unterlagen dazu nur folgendes sagen: Karl Foerster schreibt in seinem Betriebskatalog 1959/1960 erstmals von einer "Hosta japonica (lancifolia) semperaurea, die Dauergoldfunkie", aber ohne sein Namenskürzel und unter der Rubrik Neueinführungen (nicht Neuzüchtungen). Er kündigt an, dass diese Sorte ab 1960 zur Verfügung steht. In allen seinen späteren Katalogen taucht die 'Semperaurea' nicht wieder auf. Nach Rücksprache mit unserem langjährigen Produktionsleiter ist sie in Bornim auch nicht in Kultur gewesen. Ich selbst bin seit 40 Jahren hier und kenne diese Auslese auch nicht.

In einigen Quellen steht auch, dass er die Pflanzen 1940 aus Japan mitgebracht hat, er war aber nie in Japan und bis zur ersten Veröffentlichung in seinem Katalog lägen dann immerhin unlogische 20 Jahre. Weder Heinrich Hagemann noch Marie-Luise Kräuter ordnen Karl Foerster in dem Heft der Karl-Foerster-Stiftung "Karl Foerster-Züchtungen und Gedanken für die Zukunft" diese 'Semperaurea' seinen Neuzüchtungen oder Neueinführungen zu.

Warum im Jahr 2003 ein Ehepaar P. + J. Ruh diese in Verbindung mit Karl Foerster angemeldet haben, ist für mich nicht nachvollziehbar. Es gibt aber auch diese Variante: Züchter: Heinz Klose/P. & J. Ruh 2003.
Alles sehr unklar. " (Text Wolfgang Härtel, März 2014).

Fritz Köhlein schreibt auf Anfrage im März 2014: „Karl Foerster hat große Verdienste, diese Gattung populär gemacht zu haben. Puristen mögen die Nase rümpfen, aber zu der damaligen Zeit haben seine einprägsamen deutschen Namen für eine weite Verbreitung der Sorten geführt. Ich besitze den letzten Bornimer Katalog, den Karl Foerster noch gestaltet hat (1964/66). Dort hat er in der Abteilung Gold-Funkien folgende aufgeführt: Frühlings-Goldfunkie, Goldrand-Funkie, Grünrandfunkie und Dauergoldfunkie. Diese Sorten sind unter dem Aspekt der geringen Anzahl von Sorten der damaligen Zeit zu sehen und unter der heutigen Sortenflut. Obwohl in diesem Katalog 16 Seiten Bornimer Neuheiten aufgeführt sind, sind bei den Hosta keine Vermerke zu finden“.

Hosta sieboldiana ‘Semperaurea’ scheint nur in Europa bekannt zu sein. Von den zwischen 1969 bis 2012 bei der AHS registrierten Sorten hat nur H. ‘Kasseler Gold’ (Heinz Klose 1989 (ONI) / P.&J. Ruh (R) 2003) die H. ‘Semperaurea’ als Basis.

H. ‘Semperaurea’ treibt gelbgrün aus und wird im Laufe der Vegetationsperiode immer gelber. Die Größe des Stocks wird mit 60–80 cm angegeben, die Blattgröße beträgt 40 x 25 cm, die Anzahl der Venenpaare 11–17, die Blütenfarbe ist hell-violett. Eine Abbildung von Carol Brashear, die die Farbänderung gut zeigt, kann man in der Hosta-Library finden: http://www.hostalibrary.org/s/semperaurea.html

H. ‘Semperaurea’ wurde von Diana Grenfell, Heinz Klose und Fritz Köhlein als Grundlage für ihre Kreuzungen benutzt:

Apple Court Gold
Diana Grenfell/Grounds 1988, NR
‘Semperaurea' x 'Tokudama Flavocircinalis'

Kasseler Gold
Heinz Klose 1989 (ONI) / Ruh (R) 2003
‘Semperaurea' x

Omelett
Fritz Köhlein, NR
‘Semperaurea' x

Solarkugel
Fritz Köhlein, NR
‘Semperaurea' x

 

Ich will weiße Hostas, die wachsen!

Von Bob Solberg, aus dem Amerikanischen übertragen und ergänzt von Christa Hülsmann
Erschienen im Bulletin der British Hosta and Hemerocallis Society 2013
 

Meine Liebe-Hass-Beziehung zu weißen Hostas begann mit der ersten Hosta, die ich jemals gekauft habe. Ja, es war eine ᾽Undulata‘, wie wir sie heute nennen. Ich suchte fünf, die mir besonders gefielen, aus einem Angebot von ca. 100 Pflanzen aus. Das war in einem lokalen Gewächshaus, sie kosteten U$ 1,30 pro Stück. Es stellt sich heraus, dass ich tatsächlich zwei verschiedene Hostas nach Hause gebracht hatte: ᾽Undulata‘ mit weiter weißer Mitte und ᾽Undulata Univittata‘ mit breitem grünem Rand. An diesem Tag habe ich begonnen, die Unterschiede bei Hostas zu studieren.

Hosta ᾽Undulata‘
Selbst vor 30 Jahren war H. ᾽Undulata‘ keine beliebte Hosta. Sie hatte den Ruf, zu vergrünen, teils dauerhaft, und falls sie hübsch weiß blieb, war sie schwächlich und litt furchtbar unter der Julihitze. Sie ist vermutlich auch die Hosta, die für die Abneigung vieler gegen Hostablüten verantwortlich ist. Die langen, schlappen, samenlosen Stiele mit großen Brakteen und die unansehnlichen blaßlila Blüten sind das beste Argument, Hostas nicht blühen zu lassen. Trotz all dieser Negativpunkte ist etwas Wundervolles in der Frühlingsfrische der strahlend weißen Blätter mit frischgrünem Rand. Der Zauber hält nicht lange an, aber es gibt nichts Vergleichbares.

„Falsche Hoffnung“ - Sämlinge
Vermutlich seit Kevin Vaughn und den Geheimnissen, die er von Frances Williams erfahren hatte, über Paul Aden bis zu Eleanor Lachman haben Hostazüchter versucht, eine bessere weiße Hosta zu züchten. Hosta ᾽Frances Williams‘ und ᾽Beatrice‘ steuerten weiße Chloroplasten bei (sie treiben gelb aus, werden aber rasch weiß). Diese Chloroplasten waren erforderlich, um diese weiße Farbe in Hostas zu generieren. Danach wurden sog. gestreakte (in etwa: gestreift, gesprenkelt) Sämlinge gezüchtet, die aus vielen einfarbigen Arten, von H. sieboldiana bis hin zu H. plantaginea und sogar den Tardianas von Eric Smith entstanden. Das Ergebnis war eine große heterogene Gruppe von panaschierten und gestreakten Sämlingen.

Diese Sämlinge weckten falsche Hoffnungen. Hostas fühlen sich mit gestreiftem oder gesprenkeltem Laub nicht wohl, wie wir alle wissen. Sie wären viel lieber grün. Aber wenn sie schon panaschiert sein müssen, sind weiße Blattmitten oder –ränder am stabilsten. Nach ein paar Jahren haben diese Pflanzen gestreakte, weißrandige, weißmittige und grüne Sprossen ausgebildet. Es sieht also so aus, als erhielte man vier Pflanzen aus einem Samen. Aber all diese Sprosse, die gleich groß sind, gehören zu derselben Wurzelkrone und ernähren sich gegenseitig. Der Eindruck, es handele sich um unterschiedliche Pflanzen ist nur eine Illusion.

„Diät“-Hostas
Das Problem mit weißen Hostas besteht darin, dass der weiße Teil des Blattes nicht in der Lage ist, Kohlehydrate zu produzieren, um die Pflanze zu ernähren. Diese kohlehydratarme Diät führt zu „Gewichtsverlust“ und ein großer Teil eines „gemischten“ Sämlings verliert sehr schnell an Größe, von groß zu klein oder sogar bis hin zur Miniatur. Die Zellen in den weißen Blattanteilen sind auch unfähig, andere Nebenprodukte der Photosynthese in angemessener Menge zu produzieren, z.B. das Wachs, das die Verdunstung reduziert. Diese schwachen weißen Zellen trocknen in heißem Wetter oder direktem Sonnenlicht schnell aus. Die Folge dieser Austrocknung nennen wir „melting out“ (=Wegschmelzen, Anm. d. Übers.). Ein gutes Beispiel hierfür sind H. ᾽Yin‘ und H. ᾽Yang‘. Beide sind Sports der blauen H. ᾽Maize and Blue‘, die festes, gelb und weiß gestreaktes Laub hat. Hosta ᾽Yin‘ ist eine mittelgroße wüchsige Hosta mit einem breiten weißen Blattrand, während H. ᾽Yang‘ eine Miniatursorte mit weißer Mitte ist, die nur langsam wächst und deren Laub leicht „wegschmilzt“.

Manchmal passen Gene wirklich gut zusammen. Ich kann mich an ein spektakuläres Exemplar von H. ᾽Reversed‘ erinnern, das der besonderen Wirkung wegen auf einen Hügel gepflanzt wurde. Die Hosta hatte eine weiße Mitte und einen breiten blaugrünen Rand, der offenbar mehr als ausreichend war, um die Pflanze mit all der Nahrung zu versorgen, die sie brauchte. Aber leider hatten die meristemvermehrten Exemplare so schmale Ränder, dass sie kaum wachsen konnten. Meine Pflanze „schmolz“ und starb. Ich hatte die wertvolle Lektion gelernt, dass meristemvermehrte Hosta mit weißer Mitte unmöglich zu großen Prachtstücken heranzuziehen sind.

Unerschrocken erwarb ich ein großes Teilstück der Ursprungspflanze von H. ᾽Reversed‘. Ich dachte, dass ich sie, bei all dem vorhandenen Chlorophyll, zu einem großen Exemplar kultivieren könnte. Aber leider ging auch dieser Versuch daneben, weil die arme Pflanze von Jahr zu Jahr schrumpfte. Vielleicht gibt es sie noch in irgendeinem Garten, vielleicht ist sie inzwischen aber auch „ausgestorben“. Nach diesem teuren Fehlschlag wurde ich sehr vorsichtig in Bezug auf die große weiße Hosta.

Das Exemplar von H. ᾽Gay Feather‘, das seit 1991 in Bob Olsons Garten wächst, ließ mich die Sache nochmals überdenken. Vielleicht brauchten wir nur eine raschwüchsige Hosta wie ᾽Yellow Splash Rim‘, die in den meisten Gärten wie Unkraut wächst. Aber trotz des guten Erbmaterials hat auch die weißblättrige ᾽Gay Feather‘ sich nicht etablieren können und wird kaum noch kultiviert. Vielleicht war es die mangelhafte Blattsubstanz, die das „melting out“ von ᾽Gay Feather‘ verursacht hat. Vielleicht würden Blätter nicht so leicht „Schmelzen“, wenn es gelänge, mehr Substanz hineinzuzüchten. Hosta ᾽Sum and Substance‘ als Elternteil von ᾽Joyce Trott‘ brachte eine gute Blattsubstanz, aber leider auch eine sehr geringe Wachstumsrate. Die oben beschriebene ᾽Yang‘ leidet noch mehr am „Wegschmelzen“ trotz der hervorragenden Blattqualität.

Man kann die Blattsubstanz in diploiden Hostas verbessern, indem man sie in eine tetraploide umwandelt. Tetraploide Hostas haben vier Chromosomensätze anstelle der üblichen zwei. Sie haben eine bessere Blattsubstanz, wachsen leider aber auch langsamer. Die Massenproduktion der Sports von ᾽Francee‘, d.h. Hostas ᾽Patriot‘ und ᾽Minuteman‘ hat eine ganze Reihe „entgegengesetzter“ tetraploider Hostas hervorgebracht, die eine weiße Blattmitte haben. Dazu gehören ᾽Loyalist‘, ᾽Fire and Ice‘, ᾽Paul Revere‘ und ᾽Pathfinder‘.

Dieses Mal war ich vorsichtig. Ich überlegte, dass die „umgekehrten“ tetraploiden Sports kleiner waren als ᾽Patriot‘. Sie würden nicht zu den großen weißen Hostas werden, die wir uns alle wünschen. Ich dachte auch, dass sie nur langsam wachsen würden, langsamer als ᾽Francee‘, wegen der Kombination von Tetraploidität und dem Mangel an Chlorophyll. Ich war außerdem besorgt, dass dieser Typ von Chloroplasten (gelbe, die weiß werden) eine natürliche Tendenz zum „melting out“ hätte. Anstatt eine weitere Enttäuschung zu riskieren, machte ich um diese neue Gruppe weißer Hostas eine Bogen. Wachsen sie bei Ihnen etwa gut?

Bisher gibt es keine guten Neuigkeiten. Wahrscheinlich fragen Sie sich schon, ob diese Geschichte ein Happy End hat. Offen gesagt: das frage ich mich auch. Aber, ich bin ein ewiger Optimist und es gibt immer einen Silberstreif am Horizont.

Ehe wir zum spannenden Ende kommen, gönnen Sie sich mit mir zusammen eine phantastische Geschichte über Chloroplasten, etwas Wissenschaft und etwas Spaß.

Urzeitliche Meeresstrände
Lange vor den Dinosauriern und Antibiotika, als Mikroben die Welt regierten, bestanden fast alle lebenden Organismen nur aus einer einzigen Zelle. Wenn diese Zellen in den flachen Meeren der Urzeit aufeinandertrafen, kam es zu Kollisionen. Manche Zusammenstöße geschahen zufällig, andere jedoch absichtlich, nämlich immer dann, wenn eine Zelle die andere fressen wollte. Die Zellmembranen wurden zerstört und der Zellinhalt floss heraus. Das führte manchmal zum Tod der schwächeren Zelle, manchmal starben sogar beide Zellen. Aber gelegentlich, sicher nur selten, lag Vereinigung in der Luft der mondbeschienenen Nacht und die beiden Zellen verschmolzen miteinander.

Chloroplasten, der Ort der Photosynthese, werden heutzutage für eine Art urzeitlicher photosynthese-fähiger Bakterien gehalten, die in Pflanzenzellen „eingezogen“ sind. Die Fähigkeit der Pflanzen, ihre eigene Nahrung durch die Umwandlung von Licht in Kohlehydrate und Zucker zu produzieren, wurde erst durch die Invasion fremder Wesen in die Pflanzenzellen ermöglicht. Chloroplasten haben einfache DNS-Systeme und sind viel geneigter, ihre Meinung zu ändern und zu mutieren als Pflanzen. Tatsächlich werden alle Bakterien von manchen Wissenschaftlern als eine einzige Art betrachtet, weil sie sich leicht untereinander vermehren und DNS austauschen.

Hostas und ihre Chloroplast-Mieter
Wagen wir einen Zeitsprung von den urzeitlichen Meeren in unser 21. Jahrhundert. Hostas leben glücklich im Schatten und produzieren ihre eigene Nahrung mithilfe einiger urzeitlicher Bakterien, die bei ihnen eingezogen sind. Wir wissen, dass Chloroplasten eine eigene DNS besitzen und eine gewisse Kontrolle über ihr Leben haben. Wir wissen aber auch, dass auch die Zelle der Hostapflanze, ihr Vermieter, eine gewisse Kontrolle über die Chloroplasten hat. Sie sind wie die verrückten Mieter im Erdgeschoss. Sie sind Mutationen und anderem, abweichendem Verhalten unterworfen und können sich auf ganz unterschiedliche Wiesen austoben.

Vom Standpunkt eines Züchters ist es gut, dass die Chloroplasten alle von der fruchttragenden Pflanze, der „Mutter“-Hosta stammen. Sie sind kein Teil der geschlechtlichen Vermehrung, sondern werden nur auf der Reise ins Zytoplasma mitgenommen. Dabei können Fehler beim Kopien der DNS auftreten, was zu Mutationen führt. Der wesentliche Punkt dabei ist, dass nicht alle weißen Hostas gleich sind, weil die „weißen“ Chlorplasten nicht aus der gleichen Mutation hervorgegangen sind.

Es gibt mehr als einen Weg, zu einer weißen Hosta zu mutieren. Wir wollen klarstellen, dass ca. 95% der Mutationen von Hostazellen oder ihrer Chloroplast-Mieter nachteilig oder sogar schädlich sind. Ein Chloroplast, das nicht mehr normal funktioniert und keine Kohlehydrate mehr produziert, lässt den Wirt und den „Mieter“ gleichermaßen verhungern. Die schreckliche Wahrheit ist: weiße Hostas sind defekt.

Weiße Hosta-Chloroplasten
Wenn ich eine panaschierte Hosta ansehe, versuche ich ihren Chloroplast-„Typen“ zu identifizieren. Dass ist für mich die beste Möglichkeit, zu verstehen, wie sie auf starke Lichteinstrahlung, Hitze und ein geringes Lichtniveau reagieren wird. Weiße Hostas haben verschiedene Basistypen von Chloroplasten (mit einer gewissen Variationsbreite), die panaschierte Blätter verursachen.

Der erste Typ ist verantwortlich für ein weißes Blatt während der gesamten Wachstumsperiode, ist also vollständig defekt. Dabei handelt es sich um eine sehr seltene Mutation, vermutlich weil es die schädlichste ist und fast immer zum Tod der Hosta führt.

Der zweite Typ ist wie die Chloroplasten von ’Beatrice‘, die im Frühjahr gelb sind, aber rasch zu weiß verbleichen, vermutlich aufgrund des Temperaturanstiegs. Sie tragen nicht zur Ernährung der Pflanze bei.

Der dritte Typ „weißer“ Chloroplasten ist gelb für die Dauer des Frühjahrs und wird erst in der Sommerhitze weiß. Das sind die cremefarbenen Hostas, von denen wir uns wünschen, dass sie schneller weiß würden und nicht so lange diesen unansehnlichen Farbton behielten.

Schließlich gibt es Typen von Chloroplasten, die im Frühjahr reinweiß sind, aber bei warmem Wetter vergrünen und „normale“ Photosynthese betreibende Chloroplasten werden. Wie bei der alten ’Undulata‘ geschieht das meist bei Temperaturen um 33 – 35°C. Diese Gruppe von Chloroplasten ist nicht vollständig defekt, sondern nur temperatursensibel. Die Mutation erfolgte vermutlich während des Entwicklungsprozesses dieser Chloroplasten und verhinderte dessen Beendigung. Ich vergleiche es gern mit etwas, das steckengeblieben ist. Im Ergebnis bedeutet es, dass das Protein die falsche Form hat oder an einem Platz „angedockt“ hat, an den es nicht gehört. Es wirkt, als wäre es durch ein Gummiband oder ein chemisches Band gefesselt, so dass es nicht richtig funktionieren kann. Dann, bei ca. 33 ° C, reißt das Gummiband, das Protein kommt frei und kann normal arbeiten. Innerhalb von Minuten kann ein Chloroplast grün, und damit aktiv, werden.

Weiße Hostas, die vergrünen, nennt man virideszent. In heißem Wetter werden sie grüne Hostas, „schmelzen“ und schrumpfen nicht, sondern wachsen wie Unkraut. Sie können bis zum Herbst große Exemplare werden. Im folgenden Frühjahr treiben sie wieder weiß aus, haben aber ausreichend Nahrung gespeichert, um größer zu sein als im vorangehenden Jahr. Hosta ’White Christmas‘ ist ein klassisches Beispiel dafür. Wo die Temperatur nur selten 33°C erreicht, bleibt die Hosta weiß und schwachwüchsig. In der Augusthitze vergrünt sie und überlebt viel besser, obwohl sie grün und hässlich aussieht. In diesem Jahr habe ich herausgefunden, dass die reinweißen Blattränder von ’Parhelion‘ bei 40°C vergrünen. Es muss den gleichen Typen Chloroplast, allerdings mit einer etwas anderen Temperaturfühlung, haben. Sind Hostas und ihre kleinen merkwürdigen Untermieter nicht cool!

Wie züchten wir große weiße Hostas?
Was brauchen wir für eine große weiße Hosta? Als erstes benötigen wir defekte Chloroplasten. Nicht diese funktionsunfähigen, die gelb austreiben und später ausbleichen, sondern die, die durch einen kurzen „Saunagang“ wieder normal werden. Es wäre schön, wenn sie erst bei 35°C, und nicht schon bei 29°C, vergrünten, so dass sie länger weiß bleiben. Aber sie dürfen auch nicht bis 40°C warten, sonst droht ihnen das „melting out“, bevor sie grün werden können.

Unsere Pflanze soll wüchsig sein wie ’Yellow Splash Rim‘ und eine gute Blattsubstanz haben wie ’Loyalist‘. Vielleicht sollte sie tetraploid sein, so dass gute Wuchskraft und gute Blattsubstanz kombiniert werden könnten. Vielleicht sollte sie mehr grüne Chloroplasten an unterschiedlichen Stellen haben. Leider ist keine panaschierte Hosta nur grün und weiß. Es gibt immer diese grauen und hellgrünen Abschnitte dazwischen. Ich werde niemals das erste Mal vergessen, als ich ’Island Charm‘ in George Rasmussens Garten sah. Sie sah aus wie eine Miniatur ’Great Expectations‘, mit rosa Petiolen und Blütenstielen. Vermutlich wissen Sie, dass sie die Chloroplasten hat, die gelb austreiben wie ’Great Expectations‘ und schnell reinweiß werden. Die Blattsubstanz ist nicht gut, aber die Pflanze ist sehr wüchsig. Ich fand sie einfach toll.

Als die Pflanzen ankamen, verlor ich nicht nur schnell den Mut, sondern auch viel Geld. Sie wollten einfach nicht für mich wachsen, weder in der Sonne noch im Schatten.

Aus diesem Unglück mit einer weiteren weißen Hosta kam doch ein Hoffnungsschimmer. Hosta ’Fantasy Island‘ ist eine tetraploide Form mit besserer Blattsubstanz, die wegen ihrer breiteren grünen Blattränder auch besser wächst als ihre Eltern. Das war zu erwarten. Aber es war überraschend, dass das Blatt nicht „schmolz“, weil zwischen dem dunkelgrünen Rand und der reinweißen Mitte grüne und weiße Chloroplasten eine Zone mit einer hellergrünen Schicht bildeten. Es ist diese dritte Schicht, die zusätzliche Nahrung für ’Fantasy Island‘ zur Verfügung stellt und sie vor dem „melting out“ bewahrt. Das scheint das letzte fehlende Teil des Puzzles zu sein.

Die besten weißen Hostas selektieren
Die Moral von der Geschichte ist: wenn Sie bessere weiße Hostas züchten wollen, wählen Sie solche mit einer hellergrünen Lage zwischen weißer Blattmitte und grünem Rand. Stellen Sie außerdem sicher, dass sie eine gute Blattsubstanz und Wuchskraft hat. Scheuen Sie sich nicht zu fragen. Die Pflanzen sollten bei ca. 33°C vergrünen. Probieren Sie ein oder zwei tetraploide Hostas aus. Versuchen Sie es mit Hosta ’White Elephant‘ einem Sport aus ’White Christmas‘ oder Hosta ’Sharp Dressed Man‘[hier Foto Sharp Dressed Man], einem Sämling von ’Francee‘.

Wir lernen immer noch viel über die Tricks, die Hostas auf Lager haben. Sehen Sie selbst, welche weiße Hosta am besten für Sie wächst.

Bob Solberg ist Inhaber der Green Hill Farm Inc. Er hat einen Bachelor of Science in Biologie des Davidson College. Er hat die Carolina Hosta Society gegründet und sie 10 Jahre lang geleitet. Außerdem war er für die American Hosta Society als Herausgeber des Journals sowie als Vizepräsident für den Genus Hosta tätig. Er wurde für seine herausragende Tätigkeit mit dem Distinguished Merit Award der amerikanischen Hostagesellschaft geehrt.