Aktivitäten

Jahrestreffen 2020

Das Jahrestreffen 2020 ist für Anfang Juni im Raum Elsass, Vogesen, Baden geplant. Nähere Informationen später. Gäste sind gerne willkommen.

 

Jahrestreffen 2019 in Chemnitz

Text: Bernd Schüssler

Weitgehend verschont vom vorhergesagten Regen trafen sich die Mitglieder der Fachgruppe diesmal vom 26.-28. April in Chemnitz. Nicht alle aus der noch recht jungen Fachgruppe kannten sich bereits. Es herrschte am Ende aber die einhellige Auffassung, dass sich hier ein Kreis von Menschen gefunden hat, der mit seiner Lust und Leidenschaft auf alles Kleinbleibende im Pflanzenreich ein gleichermaßen harmonisches wie spannendes Wochenende erleben durfte, das auch die weiteste Anreise gelohnt hatte. Das Treffen hatte noch die so plötzlich verstorbene Gründungsinitiatorin Brigitte Moesch de Haan bis ins kleinste Detail vorbereitet. Ihr sei an dieser Stelle ein besonderes Andenken und herzlicher Dank gewidmet.

Das Zusammentreffen begann im Arktisch-Alpinen Garten in Chemnitz (www.arktisch-alpiner-garten.de), der von der - nach dem Namen des Gründers Walter Meusel benannten - Stiftung betrieben wird. Der Schwerpunkt dieses Gartens liegt nicht auf trockenheitsliebenden Alpinen, eher auf Zwergweiden, Minirhododendren, Moorbeet- und Heidepflanzen, also Pflanzen, die eher feuchter und schattiger stehen wollen und die an Ort und Stelle auch erworben werden konnten. Herausragend ist der wissenschaftliche Aspekt der Stiftung. Sie beteiligt  sich an einer ganzen Reihe von lokalen bis europaweiten Artenhilfsprogrammen und Managementplanung für diverse FFH-Gebiete. Außerdem gibt sie die höchst informativen, auch auf CD mit sehr ansehnlicher Bebilderung erhältlichen „Sammelblätter Gebirgspflanzen„ heraus, die ständig erweitert werden. Diese Veröffentlichungsreihe befasst sich mit bestimmten Pflanzengruppen der Gebirge sowie anderer kalter bis gemäßigter Regionen der Erde. Behandelt werden sehr ausführlich ihr Vorkommen, die geografische Verbreitung, Bestimmungsmerkmale und vor allem aber auch ihre Gartenkultur.

Immer eine spannende Angelegenheit ist der Tausch der mitgebrachten Pflanzen, der das Programm des ersten Tages beschloss. Er fiel in diesem Jahr besonders üppig aus, kamen doch auch einige der großartigen Pflanzenschätze aus Brigittes Nachlass zur Verteilung. Herr de Haan hatte zuvor gebeten, diese u.a. für die Fachgruppen Farne bzw. Minusculus, denen Brigitte angehörte, aus ihrem Garten zu bergen. Für diese Großzügigkeit bedankten sich die Anwesenden bei dieser Gelegenheit durch einen herzlichen Brief an ihn.

Über welch bewundernswerte Gärten, Pflanzen und die entsprechenden Kenntnisse die Gruppenmitglieder  verfügen, konnten alle - gestärkt durch das feine Abendessen im Hotel Abendroth - bei der abendlichen  kurzweiligen und fröhlichen Fachsimpelei , nebst themenbezogenen Lichtbildervorträgen erleben.

Über ein herausragendes Sortiment an alpinen Stauden und Gehölzen zu günstigen Preisen verfügt die Gärtnerei Gerd Stopp. Begleitet und bewirtet durch Herrn Stopp und seine Ehefrau durften wir dort die herrlichen Alpinhäuser sowie die aus Thüringer Muschelkalk (Travertin) aufgebaute und beidseitig bepflanzte Wand bewundern. Wer von uns wollte nicht auch ein solch großartiges Biotop in seinem eigenen Garten verwirklichen!  Da hat derjenige Glück, der bereits über ein natürlich gewachsenes Steingartenareal verfügt, wie der Vorsitzende des Zwickauer Steingartenvereins ( Steingartenverein.de) Rolf Rockstroh und sein Stellvertreter Peter Fabritzek, deren Privatgärten wir anschließend besichtigen durften und wo wir begleitend zur hochinteressanten Gartenführung  zudem mit Kaffee und Süßem verwöhnt wurden. Beide Gärten – der Garten Rockstroh ist zum großen Teil in den gewachsenen Fels gebaut – zeigten auf, dass keine große Fläche nötig ist, um einen lebendigen (Stein-) Gartenerlebnisraum zu schaffen. Besonders staunten wir über die Vielzahl der Pulsatilla- und Gentiana-Arten sowie über ein kleines Alpinhaus u.a. mit Dionysien.

Ein überraschendes Highlight erwartete uns am Abreisetag im sächsischen Vogtland (www.botanischer-garten-adorf.de). Er wird getragen von der Stadt Adorf. Dank der fürsorglichen Pflege des Mitarbeiters Rigo Schaller, der uns in ausgesprochen freundlicher Manier über das Gelände führte, fanden wir diesen relativ großen öffentlichen  Garten in einem hervorragenden Pflegezustand. Über 100 to Kalktuff sind dort neben einem Silikatbereich zu einem einzigartigen Ensemble zusammengestellt und mit botanischen Kostbarkeiten etwa aus Neuseeland, Südamerika und der Sierra Nevada bestückt. Dazu gibt es ein Kakteenbeet, ein Beet mit Farnen und Moorbeetpflanzen. Da die Stauräume der Fahrzeuge inzwischen mit solchen schon reichlich bestückt waren,  gerieten zum Objekt der Begierde hier nicht etwa weitere Pflanzen. Vielmehr waren dies die wunderbar „vorgelochten“ Travertingesteinsbrocken, von denen es einige - leider nur relativ kleine - im Garten als Mitbringsel zu erwerben gab. Inzwischen dürften die darin untergebrachten Pflanzenschätzchen gut eingewachsen sein, damit sie uns im Frühjahr wieder mit ihrer Blütenbracht verzaubern.

Für etwa die Hälfte der Teilnehmer, vorwiegend die, die aus dem Norden oder von weit her angereist waren, hieß es nun Abschied nehmen, während die andere Hälfte bei einsetzendem Regen noch nach Hof fuhr, um dort nach einer Mittagspause bei nun wieder sonnigem Wetter den botanischen Garten zu besuchen, der vielen von uns bekannt sein dürfte. Besonders interessierten wir uns für das erst vor einigen Jahren angelegte Spaltenbeet und die große Trillium-Sammlung. Auch dieser Garten präsentierte sich in einem hervorragenden Pflegezustand.

Damit ging das mit einem umfangreichen Programm reich gefüllte Wochenende zu Ende, und wohl alle fuhren mit vielen neuen Pflanzen und Steinen und neuen Ideen und Anregungen nach Hause. Wir alle freuen uns schon jetzt auf das Treffen 2020 im südbadischem Raum, das wir auch mit einer Besichtigungstour in die Vogesen (Berchigranges und Haut Chitelet) verbinden wollen.


Gärtnerei Gerd Stopp
©2019 Christoph Rohlfs


Garten Fabritzek
©2019 Christoph Rohlfs


Garten Rockstroh
©2019 Christoph Rohlfs


Botanischer Garten Adorf
©2019 Christoph Rohlfs