Aktivitäten

10. Jahrestreffen September 2018

Unser nächstes Jahrestreffen findet im Zeitraum 06. bis 09.09.2018 im Münsterland oder vom 05. bis 09.09.2018 im Raum Groningen, NL, statt. Die Fachgruppenmitglieder treffen durch ihr Votum die endgültige Entscheidung über das tatsächliche Programm. Wir tun dies, um dem 10. Jahrestreffen der Fachgruppe, immerhin ein kleines Jubiläum, ein besonderes Gewicht zu verleihen.

Vorläufiges Programm für Standort Münsterland:
Ein Höhepunkt wird der Besuch des Maxiparkes in Hamm sein, bei dem besonders die Piet-Oudolf-Anlage unser Interesse wecken wird. Es gibt aber auf der ehemaligen Gartenschau-Fläche noch viel mehr zu entdecken, das uns durch eine Führung erschlossen wird. Daneben sind die Besuche der Gärtnereien bzw. Baumschule Schwieters, De Border sowie des Lehrkreisgarten Steinfurt geplant. An Privatgärten stehen auf dem Programm: Garten Picker, Garten Rosenhaege, Garten Wehling, Garten Schleithoff, Garten Sommer/Borggreve und andere. Stefan Leppert lädt uns ein, seine Kleingartenanlage „Lebensborn“ zu besuchen und steht ebenfalls für einen Vortrag zur Verfügung.

Vorläufiges Programm für Standort Groningen, Niederlande:
An Prärie- und Gräserfeeling bleiben fast keine Wünsche offen. So sind natürlich Lianne’s Siergrassen, der Jakobstuin von Jaap de Vries, die Kwerkerij Jacobs, Tiungoed Foltz „Muss-sein-Programmpunkte“. Darüber hinaus werden wir uns die Präriewiese am Kempkensberg in Groningen ansehen und die modernen und historischen Stilgärten der Mien Ruys. Zum Programm wird ebenfalls der Besuch weniger bekannter Privatgärten gehören wie z.B. Garten Chris Bruinsma, Garten Els de Boer, Tuin van de Tijd von Femke van Dam, ein Künstlergarten mit der Möglichkeit eines Vortrages über Landschaftskunst, Garten von Anneke und Arnold Duijnisfeld, Skulpturengarten A. Moes, Garten „Tuinfleur“ bei Bunde.

Viel Freude also beim Voten!

Einfach den Link https://doodle.com/poll/gkycwcxze4yfyxcb aufrufen und Stimme abgeben. Die Stimmabgabe sollte bis spätestens 31.01.2018 erfolgt sein.

Weitere Auskünfte: Katrin Schauer, Tel. 035208/81221, Mail: jkschauer@web.de oder Elke Wagner, Tel. 037752/605018, Mail: wagner.elke@online.de

 

9. Jahrestreffen September 2017 in Postdam und Berlin

Gartenreise der Fachgruppe Gräser vom 7. bis 10. September 2017 nach Potsdam und Berlin

von Elke Wagner und Joachim Hegmann

 

Welcher Ausgangspunkt für eine Exkursion vieler Gräserfreundinnen (und einigen wenigen Gräserfreunden) liegt näher als der Garten des Staudentitans Karl Foerster. Er war es, der mit unermüdlicher Begeisterung für den Einzug der Gräser (und Farne) in die Gärten warb. Schon 1956 erschien sein gleichnamiges Buch. Aber es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis sich die ersten Gartengestalter und Gartenbesitzer trauten, in wirklich größerem Maße Gräser in Staudenpflanzungen zu verwenden. Nicht nur dieser Garten, sondern ein spannendes Portfolio von Gärten in Brandenburg und Berlin lockte fast 40 Gartenliebhaber(innen) auf diese spannende Reise.

Garten Karl Foerster Bornim

Der Garten liegt etwas versteckt in Bornim, Am Raubfang 6, nur über eine schmale Nebenstraße zu erreichen. Als erstes passiert man die Gärtnerei Foerster Stauden GmbH. So mancher wurde da schon unruhig bei den verlangenden Gedanken, welche Staudenschätze da zu erwerben wären. Dann entdeckt man das Wohnhaus Karl Foersters, welches in den letzten Jahren in Teilen renoviert wurde und in dem neuen cremefarbenen Anstrich kaum wiederzuerkennen war. Im Garten empfing uns die Chefgärtnerin und führte uns durch die Pflanzungen. Der Garten diente schon zu Foersters Zeiten als Versuchs-, Lehr- und Schaugarten und wird jetzt über eine Stiftung finanziert und erhalten. Auf Schritt und Tritt begegnen uns Stauden(-Sorten), die uns vertraut und ans Herz gewachsen sind: Aruncus sinensis ‚Zweiweltenkind‘, Aster amellus ‚Veichenköngin‘ und ‚Blütendecke‘, Aster n.a. ‚Rubinschatz‘, Heliopsis helianthoides var. scabra 'Goldgrünherz' und natürlich – etwas versteckt im hinteren „Garten der sieben Jahreszeiten“ - Calamagrostis x acutiflora 'Karl Foerster'. Dieses Gras hatte Karl Foerster unter dem Sortennamen ‚Stricta‘ eingeführt. Nach dem Tod Foersters wurde es ihm zu Ehren umbenannt. Es erscheint uns heute sehr vertraut und fast selbstverständlich, Miscanthus, Pennisetum, Molinia, Descampsia und unzählige andere Gräser in Karl Foersters Garten zu entdecken. Vor mehr als einem halben Jahrhundert war das eine gestalterische Pionierleistung. Die Gestaltung der Staudenbeete ist vielleicht nicht mehr jedermanns Geschmack in Zeiten von Prärie-, Kies- oder gar avantgardistischen Gärten. Es lag ganz sicher auch nicht immer die erste Priorität auf der Gestaltung, sondern vor allem an der Sichtung, der Auswahl und der Präsentation der für den Garten geeigneter Stauden-Sorten. Dass auch in unseren Tagen kein Gartengestalter, sei es Piet Oudolf, Petra Pelz oder Tom Stuart Smith an Calamagrostis ‚Karl Foerster‘ und vielen anderen Foerster-Sorten vorbeikommt, zeigt die Leistung dieses unvergessenen großen Gartenmenschen. Stauden, die wir für typisch „New German Style“ oder „Dutch Wave“ halten, wie Eupatorium oder Bistorta, finden sich alle schon in Bornim. Foerster hatte sie lediglich auf andere Art und Weise verwendet. Die unglaubliche Vielfalt in Garten Bornim, auch manche für unsere Augen etwas unorthodoxe Farbkombination, suchen einen größeren, großzügigen Zusammenhalt. Dieser gestalterische Rahmen wird durch den großen Senkgarten mit dem zentralen Wasserbecken geschaffen. Die terrassenförmig angelegten Beete gleichen Bühnen, auf denen die neuen Auslesen und Züchtungen Foersters präsentiert werden konnten. Der Senkgarten ist sicherlich der künstlerisch bedeutendste Teil des Gartenareals. Er wurde nach dem Vorbild der sogenannten "sunken gardens" englischer Landhausgärten angelegt. In seinem Buch "Der Steingarten der sieben Jahreszeiten" umreißt Karl Foerster das Prinzip der Anlage folgendermaßen: "Teils aus Windschutzgründen, teils aus Beschaulichkeit versenkt man in der Nähe des Hauses einen kleineren Platz, der ringsherum in flachen Steingartenterrassen wieder zu normaler Gartenhöhe aufsteigt und manchmal auch - noch tiefer in das Bodenniveau eingelassen - ein Ufer- und Wassergärtchen enthält." Karl Foersters Tochter Marianne mutmaßte, dass sein Freund, der Landschaftsarchitekt Hermann Mattern, an der Gestaltung des Gartenkonzeptes und des Senkgartens mitwirkte. Karl Foerster war sicherlich in erster Linie ein herausragender Gärtner und Züchter neuer Stauden. Weit über 500 neue Sorten entstanden in seiner Gärtnerei. Er gestaltete zusammen mit Mattern aber auch private und öffentliche Gärten, schrieb viele, immer noch aktuelle Gartenbücher. Er war nicht zuletzt auch ein (Garten)Philosoph und er hatte eine der besten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann: Er hatte Humor. Eine abschließende Anekdote soll dies zeigen: Am liebsten hätte Karl Foerster eine seiner neuen Züchtung, einer einfachblühenden Chrysantheme, den Namen "Hirsch tritt im Abendsonnenschein aus Waldrand vor" gegeben. Da das aber weder in den Katalog noch auf das Etikett passte, nannte er die meterhohe, rotgoldene Blütenmasse "Rotwild". Der Einsicht folgend schrieb er 1953: "Phantastik und Romantik muss im Katalog ja genügend gebändigt sein."


Garten Karl Foerster


Wohnhaus Karl Foerster


Senkgarten im Garten Foerster

Ehem. Garten Hermann Potsdam Bornstedt

Unweit vom Förstergarten gelegen besuchten wir den Garten Hermann Göritz, der heute einschließlich des Wohnhauses von der Landschaftsarchitektin Hiltrud Berndt gepflegt und unterhalten wird. Hermann Göritz gehörte zum sogenannten Bornimer Kreis um Karl Förster. Er war der einzige Garten- und Landschaftsarchitekt, der in der DDR freischaffend tätig war. Sein Garten, der etwa 2000 m² umfasst und auf ehemaligem Ackerland entstanden war, diente Göritz auch zu wissenschaftlichen Beobachtungen. Edle Gehölze, aber auch Stauden und vereinzelt Gräser (vorwiegend Miscanthus) hat er zu malerischen Pflanzeninseln zusammengefasst, die von Rasen umspielt werden. So entstanden immer wieder verschwiegene Räume, teils mit einladenden Sitzgelegenheiten oder Skulpturen bestückt. Es ist ein Landschaftspark entstanden, der 1997 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Indes wird die Pflege des Gartens mit seinen nunmehr ausladenden Gehölzen immer schwieriger. Teilweise muss Baumsanierung durchgeführt bzw. müssen einzelne Gehölze sicher gestützt werden. Wir bewunderten u. a. drei riesige Urweltmammutbäume (Metasequoia glyptostroboides), eine ausladende Strauchkastanie (Aesculus parviflora), einen Geweihbaum (Gymnocladus dioicus), dessen Hang zu Ausläuferbildung ständig kontrolliert werden muss. Eine mehrstämmige Linde drohte auseinander zu brechen und musste durch stabile Bänder gestützt werden. Dies alles bewältigt Frau Berndt mit viel Engagement und Herzblut.

Der Garten strahlt insgesamt Ruhe und Geborgenheit aus, was besonders hervorgerufen wird durch das vorherrschende Grün der vielfältigen Gehölze, durchsetzt mit nur einzelnen Farbtupfern der Stauden und Gräser, sowie durch verborgene Sitzplätze an unterschiedlichen Orten. Leider konnten wir unseren Kaffee nicht in heimeliger Gartenatmosphäre wegen des immer wieder einsetzenden Regens genießen. Stattdessen beräumte Frau Berndt ihr Wohnzimmer, und wir lauschten dicht gedrängt ihren lebendigen Ausführungen. Dafür gebührt ihr noch einmal unser ausdrücklicher Dank. Zu guter Letzt war aber dennoch ein Gartenrundgang möglich, und wir wurden reichlich entschädigt durch ganz besondere Lichtstimmungen, die nach dem Regen und mit der hervorbrechenden Sonne entstanden.

IGA Berlin

Gleichsam über den Wolken durften wir auf die IGA im Berliner Stadtteil Marzahn einfliegen. Die Fahrt mit der 1,5 km langen Seilbahn erlaubte spannende Eindrücke über das Gartenschaugelände aus der Vogelperspektive. Das etwa 1900 m2 große Gräserband löste dabei naturgemäß die ganz besondere Aufmerksamkeit der Fachgruppe aus. Der in großflächigen Drifts gestaltete Beitrag zeigte eine große Palette an Gräsern von A wie Andropogon bis S wie Stipa. Hier wurde wieder einmal der trendige Begriff New German Style bemüht, um diese Pflanzung als naturhaft, pflegeleicht und zugleich attraktiv zu beschreiben. Die neuere, besonders intensiv färbende neuere Panicum-Sorte ‚Külsenmoor‘ fiel den Gräserfreunden dabei besonders ins Auge. Auch das selten verwendete Zottenraugras, Spodiopogon sibiricus, ‚Westlake‘ bewies hier eindrucksvoll seinen Gartenwert für großzügige Prärie-artige Pflanzungen. Eine Gartenschau ohne Petra Pelz ist zwar denkbar, aber letztlich wohl kaum möglich. Die Gestalterin hatte mit ihrer unverwechselbaren Handschrift nicht nur zahlreiche Staudenbeete, sondern auch große Teile des Wechselflors auf der IGA geplant. Unter dem Motto „Allerweltspflanzen - Pflanzen aus aller Welt“ lässt Petra Pelz Wechselflor aus sehr unterschiedlichen Regionen der Erde, von trockener Savanne bis tropische Landstriche entstehen. In einem Beet verwoben sich Pennisetum villosum, P. setaceum oder P. orientale mit orangefarbenen Zinnien, Dahlien oder auch mit weithin duftenden Schokoladenblumen (Cosmos atrosanguineus) zu zarten und weithin leuchtenden Pflanzungen. Von den vielen sehr sehenswerten „Internationalen Gartenkabinetten“ sei hier der britische Beitrag herausgegriffen. Der Beitrag „The Garden of Vulcan“ wurde von Tom-Stuart-Smith gestaltet. Die Grundebene des Gartens bildet eine Ansaat von Stauden, in die dann einige wenige Essigbäume gepflanzt wurde. Dann folgte die Wegführung und architektonische Elemente. Während unseres Besuchs prägten gerade Rudbeckia maxima, Patrinia scabiosifolia und Anaphalis triplinervis das Pflanzenbild. Auch viele Beiträge zum Thema „Gartensituationen“ (Haus- und Privatgärten) lieferten vielfältige Anregungen für eigene Projekte in unseren Gärten. Drei Teilbeiträge von Jonas Reif unter dem Titel „City Drop“ zeigten Gestaltungsmöglichkeiten in besonderen Stadtgarten-Situationen, vielleicht auch unter den besonderen Aspekt ‚Klimawandel‘. Vielleicht werden Kakteengärten bald ohne Überdachung und Heizung bald Realität auch in unseren Breiten.


IGA Jonas Reif "City Drop"


IGA Gartensituationen Prärie


IGA Gräserband


IGA Gräserband Panicum "Külsenmoor"


IGA Tom-Stuart--Smith


IGA Wechselflor Petra Pelz


IGA Wechselflor Petra Pelz

Berlin-Tiergarten, Steppengarten

Nur 300 m entfernt vom Brandenburger Tor liegt der „Steppengarten“ im Berliner Tiergarten. Er wurde 1953 von Wily Alvardes geschaffen und zu Anfang des neuen Jahrtausends noch einmal völlig neu bepflanzt. Als Folge ausbleibender Pflege wurde die Pflanzung von Wildkräutern inklusive Brennnesseln überwuchert. Erst durch die Initiative von einigen wenigen Gartenenthusiasten und deren umfangreichen ehrenamtlichen Arbeitseinsatz wurde dieser Parkteil wieder zu einem wahren Steppengarten. Jeden Freitagnachmittag treffen sich diese Idealisten, vom Gartenlaien bis zum Gärtner und Landschaftsarchitekten. Sie pflanzen jedes Jahr ca. 3000 Gräser und Stauden, um immer noch vorhandene oder neu entstehende Lücken zu füllen. Finanzielle Unterstützung seitens der Stadt gibt es keine. Zudem bedrohen kleine vierbeinige und große zweibeinige Wesen mit ihrem Hunger auf alles Grüne und mit Diebstahl und Vandalismus dieses botanische großstädtische Kleinod. Ohne Dogmatik werden hier heimische Wildstauden wie Geranium sanguineum, Calamintha nepeta mit zugereisten Pflanzen wie Artemisia ludoviciana, Nassella, oder Lavendel kombiniert. Gerade letztere fühlen sich auf dem sonnigen Sandboden wie zuhause und erhalten sich teilweise auch durch reichliche Selbstaussaat. Erstaunlich war, dass sich auch größere Gruppen Helenium autumnale auf dem relativ trockenen (hier halbschattigen) Standort behaupten und sogar ausbreiten konnten.


Steppengarten


Helenium im Steppengarten

Königliche Gartenakademie Berlin-Dahlem

Zwei Damen, Gabriella Pape und Isabelle Van Groeningen, gründeten die Königliche Gartenakademie Berlin-Dahlem. Die historischen Gewächshäuser, in denen einmal Weinreben, Pfirsiche, Ananas und Erdbeeren reiften, ließ Gabriella Pape aufwendig restaurieren und zu Gartenschule, Beratungszentrum und Designstudio umbauen. Ein Gartencenter mit einem großen Sortiment an Stauden, Sommerblumen und Gehölzen wurde ebenfalls auf dem Gelände eingerichtet. In einem kurzweiligen und praxisnahen Vortrag erfreute Isabelle Van Groeningen die GräserfreundInnen mit ihrer Art der Garten- und Staudenbeet-Gestaltung. Unmittelbar neben der Gartenakademie schließt sich das Gelände des botanischen Gartens Berlin an. Die gekonnt gestalteten Beete dort boten einen wundervollen herbstlichen Anblick mit vielen Astern, Gräsern, Echinacea oder Kerzenknöterichen.


Botanischer Garten


Botanischer Garten

Garten Frau Inge Bauer, Schönefeld-Großziethen

Der Garten unseres GdS-Mitgliedes Inge Bauer stand am nächsten Tag auf dem Besuchsprogramm. Angelegt im Jahr 1995 wurde er von Frau Bauer selbst gestaltet und bepflanzt. Es entstand ein üppig und dicht bepflanztes Areal vorwiegend mit Stauden, etlichen Gehölzen, aber auch vereinzelt Gräsern, was einerseits eine gute Bodendeckung ergibt und andererseits reichlich Nahrung für Vögel, Frösche sowie Insekten anbietet.

Auch das Thema Blackboxgardening wird gepflegt mit verschiedenen Kurzlebigen wie Akeleien, Geranium, Lanzeneisenkraut, Königskerzen u.a., die mit Selbstversamung geeignete Plätze besetzen. Es gab einen schön angelegten Teil mit reichlich Uferbepflanzung, der sich gut in die Gartensituation einfügte. In den schattigen Bereichen sahen wir etliche verschiedene Hostas, allen voran die gerade wundervoll blühende und duftende Hosta plantaginea ‚Aphrodite‘.

Der Garten, so Frau Bauer, sei kein statisches Element, sondern ein lebendiger Garten, in dem immer wieder Veränderungen vorgenommen werden, Neues ausprobiert und Ungeeignetes entfernt wird. Leider meinte es das Wetter gar nicht gut mit uns, so dass der Besuch etwas verkürzt werden musste, wir aber trotzdem das liebevoll hergerichtete Kaffee- und Gebäckangebot dankbar annahmen.

Garten Herr Jonas Reif, Zeuthen

Südöstlich des Flughafens Schönefelds in Zeuthen wohnt der Gartenpraxis Chefredakteur Jonas Reif in seinem Elternhaus. Freundlicherweise öffnete er für uns seine Gartenpforte. Wenn es eine Steigerung für einen trockenen Gartenstandort gibt, dann ist es gewiss die Sandbüchse, mit der Jonas Reif zurechtkommen muss. Ganz ohne gelegentliche Bewässerung muss der Garten zwar nicht auskommen, dennoch schaffen es nur ausgewiesene Trockenkünstler in Sonne oder schattigeren Lagen, dem Wassermangel zu trotzen. H. Reif gelang es offenbar, aus der Not eine Tugend zu machen. Jedenfalls wirkt der Garten üppig und selbst Hakonechloa gedeiht an der einen oder anderen Stelle. Die allermeisten Beikräuter haben es unter diesen Bedingungen schwer, was den Pflegeaufwand für den Garten erleichtert. In vielen Wegfugen und freien Flächen dürfen sich aussamende Pflanzen breitmachen und ihr Eigenleben führen. Offensichtlich, dass hier die Wiege des Gartenbuches ‚Blackbox Gardening‘ von Jonas Reif und Christian Kress steht. H. Reif führte uns noch in den Garten seines Bruders, den er als Kiesgarten angelegt hatte. Obwohl die Pflanzung schon etwa 5 Jahre alt war, hatten sich Gräser und Blütestauden erst sehr zögerlich entwickelt, was zum einen auf den Wassermangel aber auch auf den sehr mageren Sandboden zurückzuführen sei.

Garten Herr Hermann Kühne, Nuthethal

Südlich von Potsdam liegt die kleine Gemeinde Nuthetal. Hier liegt das Gartenreich von Herrmann Kühne, der nahezu jede Gartenschau mit seinen Pflanzen beliefert hatte und dabei unzählige Preise errungen hatte. Bei unserem Eintreffen kam H. Kühne gerade von einer Preisverleihung im Rahmen der IGA Berlin. Neben einem riesigen Privatgarten, in dem H. Kühne zahllose, darunter viele besondere und rare Gehölze sammelt, faszinierte die Gräserfreunde reichhaltige Aufpflanzungen von Miscanthus-Sorten in voller herbstlicher Blütenpracht. Es kam wie es kommen musste: Eine erste zaghafte Anfrage zum Verkauf eines Miscanthuspflänzchen führte beinahe zu einer Massenhysterie. Mit Spaten bewaffnet erfüllte H. Kühne bereitwillig jeden Gräserwunsch und das Gepäckfach des Busses war am Ende wohlgefüllt mit Chinaschilfen.

Garten Familie Lüdke Berlin-Spandau

Am letzten Besuchstag stand Lüdkes Garten auf dem Programm, interessanterweise vorgestellt in der aktuellen Ausgabe der Gartenpraxis. Insgeheim und mehrfach wurde dem Autor zugeflüstert: „Schönster Garten Berlins“. Wir waren äußerst gespannt. Zunächst aber hatten sich mehrere Fahrzeuge hoffnungslos verfahren und mussten von Herrn Lüdke eingesammelt und auf den richtigen Weg gebracht werden. Er tat das ganz unaufgeregt und bemerkte lakonisch, dass das des Öfteren vorkomme. Der Grund dafür ist in der besonderen Lage des Anwesens zu suchen. Der „Eiskeller“ wurde nach dem Mauerbau 1961 zur fast westlichen Exklave und nur durch einen schmalen Weg zugänglich. Eigentlich eine Kleingartensiedlung, in der Lüdkes zunächst eine Parzelle von 750 m² erwarben. Heute nennen sie fünf Parzellen ihr Eigen, und Frau Lüdke bewirtschaftet mit viel Sachkenntnis und Gespür für stimmige Pflanzenkompositionen ihr grünes Refugium. So entstanden zwangsläufig verschiedene Gartenräume, so u.a. ein wunderbarer formaler Rosengarten, der neben 40 verschiedenen Rosensorten auch Klematis und Rittersporn beherbergt. Es gibt weiterhin einen Tagliliengarten, ein Teichgärtchen mit Seerosen und Brücke. Wunderbar anzusehen auch ein Schattengarten in Hausnähe mit Hakonechloa, Rhododendren und Hortensien. Bei der Terrasse fällt der Blick über die Rasenfläche auf eine imposante „Schirmakazie“, eigentlich Prunus cerasifera, die streng beschnitten ist und die Szenerie beherrscht. Die vielen Phloxsorten, die Frau Lüdke sammelt, unzählige Herbstastern, Rosen, Kleingehölze mit teils farbigen Blättern und vieles andere erzeugten ein berauschendes Farbenmeer, das seinesgleichen sucht. Daneben gibt es noch unzählige Hecken, bedingt natürlich durch die verschiedenen Parzellen, mehrere Rosenbögen, die wohl im Frühsommer prachtvoll anzusehen sind und ständig neue, wunderbare Eindrücke, so man von einer in die nächste Parzelle wechselt.

Ein so großer, vielfältig gestalteter Garten erfordert ein ‚gerüttelt Maß‘ an Pflegeaufwand, den Frau Lüdke, Gärtnerin aus Leidenschaft, fast ganz allein, aber mit viel Enthusiasmus bewältigt. Das rang uns ungeteilte Anerkennung ab und war ein würdiger Abschluss unserer Jahrestagung in und um Berlin.

 

8. Jahrestreffen Oktober 2016 am Niederrhein und Niederlande

Anfang Oktober 2016 nutzten die Gräserfreunde das verlängerte Wochenende für ihr 4-tägiges Gräsertreffen am Niederrhein.

GARTEN JANKE
Aus allen Himmelsrichtungen pilgerten wir nach Hilden in Peter Jankes 1,4 ha großen Garten, der in kurzer Zeit zu einem Mekka für Gartenbegeisterte wurde. Nach einer herzlichen Begrüßung betraten wir den Garten durch einen Tunnel aus Riesenchinaschilf. Dazu erklärte uns Peter Janke, dass er sich im Frühjahr lange schwer tut, dieses abzuschneiden , weil dadurch die Architektur dieses Gartenbereiches verloren ginge. Wenn es dann aber geschehen sei, entstehe wieder ein neues und versöhnliches Bild. Nach einer kurzen Einführung über die Entstehung des Gartens, dessen unterschiedlichste Bodenverhältnisse als nahezu unbezahlbares Plus, über standortgerechte Pflanzenauswahl und über die Kunst, einen Garten so anzulegen, dass er 12 Monate durch seine Schönheit überzeugt, starteten wir unseren Rundgang. Im Kiesgarten genossen wir die schwelgerische Fülle der Gräser, wie Miscanthus, Cortaderia und Stipa gigantea in ihrer herbstlichen Schönheit. Danach waren wir auf den neu geschaffenen Wintergarten gespannt. Dieser ist innerhalb des Wiesenkreises ebenfalls kreisrund angelegt, vom Wohnhaus – und das war wichtig bei der Gestaltung - gut einsehbar und mit schönen rindenzierenden Gehölzen, wie Cornus und Salix bepflanzt. Das dazwischen gepflanzte Pennisetum macrourum sorgte für Lockerheit und Schwung. Ein noch junger Zuckerahorn betont den Mittelpunkt. Eine ganz andere Ausstrahlung hatte der Waldgarten auf uns. Hier herrschte eine zauberhaft mystische Atmosphäre. Diese wurde durch die herrliche Herbstfärbung der Bäume und Stauden sowie durch kleine Teiche und Wasserläufe verstärkt. Vielleicht lag es am schmalen Weg, an der abwechslungsreichen Bepflanzung oder an der kleinen Flamme in einer gusseisernen Amphore, die uns in magische Stimmung versetzte. Ich habe selbst einen schönen Waldgartenbereich, aber ob es dort Zauberwesen gibt bezweifle ich. Das, was Peter Janke mit seinem Garten HORTVS geschaffen hat, ist in allen seinen Teilen immer unverwechselbar und wahre Gartenkunst.

GARTEN ULBRICHT
Unser nächstes Ziel an diesem Tag war der Garten Ulbricht am Rande von Solingen. Dieser entstand in den letzten 25 Jahren auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei. Auf Fotos, die herumgereicht wurden, konnten wir uns davon überzeugen, wie es vorher aussah. Es entstanden 11 verschiedene Gartenzimmer, wobei die alten Fundamente der Gewächshäuser genutzt wurden.
Im Torgarten litten wir gemeinsam mit den Besitzern um den schönen Buchs, der vom Pilz befallen war. Aber nicht lange,
denn es folgte eine Überraschung. Von oben herab sah man eine Fläche, auf dem ein 16 m langes Wasserbecken mit Seerosen lag. Das neuste Projekt - wie wir erfuhren. Gekrönt wurde dieser Gartenbereich von einer parallel zulaufenden Staudenrabatte mit vielen Schneeglöckchenraritäten, wie man auf den Etiketten erkennen konnte. Auch in den anderen Gartenzimmern entdeckten wir viel Überraschendes. Besonders schön wurden die verschiedenen Höhenunterschiede in die Planung einbezogen. So konnte man oft von erhöhter Stelle den Garten überblicken. Mit vielen Eindrücken und großem Respekt verabschiedeten wir uns.
Nach einer regnerischen Nacht waren wir auf unseren ersten niederländischen Garten gespannt. Am Ziel angelangt, kam auch langsam die Sonne durch die Wolken.

GARTEN VAN NATURE
Was wir da zu sehen bekamen war großartig. Vor uns lag ein riesiger Präriegarten. Drei junge Gartengestalter haben diesen Schaugarten auf einem ehemaligen, mit Disteln übersäten Gemüseacker in sichtbar mühevoller Kleinarbeit angelegt. In Amerika sammelten sie Samen an Originalstandorten. Zu Hause wurde dann mit den neuen Pflanzen experimentiert und schöne Variationen zusammengestellt, so dass der Garten zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten hat. Leider sprach unser Gastgeber nur englisch, aber Herr Güthler war so nett und übersetzte für uns. Ich selber konnte es kaum erwarten, mich in die Prärie zu stürzen, um zu fotografieren. Im Sonnenlicht funkelten die Wassertropfen an den Gräsern und alles sah wunderschön aus. Ein toller Garten und unbedingt weiter zu empfehlen. Eine kleine Gärtnerei, in der hauptsächlich selbst selektierte Pflanzen angeboten werden, rundete diesen Gartenbesuch wirkungsvoll ab.

GÄRTNEREI MARCEL DE WAGT
Anschließend fuhren wir weiter in die Gärtnerei von Marcel de Wagt. Alle, die sich vorgenommen hatten, sich beim Pflanzenkauf zu beherrschen, gaben beim Blick auf das Verkaufsgelände auf. Die Pflanzen waren in größeren Töpfen und hatten eine tolle Qualität. Bei Peter Janke beeindruckte viele die Fackellilie Kniphofia rooperi, hier konnte man sie erwerben. Unser Busfahrer Peter Gartz, der sich vorher über die Leere im Kofferraum wunderte, hatte jetzt viel zu tun.

GARTEN ALST
Nach dem Mittagessen im „Lindenhof“ und der Gelegenheit, den umgebenden parkartigen Garten zu durchstreifen, stand für viele Gräserfreunde ein weiterer Höhepunkt auf dem Programm, der Garten Alst. Von den Besitzern Torsten Matschiess und Daniela Pawert erfuhren wir von den Anfängen und der Philosophie des Gartens. In tausenden von Töpfen wurden die ersten Pflanzen vermehrt, bevor sie auf das nunmehr 8200qm große Gelände aufgepflanzt worden waren. Wir wanderten oder schwelgten durch die weitläufigen Pflanzflächen, immer begleitet von verschiedensten Sorten des Kerzenknöterichs (Bistorta amplexicaulis) und Gräsern. Hier wird kaum etwas abgeschnitten und nur sehr wenig entfernt. Kaum zu glauben beim Anblick eines Miscanthus, aber im Oktober sah man nur wenig vom Vorjahr. Selbst ich, die gern schneidet und aufräumt, musste zugeben, dass manches sehr reizvoll aussah. In den Miscanthus „Hermann Müssel“ und in das Blau der Hummelschaukel Salvia uliginosa verliebte ich mich sofort. Leider musste ich letzere von meiner Wunschliste wieder streichen, da sie bei mir zu Hause den Winter nicht überleben würde. Bei einmaligen herbstlichen Lichtverhältnissen ging unser Rundgang weiter, und Torsten Matschiess ärgerte sich nicht nur einmal, seine Kamera nicht dabei zu haben. Aber mir gelang wie ich finde ein tolles Bild.
Am Abend lauschten wir gespannt Hermann Gröne, der uns auf die Reise zu den "Neuen englischen Gärten" mitnahm.

GARTEN BERGHEMHOAF
Am Sonntagmorgen folgten wir der Einladung von drei Männern; Vater, Sohn und dessen Freund. Stolz und mit strahlenden Gesichtern zeigten sie uns ihren - wie uns schien – mit leichter Hand dahingeworfenen Garten. Mit viel Freude, botanischer Fachkenntnis und überschäumender Lebenslust kombinierten sie unzählige Dahlien mit verschiedensten Astern und Gräsern. Wir erfuhren, dass es jede Pflanzensorte nur einmal im Garten gibt. Mit Erstaunen betrachteten wir eine alle anderen Pflanzen überragende blühende Silphium laciniatum, die ich noch nie in einem Privatgarten vorher sah. Der Spaziergang durch den Garten hatte etwas von Dschungelatmosphäre, denn viele der Gräser und Stauden waren übermannsgroß. Einfach wunderbar. Am Ende hatten wir noch die Gelegenheit in einem Fotobuch zu blättern und den Garten zu anderen Jahreszeiten kennenzulernen.

KASTEEL GELDROP
Danach ging es weiter zum Kasteel Geldrop. Hier wurden wir von Herrn Schoolmeesters begrüßt. Er erzählte uns, dass hier im historischen Ambiente des alten Herrenhauses ursprünglich ein Rosengarten angelegt worden war. Aber die Rosen vertrugen den zu hohen Grundwasserstand auf Dauer nicht und kümmerten dahin. Man entschloss sich deshalb, einen modernen Staudengarten im Dutch-Wave-Style anzulegen. Für Herrn Schoolmeesters als Rosenexperte ein ganz neues Gebiet. Er holte sich viele Freiwillige an seine Seite, die ihm bei diesem Projekt unterstützten. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Besonders schön in allen Farben des Herbstes strahlte der Korkspindelstrauch Euonymus alata. Bei den Stauden bezauberte uns die Anmut von Cimicifuga "Queen of Sheba", der Silberkerze. Noch ein kurzer Blick ins Gewächshaus, wo Tomaten wuchsen, dann ging es zum Mittagessen. Gestärkt nahmen wir den nächsten Garten im Rosendorf Lottum in Angriff.

GARTEN VERHEGGEN
Auf dieses Wiedersehen freute ich mich besonders. Vor 4 Jahren besuchte ich diesen Garten schon einmal. Damals schrieb mir Nel in mein Buch: "Die Liebe für Blumen und Pflanzen zu teilen ist meine größte Freunde". Ein sehr schöner Satz. Leider war sie an diesen Wochenende verhindert. Aber ihre Hand konnte man an den sehr schön zusammengestellten Blumensträußen erkennen. Herrn Verheggens Sammelleidenschaft sind die Dahlien, die man überall im 4000qm großen Garten entdecken konnte. Toll kombiniert gedeihen die 150 verschiedenen Dahlien Seite an Seite mit Astern, Gräsern, Sonnenbräuten und Staudenknöterich. Außer den sorgfältig in Englischem Stil kombinierten Beeten pflegen die Verheggens auf dem gepachteten Nachbargrundstück ein sogenanntes Vorratsfeld. Dieser Streifen erinnert an einen üppigen Schnittblumengarten. Für ihre farbenprächtigen Sträuße greift Nel Verheggens hier oft zur Schere. Besonders schön für uns Gräser- und Staudenfreunde war die Beschriftung der einzelnen Pflanzen, und so wurde die Wunschliste anstatt kleiner immer länger. Leider verdunkelte sich der Himmel und so zogen wir uns zur gemütlichen Kaffeerunde ins Gartenhaus zurück, wo wir sehr umsorgt wurden.

BROOKERGARTEN
Unsere letzte Station an diesem Tag war der Garten von Loek und Annemarie Gubbels. Im 5500qm großen romantischen und perfekt gestylten Garten begrüßte uns der Hausherr. Wir erfuhren, dass beide Pferde lieben und eigentlich eine Pferdekoppel entstehen sollte, was aber wegen einer Pferdeallergie der Tochter verworfen werden musste. Und so wurden sie zu Gartenexperten. Sie legten drei verschieden große Teiche an, jeweils thematisch unterschiedlich. Einer lag zu Füßen eines Hanges, der mit unzähligen, in den schönsten Herbstfarben leuchtenden Gehölzen bepflanzt war, durch den sich ein Wasserfall in den Teich ergoss. Asiatisches Flair kam auf. Ein anderer hatte einen kleinen Badestrand zu bieten. Es waren außerdem verschiedene Hecken aufgepflanzt, und so entstanden romantische Gartensituationen und verschiedene Sitzplätze. In dem großen Staudenbeet rund um einen Teich waren viele farbenprächtige nicht winterharte Salvien eingefügt und hinterließen einen opulenten Eindruck. Großzügig verteilte Frau Gubbels Stecklinge. Als sie immer mehr abschnitt und wir uns wunderten, erzählte sie uns, dass wir die letzte Gruppe in diesem Jahr sind. Gleich am nächsten Tag sollten alle empfindlichen Pflanzen ins Winterquartier und 20 000 Blumenzwiebeln in die Erde kommen. Im Frühjahr besuchen sie dann wieder Gartenfreunde aus aller Welt. Sogar aus Russland und Japan konnten sie schon Gäste empfangen.

RIETHER STAUDENPARADIES
Am letzten Morgen unserer Reise trafen wir uns im Riethener Staudenparadieses. Eine private Pflanzensammlerin schuf im Verlaufe vieler Jahre einen romantischen Staudengarten mit unterschiedlichsten Stauden, vielen Gräsern und nicht alltäglichen Gehölzen. Im Eingangsbereich bestaunten wir den Kiesgarten, umgeben von einer besonders schönen Pflasterarbeit, die als wichtiges Gestaltungsmittel dient. Danach erkundeten wir den hinteren weitläufigen Teil des Gartens, in dem etliche Inselbeete und langgezogene Rabatten nach Cottage-Garden-Art unsere ganze Aufmerksamkeit erforderten, denn auch hier gab es etliche Raritäten zu entdecken. Es gibt mehrere ausladende Gehölze, auch alte Obstgehölze. Das Ende des Gartens begrenzt eine riesige Esskastanie (Castanea sativa). Die Bepflanzung ist perfekt an die unterschiedlichen Standortverhältnisse angepasst. Ebenfalls war ein kreativer Umgang mit Selbstversamern festzustellen. Jetzt im Herbst beeindruckte besonders das Präriebeet mit seinen teilweise spektakulär färbenden Gräsern, allen voran Schizachyrium scoparius. Schön anzusehen auch die oftmals eingestreuten Pycnanthemum muticum. Die Zeit war schnell vergangen, wir aber hatten noch einen letzten Garten auf unserem Besichtigungsprogramm.

Etwas ausgedünnt wegen der doch sehr langen Heimreise einiger Teilnehmer besuchten wir noch den GARTEN GRÖNE.
Seit mehr als 20 Jahren pflegt Herr Gröne seinen etwa 2000 m² großen Garten, der dem Gartenplaner auch als Versuchsfeld dient. Der gesamte Garten ist umschlossen von hohen Bäumen. In dessen Schutz gedeihen besondere Blattschmuckpflanzen und Schatten liebende. Der Garten ist jedoch sehr abwechslungsreich gestaltet mit verschiedenen Themenbeeten in den sonnigen Bereichen, imposanten Großstauden, einer Wildstaudenpflanzung, einem Kiesgarten und vieles mehr. Wir erfreuten uns an den noch blühenden Astern, oft kombiniert mit Staudensonnenblumen, den schon herbstlich färbenden Gehölzen und einer beeindruckenden Staudenaralie (Aralia californica), die mit überschwänglichem Fruchtschmuck begeisterte. Angefüllt mit wunderbarsten Garteneindrücken versammelte sich der Rest der Teilnehmer noch einmal zu einem kleinen Mittagsimbiss, um dann die Heimreise anzutreten. Es waren vier tolle und erlebnissreiche Tage. Herzlichen Dank an Elke Wagner für diese perfekte Organisation. Ich freue mich schon auf das nächste Gräsertreffen in Berlin.

7. Jahrestreffen August 2015 in der Kurpfalz

Bericht vom Jahrestreffen der Fachgruppe Gräser vom 13.08. bis 16.08.2015

Start des Jahrestreffens im Hermannshof in Weinheim bei 40°C Chefgärtner Till Hofmann führte die Gruppe durch den Park

Start des Jahrestreffens im Hermannshof in Weinheim bei 40°C
Chefgärtner Till Hofmann führte die Gruppe durch den Park
Foto © 2015 Joachim Hegmann

Pennisetum macrourum 'White Lancer' mit Rudbeckia

Pennisetum macrourum 'White Lancer' mit Rudbeckia
Foto © 2015 Sylvia Schnick

„Macht Euch auf nach Speyer“. Diesem Aufruf Goethes folgend führten wir unser Jahrestreffen in Speyer durch, zugegebenermaßen auch angespornt durch Joachim Hegmann, der uns in die Kurpfalz einlud. Das alles beherrschende Thema waren brütende Hitze und Dauerbewässerung der Pflanzen, oder eben nicht. Wir hatten ein sehr abwechslungsreiches und vielschichtiges Programm, das mit dem Hermannshof begann. Hier wird – wie bekannt – Verwendungssichtung durchgeführt, d.h. es werden verschiedene Pflanzengemeinschaften nach standörtlichen, ästhetischen, aber auch pflegetechnischen Aspekten untersucht.

Till Hoffmann vor dem Salbei-Schafgarben-Beet Viele Stauden, unser kompetenter und kurzweiliger Gartenführer und auch die Teilnehmer waren von der Rekord-Hitze sichtlich gezeichnet

Till Hoffmann vor dem Salbei-Schafgarben-Beet. Viele Stauden, unser kompetenter und kurzweiliger Gartenführer und auch die Teilnehmer waren von der Rekord-Hitze sichtlich gezeichnet
Foto © 2015 Sylvia Schnick

Bei brüllender Hitze und sengender Sonne begrüßte uns Till Hofmann, der uns fachkundig durch die große Anlage führte und zahlreiche Fragen geduldig beantwortete. Zuerst betrachteten wir im Schweiße unseres Angesichtes den Bereich Beet, in dem hauptsächlich Prachtstauden, nordamerikanische und asiatische Beetstauden, durchsetzt mit Wechselflor und Einjährigen, in klassischer Manier aufgepflanzt sind. Dieser Bereich ist sehr pflegeaufwändig, wird intensiv bewässert und sah demzufolge enorm gut aus.

Stipa gigantea Foto

Stipa gigantea
Foto © 2015 Sylvia Schnick

Alle übrigen Bereiche erhalten in der Regel kein Wasser. Wir betrachteten weiterhin die Salbei-Schafgarbenpflanzung (violett-gelb), Steppenheide und Felssteppe, die einen macchiaartigen Eindruck vermittelte, aber auch den Bereich Gehölz und Gehölzrand, der 2007 um eine Monsunwaldpflanzung erweitert wurde. Dieser Bereich vermittelt Üppigkeit durch Pflanzung großer Bestände einer Art, z.B. Hakonechloa macra, Verwendung großer Blätter u.a. Zum Schluss gelangten wir noch in den Bereich Freifläche , die mit Hochgraspräriepflanzung und trockener Prärie- und Steppenpflanzung daherkam. Es gab massenhaft Nasella tenuissima, verschiedene Echinaceen, Artemisien, Mädchenauge, Amorpha canescens und vieles andere. Dieser Bereich hatte besonders unter der heißen Witterung gelitten, was jedoch den Pflanzen insgesamt nicht schadet, da diese in der Regel tief wurzeln. Man könnte sich einen ganzen Tag im Hermannshof aufhalten, um alle Pflanzen und ihre gekonnte Benachbarung in den einzelnen Bereichen zu erfassen.

Der Abend klang aus mit unserer Jahresversammlung und anschließendem Beisammensein, bei dem einige neue Freundschaften geknüpft wurden. Spontan traten der Fachgruppe etliche neue Mitglieder bei, was die Veranstalter ganz besonders freute.

Am Freitag standen als erstes die Firmengärten der Rhein-Chemie auf dem Programm, die von Joachim Hegmann gestaltet wurden. Nach einer Gebäuderenovierung wurde die umgebende Freifläche nicht begrünt, sondern als Kiesgarten gestaltet in Anlehnung an die Mischpflanzung „Silbersommer“. Die Pflanzungen werden extensiv gepflegt, so dass sich die Artenvielfalt von einstmals 40 auf etwa 10 Pflanzen reduzierte. Sedum ‚Herbstfreude‘, Aster linosyris, verschiedene Stipa und Melica ciliata haben sich gut gehalten.

Mediterrane Felsteppe

Firmengarten Rhein Chemie; vor einem Gebäude mit Cupressus sempervirens, Nassella tenuissima, Artemisia- und Salvia-Arten, Iris barbata, Yucca, Euphorbia und Co
Foto © 2015 Joachim Hegmann

Auf einer weiteren Fläche wurde eine Ruderalpflanzung auf der Grundlage der heimischen Flora installiert, u.a. mit verschiedenen Solidago. Ein kleiner Hain mit Genista aethensis und Tamariske vervollständigt diese Pflanzung. Weiterhin gab es an einem heißen Rand zwischen Gebäude und Straße eine Pflanzung aus Nasella teniussima und Zypressen, ungeschnitten, durchsetzt mit Phlomis lanata, Euphorbia rigida, Salvia nevadensis, Arthemisia lud., die allesamt diesen heißen Standort tolerieren und deshalb gut funktionieren

Europa-Beet

Firmen-Garten Rhein Chemie, Europa-Beet mit Stipa calamagrostis, Pseudolysimachion 'Hermannshof', Eryngium planum (Gestaltung Joachim Hegmann)
Foto © 2015 Joachim Hegmann

Eine weitere kreisrunde Fläche, die symbolisch für ein friedvolles, völkerverbindendes Nebeneinander der Kontinente stehen soll, war unterteilt in die Bereiche Asien, Europa, Amerika – jeweils mit entsprechenden Pflanzen gestaltet. Als Abgrenzung diente Calamagrostis ‚Waldenbuch‘. Da Afrika unterrepräsentiert war, wurden etliche Kniphofien der neuen Popsicle-Serie eingestreut.

Schwetzinger Schlossgarten

Schwetzinger Schlossgarten, Parterre mit historischem Sommerflor
Foto © 2015 Joachim Hegmann

Da wir schon etwas in Zeitnot geraten waren, ging es unverzüglich zum Barockschloss Schwetzingen mit seinem berühmten Garten. Es war die Sommerresidenz der pfälzischen Kurfürsten des 18. Jahrhunderts und in seiner schieren Größe nicht zu überbieten – ein Gesamtkunstwerk von europäischem Rang. Durch ein Mittelparterre im französischem Barockstil und in angepasster historischer Bepflanzung gelangte man in unzählige einzelne Bereiche, durchsetzt mit Wasserspielen, zahllosen Skulpturen, Heckenbereichen, Formschnittgehölzen, alles eingebettet in einen von Von Sckell realisierten englischen Landschaftspark. Es gab weiterhin einen Apollotempel, ein Naturtheater, dessen umgrenzende Hecken wie Kulissen gegeneinander standen und vieles, vieles mehr.
Völlig erschlagen von den vielen Superlativen ließen wir uns zur wohlverdienten Mittagspause im Schwetzinger Brauhaus "Zum Ritter" auf der Terrasse nieder, direkt gegenüber dem Haupteingang des Schlosses und genossen Speis‘ und Trank.

Ludwigshafen Hauptfriedhof; Staudengarten

Ludwigshafen Hauptfriedhof; Staudengarten mit Echinacea, Sesleria autumnalis und Calamagrostis x acutiflora (im Hintergrund)
Foto © 2015 Joachim Hegmann

Ein wenig erholt und wieder aufnahmefähig war die nächste Station der Hauptfriedhof in Ludwigshafen. „Fluss des Lebens“, so nannte der Schöpfer der Anlage, Gärtnermeister Harald Sauer, seine Pflanzung, abgeleitet vom alljährlich wiederkehrenden Rhythmus des Treibens und Vergehens der Pflanzen und symbolhaft ausgedrückt durch wellenförmig angelegte Pennisetum-Streifen, die die Trauernden und Besucher vom Eingang zur Trauerhalle begleiten. Die Anlage selbst liegt, von hohen Bäumen umgeben, in einer etwa 150 m langen Wiesenfläche und gliedert sich in drei verschiedene Beete. Es wurden wenige robuste Pflanzenarten gewählt, viele Gräser eingesetzt und diese teils blockartig in Beziehung zueinander gesetzt. Es ergab sich so eine ruhige, dem Ort der Trauer angemessene, würdevolle Bepflanzung. Verwendet wurde in den sonnigen Bereichen Sedum ‚Matrona‘ immer in Verbindung mit ‚Red Cauli‘. Weiterhin gab es Kalimeris incisia und Euphorbia seguieriana ssp. niciciana, die zusammen mit Sesleria autumnalis verwendet wurden, eine Kombination mit langer Blütezeit und wunderschön in seiner zurückhaltenden Unbuntheit.

Calamagrostis, Kalimeris incisa und Sesleria autumnalis

Calamagrostis, Kalimeris incisa und Sesleria autumnalis
Foto © 2015 Sabine Baumann

Struktur gebend wurden die Gräser Molinia ‚Windsäule‘ sowie Calamagrostis x acutifl. ‚Karl Förster‘ und ‚Overdam‘ wiederholt eingesetzt, aber auch Sporobolus heterolepis, durchsetzt mit Penstemon digit. ‚Huskers Red‘. Im Schattenbeet fand sich Deschampsia caespitosa ‚Goldtau‘. Harald Sauer selbst führte uns in seiner wohltuend besonnenen und ruhigen Art durch die Anlage, und ich glaube, für einige Teilnehmer, dazu zählt auch der Autor, war es einer der Höhepunkte dieser Gartenreise.

Ludwigshafen Ebertpark

Ludwigshafen Ebertpark; Sommerflor im Parterre mit Afrikanischem Lampenputzergras (Pennisetum macrourum)
Foto © 2015 Joachim Hegmann

Die nächste Anlage in Ludwigshafen war der Ebertpark, ebenfalls betreut und geführt von Harald Sauer. Er entstand anlässlich der Süddeutschen Gartenausstellung 1925 und stellt mit seinen ca. 29 ha heute ein bedeutendes Naherholungsgebiet für die Stadt dar. Der geometrisch angelegte Eingangsbereich mit Wechselflor-Rabatten und Springbrunnen kommt sehr viel moderner, frischer und einfallsreicher daher, als man es von derartigen Anlagen landläufig gewöhnt ist.

diverse Gräser mit Alcalthaea 'Parkallee' im Ebertpark

Diverse Gräser mit Alcalthaea 'Parkallee' im Ebertpark
Foto © 2015 Sylvia Schnick

Weiterhin gibt es verschiedene Gärten, u.a. den Waldgarten, Rosengarten, Quellgarten (gerade im Umbau begriffen), Rhododendrongarten. Sehr schön im schattigen Bereich war eine Pflanzung mit Molinia und Herbstanemonen und dazwischen geschnittene Taxus-Elemente, die für einen guten Winteraspekt sorgen. Besonders beeindruckend war ein Sommerblumenbeet, das mit seiner ausgefeilten Farbigkeit und Struktur einfach genial komponiert war. Und dabei dient es „nur“ als Versuchsfläche, wie Herr Sauer erläuterte. Hinter dem Turmcafe gab es eine ruhige Gräserbepflanzung, inmitten von Hainbuchendreiecken und Bögen aus Hainbuche. Dieser ehemalige Kräutergarten ist in seiner Grundstruktur erhalten geblieben, jedoch mit Gräsern bepflanzt und wiederum mit Taxus-Elementen versehen. Im Mittelpunkt thronte auf einer Säule ein Kübel mit Eragrostis curvula.

Der Abend forderte, nach gutem Abendessen im „Domhof“ noch einmal unsere ganze Aufmerksamkeit. Wir hörten und sahen einen Vortrag von Joachim Hegmann zur Gräserverwendung unter verschiedenen Aspekten. Wie immer sehr emotional und mit großer Sachkenntnis vorgetragen. Danke hierfür noch einmal an Joachim.

Das erste Ziel des Samstages war der Pflanzenmarkt in Maikammer. Imitten des Dorfes und mit heimeligem Flair reihte sich Pflanzenstand an Pflanzenstand, durchsetzt mit Ständen fürs Gartenambiente. Die obligatorisch handgemachten Seifen fehlten ebenfalls nicht. Wir waren früh da, und das war gut so. Gegen Mittag waren die Sträßchen rappelvoll und fast kein Durchkommen mehr. Die angebotene Menge an Pflanzen aller Couleur und nützlichen und weniger nützlichen Dingen konnte einen schier um den Verstand bringen. Und so kam es, wie es kommen musste, jeder kam mit mindestens einer Tüte, aus der die verschiedensten Schätzchen hervorlugten, wieder am Bus an. Alle waren pünktlich, und so konnten wir unser nächstes Ziel ansteuern.

Garten Buchmann

Garten Buchmann
Foto © 2015 Sylvia Schnick

Das hieß Garten Buchmann in Burrweiler. Die Lage des Gartens weit über dem Weindorf an einem steilen Hang gelegen war zunächst eine kleine Herausforderung für die Fußgänger. Weniger Lauftüchtige holte Frau Buchmann im PKW sehr umsichtig vom Bus ab und transportierte sie in im wahrsten Sinn des Wortes in luftige Höhe. Nachdem alle vor Ort waren, wurden wir herzlich von den Buchmanns begrüßt. Und dann kam das große Staunen: Zuerst ein fulminanter Rundblick in die Rheinebene, und dann der Garten selbst. Mit unzähligen Sandsteinmauern wurde der Hang terrassiert und über verschlängelte Wege und Treppen begeh- und bepflanzbar gemacht.

Schattenstauden im Garten Buchmann

Schattenstauden im Garten Buchmann
Foto © 2015 Sylvia Schnick

So wurden Plätze geschaffen für kleine Grasflächen, einen schönen Teich samt Sitzplatz und angepasster Bepflanzung sowie üppige Staudenpflanzungen und verschiedene Gehölze. Man kann sich die ungeheure Arbeit, die sowohl die Anlage dieses Gartens sowie auch dessen laufende Pflege gemacht haben, wohl nicht im Entferntesten vorstellen. Das nötigt uneingeschränkten Respekt vor dieser Leistung ab. Auch deshalb werden wohl der Garten und seine Schöpfer in unser aller Erinnerung bleiben.

Landesgartenschau Landau 2015; Blick auf den GdS - Garten

Zwiegespräche und das Beet Winnetou trifft Dschingis Khan mit Kniphofia Mango Popsicle und das Beet Himmelstürmer und Ruhepoole im Hintergrund
Foto © 2015 Joachim Hegmann

Der Nachmittag gehörte dem Besuch der Landesgartenschau Landau. Dort stand der GdS-Garten, gepflanzt und betreut von der RG Kurpfalz, im Mittelpunkt des Interesses. Die beiden Gestalter, Joachim Hegmann und Harald Sauer, hatten das Ziel vor Augen, Pflanzen und Kunst in Einklang zu bringen. Gleich zu Beginn findet sich eine Skulptur aus zwei verwitterten Holzstelen, verbunden durch einen Steg, auf dem eine Frauenfigur (Elfe?) sitzt.

GdS - Garten Zwiegespräche

GdS - Garten Zwiegespräche; Beet Liebesgras und Blauer Ritter (Gestaltung Harald Sauer) mit der Skulptur "Dialog" der Künstlerin Gudrun Rienhardt
Foto © 2015 Joachim Hegmann

Interessant war, dass die beiden Planer, obwohl jeweils mit eigener Handschrift, ein dynamisches Ganzen hervorbrachten.

Garten Zwiegespräche in Landau

Garten Zwiegespräche in Landau; Beet Zwanglosigkeit im Staudenbeet (Gestaltung Harald Sauer)
mit Aster x frikartii 'Mönch', Rudbeckia maxima, Sedum 'Cloud Walker' und Miscanthus 'Morning Light'
Foto © 2015 Joachim Hegmann

Harald Sauer betont mehr das Klassische, in sich Ruhende, während Joachim Hegmann das Luftig-Leichte bevorzugt. Hier wiederum viel Sedum, Arthemisia und Federgras, durchsetzt mit Eibenelementen dort filigrane Leichtigkeit.

Beet Winnetou trifft Dschingis Khan

Beet Winnetou trifft Dschingis Khan mit Kniphofia Mango Popsicle, Patrinia scabosifolia (Goldbaldrian) und Verbena bonariensis (Gestaltung Joachim Hegmann)
Foto © 2015 Joachim Hegmann

Als Farbthema wurde gewählt Orange mit Blauviolett, untermalt mit Gelb. Interessant die eingestreuten Honka-Dahlien mit ihren windradförmigen Blüten. Zwei Solitärgehölze fielen auf: eine mehrstämmige Stachelaralie, die sehr skulptural wirkte über den wogenden Gräsern, und ein Französischer Ahorn, den man als solchen nicht auf den ersten Blick erkennt. Der GdS Garten, eine äußerst gelungene Komposition aus Stauden und Gräsern wartet mit einer Fülle an Pflanzen auf, die aufzuzählen den Rahmen dieses Berichtes sprengen würden. Sicherlich sorgt er für mannigfaltige „Zwiegespräche“ bei den zahlreichen Besuchern der Gartenschau.

Unser Tag war noch immer nicht zu Ende; wir statteten der Gärtnerei Kirschenlohr in Speyer noch einen zugegebenermaßen kurzen Besuch ab. Viel zu kurz, um das riesige Pflanzenangebot zu sichten und sich zu entscheiden. Einige findige Teilnehmer hatten vorab bestellt, und konnten nun kurzerhand ihre fertigen Tüten in Empfang nehmen. Allen übrigen blieb nur ein kurzer Rundgang, um vielleicht das eine oder andere gezielt zu erwerben oder im Nachhinein zu bestellen.

Der Sonntag begann zunächst wieder mit etwas Kultur in Form einer Stadtführung durch die ehrwürdige Stadt Speyer mit ihrem alles beherrschenden Dom und der darauf zu führenden Prachtstraße. Wir aber lernten auch die etwas verborgen liegende Altstadt sowie das Judenviertel kennen und erfuhren interessante Details zu beiden Bereichen. Danach starteten wir etwas ausgedünnt und mit eigenen Fahrzeugen zu den beiden letzten Gärten dieser Reise.

Kiesbeet an der Terrasse, Garten Zimmermann

Kiesbeet an der Terrasse, Garten Zimmermann
Foto © 2015 Karina Waltzer

Zunächst führte uns unsere Fahrt zum Garten von Sybille und Klaus Zimmermann. Es ist ein relativ kleiner Garten inmitten einer Wohnanlage mit Einfamilienhäusern. Umso erstaunlicher die vermeintliche Abgeschiedenheit, sowie man den Garten betritt. Sie wird erreicht durch intelligente Bepflanzung der Bereiche zu den Nachbarn hin und auch durch die Höhenstaffelung des Gartens selbst. Er hat alles, was einen Garten ausmacht. Ein kleines, sonniges Kiesbeet am Rand der Terrasse, einen Seerosenteich, blühende Rabatten mit Astern, Fetthenne, Gräsern, Rosen und vieles mehr. Interessant war die Gestaltung des Schattengartens. Durch den Verlust des Schatten gebenden Baumes stand die Pflanzung plötzlich der Sonne ausgesetzt da. Zimmermanns überspannten kurzerhand die äußerst gelungene Fläche mit einem Zeltdach, so dass die Pflanzung mit vielen Hostas, Seggen, Hakonechloa, Krötenlilie – um nur einiges zu nennen – erhalten bleiben konnte. Frau Zimmermann führte uns durch ihr grünes Reich, beantwortete sachkundig alle auftauchenden Fragen und verwöhnte uns sogar mit einem kleinen Imbiss auf der Terrasse. Alles in Allem ein Garten zum Wohlfühlen.

Die unweigerlich letzte Station unseres Treffens erreichten wir mit dem Garten Lewandowski-Menzel in Wöllstein. Zunächst war von einem Garten nichts zu sehen, als wir vor dem Anwesen der Menzels standen, das sich in einer für die Weinorte der Pfalz typischen kleinen Straße befand. Erst als wir durch die große Toreinfahrt traten eröffnete sich ein zauberhafter Garten. Menzels erwarben Haus und Garten vor etwa 30 Jahren und gestalteten den Garten Schritt für Schritt bis zum heutigen Stand. Er ist grob gesagt in zwei Teile gegliedert.

Kombination im Schatten, Garten Menzel

Traumhafte Kombination im Schatten, Garten Menzel
Foto © 2015 Sylvia Schnick

Der dem Haus am nächsten liegende Teil ist als Schattengarten konzipiert, umgeben von hohen Mauern. Viele Sträucher und Bäume sowie zwei haushohe Bambusse, alles einstmals selbst gepflanzt, sorgen für entsprechendes Kleinklima und betonen auf elegante Weise die Innenhofsituation. Alles ist unterpflanzt mit unterschiedlichen Farnen, verschiedenfarbigen Hostas und weiteren Schattenstauden. Vieles steht in Töpfen. Dieser Gartenteil ist stimmig, gut gegliedert durch niedrige Mäuerchen und strahlt durch die verhaltene Farbgebung Ruhe und Intimität aus.

Üppige Staudenbeete im Garten Menzel

Üppige Staudenbeete im Garten Menzel
Foto © 2015 Sylvia Schnick

Durch einen Durchgang gelangt man in den sonnigeren Staudengarten. Die Farbpalette bewegt sich deshalb in prall sonnigen Farben, viel Rot, Gelb, hell panaschierte Miscanthusse, außerdem Phloxe, Kniphofien, Rudbeckien und weitere Heli-Stauden. Über den mittigen Weg neigen sich Hakonechloa macra ‚Aureola‘. Dieser Gartenteil polarisiert, einerseits ruft er Begeisterungsstürme hervor, andererseits mag mancher etwas Subtilität vermissen. Sei es wie es sei, die Beete sind phantastisch gestaltet nach englischer Manier, in hervorragendem Pflegezustand und dank unermüdlichen Bewässerns in Top-Zustand. Interessantes erfuhren wir durch Herrn Menzel zur Pflege. Er betreibt konsequent Flächenkompostierung, d. h. anfallendes Material wird geschreddert und sofort auf den Beeten verteilt. Das betraf auch alte Bettfedern, wie uns Herr Menzel schmunzelnd mitteilt. Weiterhin betreibt er ausgiebig Pflanzenvermehrung. Es gab einerseits eine kleine Verkaufsfläche, andererseits selektiert er für den eigenen Garten geeignete Pflanzen. Man mochte sich kaum trennen, Fotoapparate klickten unentwegt, aber irgendwann ist auch die schönste Gartenreise zu Ende. Ein wenig erschöpft von den vielen berauschenden Eindrücken traten wir die Heimreise an.

Text: Elke Wagner

Dank an Joachim Hegmann für die Mithilfe bei der Planung und Begleitung dieser Tagung.

6. Jahrestreffen September 2014 in Weihenstephan

Foto © 2014 Joachim Hegmann

Die Gruppe traf sich am Freitagmittag bei wunderbar milden spätsommerlichen Temperaturen vor dem Haupteingang des Sichtungsgartens Weihenstephan. Für die Führung konnten wir Frau Leyhe, Techn. Leiterin des Sichtungsgartens, gewinnen, worauf die Organisatoren schon ein wenig stolz waren. Wir erhielten eine höchst qualifizierte und detailreiche Führung durch die 3 ha große Anlage und erfuhren zu Beginn einiges zu den Aufgaben des Sichtungsgartens und der Staudensichtung allgemein. Der Garten ist einer von 17 Sichtungsgärten, davon 14 in Deutschland, einer in Österreich und zwei in der Schweiz. Der Boden im Garten ist schwerer Lößlehm, der sehr gut Wasser und Nährstoffe speichert, aber auch Drainage erforderlich macht.

Echinacea Sichtung

Echinacea Sichtung: Mehr Lücken als Pflanzen
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Einige wesentlichen Punkte für die Beurteilung der jeweiligen Sortimente in der Staudensichtung sind beispielsweise Wüchsigkeit/Vitalität, Reichblütigkeit oder Überwinterungsverhalten. Eine abschließende Bewertung erfolgt nach drei Jahren. Bei unserem Besuch war die Sichtung des Echinacea-Sortiments gerade beendet. Die Ergebnisse werden im Oktober-Heft der Gartenpraxis und im Internet veröffentlicht. Wie auch auf dem Foto unschwer zu erkennen ist, waren viele Echinacea-Sorten ausgefallen oder es hatten nur wenige Pflanzen überlebt. Nur eine Handvoll Sorten werden wohl eine hohe oder gar ausgezeichnete Bewertung bekommen.

Paeonienbeet mit Vernonia

Paeonienbeet mit Vernonia als herbstlichen Akzentbildnern
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Die Beete in Weihenstephan besitzen alle eine einheitliche Struktur, sind 3 x 20 m groß und durch Rasenwege getrennt. Dadurch lassen sich die Beete gut bearbeiten. Diese Einteilung hatte Richard Hansen eingeführt, und daran wurde bis heute - bis auf die Einführung breiterer Rasenwege - nichts geändert. Interessant zu erfahren war, dass im Gegensatz zu allen anderen Pflanzensortimenten das Paeonienbeet aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts nie geräumt wurde. Die Pflanzen stehen seit mehr als 40 Jahren am selben Platz. Es wurde lediglich eine Unterpflanzung mit Alchemilla und Geranium magnificum vorgenommen und als Akzentpflanzen Vernonien bzw. Hemerocallis dazwischen gesetzt.

Purpurbeet mit Cotinus coggygria 'Royal Purple'

Purpurbeet mit Cotinus coggygria 'Royal Purple'
Foto © 2014 Joachim Hegmann

In den Themenbeeten finden wir z. B. eine Pastellpflanzung, die besonders im Frühsommer sehr reizvoll ist, da sie mit zahlreichen duftenden Rosen durchsetzt ist. Auch Hibiskus bereichert das Beet. Weiterhin fällt das Purpurbeet allein durch seine etwas düstere Farbgebung ins Auge, die durch Perückensträucher (Cotinus cogyggia), Blasenspiere (Physocarpus ‚Diabolo’) und purpurblättrigem Holunder geprägt ist. Als Aufhellung dazu wird viel Weiß und Rosa verwendet, teilweise auch Einjährige, was dieses Mixed Border sehr pflegeaufwändig macht.

Gelbes Beet

Gelbes Beet mit Helianthus, Helenium, Rudbeckia, Astern und Sorghastrum nutans
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Danach gelangten wir zu den Pflanzungen nach Lebensbereichen. Der Feuchtbereich war geprägt durch Iris sibirica und Euphorbia palustris als Leitstauden mit entsprechenden Begleitern. Im trockenen Bereich sahen wir u.a. Iris germanica, Stipa, Panicum, Yucca, und anderes. Besonders die sich wiederholenden Horste der Steppenwolfsmilch waren sehr einprägsam. Höchst interessant für uns war auch das gelbe Quartier, in dem alle gelb blühenden Präriestauden wie Goldruten, Rudbeckien, Sonnenaugen und Sonnenbraut in verschiedenen Sorten aufgepflanzt waren, durchsetzt mit violetten Astern.

Heuchera-Sichtungsbeete

Kein Lollo Rosso, sondern die Heuchera-Sichtungsbeete
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Wir streiften noch kurz den Lebensbereich Gehölzrand und entdeckten dort ein neu angelegtes Quartier, in dem zur Zeit die Sichtung von Persicaria läuft. Weiterhin läuft die Vorsichtung von buntlaubigen Miscanthus-Sorten und von 118 Sorten Heuchera bzw. Heucherella. Interessant für uns war, dass neuerdings das Mulchmaterial „Gartenfaser“ verwendet wird, mit dem man in Weihenstephan gute Erfahrungen gemacht hat. Es ist ein Holzfaserstoff, der mit Stickstoff angereichert ist. Dieses Material kann auch für Privatgärten empfohlen werden.

Beete am Gehölzrand

Beete am Gehölzrand mit Hydrangea paniculata, Miscanthus und weiß bluehenden Stauden
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Vorsichtung panschierter Miscanthus

Vorsichtung panschierter Miscanthus (im Hintergrund) und Heuchera Sichtung
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Fauna sichtet Flora

Fauna sichtet Flora
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Nach einer verdienten Ruhepause, gestärkt durch Kaffee und reichlich Pflaumen aus dem Obstgarten, führte uns Fr. Leyhe auf die gegenüberliegende Seite, auf den Weihenstephaner Berg. Dieser beherbergt neben der Weihenstephaner Brauerei weitere historische Gärten. Durch das Löwentor betraten wir zuerst den Hofgarten, der dem barocken Salettl vorgelagert ist. Jährlich werden hier in den Beeten verschiedene Themen mit Wechselflorpflanzungen interpretiert. Heuer war die Anlage einer „Welle“ nachempfunden, die zum größten Teil blau blühende, aber auch weiße Pflanzen umfasst. Uns fiel besonders der hohe Tabak auf, wahrscheinlich Nicotiana sylvestris, der quasi die Schaumkronen auf einem blauen Blütenmeer bildete. Die Farbgebung des Salettls ist den riesigen Blutbuchen auf dem Plateau angepasst. Die nächste Station war der Buchsgarten, der abgesenkt neben dem Salettl liegt. Auch er wird mit jährlich verändertem Wechselflor bepflanzt. Die Bepflanzung in diesem Jahr fanden wir als ausgesprochen gut gelungen. Die Beete – eigentlich mit niedrigen Buchshecken eingefasst – schäumten fast über in ihrer heiteren orange-gelbgrün-gelben Farbigkeit. Es gab Löwenmaul, verschiedene Tagetes-Sorten, Süßkartoffel, und alles wurde überragt von dem wunderbaren Pennisetum macrourum, das aufrecht die ansonsten flächige Pflanzung strukturierte. Da der Buchsgarten nach Norden hin von der alten Klostermauer eingefasst ist, wachsen an ihrem Fuß frei ausgepflanzt Mispel und Feige

ADR-Rosen aus den Sichtungen im Oberdieckgarten

ADR-Rosen aus den Sichtungen im Oberdieckgarten
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Vorbei an der südlichen Aussichtsterrasse, die einen weiten Blick in die Münchner Schotterebene erlaubt, gelangten wir zum letzten Garten für heute, dem Oberdieckgarten. Die gesamte Anlage ist terrassiert. Auf der obersten Terrasse sind ADR-Rosen aufgepflanzt, die in ihrer ganzen Pracht noch in voller Blüte standen. Die nächste Terrasse war als Duftgarten konzipiert. Hier blühen hauptsächlich Alte Rosen. Daran schloss sich der Apotheker-Garten an, in dem die Heilpflanzen nach Indikation geordnet waren.

Garten Oberdieck

Garten Oberdieck
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Rund um das Wasserbecken gab es verschiedene Rhododendron und weitere Pflanzen, die sauren Boden bevorzugen. Ein weiteres Element war der Hortensienhang, an dem hauptsächlich robuste Paniculata-Sorten gepflanzt waren. Zu guter Letzt betrachteten wir noch das Paeonienbeet, das intersektionelle Hybriden in gelb-oranger Farbigkeit beherbergt. Unterpflanzt waren die Pfingstrosen mit dem ansonsten schwer zu integrierenden Heuchera ‚Caramel’, zur Blütezeit der Paeonien wahrscheinlich ein umwerfender Anblick. Der ungeheuer ereignisreiche Tag klang dann im Bräustübel der Weihenstephaner Brauerei bei bayrischen Schmankerln und einem wohlverdienten Bier aus.

Foto © 2014 Joachim Hegmann

Der zweite Tag unseres Treffens war allein dem Besuch der bayerischen Landeshauptstadt München vorbehalten. Herr Raible, ein in München lebender Gärtner und Reiseleiter, war uns ein fachkundiger Begleiter und erfahrener Lotse durch den U- und S-Bahn-Dschungel der Stadt. Bei Sonnenschein und milden Temperaturen begaben wir uns am Morgen mit Regio-Express, U-Bahn und Gruppenticket zuerst zum Leonardo-Royal-Hotel.

Miscanthus-Garten am Hotel Leonardo

Miscanthus-Garten am Hotel Leonardo
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Es ist ein moderner Hotel-Neubau, der Teil eines großen noch in der Bauphase befindlichen Gewerbe- und Wohngebietes ist, das von weitläufigen Parkanlagen durchzogen sein wird (zu neudeutsch: Green-Building-Gebiet). Die Freiflächen des Hotels selbst sind ausschließlich bepflanzt mit Gräsern (Miscanthus sinensis ‚Gracillimus’). Im Frühjahr beleben Tausende von Blumenzwiebeln die Fläche. Die kiesigen Flächen durchzieht ein Muster von Wegen, das die Besucher in das Gräsermeer förmlich eintauchen lässt. Die Gräserflächen werden von Gleditsien überragt, die das helle Grün der Gräser ergänzen und im Herbst für weitere Farbaspekte sorgen.

Unser nächstes Ziel waren die Außenanlagen von Uptown Müchen. Dieser Komplex, geballte Wirtschaftskraft demonstrierend, besteht aus einem 147 m hohen Turm, der bei klarer Sicht von der Aussichtsterrasse des Weihenstephaner Berges auszumachen ist, sowie mehreren sogenannten Campusgebäuden. Herr Raible erläuterte uns den ungewöhnlichen Gestaltungsansatz des Planers, der zwei Haine ausgewachsener Kiefern (Pinus sylvestris) auf sanft modellierten Kiesflächen zwischen den Gebäuden installierte. Das Ganze befindet sich auf der Decke einer Tiefgarage. Die immerhin 100 Kiefern, ca. 50 – 60 Jahre alt und keine Baumschulware, d.h. nicht verpflanzt und deshalb natürlich und oft malerisch gewachsen, sind mit ihren Wurzelballen direkt auf der Tiefgaragendecke verankert. Allerdings werden sie künstlich bewässert.

Mediterranes Flair auf Tiefgaragen in der "Uptown" Münchens

Mediterranes Flair auf Tiefgaragen in der "Uptown" Münchens
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Die Kieshügel sind bewachsen mit Bärenfellschwingel, weiterhin gibt es auf den Kiesflächen eine lockere Bepflanzung mit Stauden wie Geröllnelke, Blauraute, verschiedene Gräser, auch Akeleien. Diese Teile waren leider Tage zuvor gemäht worden.

Nun aber Auf zu unserem nächsten Ziel. Nach längerer Fahrt mit U-Bahn und Bus gelangten wir zum Westpark. Die insgesamt 60 ha große Anlage wurde anlässlich der Internationalen Gartenschau 1983 von Peter Kluska entworfen, der eine Berg- und Tal-Landschaft mit großer Wasserfläche und baumbestandenen Hügeln schuf. In diese künstlich geschaffene Landschaft sind verschiedene Gärten integriert. Uns interessierte vor allem die Prärieanlage, die Rosemarie Weise entworfen hatte. Individuell erkundeten wir die – augenscheinlich extensiv gepflegten - Staudenpflanzungen.

Westpark München: Pflanzungen von Rosemarie Weise

Westpark München: Pflanzungen von Rosemarie Weise nach 30 Jahren...
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Es fielen vor allem verschiedene Miscanthus und andere Gräser auf, die die Pflanzung rhythmisch gliederten. Allenthalben hatte sich über die Jahre Kanadische Goldrute breitgemacht, die wohl viele Staudenarten der ursprünglichen Pflanzung verdrängt hatte. Zuletzt machten wir uns auf den Weg zu einem weiteren von Peter Kluska geplanten Garten. So fuhren wir also zurück in Münchens historisches Zentrum, gingen am Hofgarten vorbei, und durch einen schmalen Eingang gelangten wir in das an der Ostseite der Residenz gelegene Kabinettsgärtchen. Vorbei an einer modernen Skulptur blickt man entlang eines Mittelweges, der von langen, rechteckigen, flachen Wasserbecken begrenzt wird auf einen niedrigen Springbrunnen. Er wird von 4 Platanen, die beschnitten und zu einem Dach zusammen gewachsen sind, überwölbt. Rundum ziehen sich Wege und Grasbänder - mit Magnolien bestanden -, überall stehen Bänke zum Sitzen, Schauen, Meditieren. Es ist insgesamt ein feines, ruhiges Gärtchen inmitten einer pulsierenden und lauten Stadt.

Foto © 2014 Joachim Hegmann

So langsam neigte sich unser München-Besuch seinem Ende zu. Wir ließen es uns aber nicht nehmen, noch über den Marienplatz zu schlendern, das historische Rathaus, Mariensäule, die riesige Residenz und den bekannten Viktualienmarkt anzuschauen, bevor wir mit S-Bahn und Regio-Express zurück nach Freising fuhren. Der lange Tag war aber noch nicht zu Ende. Hoch über den Dächern von Freisings Altstadt und im Angesicht des Turmes der Georgskirche nahmen wir unser Abendessen ein, um uns danach noch zu einem Vortrag unseres Fachgruppenmitgliedes, Dr. Joachim Hegmann, zusammenzufinden. Herr Hegmann überraschte uns einmal mehr mit brillanten Aufnahmen, großer Fachkompetenz, was Pflanzenarten und Gestaltungskonzepte betraf, sowie einem kurzweiligem und humorvollem Vortrag. Wir sahen wunderbare Bilder vom Hermannshof, dem GdS-Beet auf der Landesgartenschau 2015 in Landau (Planung Sauer/Hegmann), einigen privaten Gärten, sowie den Außenbereich zu einem Firmengelände, die Herr Hegmann geplant hatte. Nach diesem Vortrag war uns eigentlich allen klar: das nächste Jahrestreffen sollte in der Kurpfalz stattfinden.

Blasmusiken in Freising

Treffen von Blasmusiken in Freising
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Mit etwas Schlafdefizit begannen wir unseren letzten Tag des Gräsertreffens bei herrlichstem Sonnenschein. Wir schlenderten zunächst auf den Domberg, um den altehrwürdigen Dom zu Freising zu besuchen. Dieser - nunmehr in barockem Glanz der Brüder Asam ausgestattet – geht auf romanische Wurzeln zurück. Auf einige noch vorhandene romanische Details machte uns Herr Raible aufmerksam. Besonders sehenswert aber war die romanische Krypta, die als eine der größten und schönsten in Deutschland gilt. Durch den Innenhof des Kardinal-Döpfner-Hauses gelangten wir noch auf die Rosenterrasse, die unmittelbar über dem Abhang des Domberges liegt, und von der aus man noch einmal einen grandiosen Blick in die Münchner Schotterebene hat. Mit Pauken und Trompeten wurden wir im wahrsten Sinne des Wortes von dem wunderschönen Städtchen Freising verabschiedet.

H. Haimerl

H. Haimerl präsentiert seinen weitläufigen Gartenpark
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Dann aber endlich noch zwei private Gärten. Der erste, nahe Freising gelegen, schwer zu finden, da mitten im Wald gelegen, war der Goldsberger Garten von Herrn und Frau Haimerl. Das gesamte Gelände umfasst etwa 3 ha, die jedoch nicht komplett gestaltet sind. Immerhin gibt es 600 m Wege, die diesen einzigartigen Gehölzgarten durchziehen. Herr Haimerl ist studierter Biologe und hat sich ganz und gar den Gehölzen verschrieben.

Planskizze des Garten Haimerl

Planskizze des Garten Haimerl
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Es gibt im Garten etwa 500 Stück in Arten und Sorten davon, jeder einzelne eine Rarität. Gleich zu Anfang der Führung ein kleines Quiz: um welche Pflanze im Topf könnte es sich wohl handeln? Der Autor vermutet (wider besseren Wissens!) „Hanf“, worauf Herr Haimerl sofort nachhakt, woher man das denn wisse. Allgemeine Heiterkeit. Es handelte sich um Hibiscus coccineus mit feurig roter Blüte und handförmig gelappten Blättern, dem Hanf nicht unähnlich.

Stimmungsvolle Gartenräume und Sitzplätze

Stimmungsvolle Gartenräume und Sitzplätze
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Gartenhaus

Kontemplatives, idyllisches Gartenhaus
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Am Haus bewunderten wir noch ein altes Exemplar einer Blasenesche, die noch mit schönen großen „Lampions“ geschmückt war. Dann ging es am Teich vorbei (Indigofera heterantha, Osmunda, Brunnera) in den Rhododendron-Hain, an einem steilen Hang gelegen. Es gab Japanische Blütenkirschen, etwa 60 Magnolien in Arten und Sorten, Tulpenbaum, Taschentuchbaum, Hibiskus mutabilis (im Kübel), Hibiscus paramutabilis, hohen Bambus, ein riesiges Exemplar des Urweltmammuthbaumes, Küstenmammuthbaum, Eisenholzbaum, verschiedene japanische Ahorne, Styrax japonica und vieles andere, das man gar nicht alles aufzählen kann. Die Gehölze stammen sowohl aus Amerika als auch Asien, wurden alle selbst gepflanzt und zum Teil sogar selbst angezogen.

Bayerische Sphinx

Bayerische Sphinx
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Diesen wundervollen Gartenbereich mit pharaonisch ägypthischen Anklängen hatte der Fotograf Gary Rogers begeistert als Land Art bezeichnet. Dem ist nichts hinzuzufügen. Wir waren angetan von dieser geradezu mysthischen Atmosphäre.

Land Art
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Dschungel - Feeling
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Verdiente Pause
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Danach ging es durch sanft hügeliges Gelände, vorbei an Erding, in den kleinen Weiler Schwindkirchen, ein Ortsteil von Dorfen, wo die Familie Feckl eine Metzgerei nebst Fleischereiimbiss betreibt. Das war sehr erfreulich für uns, konnten wir doch vor der Gartenbesichtigung einen stärkenden Imbiss zu uns nehmen. Dann hielt uns aber nichts mehr, und wir betraten durch ein kleines Gartentor und eine lichte Pergola den zauberhaften Garten von Inge Feckl.

Garten Feckl

Garten Feckl
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Zu Beginn ahnt man noch nicht die Größe der Anlage. Man taucht erstaunt immer tiefer in den Garten ein, an dem sich entlang großzügiger Rasenflächen Staudenbeet an Staudenbeet reiht, vieles schon im prächtigen Herbstkleid.

Eingangsbereich Garten Feckl

Eingangsbereich Garten Feckl
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Es gab große Horste von Molinia „Windspiel“, ferner hohe Miscanthus, begleitet von höheren Astern, Vernonia, Persicaria, Sedum und vieles andere.

Gestaltung mit Laubtexturen

Subtile, sehr gekonnte Gestaltung mit Laubtexturen
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Ausblick vom Garten in  Landschaft

Ausblick vom Garten in die idyllische Landschaft
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Besonders gelungen war die Abgrenzung zur angrenzenden Wiese, auf der Pferde und Kühe weideten, einerseits durch Großstauden, andererseits durch eine Buchenhecke mit „Gucklöchern“ versehen.

Da lacht das Gräserherz...
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Land Art again
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Vorbei an einem großen viktorianisch angehauchten Gewächshaus, das als Laube dient und in dem für uns Kaffee und selbstgemachter Kuchen bereitstand, gelangte man in einen kleinen formalen Weißen Garten, in dem weiße Herbstanemonen dominierten. Das Gärtchen war durch schöne Pflasterarbeiten gegliedert. Vor dem Gewächshaus zwei liebevoll gestaltete kleine Knotengärtchen. Überall waren schöne Sitzgelegenheiten integriert, wo man schauen und die Seele baumeln lassen konnte. Es gab ebenfalls dezent platzierte Gartenkunst, die den Pflanzen in keiner Weise die Schau stahl.

Kunst im Garten mit viel Gefühl ausgesucht und plaziert
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Die Gastgeberin Fr. Feckl (rechts), H. Raible, unser Guide durch München (links)
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Szene im weißen Garten
Foto © 2014 Joachim Hegmann

Auf Bald im nächsten Jahr in der Kurpfalz!

Text: Elke Wagner
Alle Fotos: Joachim Hegmann

5. Jahrestreffen September 2013 in Rheda-Wiedenbrück

Maximillianpark

Maximillianpark
Foto: Sabine Baumann

Teilnehmer der Tagung berichten über die Gärten

Am Freitag stand besonders der Besuch des Maximillianparkes in Hamm im Fokus. Frau Rieke-Schrewe führte die 17 quer aus der Republik angereisten Gräserfreunde durch den nun schon leicht herbstlich angehauchten Park. In erster Linie interessierte uns natürlich die Oudolf-Anlage, etwa 6000 m² groß und in zwei unterschiedliche Bereiche geteilt. Zu Beginn erfuhren wir Einiges zur interessanten Geschichte des Parkes sowie dessen umfangreichen Pflegeaufwand. Anlässlich der 1. Landesgartenschau Nordrhein-Westfalens im Jahr 1984 wurde der Park auf einem Haldengelände angelegt.
Die ursprüngliche Planung geht auf Hansen zurück und wurde in den zurückliegenden 30 Jahren ständig weiterentwickelt und umgestaltet. Im Jahr 2009/10 nahm man letztendlich Verbindung zu Piet Oudolf auf; er kam und verwarf sofort die Beetaufteilung. Er schuf wie gesagt zwei einheitliche Flächen, die durch einzelne Wege und Pfade erlebbar gemacht werden. So kann man die beiden Pflanzungen immer wieder aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten . Ganz im Stile Oudolfs erblickt man kraftvoll inszenierte Stauden- und Gräserflächen, die durch gezielte Wiederholung für Rhythmus und Dynamik sorgen..
Zur Information erhielten wir von Frau Rieke-Schrewe die kompletten Pflanzenlisten der beiden Flächen mit den Namen „StaudenKunst“ und „NaturGestalten“.
Die gesamte Anlage wirkt auf den Betrachter dynamisch und wie aus einem Guss; trotzdem waren einzelne Partien durch die vorangegangene sommerliche Hitze, vielleicht auch durch nicht optimal dem Standort angepasste Pflanzen, so gut wie ausgefallen bzw. umgekippt. Das betraf hauptsächlich die Achillea-Flächen (Hella Glashoff und Walter Funcke) sowie einzelne Sedum-Sorten, Die allermeisten Gräser und alle Astern standen aber durchweg gut da. Meine persönliche Entdeckung in der Pflanzung war die farbgewaltige Persicaria amplexicaulis ‚Orange Field’.
Es gab selbstverständlich weitere sehenswerte Bereiche im Park, so u.a. Sommerblumenbeete mit einem Kräuter- und Küchengarten, einen Gehölz- und einen Rosengarten. Diese Bereiche konnten wir leider nur durchstreifen, da die zur Verfügung stehende Zeit im Nu davongeeilt war. Besonders die Oudolf-Flächen stellen sich überwältigend dar, und man erkennt die hervorragende Rauminszenierung in den bereits vorhandenen Park.

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Erfüllt von wunderbaren Eindrücken traten wir die Rückfahrt nach Wiedenbrück an
Nach einem gemeinsamen Abendessen im Hotel Wartburg fand dann unsere Jahresversammlung statt. Es wurde die finanzielle Lage der Gräsergruppe erläutert und – auf Anregung einer Teilnehmerin – eine kurze Vorstellungsrunde zum Kennenlernen eingefügt. Anschließend wurde um Vorschläge für das nächste Jahrestreffen 2014 gebeten. Die meisten Mitglieder waren für Freising als nächsten Tagungsort.
Bericht: Elke Wagner

Am Samstag, der leider ziemlich grau und regnerisch war, standen zunächst zwei Privatgärten auf dem Programm.

Zuerst besuchten wir den Garten von Hans-Bernd Hensen und Thomas Sokolowski in Rheda. Dieser besteht aus einem älteren Teil, der ursprünglich zum Haus gehörte und derzeit noch umgestaltet wird, und einem neueren Teil auf Gelände, das später dazu gekauft wurde.
Herr Hensen begrüßte uns im schön gestalteten Hof, der unter anderem eine Bonsaisammlung beherbergt. Dann zeigte er uns zunächst die Teichanlage und die Staudenpflanzungen im alten Teil des Gartens, bevor wir den großzügig angelegten und gut gepflegten Gemüsegarten im neuen Teil besichtigen konnten, der mit schönen Stauden und Rosen eingefasst war und im hinteren Bereich in eine kleine Obstwiese überging.

Foto © 2013 Joachim Hegmann

An dieser Stelle möchte ich mich bei Herrn Hensen für die tatkräftige Unterstützung, sowie für die kurzfristige Zusage der Gartenbesichtigung recht herzlich bedanken.
Anny Hohenstein

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Unser nächstes Ziel war der Garten von Familie Tegtmeyer in Bad Salzuflen, eine grüne Oase zwischen hohen Mauern in der Stadt, die geschickt in die Gartengestaltung integriert wurden. Eine Vielzahl liebevoll gestalteter Details und eine spannende Raumaufteilung machen den Garten interessant. Und auch hier gab es eine Erweiterung um eine angrenzende Gartenfläche, auf der sich hinsichtlich Pflanzen- und Materialverwendung interessant gestaltete Beete entlang eines langen Rasenbandes reihen, das als Blickachse auf ein beeindruckendes Bambusrondell zuläuft. Bei Kaffee, Gebäck und netten Gesprächen wurden Regenpausen aufs Angenehmste im Wintergarten überbrückt.

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Foto: Friedhilde Adler

Für den Nachmittag stand dann ein Besuch bei der renommierten Staudengärtnerei Junge in Hameln auf dem Programm, wo an diesem Tag ein Herbstfest stattfand. Dadurch kamen wir nicht nur kulinarisch auf unsere Kosten, sondern hatten auch die Möglichkeit, einen interessanten Vortrag mit dem Titel ‚Gräser – Fluch und Segen’ zu hören. Anschließend führte uns Herr Großmann, der Besitzer, durch das Gelände und berichtete dabei über Entstehung, Entwicklung und die Arbeit in der Gärtnerei. Und dann wurde natürlich noch kräftig eingekauft.

Stauden Junge

Stauden Junge
Foto: Friedhilde Adler

Zurück in Wiedenbrück, war nach dem Abendessen ein weiterer Genuss der Vortrag von Petra Pelz: ‚Experimentelles Gestalten mit Stauden und Gräsern’. Sie zeigte dabei wunderbare Bilder von gelungenen Pflanzungen, die sie für Gartenschauen und öffentliche Anlagen geplant und umgesetzt hat.

Text: Friedhilde Adler, Sabine Baumann

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Abschließendes Ziel der Jahrestagung war der rund 90km entfernte Gräfliche Park in Bad Driburg. Der 64 Hektar große Landschaftspark beinhaltet neben einem seltenen und alten Baumbestand teilweise aus dem 18 Jahrhundert verschiedene Themengärten, sowie einen Stauden-und Gräsergarten von Piet Oudlof. Diese Pflanzung stammt aus dem Jahr 2009. Auf einer Fläche von rund 6000 m² wurden 16.000 Pflanzen in 80 Arten und Sorten gesetzt.

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Die teils Drift- teils Mosaik-förmige, wiesenartige Staudenpflanzung ist eingebettet in eine große Rasenfläche mit altem Baumbestand.
In der Mitte seines Gartens hat Piet Oudolf, auch als Wegführung, kreisrunde Grashügel geschaffen. Hier können die Besucher eine besondere, erhöhte Perspektive über die Staudenbeete erleben. Die gestalterischen Gegenpole sind ebenso große, runde Senken, die gleichzeitig eine wichtige praktische Funktion erfüllen: Sie dienen zum Auffangen des hochstehenden Grundwassers.
In den kleinen Wasserflächen spiegeln sich dann die Bäume und Staudenbeete.
Ein kleiner Wermutstropfen in der Pflanzung war der nicht ganz zufriedenstellende Pflegezustand in einigen Beeten.
Dennoch überwog die Freude und Begeisterung über die großartig inszinierten Gräser-und Staudenwogen.
Glücklicherweise zeigte sich für kurze Zeit unseres Besuchs die Sonne und ließ Echinacea, Sedum, Persicaria, Helenium, Astern, die zahlreichen Gräser und Waldflächen wie in einem herbstlichen Feuerwerk aufleuchten.

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Foto © 2013 Joachim Hegmann

Ein schöner Abschluss für ein gelungenes und bestens organisiertes Jahrestreffen.
Text: Joachim Hegmann

Freuen wir uns schon jetzt auf das Treffen 2014 in Weihenstephan

4. Jahrestreffen September 2012 in Freiburg und Umgebung

Foto © 2013 Anny Hohenstein

Das Jahrestreffen 2012 der Fachgruppe Gräser fand vom 21. bis 23. September in Südbaden und dem angrenzenden Elsass statt, einer idealen Gegend für ein gehaltvolles und abwechslungsreiches Gartenbesichtigungs-Programm.
Der Start ins Wochenende am Freitag verlief gleich international. Vor dem offiziellen Beginn stattete eine kleine Anzahl der Teilnehmer Familie Yolande und Clément Deckert, die am Stadtrand von Straßburg wohnen, einen Besuch ab. Nach der Begrüßung und Stärkung mit Kaffee und Gugelhupf durfte der Garten erkundet werden. Es gab durchdachte Pflanzenkombinationen zu entdecken, die ganz ruhig waren und doch spannungsvoll und ohne Monotonie. Interessante Gehölze, zum Teil mit schön gefärbtem Rindenbild, harmonieren hier mit den oft panaschierten Stauden und den üppigen Beständen von verschiedenen Hakonechloa-Gräsern.

Foto © 2013 Anny Hohenstein

Zum ersten offiziellen Programmpunkt fanden wir uns am „Jardin des deux Rives“ – Garten der zwei Ufer- in Straßburg ein. Auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau ließ uns ein Gräserband in voller Blüte für einen Moment vergessen, wo wir waren, und dass wir zur Passerelle-Brücke weiter mussten. Dort begrüßte uns die Regionalgruppe Südbaden mit einem kulinarischen Highlight. Die französischen und deutschen Mitglieder der Regionalgruppe hatten mitten auf der Brücke unter freiem Himmel für uns ein fulminantes Picknick aufgetischt, dem wir uns bei herrlicher Herbstsonne natürlich gern und ausgiebig hingaben. So muss es sein, das Leben wie Gott in Frankreich.

Foto © 2013 Anny Hohenstein

Anschließend besichtigten wir den Garten von Margarete Zint in Illkirch-Grafenstaden, ein liebevoll angelegter Privatgarten mit eigenem Charme. Seltene und ungewöhnliche Pflanzen wachsen in unterschiedlichen Räumen, die durch schmale, gewundene Pfade verbunden sind. Von verschiedenen Sitzgelegenheiten aus kann man den Blick auf den Teich, das Kiesbeet und die schönen Gehölze, u.a. viele Ahorne, genießen.

Foto © 2013 Anny Hohenstein

Das nächste Ziel war der sehr bekannte Garten von Marguerite Goetz in Plobsheim. Nach Kaffee und Kuchen führte uns die Besitzerin durch ihr grünes Reich, das auch hier wieder aus vielen Gartenzimmern besteht. Beeindruckende und zum Teil sehr seltene Gehölze zeugen von der besonderen Sammelleidenschaft der Gärtnerin. Die Beete und Rabatten sind zurückhaltend mit Stauden und Gräsern bepflanzt, was dem Gesamtbild einen natürlichen Charakter gibt, welcher durch den Einsatz von alten, natürlichen Baumaterialien noch unterstützt wird.

In Ettenheim-Münchweier ließen wir den ersten ereignisreichen Tag bei einem gemeinsamen Abendessen fröhlich ausklingen.

Foto © 2013 Anny Hohenstein

Am Samstag nahm das bisher astreine Herbstwetter leider eine Auszeit - es regnete. Ein früher Termin bei der bekannten Staudengärtnerei Ewald Hügin in Freiburg bediente die Jagdleidenschaft vieler Teilnehmer. Zuerst erhielten wir eine fachkundige Führung durch den fantastisch angelegten Schaugarten. Selbst die einjährige Bepflanzung, phantasievoll und sehr außergewöhnlich, zeigte sich noch in voller Pracht. Ganz neu war der Wadi. Die für eine derartige Pflanzung charakteristische Trockenresistenz konnte an diesem Morgen leider nicht nachgewiesen werden. Die Pflanzen werden hier nämlich in 40 cm 0/16 Kies gesetzt. Versorgt mit vielen wertvollen Tipps aus erster Hand, die unser Gräserwissen deutlich erweitert haben, kam es zum Abschluss im Staudenverkaufsbereich noch zu der erhofften Schätzchen-Jagd mit jeder Menge Beute.

Foto © 2013 Anny Hohenstein

Der Garten von Karina Waltzer in Freiburg-Lehen, liebevoll „Bergle“ genannt war unser nächstes Ziel. Versteckt hinter einer dichten Hecke liegt die Streuobstwiese, die innerhalb von zwei Jahren in ein wahres Schmuckstück verwandelt worden ist
Da aufgrund der Lage keine künstliche Bewässerung möglich ist und Regenwasser nur begrenzt zur Verfügung steht, wurde der Schwerpunkt auf trockenresistente Pflanzungen gelegt. Die großflächig gestaltete Anlage zeigt eindrucksvoll, dass hier eine kompetente Fachfrau zielsicher zu Werke geht und mit Leidenschaft einen Beruf ausübt, der ihr sichtlich Freude bereitet.

Foto © 2013 Anny Hohenstein

Als nächstes führte uns das Programm zum Garten von Anny und Helmut Hohenstein im Herbolzheimer Ortsteil Tutschfelden. Der Regen hörte nun endlich auf. Selbst wenn die Gartenbesitzerin immer wieder betonte, dass es ein Sammlergarten sei, strahlt er dies nicht aus. Alte Obstbaumbestände, originelle Rankgerüste, Säulen und Mauern liefern eine beschauliche Kulisse für Stauden und Gehölze und setzen diese eindrucksvoll in Szene. Verschlissene Gebrauchsgegenstände vom Trödelmarkt erhalten eine neue dekorative Funktion: mit Sempervivum, Hosta oder Gräsern liebevoll bepflanzt, und passend im Garten platziert.
In den unterschiedlichen Gartenzimmern war eine große Gräsersammlung zu entdecken, wobei vor allem Miscanthus, Molinia und Calamagrostis „Karl Foerster“ in beeindruckender Weise als Wegbegleiter oder als Strukturgeber zwischen den passend kombinierten Stauden in den Beeten zu finden sind.

Foto © 2013 Anny Hohenstein

Inspiriert von der unglaublichen Behaglichkeit, die dieser Garten ausstrahlt, wurde spontan ent-schieden, den Tagesordnungspunkt “Jahresversammlung und Neuwahlen der Fachgruppe Gräser“ vor Ort zu erledigen.

Katharina Adams stellte ihr Amt als Fachgruppenleiterin zur Verfügung. Daraufhin wurden Anny Hohenstein als neue Fachgruppenleiterin, Susanna Kreuels als Stellvertreterin und Elke Wagner als Schatzmeisterin gewählt.

Im Anschluss an das gemeinsame Abendessen hielt Thomas Kimmich, Staudengärtner der Züricher Hochschule/Campus Wädenswil, vor 52 Staudenfreunden einen Vortrag über seine Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Ziergräsern, die er an seinem Arbeitsort gepflanzt und wissenschaftlich untersucht hat. Er pflegt dabei einen regen Gedankenaustausch mit Staudengärtnereien und hält so sein praktisches Wissen auf dem neusten Stand. Trockene Themen lockerte Herr Kimmich geschickt auf, indem er mitgebrachtes Anschauungsmaterial zeigte. Aufgetankt mit einer Fülle neuen Wissens gingen wir zufrieden schlafen.

Foto © 2013 Anny Hohenstein

Sonntag war unser letzter Gräsertag, die Sonne schien und wir besuchten zuerst den neu angelegten Garten von Hansjörg Haas, Gartenbauingenieur und Buchautor, im Herbolzheimer Ortsteil Bleichheim. Unterhalb eines herrschaftlichen Hauses hat er das Glück, eine ehemalige Mühle mit Garten mieten und nach eigenen Vorstellungen im Einvernehmen mit dem Besitzer bewirtschaften zu dürfen. Die Anlage ist geprägt durch eine große Sortenvielfalt an durchaus beeindruckenden Gehölzen. Bereitwillig erläuterte uns Herr Haas seine Gestaltungsgedanken, seine Arbeitsweise und seine Nöte bei der Umsetzung seiner Pläne. So hat er auf einen bestimmten alten Wassertrog aus Sandstein sehr lange warten müssen, bis er ihn endlich bekommen konnte. Manchmal ist es eben nur ein kleines Detail, das wichtig ist, weil es die ganze Sache harmonisch abrundet, wie das Salz in der Suppe.

Foto © 2013 Anny Hohenstein

Weiter zogen wir zum Kurgarten von Freiamt, der vom Förderkreis Kurgarten Freiamt e.V. vor 25 Jahren angelegt wurde. Zwei Vereinsmitglieder, Waltraut Kapp-Ziemmeck und Sabine Baumann, erklärten uns dort die Gestaltungsprinzipien und verwiesen auf Probleme, die aufgrund der Überalterung der Pflanzungen und Ausbreitung von sehr wuchskräftigen Stauden etc. zu bewältigen waren. Dank ehrenamtlichen Engagements ist dieser Garten bis heute davon verschont geblieben, einfach nur eine Rasenfläche zu sein. Über viele Jahre hinweg pflegen die Vereinsmitglieder den Kurgarten und verweisen mit Stolz und zu recht auf das Geschaffene.

Foto © 2013 Anny Hohenstein

Bei unserer letzten Station empfing uns Ursula Hauber in ihrem Privatgarten im Freiämter Ortsteil Niedertal mit Kürbissuppe und anschließendem Kaffee mit leckeren Torten. Schnell fand jeder seinen Lieblingssitzplatz für diese sehr willkommene Rast inmitten liebevoll arrangierter Objekte. Dieser Garten hat einen seiner Höhepunkte im Herbst , wenn fein abgestimmte Astern und Gräser die harmonische Gestaltung durch die Gärtnerin erkennen lassen.

Wieder fühlten wir uns fast wie im Himmel, diesmal auf deutscher Seite.

Das Jahrestreffen 2012 der Fachgruppe Gräser ist dank seiner Organisatorinnen hervorragend gut gelungen und bot den Teilnehmenden drei wirklich unvergessliche Tage.
Text: Verena Gaber
Fotos: Anny Hohenstein, Edelgard Schirm, Alain Tessier, Friedhilde Adler,Verena Gaber

Anmerkung:
Die Gärten können zu bestimmten Zeiten, oder nach Anfrage besichtigt werden.
Bergle Garten: www.casa-carina.de Kontakt: k.waltzer@gmx.de
Garten Hauber: www.ursulas-garten.de Kontakt: ursulas.garten@gmx.de
Garten Haas: www.herrenmuehle-bleichheim.de Kontakt: haas.dergarten@t-online.de
Garten Hohenstein: www.Garten-Hohenstein.de Kontakt: Anny-Hohenstein@t-online.de
Garten Goetz: Kontakt: lejardindemarguerite@wanadoo.fr