Projekte

© 2010 Nina Busse
Um die Schönheit und die Vielseitigkeit der Stauden auch der Allgemeinheit zugänglich zu machen, unterstützt und initiiert die Gesellschaft der Staudenfreunde verschiedene Projekte, in denen die Verwendung von Stauden exemplarisch gezeigt wird.

Schon viele Jahre existiert das von der Dortmunder Regionalgruppe geplante und gepflanzte Staudenbeet, das ganz in der englischen Tradition steht. Fein abgestufte Farbverläufe der Blüten- und Blattfarben machen es zu jeder Jahreszeit zu einer Augenweide.

Der Erhalt des Staudengartens des großen Gärtners Karl Foerster in Bornim bei Potsdam liegt uns am Herzen. Seine im Jahr 2010 verstorbene Tochter Marianne Foerster gründete eine Stiftung, die von uns regelmäßig mit Zuwendungen bedacht wird.

Im Botanischen Garten Ulm befindet sich eine umfangreiche Taglilienpflanzung, geplant und gepflanzt von der Hemerocallis-Fachgruppe der GdS unter Leitung von Gerd Oellermann (Garten- und Landschaftsarchitekt). Die Besucher können sich hier von der Vielseitigkeit und Robustheit dieser Staudengattung überzeugen.

Ein wichtiges Projekt ist das Staudenbeet auf der Insel Mainau, das 2010 angelegt wurde. Die Pflanzung orientiert sich an der Theorie der Lebensbereiche und integriert Elemente moderner naturalistischer Staudenpflanzungen, wie vor allem die Bedeutung des Winteraspekts. An den Randbereichen wurden in trockenen Partien Pflanzungen mit eher mediterranem Steppencharakter angelegt und in Gehölzbereichen waldartige Krautschichten. Das Zentrum der Pflanzung bilden aber Beetbereiche. Es dominieren warme Farben in Gelb und Orange, vor allem aber auch in Rot. Es kommen jedoch auch weiße Partien, blaue und welche in Rosa-Lila vor, um nicht nur ein bestimmtes Arten-, sondern auch Farbenspektrum zu zeigen.

Senkgärten in den Rosenterrassen Dortmund

Der Senkgarten in der Geschichte
Senkgärten folgen der Tradition der „sunken gardens“, die in englischen Landhausgärten um 1900 modern waren. In Deutschland folgte der 1912-1914 entstandene Foerster-Senkgarten in Bornim diesem architektonischen Prinzip, vermutlich unter Mitwirkung des Gartenarchitekten Willy Lange entstanden. Gabriella Pape, von der königlichen Gartenakademie Berlin, schreibt am 20.9.2013 in der Welt: „Angeblich stammt die Idee des Senkgartens aus England. Dort soll es schon Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts solche tiefer angelegten Gärten gegeben haben. Ein sehr berühmter und schöner Senkgarten liegt auf einer englischen Rasenfläche inmitten eines eingemauerten Gartens, dem Garten von Packwood House (Warwickshire). Allerdings handelt es sich hier um eine im Jahr 1930 entstandene Nachbildung eines Senkgartens, der zu Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut worden war. Er ist also noch jünger als der berühmte Senkgarten von Karl Foerster in Potsdam Bornim, der 1911 angelegt wurde.“. Der Senkgarten in Bornim blieb in den Händen von Karl Foerster bis zu seinem Tod 1970 und danach bis 2010 in denen seiner Tochter, sodass die Foerster‘sche Pflanzung weiter erhalten wurde, und auch heute noch unter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Seine Bedeutung liegt im Fortbestehen des bedeutenden Werkes von Karl Foerster. Beide Leitsätze von ihm „man muss den Garten erlebbar machen“ sowie „es wird durchgeblüht“ sind im Bornimer Senkgarten verwirklicht. Der erwähnte sunken garden von Packwood House wurde vom Autor Tim Richardson 2013 in „The New English Garden“ als ein Beispiel der Erneuerung eines historischen Gartens beschrieben, als eine Neupflanzung „ mit einer neuen Identität durch eine dramatische mediterrane und südafrikanisch exotisch-thematisierte Pflanzung“. Es herrschen feurige Rottöne vor. Hier wurde also vor wenigen Jahren eine Erneuerung im modernen Stil vorgenommen. Beide Wege, die getreue Erhaltung wie auch die moderne Neupflanzung, führen zu vielbeachteten Senkgärten.

Rosenterrassen
Die Rosenterrassen liegen in Dortmund südlich der Westfalenhalle. Sie wurden 1925-27 in Verbindung mit Planung und Bau der ersten Westfalenhalle als Parkanlage erstellt. Sie waren als „Blumengarten“ ein Teil des Volksparks. Die Anlage wurde bei der Wiederherstellung in der Nachkriegszeit als Rosen-, Sommerblumen-, und Heckengarten , einschließlich der historischen zwei quadratischen Senkgärten mit ihren Mauern und Treppen, erneuert, aber der von Stadtarchitekt Strobel geplante Volksgarten nicht. Die Rosenterrassen insgesamt weisen eine geometrische Anlage mit Mittelachse, rechteckig angeordneten Rosenrabatten und Teich, Hainbuchenhecken mit mächtigen „Toren“, Formschnittplatanen und ruhigen Gartenräumen in Südhanglage auf. Die beiden Senkgärten in quadratischen ‚Heckenzimmern‘ haben einen achteckigen und einen quadratischen Innenraum, auf drei Ebenen, streng geometrisch mit Mauern gebaut. Die beiden Senkgärten sind seit 1988 denkmalgeschützt. Es handelt sich um ein gartenkulturelles Juwel, das schon bald 100 Jahre alt sein wird. Bemerkenswert ist heute der Kontrast zu der modernen Fußballwelt und dem Veranstaltungs- und Messekomplex Westfalenhallen, die die architektonische Umgebung und das Leben rund um die Rosenterrassen prägen. So können an Samstagen Besucher des Stadions hier hindurch ziehen und in der Woche Schüler auf dem Weg zum Sport in der benachbarten Eissporthalle.

1995 erhielt der westliche, achteckige Senkgarten, bei dem im Zentrum ein Sockel für eine Bronzeskulptur noch im Original stand, die Bronzefigur aber verloren gegangen war, wieder eine Skulptur. Der Castrop-Rauxeler Bildhauer Jan Bormann schuf eine Sandsteinkugel, die auf dem alten Sockel montiert wurde. Bormann drückte damit den „Geist“ des Ortes aus, wie in seinen anderen zahlreichen Werken für den öffentlichen Raum ebenfalls.

2006 war das Jahr der Fußball-WM, wobei das Dortmunder Stadion (heute Signal Iduna Park) eines der WM-Stadien war. Die Senkgärten wurden für Anfang Juni in einen Top-Zustand mit Sommerbepflanzung gebracht. Die Bilder von Stadtgrün zeigen Sommerblumenbepflanzung in beiden Senkgärten, geometrisch, in verschiedenen Farben. Jedes Jahr wiederkehrend, aber variiert, wurde im Mai/Juni gepflanzt und im Oktober Blumenzwiebeln. Die Dortmunder liebten die Anlage als Oase der Erholung am südlichen Rand der Innenstadt.


Senkgarten-Ost, Juni 2006
© 2015 Stadtgrün


Senkgarten-West, Juni 2006
© 2015 Stadtgrün

2006-2011 und danach konnte nicht mehr intensiv gepflegt werden. Es gab eine Haushaltssperre, die Arbeitskräfte mussten reduziert werden, die Anschaffung neuer Maschinen entfiel, deshalb wurde die Pflege der Beete extensiver, und der Heckenschnitt immer schwieriger. Die Wechselbepflanzung musste eingestellt werden.

2011 wurde eine Gräser/Stauden-Bepflanzung von einer Verkehrsinsel, wo sie nicht mehr gebraucht wurde, in das mittlere Achteck von Senkgarten-West umgepflanzt. Dies war der erste Schritt zu einer Staudenbepflanzung, aber auch diese konnte nicht entsprechend gepflegt werden.

2014/2015 wurde eine Erneuerung der gesamten Rosenterrassen von Stadtgrün und ihrem Ausbildungsbetrieb durchgeführt. Die Staudenbepflanzung und die übrigen nicht mehr bepflanzten Beete waren 2014 „verwildert“. Die Dortmunder beklagten den Zustand.


Senkgarten-West, Dezember 2014
© 2015 Waltraud Ballmer


Senkgarten-Ost, Dezember 2014
© 2015 Waltraud Ballmer

Nun bekam Stadtgrün Mittel für die Erneuerung der gesamten Anlage. Die Steinmauern und die Wege und Treppen brauchten Reparatur, die Hecken brauchten gründlichen Rückschnitt, ebenso die Rosenrabatten. Die Rhododendren am Mittelweg wurden entfernt, sowie der Baumbestand der südlichen Straßenböschung, die Böschung wird noch neu gestaltet mit Rasen und Strauchrosen.

Planung der Senkgärten
Unsere Regionalgruppe wurde von Stadtgrün gefragt, ob wir die beiden Senkgärten neu mit Stauden und Gräsern gestalten könnten. Die Pflanzung sollte Stauden und Gräser enthalten, keine Gehölze, also auch keine Rosen. Ausbreitungsfreudige und versamende Arten und Sorten sollten vermieden werden. Die Pflanzung sollte mit wenig Pflegeaufwand erhalten werden können, ab dem zweiten Jahr auch ohne Bewässerung auskommen können. Der Standort war sonnige Freifläche mit ausgetauschtem Boden. Für die sehr gute Durchlässigkeit war der Boden mit Kalk, Sand und Lavagranulat aufbereitet worden. Es war vorgegeben, dass die architektonische Struktur klar sichtbar bleiben sollte, also Überwachsung der Steinmauern und Hineinragen in die Treppen und Wege vermieden werden sollte. Das Klima in einem Senkgarten war durch den Schutz von Mauern und Hecken offensichtlich: es würde wärmer und weniger windig darin sein, als in der Umgebung. Das sollten wir dann bei der Arbeit an kühlen, windigen Tagen später auch angenehm erleben. Es kam von unserer Seite daher die Idee auf, aus diesem Grund in dem achteckigen, westlichen Senkgarten das Thema Duft vorzugeben.

Wir bildeten eine Planungsgruppe aus sieben Mitgliedern: Waltraud Ballmer, Hannelore und Hanspeter Eickmann, Elisabeth und Peter Fobbe, Margrit Lind-Eging und Dorothea Steffen, Aktiven, die mit Gestaltung im Staudenbeet im Rombergpark, im eigenen Garten und mit offener Gartenpforte langjährige Erfahrung haben. Wir begannen mit dem quadratischen Senkgarten. Wir ließen uns von der Geometrie des Grundrisses leiten: der Mittelkreis sollte ein „ruhiges Auge“ werden, die einzelnen Beete, die immer je in einem Quadrat vierfach angeordnet waren, sollten einander entsprechend bepflanzt werden. Wir wählten das Farbkonzept blau/violett – weiß/silber – gelb mit Blöcken und Driften, in denen Stauden oder niedrige und mittelhohe Gräser flächig verwendet werden, z.B. Amsonia orientalis, Euphorbia polychroma ‘Major’, Nepeta faassenii ‘Dropmore’, Aster ageratoides ‘Ezo Murasaki’, Molinia caerulea ‘Poul Petersen’, Salvia nemorosa ‘Blauhügel‘. Stauden oder Gräser als Strukturbildner, die daraus empor ragen, z.B. Stipa gigantea , Acanthus mollis ‘Rue Ledan‘, Iris barbata-elatior ‘Rosalie Figge‘, Allium stipitatum ‘Mount Everest‘, Veronicastrum virginicum ‘Diana‘. Das Moderne in beiden Senkgärten ist also die Wahl der Stauden, bei denen Farbe, Struktur und Blühaspekt pro Jahreszeit im Vordergrund stehen. Die Einzelblüten sind oft klein und bescheiden, werden dadurch aber gerade von Insekten besucht. 50 – 60% der Arten beziehungsweise Sorten, die wir auswählten, sind auch unter den von Piet Oudolf vorzugsweise verwendeten Arten, was wir erst im Nachhinein feststellten. Sie sind in seiner jüngsten Veröffentlichung „Design trifft Natur“ zusammen mit Noel Kingsbury von 2013 im Pflanzenverzeichnis aufgeführt. Da liegen die Senkgärten durchaus im Trend von „Dutch Wave“ und ebenso von „New German Style“, aber wir bezogen eigene Erfahrungen und Vorlieben mit ein. Pflanzen, die Oudolf nicht verwendet, sind z.B. Iris barbata. Von diesen haben wir zwei Sorten mit mittelgroßen Blüten ohne „Rüschen“ gewählt. Eine andere, eher unbekannte Art, mit der wir auch im Staudenbeet Rombergpark gute Erfahrungen gemacht haben, ist Morina longifolia, die Elfenbeindistel, die aus der Bodenrosette einen auffälligen weiß-rosa Blütenstand entwickelt, der anderen Disteln unähnlich ist. Aster frikartii ‘Mönch‘, mit der wir ebenfalls langjährig zufrieden sind, verwenden wir wegen ihrer langen Blütezeit und ihres leicht überhängenden Wuchses.

Jede Jahreszeit bringt ein interessantes Gesamtbild, von April an mit der grüngelb leuchtenden Euphorbia im Mittelkreis, bis zu den Gräsern, die auch im Winter noch einen Winteraspekt bieten, zusammen mit trockenen Blütenständen , z. B. von Phlomis russeliana und Rudbeckia missouriensis. Auf Symmetrie innerhalb der Beete haben wir im Mittelkreis und auf der obersten Ebene verzichtet, und nur jeweils zwei gegenüberliegende genau gleich gestaltet, um mehr Vielfalt zu bekommen. Die Pflanzenanzahl beträgt im blau-gelben Senkgarten 2486, die Arten- bzw. Sortenanzahl 44.

Den Plan und die Pflanzenliste des ersten blau-gelben Senkgartens hatten wir Ende Januar 2015 fertig. Der zweite Duft-Senkgarten folgte in der Planung und war Anfang März fertig. Die Ausgangsideen für den zweiten, achteckigen Senkgarten waren das warme, rot/gelbe Farbspektrum, denn der Grundriss konnte wie eine Sonne gesehen werden, und Duft. Die feurigen Rot-Orange- und Gelbtöne sollten im großen, zentralen Achteckbeet vorkommen, sich dann auf der mittleren Eben als orange mit weiß/silber vermischen, und in der obersten Ebene bis zu hellrosa und weiß aufhellen. Außerdem sollten die höchsten Stauden und Gräser auf die oberste Ebene vor die Hecke, und im Mittelbeet sollten Stauden in Sockelhöhe Bormanns Kugel „schweben“ lassen. Kräuter kamen ins Spiel als hervorragende Dufter und Füller: Calamintha, Origanum, Lavendel. Die stark duftende Actaea racemosa ‘Black Negligee‘ durfte für den Herbst nicht fehlen, ebenso Grüppchen eines Duftphloxes für den Spätsommer (Phlox amplifolia ‘Kleiner Augenstern‘) und eine kleine Gruppe von Duftpaeonien (Paeonia lactiflora) für den Mai. Das Auge kann sich im Mittelkreis auf kräftige Farben in rot-purpur-orange-gelb freuen, z.B. rote Echinaceen, zwei Helleniumsorten mit scharlachroter Monarde. Dazwischen Gräserdriften, wobei auch Imperata cylindrica ‚Red Baron‘ rot-grüne Blätter hat und Panicum virgatum ‘Külsenmoor‘ rötliche Blütenschleier. Die Frage der Symmetrie in der Gesamtbepflanzung lösten wir hier so, dass das Mittelbeet unsymmetrisch ineinander geschachtelte längliche Driften vorwiegend in diagonaler Richtung aufweist, die in Richtung der Mitte der gesamten Rosenterrassen weisen. Die acht Wege mit Treppen laufen im Duft-Senkgarten strahlenförmig auf das Zentrum zu. Hier gestalteten wir die Einzelbeete immer links und rechts jedes Weges mit gleicher Bepflanzung entlang der Wege, um die acht Segmente der Achtecke hervor zu heben, je mit dem Weg als mittlerer Symmetrieachse. Dieses Konzept schafft Harmonie, da sich links und rechts der Bänke die Bepflanzung wiederholt. Das war in früheren Zeiten nicht so. Auch in diesem Senkgarten bringt jede Jahreszeit ein interessantes Gesamtbild, angefangen mit den duftenden Wildnarzissen in weiß und hellgelb, die wir noch pflanzen werden. „Bild“ ist hier als Erlebnis für Augen und Nase gemeint. Die Pflanzenanzahl beträgt im Duft-Senkgarten 1576, die Sortenanzahl 35.

Jeder Senkgarten hat eine Fläche innerhalb der Hecken von 400 Quadratmetern. Beide Senkgärten zusammen entsprechen also in der Fläche dem Foerster-Senkgarten. Das Niveau ist aber in den Dortmunder Senkgärten mit 120cm tiefer abgesenkt als im Bornimer mit 90cm. Das Gefühl des „Eintauchens“ in die Pflanzung, je tiefer man hineingeht, welches von Pape beschrieben wurde, ist bei den Dortmunder Senkgärten also besonders intensiv, und die Vielfalt der Perspektiven von oben, von unten, seitlich und aus der Diagonale kann man nur spannend finden.

Pflanzung
Die Pflanzung in den Senkgärten war eine Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen von Stadtgrün und dem Ausbildungsbetrieb mit den Staudenfreunden der Planungsgruppe. Wir trafen uns alle vor Ort, und diejenigen, die gärtnerisch arbeiteten, waren die zwei Vorarbeiter mit der Gruppe der jungen Auszubildenden und zur Unterstützung Mitglieder unserer Planungsgruppe von den Staudenfreunden. Am 30. März begann man im blau-gelben Senkgarten. Die Stauden mussten nun nach Plan gesetzt werden. Wir konnten zeigen, wie man mit Metermaß Punkte markiert, mit hellem Sand Pflanzlinien streut, um die Pflanzfelder vom Plan auf die Beete zu übertragen. Dazu soll die Erneuerung der Rosenterrassen auch dienen: eine Gruppe von jungen Staudengärtnerinnen und –gärtnern für die Stadt heranzubilden. Außerdem der Bevölkerung einen Ort der Erholung, Ruhe und Schönheit wieder zu geben. Darüber hinaus der garteninteressierten Bevölkerung eine Anschauung zu liefern, wie man modern Stauden und Gräser kombinieren kann, um einen Standort wie diesen nachhaltig zu bepflanzen.


Senkgarten-Ost, März 2015
© 2015 Waltraud Ballmer

Die Bepflanzung des Duft-Senkgartens begann am 27. Mai. Die Zwischenzeit wurde noch mit Bauarbeiten zur Restaurierung der Beete in diesem Garten gebraucht, und für andere Arbeiten in den gesamten Rosenterrassen. Die Dortmunder können nun schon ab diesem Sommer ihre Senkgärten wieder besuchen. Der Blütenflor wird ab Juli den Duft-Senkgarten auch schmücken.


Senkgarten-West, Mai 2015
© 2015 Waltraud Ballmer


Senkgarten-Ost, Juni 2015
© 2015 Hans-Peter Eickmann

Der Vorstand der GdS (Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.) hat unser Senkgärten-Projekt inzwischen als Projekt anerkannt und mit einem Zuschuss gefördert. Der Baufortschritt wurde in der Presse der Öffentlichkeit präsentiert. Und im Sommer wird es wohl eine offizielle Einweihung geben. Wir Staudenfreunde aus der Planungsgruppe sind weiterhin interessiert an der Entwicklung der Pflanzungen. Ob sie nach unseren Vorstellungen gedeihen, müssen wir abwarten. Es hat uns große Freude gemacht, zur Erneuerung dieser gartenkulturell bedeutenden historischen Senkgärten durch unsere Gestaltung etwas beitragen zu können.

Text: Waltraud Ballmer

 

RG Kurpfalz auf der LGS Landau 2015

Die Landesgartenschau 2015 in Landau (LGS) bot Vereinen die seltene, vielleicht in dieser Region einmalige Gelegenheit, die Aufmerksamkeit eines großen Publikums zu gewinnen. Mindestens 600.000 Besucher wurden während der Ausstellungszeit von 186 Tagen erwartet. Es kamen über 800.000 in die Südpfalz.

Eine Landesgartenschau ist eine ideale Plattform, einem breiten Publikum die Schönheit, die Vielfalt, den Gartenwert und Verwendungsmöglichkeiten der Stauden näher zu bringen. Da lag es nahe, dass wir, die Regionalgruppe Kurpfalz, uns als „Staudenliebhaber“ mit einem eigenen Beitrag, einem Staudengarten, beteiligten.

Weitere Information finden Sie hier.

Tagliliengarten im Uerdinger Stadtpark

Inmitten des Uerdinger Stadtparks wurde, eingerahmt von großen Gehölzen und weitläufigen Rasenflächen, einer der ersten Tagliliengärten im öffentlichen Raum verwirklicht.

An die 100 verschiedene Taglilien – Wildarten und Sorten – verteilt auf vier Beete, geben einen Gesamtüberblick dieser Pflanzengattung und zeigen die Züchtungsentwicklung der Taglilien über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren.


Der Tagliliengarten am Tag der offiziellen Eröffnung, dem 15.Juli 2013
© 2013 Marc Grotendorst

Die Beete haben folgende Themen:

  • Wildarten und ältere Taglilien (von 1753 – 1991)
  • Taglilien von europäischen Züchtern
  • Taglilien von amerikanischen Züchtern
  • Taglilien des Uerdinger Züchterehepaars Kaiser

Begleitet werden die Taglilienbeete von Flächen- und Solitärstauden, die besonders gut mit den Taglilien harmonieren und einen ganzjährigen, üppigen und farbintensiven Blühaspekt im Garten ermöglichen. Gräser lockern die Pflanzung optisch auf und optimieren den Winteraspekt.

Der Gattungsname Hemerocallis, „Tagesschönheit“, leitet sich aus den griechischen Wörtern „hemera“ = Tag und „kallos“ = Schönheit ab und hängt mit der kurzen Dauer der einzelnen Blüte zusammen.

Jede Blüte blüht nur für einen Tag. Da an einem ausgewachsenen Blütenstiel jedoch dutzende Blütenknospen zu finden sind, fällt dieser Umstand nicht weiter auf.

So kann eine ältere Pflanze pro Saison bis zu 500 Blüten hervorbringen, wobei sich die Blühdauer auf bis zu vier Wochen erstrecken kann.

Durch ihr attraktives grasartiges Laub lassen sich die Taglilien optimal in Beetstaudenpflanzungen integrieren, zumal sie durch den kräftigen Wuchs viele Wildkräuter überwachsen.

Die Taglilie gilt als die „Pflanze des faulen Gärtners“. Sie hat geringe Ansprüche und gedeiht an fast jedem Standort. Je sonniger der Standort, umso mehr Blüten bringt sie hervor.

Um eine optimale Pflanzenauswahl treffen zu können, sollte man folgendes beachten:

  • Ältere Sorten und Wildarten fügen sich gut in den naturnah gestalteten Garten ein. Es muss wegen ihres raschen Wachstums ein ausreichendes Platzangebot zur Verfügung stehen.
  • Landschaftssorten mit größeren, leuchtenden Blüten sind z.B. als Leitstauden in Staudenrabatten oder flächig gepflanzt für Parkanlagen geeignet.
  • Neuere Sorten, deren Blütenränder z.B. stark gewellt sind, pflanzt man in Einzelstellung an Standorten mit guter Wässerung und Düngung
  • „Spidersorten“ kommen besonders gut neben Gräsern zur Geltung
  • Miniatursorten verschönern besonders kleine Beete oder den Vordergrund eines Beetes

Züchtung
Den Taglilien geht eine lange Geschichte voraus. So wurden die Wildarten bereits seit ca. 4.000 Jahren in China kultiviert. Züchterisch verändert wurden die ersten modernen Taglilien - Hybriden im Wesentlichen ab den 1930er Jahren. Der berühmte deutsche Staudenzüchter und Schriftsteller Karl Foerster (*1874; † 1970) schrieb 1969:
„Im Hemerocallis-Reich erschließt sich uns ein ganz neuer Erdteil der Blumenfreude von einer Mannigfaltigkeit jenseits aller unserer Ahnungen.“
Er sollte Recht behalten, denn die Anzahl der Registrierungen steigt bis heute unaufhörlich an.

bis 1900 : 4 Sorten
bis 1910 : 46 Sorten
bis 1920 : 66 Sorten
bis 1930 : 128 Sorten
bis 1940 : 577 Sorten
bis 1950 : 3.284 Sorten
bis 1960 : 8.624 Sorten
bis 1970 : 15.527 Sorten
bis 1980 : 22.827 Sorten
bis 1990 : 33.114 Sorten
bis 2000 : 48.354 Sorten
Juli 2013 : 74.455 Sorten


© 2013 Stadt Krefeld

Weiterführende Informationen zum Tagliliengarten erhalten Sie beim Fachbereich Grünflächen:
Hr. Dipl. Ing. (FH) Marc Grotendorst
Sachgebietsleiter Grünunterhaltungsbezirk IV
Tel.: 02151 / 15 57 62
E-Mail: Marc.Grotendorst@krefeld.de

Weiterführende Informationen zu Taglilien im Allgemeinen erhalten Sie bei der Fachgruppe Hemerocallis.

 

RG Hamburg auf der LGS Norderstedt 2011

Das Staudenbeet der Regionalgruppe Hamburg auf der LGS Norderstedt 2011 war eines der ersten Projekte der GdS dieser Art.

Ausführliche Informationen darüber finden Sie hier

 

Staudengarten auf der Insel Mainau


Der "New German Style": Ganzjährig attraktive Pflanzungen mit üppigen Blüten, die man auch aus Prachtstaudenbeeten kennt.
© 2010 Nina Busse

Text: Stefan Körner

Die Pflanzenverwendung ist zum einen dadurch geprägt, dass in immer höherem Tempo Pflanzen in immer neuen Arten und Sorten auf den Markt geworfen werden und Abnehmer suchen. Dies gilt immer mehr und besonders auch für Stauden. Sie sind im Trend. Gerade hier ist aber die Vielfalt der einzelnen Varietäten auch für den Fachmann oft schwer zu überblicken. Zum anderen hat sich ein neuer Gestaltungsstil durchgesetzt, die sog. naturalistische Pflanzenverwendung.

Unter „naturalistisch“ versteht man Pflanzungen, die zwar naturnah wirken und auch in der Staudenpflanzung bislang noch kaum genutzte Gestaltaspekte betonen, wie den Winteraspekt, vor allem aber die interne Dynamik der Pflanzenbestände stärker zur Geltung kommen lassen. Es wird entweder sehr selektiv gepflegt, um ein möglichst naturnahes Bild entstehen zu lassen, oder – zumindest dem Anspruch nach – sehr schematisch, um Pflegekosten zu minimieren. Zudem wird ein großer Anteil neuer und fremder Pflanzen verwendet. Für Gärtner ist der Einsatz fremder Pflanzen eigentlich trivial, aber seit der Naturgartenbewegung war die Verwendung fremder Pflanzen mehr oder weniger tabuisiert und die Berücksichtigung ästhetische Aspekte zugunsten des Ziels der „ökologischen Korrektheit“ der Gärten in den Hintergrund getreten.

Dies zu ändern aber doch naturnah wirkende Pflanzungen zu verwirklichen, war daher vor allem auch die niederländische Pflanzenverwendung z. B. Piet Oudolf und Henk Gerritsen angetreten. Die naturalistische Pflanzenverwendung ist daher eine Synthese aus traditionellen gärtnerischen Interessen und „ökologischen“ Zielen, die sich in einer neuen Ästhetik äußern.


Pastellig-kühle Farbkombination, dazu silberfarbiges Laub: Frühsommer-Aspekt
© 2010 Nina Busse

Damit sind in der Pflanzenverwendung Gestaltung und Schönheit wieder zentral. Gleichzeitig hat sich in den USA die Präriegartenbewegung herausgebildet, die zunächst aus naturschützerischen Gründen die kaum noch vorhandenen und dort heimischen Präriepflanzen sammelte, um Prärien zu rekonstruieren oder Präriebeete in Gärten anzulegen. Dies führte zunehmend zur gärtnerischen Veredelung der Pflanzen durch Selektionen.

Die Grenzen zwischen diesen neueren Trends moderner Staudenverwendung sind fließend, denn viele Präriepflanzen sind zum einen schon seit alters her als Prachtstauden in Kultur zum anderen wurden sie auch von der „naturalistischen“ Pflanzenverwendung neu eingesetzt und mit neuen Arten und Sorten ergänzt.


Sehr farbiger Hochsommer-Aspekt
© 2010 Nina Busse

Über das Thema eines neuen Stils hinaus ist die deutsche Debatte sehr stark auch durch praktische Erwägungen und durch die Entwicklung einer extensiven Pflanzenverwendung geprägt. Daher werden mittlerweile eine große Anzahl standardisierter und schematisch zu pflegender Staudenmischungen ursprünglich für sonnige, mit Schotter abgemagerte Flächen und mittlerweile auch für andere Standorten entwickelt. Mit diesen Entwicklungen versucht man auf die restriktiven Pflegebedingungen und die zunehmend geringere Pflanzenkenntnis der Gärtner vor allem in öffentlichen Freiräumen zu reagieren und dafür zu sorgen, dass dennoch Stauden eingesetzt werden.

Auch im Privatgartenbereich kann man gewöhnlich nicht voraussetzen, dass großen Pflanzenkenntnisse vorhanden sind, wenn es sich nicht um Liebhaber handelt, so dass die Mischungen auch hier verwendbar sind. Der Gala-Bau hält sich zudem gern auch an geprüfte Staudenpakete, bei denen er kein hohes Risiko eingeht. Der Sinn diese Strategie ist aber nicht ganz unumstritten: Zum einen muss man realistisch auf die herrschenden Umständen vor allem auch im öffentlichen Bereich eingehen, zum anderen unterstützt man dadurch aber auch, dass immer weniger qualifizierte Kräfte zum Einsatz kommen und auch immer weniger individuelle Lösungen verwirklicht werden. Dennoch erregt diese Art der deutschen Pflanzenverwendung als Mischung von „naturalistischem“ Stil und praktischen Erwägungen so Aufsehen, dass schon von einem „New German Style“ die Rede ist.


Kombination mit Staudenmohn und Salbei
© 2010 Nina Busse

Konzept des neuen Staudengartens auf der Mainau

Vor diesem Hintergrund soll auf der Mainau passend zu ihrem Image als Blumeninsel eine alternative Konzeption verwirklicht werden. In einem ersten Bauabschnitt soll begrenzt durch alte Weinbergsmauern und zwischen einem alten Maulbeerbaum und einer Gruppe von Küstenmammutbäumen auf ca. 3000 m2 eine individuelle und üppige Pflanzung mit Beetstaudencharakter verwirklicht werden. Die Gesamtkosten der Anlage belaufen sich auf ca. 275.000 € netto, wovon ca. 52.500 € netto auf den Einkauf von Pflanzen fallen.

Die GdS unterstützt dieses Projekt mit 10.000 €. Hiervon werden u.a. die Reisekosten des Fachgebiets Landschaftsbau/Vegetationstechnik der Universität Kassel im Zeitraum von drei Jahren beglichen. Das Fachgebiet Landschaftsbau/Vegetationstechnik ist Vertragspartner der Insel Mainau GmbH. Es hat den Vorentwurf für den neuen Staudengarten verfasst und damit die Entwurfsidee formuliert, die Entwurfsplanung begleitet und zeichnet für die Pflanzplanung verantwortlich. Die Fachgruppen der GdS waren aufgefordert, hierfür Vorschläge zu unterbreiten.


Baustelle auf der Mainau Anfang 2010
© 2010 Nina Busse

Die Pflanzung orientiert sich an der Theorie der Lebensbereiche und integriert Elemente moderner naturalistischer Staudenpflanzungen, wie vor allem die Bedeutung des Winteraspekts. An den Randbereichen werden in trockenen Partien Pflanzungen mit eher mediterranem Steppencharakter angelegt und in Gehölzbereichen waldartige Krautschichten. Das Zentrum der Pflanzung bilden aber Beetbereiche. Dominieren werden warme Farben in Gelb und Orange, vor allem aber auch in Rot. Es kommen jedoch auch weiße Partien, blaue und welche in Rosa-Lila vor, um nicht nur ein bestimmtes Arten-, sondern auch Farbenspektrum zu zeigen.

Die mit der Mainau abgestimmten wesentlichen Prinzipien der Pflanzung sind:

• Vielfalt/Üppigkeit
• Langlebigkeit der Stauden
• Verwendung alter und neuer „Klassiker“
• klare Ordnung der räumlichen Gestaltung
• einfache Mittel
• Arbeiten mit dem Bestand
• Orts- und Landschaftsbezug

Neben möglichst üppiger, dennoch nicht übertrieben unnatürlich wirkender Blüte und interessanten Habitus interessiert uns vor allem auch die Langlebigkeit der verwendeten Stauden, um eine alterungsfähige Pflanzung herzustellen. Dieses Thema wird in den Debatten über aktuelle Staudenpflanzungen oft vernachlässigt.

Das bedeutet, dass auf der Mainau vorrangig kein Liebhabersortiment gezeigt werden soll, sondern ein Arten- und Sortenspektrum, das sich auch im Privatgarten bewährt (hat) und den Besuchern vorgestellt werden kann. Daher werden sowohl alte, bewährte Arten und Sorten, sog. Klassiker, als auch neue moderne Formen, z. B. von Taglilien, verwendet, die das Potential haben, zu Klassikern zu werden. Unter alten und neuen Klassikern werden somit Pflanzen verstanden, deren Gestalt die Laien u. U. noch aufgrund ihrer Kindheitserfahrungen kennen, wie Mageriten, Iris, Lilien, Päonien, Phloxe, Orientalischer Mohn etc. Es handelt sich oft auch um Pflanzen von berückender Einfachheit aber mit einem starken Charakter. Neue „Klassiker“ sind dagegen solche, die noch nicht so bekannt aber ebenfalls sehr ausdrucksstark sind, wie z. B. Agastache, die modernen Formen von Taglilien oder die noch wenig bekannten winterharten Schmucklilien (Agapanthus).

Ausnahmen vom Prinzip der Einfachheit sind in Grenzen erlaubt, um die Pflanzung gestalterisch zu steigern, d. h. den Pflanzenkombinationen einen gewissen Pfiff zu verleihen, oder besondere Orte zu betonen. Mitunter werden daher auch sehr üppige und auffallende Stauden und Strauchpäonien verwendet oder bei den Taglilien eine schon fast schrille Farbe. Alterungsfähigen Stauden haben oft eine lange Entwicklungszeit, bis sie voll zur Geltung kommen. Zur Überbrückung dieser Phase werden sie daher mit kurzlebigen „Füllern“ kombiniert, die sich immer wieder auch aussäen können, wobei zu bedenken ist, dass man sich dadurch nicht ein Pflegeproblem selbst schafft.


Baustelle auf der Mainau Anfang 2010
© 2010 Nina Busse

Das Prinzip der Einfachheit der Mittel durchzieht den ganzen Entwurf und bezieht sich daher auch auf die Verwendung der baulichen Elemente, vor allem auch auf die Erschließung der Flächen. Nichts soll vom Schwerpunkt der Planung, die Stauden, ablenken. Gleiches gilt für das Ziel einer klaren Ordnung. Die Entwurfsidee für den neuen Staudengarten ist daher sehr einfach und funktional.

Parallel zu einem vorhandenen Asphaltweg und zu ebenfalls vorhandenen Weinbergsmauern verlaufen die zwei Hauptwege, die den Garten erschließen und die Besucher stufenlos ins Gelände ziehen sollen. An drei markanten Stellen finden sich quadratische Plätze, auf denen man sich aufhalten kann und besondere Blicke auf die Pflanzung oder den See genießen kann. Von den Hauptwegen gehen diagonal Wege zweiter und dritter Ordnung ab, die zum einen eine regelmäßige Beetstruktur entstehen lassen und der Pflege dienen sowie zum anderen den Besuchern ermöglichen, die Pflanzung zu durchgehen und den einzelnen Pflanzen möglichst nahe zu kommen.

Die Pflanzflächen sind somit rechtwinklig angelegt, wie typische Beete, und bilden mit ihrer Erschließung ein klares Raster. Die einzelnen Farbthemen werden bestimmten Partien zugeordnet, so dass farblich spezifizierte Bereiche entstehen. Allerdings laufen die Farben ineinander und changieren, so dass z. B. keine rein weißen oder blauen Teilgärten entstehen, wie dies gängig ist. Das Gelände wird zudem gegliedert durch assymetrisch verlaufende Heckenpflanzungen aus Taxus und Fagus silvatica. Letztere wird im Winter mit ihrem kupfernen Laub einen Farbakzent setzen, der durch wenige Sträucher, u. a. durch Weiden mit farbigen Rinden, und durch Gräser in blonden bis rötlichen Tönen ergänzt wird. Die Sträucher werden im Frühjahr mit dem Staudenschnitt ebenfalls zurückgenommen, d. h. auf Stock gesetzt. Die Pflanzung ist somit auch im Winter attraktiv und repräsentiert ein wesentliches Prinzip „naturalistischer“ Pflanzenverwendung, nämlich die Dynamik der Pflanzung durch ihre interne Entwicklung und durch den Einfluss der Jahreszeiten erlebbar machen.

Unter dem Prinzip des Orts- und Landschaftsbezugs wird vor allem die Öffnung des Staudengartens zur umliegenden Landschaft, d.h. zum Bodensee aber auch zum umgebenden räumlichen Kontext auf der Mainau selbst, verstanden. Vom ursprünglich vorhandenen und in die Jahre gekommenen Roseninformationsgarten wurde nahezu alles entfernt, insbesondere auch seine Randbepflanzung. Diese Öffnung soll nicht nur der Anlage Großzügigkeit verleihen, sondern sie auch mit den Nachbarräumen verbinden. Durch das Roden einiger Gehölze entstehen zudem Teilflächen, die frei von Wurzelkonkurrenz sind. Die Wirkung dieser Öffnung war mit Beginn der Bauarbeiten im Herbst 2009 schon deutlich zu spüren. Die vorhandenen Weinbergsmauern werden wieder erlebbar und prägen den künftigen Staudengarten erheblich. Die darüber liegende alte Esskastanien- und Platanenallee ist ebenso wieder sichtbar wie der von malerischen efeubewachsenen Robinien umstandene alte Wehrturm. Richtung Bodensee werden Sichtachsen geöffnet, die von verschiedenen Plätzen der Anlage einsehbar sein werden.


Baustelle auf der Mainau Anfang 2010
© 2010 Nina Busse

Stand der Arbeiten

Als Grundlage der Kostenschätzung und der Abbrucharbeiten wurden 2009 in intensiver Zusammenarbeit ein Vorentwurf und ein Entwurf für den künftigen Staudengarten angefertigt. Parallel dazu wurden erste Listen zu verwendender Stauden angefertigt und nach mit Gesprächen mit einzelnen Staudengärtnereien auch Reservierungen vorgenommen.

Der Abbruch des alten Rosengartens wurde 2009 abgeschlossen und vor Ort durch Mitglieder des Fachgebiets die entstehende Raumsituation besichtigt. Weitere Detailabstimmungen wurden mit der Mainau getroffen.

Mitte Januar 2010 wurde nach den Weihnachtsferien die detaillierte Pflanzplanung begonnen. Hierbei werden in Listen weitere Pflanzenkombinationen erfasst und diese räumlich in 33 Einzelplänen M 1:50 verortet.

Bildergalerie September 2010

© 2010 Robert Schombacher
© 2010 Robert Schombacher
© 2010 Robert Schombacher
© 2010 Robert Schombacher
© 2010 Robert Schombacher
© 2010 Robert Schombacher
© 2010 Robert Schombacher
© 2010 Robert Schombacher
© 2010 Robert Schombacher
© 2010 Robert Schombacher
© 2010 Robert Schombacher
© 2010 Robert Schombacher

Bildergalerie Juni 2011

 © 2011 Joachim Tjaden
© 2011 Joachim Tjaden
 © 2011 Joachim Tjaden
© 2011 Joachim Tjaden
 © 2011 Joachim Tjaden
© 2011 Joachim Tjaden
 © 2011 Joachim Tjaden
© 2011 Joachim Tjaden
 © 2011 Joachim Tjaden
© 2011 Joachim Tjaden

Staudenbeet im Botanischen Garten Rombergpark Dortmund

Das große Staudenbeet in englischer Tradition

Ein Anschauungsobjekt gepflegter Gartenkunst befindet sich seit 1999 im Botanischen Garten Rombergpark in Dortmund. Es handelt sich um ein ca. 100 Meter langes Doppelbeet, jeweils fünf bzw. sechs Meter tief, links und rechts eines geraden, breiten Weges.

Die Regionalgruppe Dortmund der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS), bekam von dem Leiter des Botanischen Gartens, Herrn Reif, 1996 die Chance, das gesamte Beet zu entwerfen und zu bepflanzen.


blaues Beet West
© 2014 Birgit Hübner


rotes Beet Ost
© 2013 Birgit Hübner

Es wurde ein „Gemischtes Staudenbeet im Englischen Stil“, d.h. eine Pflanzung von Stauden mit Gehölzen. Die Bezeichnung „im Englischen Stil“, hat man damals verwendet, heute verwenden wir aber statt dessen „in englischer Tradition“, weil wir den englischen Stil weder damals noch heute nachahmen wollen, aber dieser Tradition folgen, gemischt mit neueren Traditionen aus Deutschland und den Niederlanden, sowie vor allem mit eigenen Erfahrungen als Laien.


weißes Beet West
© 2014 Birgit Hübner

Die Vorgaben: es durften nur im eigenen Garten bewährte Pflanzen verwendet werden, die winterhart, nicht wuchernd und nicht allzu heikel zu pflegen sind. Es sollten bestimmte Farb- und Gestaltungsregeln eingehalten werden, ebenso alle gärtnerischen Regeln, die den Standort und die Pflanzen betreffen. Das Beet sollte also ein „English Border“ auf Dortmunder Boden werden, in dem – gemäß Karl Foerster - „durchgeblüht wird“.

Das Beet wurde nicht durch künstliche Hecken oder Zäune in einzelne Abschnitte unterteilt, sondern in der ganzen Länge von exakt 92 Metern einsehbar gelassen. In der Mitte des Beetes quert ein viel begangener Weg, so dass das Beet durch seine Farbenpracht dazu einlädt, von der Kreuzung aus nach links und rechts zu gehen. Die Hauptfarbe des Beetes verändert sich auf der gesamten Länge kontinuierlich von Blau über Violett-Rosa, Rot bis Gelb und Weiß. Je ein Abschnitt von etwa 20 Metern ist einem Farbschwerpunkt gewidmet. Dabei wird, abgesehen von weiß, das keine Farbe ist, das Band der Farben wie im Farbkreis durchlaufen. Grün fällt als Blühfarbe aber weg, da es in grünen Blättern und Nadeln omnipräsent ist.


weißes Beet Ost
© 2013 Birgit Hübner

Jeder dieser Abschnitte wurde von einem /einer Staudenfreund/in geplant.
Zuerst kamen Zweifel: Die Staudenfreunde, die das Beet gestalteten, hatten alle wunderbare Privatgärten mit herrlichen Pflanzenbildern. Es sind Ergebnisse jahrzehntelanger eigener Gartenerfahrung und vieler Gartenreisen in die Gestaltung eingegangen. Dies zeigt, dass sich die Abschnitte entsprechend den Planern im Charakter deutlich unterscheiden, was zusätzliche Variation und sehr viel persönlichen Charme ins Beet bringt.


gelbes Beet West
© 2013 Birgit Hübner

Die Beetbetreuer waren und sind (gegenwärtig aktive sind kursiv):

im Blauen Beet: Hanni und Peter Eickmann
im Violett-Rosa Beet: Ingrid Schleithoff ; Sabine Zentek; Elisabeth Fobbe
im Roten Beet: Kurt Kleisa; Eno Orzol-Mühle; Kerstin Wolffram
im Gelben Beet: Margret Denecke; Klaus-Peter Carpantier; Inge und Gerd Imkamp
im Weißen Beet: Birgit Hübner ; Dorothea Steffen

Hinzu kommen einige Helfer für die Arbeit im Beet bis zur Pflege der Pflanzlisten und Pflanzpläne am Computer.


gelbes Beet Ost
© 2013 Birgit Hübner

Die einzelnen Abschnitte werden durch übergreifende Elemente zusammengebunden. Es sind dies die Eibenhecke, die den Hintergrund bildet, rotlaubige Gehölze und rhythmische Strukturelemente. Entlang des Weges wurden in gleichen Abständen Buchskugeln gepflanzt. Wiederholung wurde strukturell eingesetzt; es wiederholen sich auch hohe Gräser, was dem langen Beet noch im Winter Struktur gibt und den optischen Zusammenhalt verstärkt.
Der Gartenfreund weiß, dass ein Staudenbeet nie abgeschlossen ist, dass es wächst, sich verändert und immer wieder korrigiert und ergänzt wird. Das gilt auch für dieses große, gemischte Staudenbeet im öffentlichen Raum. Viel wurde an Staudenkombinationen ausprobiert und jährlich verbessert. Über unsere Standorte im Beet wissen wir inzwischen viel, - über und unter der Erdoberfläche. In Beratungen und zukünftig in Gartenseminaren geben wir unsere Erfahrungen gerne weiter.


rotes Beet West
© 2013 Birgit Hübner

Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten

Im Juni 2001 - im Jahr des Ehrenamtes - hatten die Vorsitzende des Kulturausschusses, Frau Jörder, und Herr Stadtdirektor Fehlemann dieses Beet als „Arkadien Dortmunds“ eingeweiht, und es wurde als gelungene Zusammenarbeit von Bürgern und der Stadt gefeiert.

Der Kauf und die Pflege der Pflanzen obliegt der Stadt, die Gestaltung wird von der Gesellschaft der Staudenfreunde übernommen.

Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Situationen, in denen die Stadt sowohl bei der Finanzierung als auch beim Personaleinsatz Schwierigkeiten hatte. Bisher gelang es den Staudenfreunden aber durch regelmäßige, finanzielle Spenden den Ausfall von Pflanzen zu ersetzen und durch hohen persönlichen Einsatz die Arbeiten am Beet ehrenamtlich zu unterstützen. Ohne die Arbeit unserer Gruppe wäre das ganze Projekt eventuell mehrmals gefährdet gewesen. Ohne die Arbeit der Gärtner des Botanischen Gartens und Auszubildenden der Abteilung Stadtgrün des Tiefbauamtes würden wir jedoch mindestens doppelt so viele ehrenamtliche Helfer benötigen. Die Kooperation von Gärtnerschaft und Ehrenamtlern gelingt nach all den Jahren richtig gut.


rotes Beet Ost
© 2013 Waltraud Ballmer

Seit 2003 unterstützt die GdS dieses Projekt durch jährliche großzügige Spenden


rosa/violettes Beet West
© 2013 Birgit Hübner

Freude der Bürger am Staudenbeet

Viele Besucher des Botanischen Gartens erzählen, dass sie mehrmals pro Woche vorbeikommen, die Rabatten bewundern, teilweise solche Farbzusammenstellungen und Pflanzen erstmalig sehen, Pflanzen und Szenen sich für ihre eigenen Gärten merken und fotografieren.

Am „Heidemarkt“ des Botanischen Gartens bieten die Staudenfreunde Pflanzen des Beetes und Staudenneuheiten an, damit der Besucher weiß, wo er solche bekommen kann, und niemand riskieren muss, sich durch das „Mitnehmen“ von Pflanzen aus dem Beet strafbar zu machen.


rosa/violettes Beet Ost
© 2013 Birgit Hübner

Das Interesse und die Freude der Besucher am Beet überwiegen Änderungswünsche bei weitem. Beetführungen und Beratung am Beet führen wir inzwischen für Besucher mehrmals im Jahr durch.

Wir als Regionalgruppe der GdS sehen in der Verbreitung von Stauden und Staudenwissen unsere Aufgabe und haben daher mit Freude geholfen, im Botanischen Garten Rombergpark ein öffentlich zugängliches Anschauungsbeispiel einer nachhaltigen Staudenpflanzung zu schaffen. Gartenkultur ist eine Form von Kultur und wie alle Kulturformen zu entwickeln, zu pflegen und zu fördern.


blaues Beet West zur 'blauen Stunde'
© 2015 Hannelore Eickmann

Chronik seit 2010

2010 wurde die Regionalgruppe Dortmund mit dem Höfker-Preis geehrt, weil wir uns mit dem großen Staudenbeet „für das Öffentliche Grün der Stadt verdient gemacht haben“.

Dr. Hinrich Höfker (1859-1945) war ein Pionier der Dortmunder Gartenkultur und der Preis, den der Freundeskreis des Botanischen Gartens Rombergpark e.V. jährlich auslobt, trägt zu Recht seinen Namen.

2011 gab es einen Besuch der Regionalgruppe Hamburg, die Stauden aus der aufgelösten Pflanzung der GdS der Landesgartenschau Hamburg spendeten.

2012 richtete unsere RG Dortmund unter der Leitung von Rainer Hatzky die Jahrestagung der GdS in Herdecke (bei Dortmund) aus. Unser Staudenbeet bekam Besuch von den Teilnehmern der Jahrestagung.
2012 und 2013 wurden im Violett-Rosa Abschnitt experimentell Gemüsepflanzen ausprobiert, weil es viele Sorten mit schönen Blattfarben und –texturen gibt, die eine Staudenpflanzung beleben können. Besonders Artischocken erwiesen sich als beeindruckende, aber auch schädlingsanfällige Pflanzen.

2012/2013 erkrankten mehrere Buchskugeln. Deshalb wurden vorsorglich alle Buchskugeln aus dem Staudenbeet entfernt und durch Taxus baccata in Kugelform ersetzt. Die nicht befallenen Buchskugeln werden an anderer Stelle im Botanischen Garten weiter gepflegt.

2013 verloren wir Peter Mosebach nach langer Krankheit, auf den das Projekt Staudenbeet zurückgeht. Wir pflanzten als Gedenkbaum eine Prunus serrula in der Nähe des Staudenbeets für ihn.

2014 bekam der Botanische Garten Rombergpark Dr. Patrick Knopf als neuen Leiter. Im Staudenbeet geht die Zusammenarbeit auf erfreuliche Art weiter. Neue Projekte wurden bereits ins Gespräch gebracht.

2015 geht auch ohne Heimstatt im Schulbiologischen Zentrum, das neu gebaut wird und in 2016 fertig sein wird, unsere Arbeit und Kooperation mit dem Botanischen Garten weiter. Die unter Herrn Reif begonnene systematische jährliche Dokumentation der vorhandenen Arten und Sorten im Staudenbeet wird für botanische Zwecke fortgesetzt.


blaues Beet Ost
© 2014 Hannelore Eickmann

Jedes Jahr probieren wir neue Stauden und Staudenkombinationen im Beet aus, weil wir nicht einen Zustand erhalten wollen, wie er einmal war, sondern ein lebendig sich veränderndes Gesamtkonzept fortsetzen wollen. Keiner der in den letzten Jahren hinzu gekommenen aktiven Beetbetreuer denkt noch daran, dass wir an einem „Versuchsbeet“ arbeiten, als das es in den Anfangsjahren bezeichnet wurde. Dafür ist das Ganze zu bewährt und gereift. Einen eigenen Garten würde man nach achtzehn Jahren ja auch als „reifen Garten“ ansehen.


Winteraspekt bei Schnee
© 2012 Birgit Hübner

Fotos: Birgit Hübner, Hannelore Eickmann, Waltraud Ballmer
Text: Dr. Peter Mosebach, Überarbeitung von Waltraud Ballmer
Kontakt: Waltraud Ballmer