Alpengarten & Alpinenhaus

Im Botanischen Garten München-Nymphenburg (http://www.botmuc.de) sind die Kulturmöglichkeiten für alpine Pflanzen einzigartig. In drei Bereichen wird die Sammlung präsentiert:

Das Alpinum in den Freilandanlagen beherbergt über 1.500 Arten, die dauerhaft ausgepflanzt sind.

Gebirgspflanzen, die trockenere Lebensbedingungen bevorzugen, werden in einem Alpinenhaus unter Glas ausgestellt. Einen Schwerpunkt dieser Sammlung stellen Zwiebel- und Polsterpflanzen Zentralasiens dar. Aus der Fülle der Alpinpflanzen-Kulturen im Botanischen Garten München werden insbesondere im Frühjahr im Alpinhaus jeweils blühende Arten präsentiert. Das Sortiment wechselt öfters, so dass ein Besuch im Botanischen Garten immer wieder etwas Neues bietet.

Im Frühjahr und Sommer listen wir an dieser Stelle auf, was im Alpinenhaus gerade blüht.

Alpinenhaus

Der Alpengarten auf dem Schachen stellt eine Außenstation des Botanischen Gartens dar. Auf 1.850 m Höhe im Wettersteingebirge gelegen, werden hier mehr als 800 Arten aus den verschiedensten Hochgebirgen kultiviert. Besonders prächtig gedeihen Pflanzen aus dem feuchten, östlichen Himalajagebiet und dem Kaukasus.

Alpengarten Schachen


Das Schachen-Haus
© 2015 Jenny Wainwright-Klein

Text: Jenny Wainwright-Klein, Reviergärtnerin für Anzucht von Alpinpflanzen im Botanischen Garten München

Der Alpengarten auf dem Schachen ist einmalig in der deutschen Alpenregion. Allein die wundervolle Aussicht auf das herrliche Bergpanorama des Wettersteingebirges und seine von der letzten Eiszeit geprägten Täler sind den Aufstieg auf 1860 m über Meereshöhe wert. Nach Norden hat man einen weiten Blick in das Alpenvorland hinaus.


Cremantodium arnicoides
© 2015 Jenny Wainwright-Klein

Nicht umsonst hatte unweit vom Alpengarten König Ludwig II. 1870 sein exotisches Jagdschloss errichten lassen, das im Sommer auch besichtigt werden kann. Pro Tag finden vier Führungen in der Zeit von 11.00 – 15.00 Uhr statt. In der Nähe befindet sich das Schachenhaus (Tel: 08821/2996) mit Übernachtungsmöglichkeiten und gepflegter Küche. Etwas weiter weg gelegen ist die ebenfalls bewirtschaftete Meilerhütte (Tel: 0171/5227897), ein bekannter Ausgangspunkt für Extrembergsteiger.

Die am häufigsten genutzte Route auf den Schachen ist von Schloss Elmau aus über den Königsweg. Ausgangspunkt: Bahnhof Klais, weiter über eine mautpflichtige Privatstrasse nach Schloss Elmau (Wanderparkplatz).

Ein anderer, landschaftlich reizvoller Aufstieg führt durch die Partnachklamm über den Kälbersteig zum Schachen. Ausgangspunkt: Parkplatz am Olympia-Skistadion.

Die dritte Möglichkeit wäre von Mittenwald aus am Lautensee und Ferchensee vorbei. Die Straße mündet auf 1260 m über Meereshöhe in den schon oben erwähnten Königsweg. Ausgangspunkt: Mittenwald. Der vorhandene Fahrweg darf leider nur mit behördlicher Genehmigung befahren werden.


Cyananthus microphyllus
© 2015 Jenny Wainwright-Klein

Nunmehr einige Worte zum Wanderziel Alpengarten selbst. Seit dem 13. Juli 1901 gibt es den Alpengarten auf dem Schachen. Prof. Dr. Karl von Goebel, der zu dieser Zeit zuständige Direktor des Botanischen Gartens München, hatte mit finanzieller Unterstützung des „Vereins zum Schutz der Bergwelt“ nach einem geeigneten Ort in den bayerischen Alpen gesucht und diese Stelle für den Alpengarten ausgewählt.

Damals gab es zwei Hauptanliegen, die für die Gründung eines solchen Alpengartens entscheidend waren: Erstens sollte er wissenschaftlichen Zwecken dienen; mit einem kleinen Labor zur Untersuchung der Einflüsse der Höhenlage auf das Pflanzenwachstum, der Temperaturabhängigkeit sowie der verstärkten UV-Einstrahlung.


Diascia barberae
© 2015 Jenny Wainwright-Klein

Zum zweiten sollte der Garten dem aktiven Bergwanderer die Vielfalt der Bergflora aus aller Welt vor Augen führen. Heute sind im Alpengarten in der Hauptsache Pflanzen aus den Gebirgen der nördlichen Hemisphaere anzutreffen.

Die Pflanzen werden heute nach geographischen Gesichtspunkten gepflanzt, wobei verständlicherweise die Bayerischen Alpen, aber auch die Rocky Mountains in Nordamerika und die Himalaya-Region in Asien Schwerpunkte bilden.

Der Alpengarten ist nur in den Sommermonaten von 8.00 – 17.00 Uhr geöffnet. Während dieser Zeit wird auch ein Wetterbuch geführt. Die Niederschlagsmenge in diesem Zeitraum liegt normalerweise zwischen 400 und 600 mm/m². Schnee im Sommer ist hier oben kein ungewöhnliches Ereignis. Am 18. Juli 1984 wurden zum Beispiel 40 cm Neuschnee gemessen; dies als Hinweis auf entsprechende Ausrüstung und Bekleidung.


Eryngium bourgattii
© 2015 Jenny Wainwright-Klein

Häufiger Nebel und wolkenreiche Tage mit darauffolgenden Gewitterstürmen im Sommer sind genau das richtige Klima für schwer kultivierbare Himalayapflanzen. In ihrer Heimat gehen zu dieser Zeit die Monsunregen nieder. So können Sie im Alpengarten u.a. großblumige Arten aus der Familie der Mohngewächse (Meconopsis spec.), lilienähnliche Nomocharisvertreter oder den sonnenblumenähnlichen Korbblütler Cremanthodium arnicoides und andere Himalayabewohner bewundern, die im Tiefland kaum gedeihen. Rhododendren aus dieser Region sind ebenfalls vertreten. Von unseren einheimischen Alpenrosen ist das kalkverträgliche Rhododendrum hirsutum in der seltenen weißblühenden Variante anzutreffen (nur 2 Exemplare). Die Blütezeit dieser Pflanzenart ist meist Anfang Juli.


Gentiana hexaphylla
© 2015 Jenny Wainwright-Klein

Die Nachtabkühlung auf 1860 m über Meereshöhe ist ebenfalls von großer Bedeutung für die erfolgreiche Kultur von Hochgebirgspflanzen wie Gentiana froelichi und Gentiana frigida aus den Ostausläufern der europäischen Alpen. Weitere Vertreter der Ostalpen- und Karpatenflora sind die rotblühende Königssteinnelke (Dianthus callizonus) und das großblütige Seifenkraut (Saponaria pumilio).

Aus Westeuropa begegnen wir im Alpengarten unter anderem Adonis pyrenaicum, einem Verwandtem unseres Frühlingsadonisröschens. Die Polster der zahlreichen Steinbrechgewächse (Saxifraga spec.), Hungerblümchen (Draba spec.) und Primelverwandte (Androsace spec.) aus den Gebirgsmassiven dieser Erde sind zwischen den Felsen zuweilen nicht leicht auszumachen.


Primula secundiflora, Primel
© 2015 Jenny Wainwright-Klein

Nur vier Pflanzenvertreter aus der Gebirgsregion der Neuen Welt, also aus Amerika, sollen Erwähnung finden: Die rotblühende Rosenwurz (Rhodiola rhodantha), die ausschließlich in Amerika beheimatete, rotfarbige Parry-Primel (Primula parryi) sowie die weißlich blühende Götterblume Dodecatheon jeffreyi bevorzugen feuchte Standorte. Der blaublühende Penstemon crandallii liebt es trockener.

Die Auflistung all dieser Pflanzenarten erhebt natürlich in keiner Weise den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll lediglich als Anregung dienen, im Alpengarten am Schachen auf weitere Entdeckungsreise zu gehen. Es warten schließlich über 1.000 Gebirgspflanzen aus aller Welt auf Sie!


Kniphofia caulescens
© 2015 Jenny Wainwright-Klein

Fragen über die täglichen Öffnungszeiten, genauere Wegbeschreibungen usw. sind an die Verwaltung des Botanischen Garten München zu richten (Tel: 089/17861-310, Fax 089/17861-340). Genauere Daten enthält vor allem die umfassende Broschüre „Der Alpengarten auf dem Schachen“ von Dr. Andreas Gröger, die Sie gegen eine Gebühr von 5,- Euro beim Botanischen Garten München erwerben können. Nähere Angaben finden Sie ferner unter http://www.botmuc.de

Eine Liste weiterer alpenbotanischer Gärten finden sie hier: http://www.biologie.uni-ulm.de/fgag


Clematis alpina, die Alpen-Waldrebe
© 2011 Jenny Wainwright-Klein

 

Es blüht am Schachen


Primula secundiflora
© 2015 Jenny Wainwright-Klein

Alle Bilder auf dieser Seite wurden von Jenny Wainwright-Klein im Juli 2015 bzw. Ende Juni/Anfang Juli 2011 auf dem Schachen fotografiert.


Dianthus alpinus
© 2015 Jenny Wainwright-Klein


Calceolaria uniflora
© 2015 Jenny Wainwright-Klein


Lilium monadelphum
© 2015 Jenny Wainwright-Klein


Lilium carniolicum
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Lilium jankae
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Meconopsis betonicifolia
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Meconopsis napaulensis-Hybride
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Meconopsis quintuplinervia
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Nomocharis pardanthina
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Pyrola minor
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Rhododendron hirsutum
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Silene davidii
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Asperula capitata
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Leontopodium alpinum
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Lotus alpinus
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Meconopsis x sheldonii
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Olsynium juncifolium
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Primula involucrata
© 2011 Jenny Wainwright-Klein


Rhododendron keleticum
© 2011 Jenny Wainwright-Klein