Über Hosta

Botanik

von A. Wiesmet

Hosta, zu deutsch Herzblattlilien, sind oft noch als Funkien bekannt. Die Gattung Hosta wurde nach dem österreichischen Botaniker und Leibarzt Nicolaus Thomas Host (1761–1834) von Leopold Trattinnick (1764 bis 1849, österreichischer Botaniker) benannt. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Tratt.“.

In der Klasse der Bedecktsamer gehören sie zu den Einkeimblättrigen.
In der Ordnung der Spargelartigen zählen sie wiederum zu der Familie der Spargelgewächse. Hosta gehören zu der Unterfamilie der Agavengewächse, dann folgt eben die Gattung Hosta mit den ca. 40 bis 45 Arten, je nach Autorenmeinung.

Hosta gehören zu den Stauden, den winterharten, einziehenden Blütengewächsen. Sie wachsen als ausdauernde, krautige Pflanzen. Sie bilden horizontale, große, kurze, oft verzweigte Rhizome; manchmal auch mit Ausläufern. Sie bringen viele grundständige, spiralig angeordnete Laubblätter mit langen Blattstielen hervor.

Der Schaft des Blütenstandes ist meist mit einigen sitzenden, hochblattartigen Blättern besetzt. Der endständige, traubige Blütenstand enthält wenige bis viele Blüten und grüne bis weiße Hochblätter. Die zwittrigen, dreizähligen Blüten haben einen kurzen Blütenstiel. Die sechs weißen bis blauen oder violetten Blütenhüllblätter sind röhrig bis glockenförmig verwachsen. Die sechs Staubblätter sind meist frei, selten mit dem Grund der Blütenhüllblätter verwachsen. Es werden Kapselfrüchte mit vielen schwarzen geflügelten Samen gebildet, die problemlos keimen.

Hosta Evolution:
http://www.americanhostasociety.org/EvolutionOfHosta.html

 

Arten

von H. Berger

Blütenpflanze: Angiosperme
Familie: Asparagaceae
Genus: Hosta

Basis für alle Züchtungen sind die in der Natur vorkommenden Arten (Species). Dieser Satz ist absichtlich formuliert, auch wenn er jedem bekannt ist, der sich mit Pflanzen beschäftigt. Woraus sich die Frage ergibt, welches sind die in der Natur vorkommenden Hosta. Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten.

Die Hosta kommen in Asien vor, in China, im östlichen Russland, Korea und Japan (Verbreitungskarten: http://www.hostalibrary.org/species/pdf/part5c-general.pdf). Doch seit Jahrhunderten wird in den Herkunftsländern gezüchtet, und da diese Länder für Europäer bis ins 19. Jahrhundert wenig zugänglich waren, haben Besucher die wenigen ihnen zugänglichen Pflanzen mit nach Europa genommen, ihnen Namen gegeben oder solche aus den Namen, die diese im Herkunftsland hatten, abgeleitet.

Viele dieser Hosta wurden als Arten angesehen, waren aber in Wirklichkeit schon Sorten oder Auslesen aus Arten. Selbst diese Pflanzen wurden unter verschiedenen Namen (Synonymen) geführt. Das führte dazu, dass man ca. 192 Namen für den Genus Hosta kannte.

Fumio Maekawa von der Universität Tokio verfasste 1935 die erste Monographie über Hosta und schaffte damit eine Basis für die Ordnung der Gattung. Allerdings gab er vielen Pflanzen schon dann den Status einer Art, wenn sich geringe Unterschiede in der Blütenform, sogar bei den Hochblättern, zeigten. Dadurch wurde die Gattung unübersichtlich.

Richtig „aufgeräumt“ hat W. George Schmid. Das Ergebnis seiner Arbeit hat er als Buch veröffentlich. Von der AHS wurden die Ergebnisse im Jahre 1993 als „Tan Book“ im Internet jedem zugänglich gemacht und beinhaltetet eine Liste der Species, botanischen Varietäten und Formen (http://www.hosta.org) .Viele Hosta haben ihren bis dahin geführten Art-Stutus aberkannt bekommen (siehe http://www.hostalibrary.org – Species Update). Die letzte revidierte Liste stammt aus dem Jahre 2012 (http://www.hostalibrary.org/).

Während Schmid neben den Arten (43) viele Varietäten und Formen aufführte (alle zusammen 61), reduzierte B. Zonneveld diese Liste auf 23 Arten (http://www.hostamill.be/ENG/ENGSpecies/ENGHGHostaSpeciesZonneveld.htm). „The Plant List (http://www.theplantlist.org) führt ebenfalls 23 Arten auf. Diese beiden Listen sind aber nicht identisch.

Die Klassifizierung einer entwicklungsgeschichtlich jungen Pflanzenart wird immer schwierig sein. Natürliche Hybridisierungen, die Konfrontation mit einer sich ständig verändernden Umwelt oder gar mit freigesetzter Radioaktivität (Fukushima), zwingen zu Anpassungen und verändern die Pflanzen der Gattung ständig.

Die nachstehende Tabelle zeigt die in den Listen der von den Autoren genannten Hosta. Zonneveld und „The Plant List“ führen keine Subspecies auf. Die Arten der linken Spalte sind als Link definiert. Durch Anklicken kommt man direkt auf die Seiten des „Tan-Books“.

Link George W. Schmid B. Zonneveld The Plant List Herkunft
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/aequinoctiiantha.pdf H. aequinoctiiantha     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/albofarinosa.pdf H. albofarinosa   China
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/alismifolia.pdf H. alismifolia     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/calliantha.pdf H. calliantha     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/capitata.pdf H. capitata Korea
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/cathayana.pdf H. cathayana     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/clausa.pdf H. clausa var. clausa H. clausa H. clausa Korea
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/clausa_en.pdf H. clausa var. ensata      
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/clausa.pdf H. clausa var. normalis      
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/clausa.pdf H. clausa var. stolonifera      
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/clavata.pdf H. clavata     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/crassifolia.pdf H. crassifolia     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/densa.pdf H. densa     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/fluctuans.pdf H. fluctuans     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/gracillima.pdf H. gracillima Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/hypoleuca.pdf H. hypoleuca Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/ibukiensis.pdf H. ibukiensis     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/jonesii.pdf H. jonesii Korea
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/kikutiicaputavis.pdf H. kikutii var. caput-avis H. kikutii H. kikutii Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/kikutiivarkikutiifl.pdf H. kikutii var. kikutii f. leuconota     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/kikutiivarkikutii.pdf H. kikutii var. kikutii     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/kikutiivarpolyneuron.pdf H. kikutii var. polyneuron     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/kikutiicaputavis.pdf H. kikutii var. tosana     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/kikutii_var._yakusimensis.pdf H. kikutii var. yakusimensis     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/kiyosumiensis.pdf H. kiyosumiensis Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/laevigata.pdf H. laevigata   Cheju Insel
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/l_hypoglauca.pdf H. longipes f. hypoglauca H. longipes H. longipes Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/longipes_f_sparsa.pdf H. longipes f. sparsa     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/longipes_f_viridipes.pdf H. longipes f. viridipes     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/longvarcaduca.pdf H. longipes var. caduca     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/longvarlat.pdf H. longipes var. latifolia     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/longissimavlong.pdf H. longissima var. longifolia H. longissim H. longissima Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/longbrev.pdf H. longissima var. brevifolia     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/minor.pdf H. minor Korea
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/montana1.pdf H. montana macrophylla var.ovatolancifolia     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/nakaiana.pdf H. nakaiana     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/nigrescens.pdf H. nigrescens     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/okamotoi.pdf H. okamotoi     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/pachyscapa.pdf H. pachyscapa     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/plantagineajap.pdf H. plantaginea var. japonica      
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/plantaginea.pdf H. plantaginea China
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/pulchella.pdf H. pulchella Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/pycnophylla.pdf H. pycnophylla Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/rectifoliaaustralis.pdf H. rectifolia var.australis H. rectifolia H. rectofolia Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/rectifoliapruinosa.pdf H. rectifolia var. rectifolia f. pruinosa     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/rohdeifoliafviridis.pdf H. rohdeifolia f. viridis     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/rupifraga.pdf H. rupifraga Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/shikokiana.pdf H. shikokiana Japan
  H. sieboldiana Japan
  H. sieboldiana var. sieboldiana     Japan
  H. sieboldiana var. glabra     Japan
  H. sienoldii Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/takahashii.pdf H. takahashii     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/takiensis.pdf H. takiensis     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/tardiva.pdf H. tardiva     Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/tibae.pdf H. tibae   Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/tsushimensis.pdf H. tsushimensis Korea, Japan
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/ventricosa.pdf H. ventricosa China
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/venusta.pdf H. venusta Korea
http://www.hostalibrary.org/species/pdf/yingeri.pdf H. yingeri Korea

Die Untersuchungen zu den Hosta-Arten werden ständig weitergeführt und man kommt – auch aufgrund neuester Analyse-Methoden – zu immer neuen Erkenntnissen. Die letzten Ergebnisse sind am 29. August 2012 von W. George Schmid unter www.hostalibrary.org unter der Rubrik „Species Update“ zu finden. Einige Species haben ihren Artstatus verloren. Nunmehr sind es nur noch 38 Hosta-Arten.
Eine weitere umfangreiche Informationsquelle ist die Webseite von Rob Sneyers http://www.hostamill.be/ENG/index.html).

 

Sorten

von A. Wiesmet

Die ursprünglich große Bedeutung der natürlichen Arten ist gegen Ende des 20. Jahrhunderts aufgrund der immer zahlreicher werdenden Sorten gesunken.

Hosta-Arten sind nicht streng einheitlich; schon in der Natur gibt es Standortvarietäten. In Japan werden in der Natur immer wieder abweichende Formen gefunden, auch gemusterte.

So ist es nicht verwunderlich, dass es durch gezielt durchgeführte Kreuzungen bei der Wahl der „richtigen“ Eltern zu so einer Vielzahl an Sorten gekommen ist. Deren Zahl geht nun schon ins Unüberschaubare. Man spricht von mehr als 7.000 Sorten, jährlich kommen hunderte hinzu. Über Sinn und Unsinn immer neuer und doch nur wenig sich unterscheidende Sorten lässt sich streiten.

Ein Züchter (Hybridizer) kann seine Sorte(n) bei der AHS registrieren lassen. Über die Bedingungen kann man sich auf der Hompage der AHS informieren. Die registrierten Sorten sind nach Jahrgängen geordnet und ebenfalls bei der AHS einsehbar. Aber längst nicht alle Hosta-Sorten sind registriert.

Hosta-Blätter zeigen sich während der ganzen Vegetationsperiode und haben spezielle Eigenschaften, nach denen man sie unterscheiden kann: Form (von von linear bis triangular), Farbe und Musterung, Rand (glatt, gewellt), Glanz, Äderung, Struktur, Göße. Daneben die Stängel, die unterschiedliche Formen, Farben und Längen aufweisen können.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal (ganz wichtig bei den Arten) sind die Blüten nach: Blütezeit, Form und Größe und Höhe (bis 210 cm!), Farbe, Duft und Reichhaltigkeit.

Die gesamte Pflanze kann beurteilt werden nach Größe in Breite und Höhe (zwergig bis gigantisch), aufrecht oder breitwachsend, kompakt bis ausläufertreibend, Zuwachs, Robustheit, Schneckenanfälligkeit.

Ein Großteil der neuen Sorten werden nicht durch Hybridisierung erzeugt, sondern sind sogenannte Sports. „Hosta sind genetisch instabil. So kann es vorkommen, dass eine Hosta einen Austrieb bildet, der eine andere Panaschierung (Blattmusterung) als die Mutterpflanze zeigt. Solche Triebe nennt man Sports. Wenn solche Triebe dann eigene Wurzeln gebildet haben, können sie von der Mutterpflanze getrennt und als selbständige „Neue Hosta“ kultiviert werden. Ca. 40% aller neuen Hosta-Sorten sind Sports bekannter und registrierter Namenssorten“ (aus Wikipedia). Die 40% können heute wohl deutlich nach oben korrigiert werden.

Die Zukunft
Noch kaum bekannt ist, dass die Züchtung von Sorten mit höherem Rotanteil im Blatt bereits intensiv läuft. Erste Sorten, bei denen sich das Rot des Stieles ins Blatt zieht, sind bereits gängig, wie ’Harry van de Laar‘. Bei ’Purple Haze‘ wirkt vor allem das frische Blatt wirklich lila überlaufen!

Und in Dan Heims „Tresorgewächshäusern“ schlummern Schätze, die aus der Sorte ‘Bronze Age‘ hervorgingen. Darüber ist nichts in Erfahrung zu bringen, man munkelt, dass sogar Inhalte dazu aus dem Internet entfernt wurden. Angeblich sollen diese Sorten erst auf den Markt kommen, wenn man ihnen Sterilität angezüchtet hat!

Farblich ist bereits vieles ausgereizt, aber an der Schneckenfestigkeit, an remontierenden Blüten und verzweigten Stängeln wäre noch zu arbeiten.

Siehe auch:
http://gaertnerblog.de/blog/2009/hosta-trends/
http://gaertnerblog.de/blog/2009/hosta-zucht-und-tetraploidie/

 

Entstehung der Gattung Hosta

von Arthur Wiesmet nach W. George Schmid, frei übersetzt und verkürzt

Die Gattung Hosta ist offensichtlich eine der jüngeren Pflanzengattungen. Nie wurden Fossilien von Pflanzen gefunden, die irgendwelche Merkmale der Gattung Hosta haben.

Hier wird versucht Antworten auf Fragen über die Evolution der Hostas zu geben, ohne dass dies exakt wissenschaftlich zu belegen wäre.

Die Zellforschung zeigt, dass Hosta eine genetische Ähnlichkeit mit Wüstenpflanzen aus der Familie der Agavaceae haben. Deshalb wurde vorgeschlagen Hosta in die Agavaceae einzugliedern. Jedoch sind die Agavaceae meistens Wüsten angepasst, während die Hosta dem Bereich Wald angepasst sind. Agavaceae kommen in Mittel- und Nordamerika vor, Hostaarten in Asien, in gegensätzlichen Lebensräumen. Diese Lebensräume und Kontinente sind vollständig isoliert, es gibt keine Beweise für Einwanderung. Deshalb übernehme ich nicht Eingliederung der Hosta in die Agavaceae.

Die Erscheinungsformen der ursprünglichen Populationen in Japan, Korea, China und Japan zeigen, dass die evolutionäre Wiege der Gattung Hosta nicht Japan ist, da die japanischen Arten im weitesten Sinn einheitlich sind. Die unterschiedliche Ausprägung ist auf der koreanischen Halbinsel und in China am höchsten.

Pollenstudien deuten darauf hin, dass der Ursprung der Hosta ein Lilien-Typ gewesen sein könnte, aus dem sich H. plantaginea entwickelte. In der Evolution entwickelten sich daraus verschiedene Pollentypen.

Die Vorgänger der Gattung wanderten wahrscheinlich aus dem mittleren Osten vom chinesischen Festland her (dort existiert noch die „primitive" Hosta plantaginea) durch die südliche Mandschurei auf die koreanische Halbinsel und weiter in den Süden Japans.

Die nördliche Ausbreitungsroute zieht sich entlang der Küste der südöstlichen UdSSR über Sachalin und von dort Richtung Süden nach Hokkaido und Honshu. Die japanischen Hauptinseln mit ihren klimatologischen und ökologischen Unterschieden führten zu weiteren Artbildungen. Es zeigt sich, dass die höhere Artenzahl im nördlichen Kyushu, auf Tsushima und den südlichsten Inseln der Koreas im nördlichen Zweig der Evolution entstanden sein müssen, während alle anderen, hoch differenzierten koreanischen Arten zu dem südlichen Entwicklungszweig gehören, der geographisch isolierten Insellage Koreas entsprechend.

Nur durch die geographische Isolation sind diese Arten verschieden geblieben. Auf den wichtigsten japanischen Inseln hybridisierten die natürlichen Populationen und bildeten jahrhundertelang Übergangsformen. Eine natürliche Hybridisierungsschranke gibt es nicht. Die chinesische nachtblühende H. plantaginea und die tagblühenden japanischen und koreanischen Arten hybridisieren nur in Kultur.

Die jüngste Hosta ist H. venusta mit weniger als 15000 Jahren. Der Entwicklungszweig von H. venusta zog nach der letzten Eiszeit auf die südöstliche koreanische Insel Cheju. Das geologische Alter von Cheju wird auf 13-14000 Jahre geschätzt, so dass H. venusta danach entwickelt haben muss. Im Verlauf der Anpassung gab es bei H. venusta genetische Veränderungen, so dass sie genetisch nicht absolut einheitlich sind.

Hostas und viele andere asiatische Arten überquerten die Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska vor etwa 12 - bis 15000 Jahren. Sie entwickelten sich nach dem Verschwinden dieser Landbrücke, waren aber aus irgendeinem Grund nicht in der Lage wie viele andere asiatische Arten nach Nordamerika einzuwandern.

Die Gattung Hosta entwickelte sich vor der letzten Eiszeit. Hosta ist eine sehr junge Gattung in einer zusammenhängenden Fläche Asiens und sonst nirgends auf der Welt.

Hosta haben eine einzigartige Makro- und Mikromorphologie, keine andere Zierpflanze ähnelt ihr. Aufgrund fehlender Fossilien muss sich die Gattung Hosta in der zweiten Hälfte des Pleistozäns von 1,8 Millionen bis 8000 Jahren entwickelt haben.

Wir können nur vermuten, ob es Anfang oder Ende dieses Zeitraumes war. Wahrscheinlich eher von der Mitte zum Ende hin.

Die Gattung Hosta entwickelt sich durch Artbildung, interspezifische Hybridisierung und Anpassung während des Holozän weiter, vor 8.000 Jahren bis zur Gegenwart. Einige Arten prägen sich wahrscheinlich noch aus, bzw. passen sich an unsere ständig verändernden Umweltbedingungen an.

 

Hosta aus Samen

Wer sollte schon auf die Idee kommen Hosta auszusäen – existieren doch bereits mehrere tausend Sorten, da sind echte Neuheiten kaum zu erwarten.

Vermutlich muss man ziemlich abgedreht sein um es zu versuchen, wahrscheinlich ist man auch noch Mitglied in der GdS…

Andererseits: Aussaaten von Hosta sind unglaublich simpel, man gebe Samen auf Erde, sorge für 20° Celsius (Küchenfenster) und nach ein bis zwei Wochen beginnen die Samen zu sprießen, alles weitere geht seinen geregelten, unproblematischen Gang. Zudem handelt es sich um eine nette Winterbeschäftigung, wenn man für Kunstlicht sorgt.

Wer jedoch wild panaschierte Formen erwartet, wird enttäuscht sein; der Nachwuchs, auch bunter Eltern, ist in der Regel einfarbig grün. Ich persönlich empfand das als etwas frustrierend, zumal ich die Zusammenhänge damals noch nicht kannte. Da kreuzt man seine bunten Hosta wild durcheinander (O-Ton meiner Teenager-Kinder: „Na, Muttern hattest du heute schon Garten-Sex?“) und das Ergebnis fällt langweilig grün aus, bis auf einige blaue und gelbe.

Natürlich behält man letztere: um ziemlich bald festzustellen, dass sie keinerlei Besonderheit oder Verbesserung in irgendeiner Hinsicht darstellen. Man landet also beim Hosta-Aussaat-Gedächnis-Beet und nach einigen Jahren kompostiert man sie doch.

Trotzdem nagten die bunten Hosta an mir, jedes Jahr bringt neue Sorten, von denen man wieder die Finger nicht lassen kann, nur selbst ist man zu blöd um auch nur einen einzigen panaschierten Sämling zustande zu bringen.

Irgendwann ist wieder Winter und man treibt sich auf amerikanischen Hostaseiten herum, denn im deutschsprachigen Internet findet man kaum Aufklärung für dieses Phänomen. Im Gegenteil, eine ansonsten wunderschöne Hosta-Seite verkündet:

„Wichtig zu wissen ist, dass Sämlinge meist im ersten Jahr noch keine Panaschierung aufweisen. Behalten Sie die Pflanzen bis zum zweiten Jahr. Erst dann zeigen sich oft sehr interessante Merkmale.“

Da hat man aber schon die amerikanischen Bilder von keimenden Nachkommen der „streaked breeders“ gesehen, Panaschierung ab dem ersten Blatt. „Streaked Breeders“, wörtlich übersetzt „gestreife Züchter“ sind genetisch instabile Hosta, bei denen jedes Blatt anders aussehen kann. Und einfach keine Geduld mehr ein Jahr zu warten, wenn man es doch sofort haben kann. Es handelt sich nicht um besonders schöne Pflanzen, sie sehen ziemlich wirr und unaufgeräumt aus – wie Küchen im Mai und Gewächshäuser im Oktober. Auch haben sie die Angewohnheit sich stabilisieren zu wollen, oft erscheinen grüne Seitentriebe, die wiederum die panaschierten verdrängen können. Man muss also ein Auge auf sie haben und im Zweifelsfall jährlich teilen, um die bunten Blattschöpfe zu erhalten.

Aber wenn sie als Mutterpflanzen verwendet werden, bringen sie die begehrten „gestreiften“ Sämlinge. Diese sind oft auch instabil, doch auch manche, die ihre bunten Blätter genetisch festigen können und dann vermehrt und verkauft werden könnten. Als Vaterpflanze vererben die „streaked breeders“ diese Eigenschaften nicht, Pollen von ihnen erzeugen auf Normalo-Hosta ebenfalls nur einfarbige Nachkommen..

Diese Züchterpflanzen kosteten noch vor einigen Jahren ein Vermögen, wenn man sie überhaupt ergattern konnte. Doch inzwischen erschien sozusagen die Quadratur des Kreises unter den Hosta: Pflanzen, die genetisch instabil sind, d.h. jedes Blatt sieht anders aus, aber optisch wirken sie stabil und sind als Sorte wieder erkennbar. Meine erste war „Revolution“, deren weiße Blattmitte mit unregelmäßige grüne Punkte zieren. Als weitere, relativ problemlos erhältliche Hosta dieser Gruppe wären zu nennen: „Koran Snow“, „Lakeside Elfin Fire“ und „Spilt Milk“.

Die andere Variante an bunte Hosta zu kommen sind „sports“ plötzlich auftretende Mutationen an einer erwachsenen Hosta, also ein Blattschopf entwickelt sich plötzlich anders oder weist eine Panaschierung auf.

Fritz Köhlein beschreibt ins einer 1993 erschienen Monographie „Hosta“, die Wahrscheinlichkeit zu einem bunten Sämling zu kommen sei 1:60.000. Zitat „Da ist es wesentlich einfacher, die eigenen Hosta-Bestände gut zu beobachten, die Chancen für eine spontane Sportbildung stehen viel besser.“

Meine Hosta taten das nie und ich habe einige davon und beobachte sie akribisch: sie sind und bleiben unsportlich.

So gut wie alle kommerziell vermarkteten Hosta werden heute in Gewebekultur im Labor vermehrt. Wenn man denselben Zellhaufen tausendfach teilt ist schon mathematisch die Chance, dass hierbei ein Sport entsteht wesentlich größer als bei Normalkultur im Garten mit ihrer wesentlich geringeren Reproduktionsrate.

Wenn man sich also die Ahnenreihe von „Risky Business“, einem Sport von „Revolution“ ansieht: „Revolution“ ist ein Sport von „Loyalist“, die hin wiederum einer von „Patriot“.

Nachdem ich das alles wusste, habe ich zuerst „Revolution“ ausgesät, wobei sich ein zusätzliches Problem ergab: weiße Sämlinge. Viele im Blattzentrum weiße Hosta bilden ebenfalls weiße Blütenstängel und subsequent weiße Samenkapseln aus. Man errät es kaum, aber die Samen (sie keimen durchaus) sind ebenfalls: weiß. Das bedeutet kein Chorophyll, keine Fotosynthese und folgerichtiges Welken und Absterben des Keimblatts, wenn sie Nährstoffreserven des Samenkorns erschöpft sind. Manche dieser Pflänzchen leben etwas länger und weiße Hosta gibt es sogar käuflich zu erwerben („White Feather“, „Outhouse Delight“ oder eine die auf den schönen Namen „White Trouble“ hört), diese entwickeln mit fortschreitender Vegetationsperiode etwas Blattgrün und können so Nährstoffe aufnehmen und wachsen. Doch sind und bleiben sie Hätschelkinder: wüchsig kann man diese Formen beim besten Willen nicht nennen.

Einer meiner „Revolution“ Sämlinge startete allerdings mit einem einseitigen grünen Rand an einem sonst weißen Blatt. Eine Pflanze auf die die Welt sicher nicht gewartet hat, dafür ich um so mehr. Amerikanischen Quellen zufolge (ich habe es nicht ausprobiert) zeigen die Blütenstiele und Samenkapseln von Hosta mit weißem Blattzentrum gelegentlich grüne Streifen, aus diesen entstehen dann nicht nur weiße Hosta, sondern auch panaschierte.

Von diesem Erfolg ungemein beflügelt brauchte ich unbedingt mehr Hosta-Samen mit derart ungeheurem Potenzial. In Amerika kann man Samen von „streaked breeders“ kaufen, und so kam ich auf die amerikanischen ebay-Seiten. Nun ist es nicht so, dass Hosta-Samen in den USA ein Massenphänomen sind, aber es gibt sie immerhin, auch solche der „streaked breeders“, der Preis ist durchaus moderat. Das liegt nicht nur am begrenzten Kundenkreis, auch der momentan schwächelnde Dollar trät seiniges dazu bei.

Da konnte man 100 Samen von „streaked breeders“ direkt kaufen und mit paypal (sichere Zahlungsmethode) auch umgehend bezahlen. Der Gesamtbetrag belief sich aus US Dollar, das entsprach € 5,83. Abgesehen von diesem Schnäppchen begeisterte mich die anschließende Korrespondenz mit dem Verkäufer (Bob Clark aus Michigan) noch viel mehr. Er legte noch einige Samen dazu, damit ich auch garantiert an den von mir ersehnten panaschierten Nachwuchs käme.
Er berichtete, dass er in Deutschland eine Reihe von treuen Kunden habe – was Wunder, mir ist keine hiesige Quelle bekannt. Binnen weniger Tage waren die Samen im Briefkasten.

Wer es ausprobieren möchte: bei ebay „weltweiter Handel öffnen“ und „streaked breeders“ eingeben, oder nach dem Verkäufer suchen, hier „ipeterc“.

Sollten sie hostainfiziert sein, versuchen sie es dort. Das Internet ist zudem voll von Hosta-Bildern und –informationen, die wichtigste Seite ist www.hostalibrary.org“.
Profunde Informationen zur Aussaat von Hosta bietet auch das Diskussionsforum „hostaseedgrowers“.

Seit ein paar Jahren habe ich nun meine eigenen „streaked breeders“ und bin Selbstversorger mit den entsprechenden Samen. Nun ja, die Blätter sind oft flatterig, die Größe so mittel und man muss aufpassen, dass man die grünen Seitentrieb entfernt - das bedeutet nichts anderes als häufiges Teilen. Es sind weder die schönsten, noch die pflegeleichtesten Hosta.

Eine hat sich auch bereits stabilisiert: grün mit weißem Rand, mittelgroß und mittelmäßige Substanz. Sicherlich eine Sorte auf die die Welt nicht gewartet hat, aber ein Spaß für die Gärtnerin.

Wer Hosta und Wundertüten mag, sollte einfach mal eine Saatkiste übrig haben.

 

Hosta und ihre Partner

von Gudrun Banf - Köln, den 22.03.2011

Hosta sind sommergrüne Stauden, die je nach Sorte und Art ab April bis Ende Mai ihre Blätter entfalten und im Herbst ab Oktober eine größtenteils gelbe Herbstfärbung zeigen. Nach den ersten Frühfrösten und bei umfangreichen Herbstniederschlägen färben sich die Blätter milchig braun und nehmen eine matschige Konsistenz an. Dagegen in den Monaten Mai bis September zieren sie den Garten durch ihr sehr verschiedenartiges Blattwerk, weshalb sie auch „Blattschmuckstauden“ genannt werden. Ihre weißen oder violetten Blüten je nach Sorte in der Zeit von Juni bis August sind mit Ausnahme der blütenduftenden Sorten von untergeordneter Bedeutung. Ihre sich von unten bis oben nach und nach öffnenden Blüten besitzen die Eigenschaft, nach kurzer Blühphase abzufallen und auf den Blättern liegen zu bleiben, wo sie beim Zusammenwirken mit Niederschlägen festkleben. Die ausdrucksstarken Hostablätter sind dann oft von den Blüten verunreinigt. Bei starker Sonneneinstrahlung nach Niederschlag treten dann im Bereich der an den Blättern klebenden Blüten Verbrennungsflecken auf. Es ist zu wünschen, dass die Hosta-Züchtung in Zukunft zu selbstputzenden Blüten führt, damit diese negative Eigenschaft der Hosta endlich beseitigt wird.

Hosta als Blattschmuckstaude mit kleinen, mittelgroßen, großen und sehr großen Sorten lassen sich mit Stauden und Gehölzen sehr gut kombinieren. Sonnenverträgliche Hosta können auch ähnlich wie Heuchera wegen ihrer Blattschmuckeigenschaft im sommerlichen Wechselflor verwendet werden.

Die Mini-Formen, die wenig Konkurrenz vertragen, sollten in einem Gefäß separat von anderen Pflanzen kultiviert werden. In einer Steingartenanlage oder in einem erhöht stehenden Pflanzgefäß kommen sie so am besten zur Geltung.

Während kleine Hosta immer in den Vordergrund der Rabatten gehören, können die mittelgroßen bis sehr großen im Vordergrund, Mittelgrund und auch im Hintergrund einer Rabatte verwendet werden. Es gibt Sorten, die kommen besonders bei Einzelstellung zur Geltung, während andere gruppenweise verwendet werden möchten.

Je mehr die Hosta Schatten und Wurzeldruck von Gehölzen ertragen muss, desto robuster und wüchsiger muss die verwendete Sorte sein.

Viele Pflanzen eignen sich als Hostapartner. Stauden, die Halbschatten/Schatten und einen humosen Boden bevorzugen, sind optimal als Partner. Aber auch Kleinsträucher, Sträucher und kleine Bäume, die den Hosta Schatten spenden, eignen sich.

Aufgrund des blattlosen Zustands der Hosta in der Zeit von ca. November bis April sind Hosta mit winter- und frühjahrsblühenden Stauden oder mit Stauden und Zwiebelgewächsen, die ihr Entwicklungsoptimum im Frühjahr haben und im Sommer bereits wieder einziehen, zu vergemeinschaften.

In der folgenden Liste sind die wichtigsten Vertreter dieser Pflanzen genannt:

Aceriphyllum rossii
Adoxa moschatellina
Anemone blanda und Sorten
Anemone nemorosa und Sorten
Anthriscus sylvestris ´Ravenswing`
Arisaema amurense, A. candidissimum, A. griffithii, A. triphyllum
Cardamine glandulosa syn. Dentaria
Corydalis solida, C. lutea oder C. ochroleuca
Corydalis elata und C. flexuosa mit Sorten
Cyclamen coum und Sorten
Dicentra cucullaria und D. eximia mit Sorten
Eranthis hyemalis und Sorten
Erythronium albidum, E. americanum und E. japonicum und Sorten
Galanthus nivalis und Sorten
Helleborus Hybriden
Helleborus foetidus, H. niger, H. Orientalis-Hybriden
Helleborus nigra und ´Praecox´
Hepatica transsylvanica
Leucojum vernum und aestivum
Maianthemum bifolium var. canadense
Meconopsis cambrica
Mertensia pulmonarioides
Montia sibirica
Omphalodes verna
Ornithogalum umbellatum
Podophyllum peltatum
Pulmonaria saccharata ´Majeste´, P. dacica ´Blue Ensign´, P. longifolia ´Blauer Hügel´
Sanicula europaea
Scopolia carniolica var. hladnikiana
Scilla sibirica
Sanguinaria canadensis und die Sorte ´Plena´
Trillium Arten und Sorten
Uvularia grandiflora und U. sessiliflora

Als Hostapartner mit besonderer Wirkung im Herbst, wenn das Hostalaub sich zu färben beginnt, sind zu nennen:

Ceratostigma plumbaginoides
Cyclamen hederifolium
Liriope graminifolia, L. muscari und L. platyphylla
Ophiopogon planiscapus ´Nigrescens´, O. japonicus ´minor´
Iris foetidissima
Strobilanthes attenuatus ´Blue Carpet´

Mini-Hosta können in genügendem Abstand in Trögen oder anderen Pflanzgefäßen oder durch Steine von den zierlichen Anemonella thalictroides, Isopyrum thalictroides, Caulophyllum thalictroides oder Jeffersonia dubia getrennt zusammengepflanzt werden. Diese Stauden blühen bereits im Frühjahr und ziehen im Laufe des Sommers – bei Trockenheit besonders früh - ein.

Die Schönheit der Hosta kann durch die Benachbarung mit Pflanzen mit starken Blattkontrasten in ihrer Wirkung gesteigert werden. Derartige Pflanzen, die mit ihrem geteilten filligranen Laub gegenüber den gedrungenen kompakten Hostablättern sehr stark kontrastieren, sind:

Anthriscus sylvestris ´Ravenswing´
Asperula taurinum
Aruncus aethusifolius ´Horatio´und A. dioicus ´Kneiffii´
Astilbe Arten und Sorten
Carum carvi
Cimicifuga dahurica, C. racemosa, C.racemosa var. cordifolia, C. ramose, C. simplex
Corydalis cheilanthifolia
Dicentra eximia
Euphorbia palustris ´Walenburgs Glorie´
Euphorbia polychroma
Galium odoratum
Gentiana asclepiadea
Gillenia stipulata und G. trifoliate
Polygonatum in Arten und Sorten
Meconopsis cambrica
Myrrhis odorata
Thalictrum delavayi syn. dipterocarpum

Die Kombination Hosta mit Farnen ist wegen des Kontrastes der Blätter und des Wuchstyps immer spannungsreich. Besonders die wintergrünen Farne der Gattungen Dryopteris geben der Rabatte Struktur, wenn die Hosta im Winter eingezogen sind. Folgend wird eine Auswahl besonders schöner Farne für die Vergemeinschaftung mit Hosta getroffen:

Adiantum pedatum ´Imbricatum´
Adiantum venustum
Athyrium nipponicum ´Metallicum´
Athyrium filix-femina ´Lady in Red´
Athyrium otoporum ´Red Beauty´
Dryopteris affinis, D. atrata, D. carthusiana, D. dilatata, D. erythrosora, D. goldiana, D. marginalis, D. wallichiana
Dryopteris filix-mas ´Linearis Polydactylon´
Gymnocarpium dryopteris ´Plumosum´
Matteuccia pensylvanica
Onoclea sensibilis
Osmunda cinnamomea
Osmunda claytoniana

Der Staudenaltmeister Karl Foerster hat einmal den Ausspruch „Harfe und Pauke“ geprägt und u.a. damit auch die Kombination der paukenartigen Hostablätter mit den filligranen Gräsern gemeint. Schattenvertragende Gräser und Sauergräser und Seggen, die zu Hosta passen, sind:

Calamagrostis brachytricha syn. Achnatherum brachytrichum
Carex conica ´Snowline´
Carex dolichostachya ´Kaya Nishiki´
Carex foliosissima ´Icedance´
Carex hachijoensis Évergold´
Carex morrowii ´Variegata´ oder ´Silver Scepter´
Carex ornithopoda ´Variegata´
Carex pendula
Carex plantaginea
Carex sanynensis ´Thinny Thin´
Carex sylvatica
Carex siderosticha ´Island Brocade´
Deschampsia cespitosa ´Bronzeschleier´ oder ´Goldschleier´
Hakonechloa macra ´Aureola´ und ´Albostriata´
Luzula nivea
Luzula sylvatica ´Wintergold´

Das Auflisten der ebenfalls mit den Hosta zu kombinierenden Stauden ließe sich fortsetzen, da die Staudengärtnereien in immer schnellerem Wechsel immer neue Pflanzen anbieten, um die Sammelleidenschaft der Pflanzenliebhaber zu befriedigen.

Zuletzt soll daher nur noch auf eine klassische Kombination, die auch für das öffentliche Grün in besonderen gärtnerischen Anlagen oder Parkanlagen wieder mehr Verwendung finden sollte, eingegangen werden: Die Kombination der Hosta mit den Taglilien (Hemerocallis) auf anlehmigen und lehmigen gut mit Nährstoffen versorgten Böden in sonniger bis absonniger Lage.

Hierzu bedarf es aber sehr viel Fingerspitzengefühl, guter Sortenkenntnisse und langjähriger Erfahrung, um die richtigen Pflanzen miteinander zu kombinieren.

Sonnenverträgliche und wüchsige Hosta wie ´Sum and Substance´, ´Francee´ oder ´Fragrant Bouquet´ zusammen mit Wildarten der Hemerocallis, wie H. altissima, citrina, fulva, lilioasphodelus, middendorfii oder minor bilden kontrastreiche und vor allem ausdauernde Gemeinschaften.

 

Hostas in Staudenmischpflanzungen

Die Bedeutung der Hostas in Staudenmischpflanzungen für die Lebensbereiche Gehölz und Gehölzrand

von Gudrun Banf

Unter der Federführung des Arbeitskreises Pflanzenverwendung im Bund deutscher Staudengärtner wurden in den letzten vier bis fünf Jahren bundesweit drei Staudenmischungen für die Lebensbereiche Gehölz und Gehölzrand getestet. Zu der Mischung „Schattenglanz“ liegt bereits eine Veröffentlichung in Form eines Flyers vor. „Schattenzauber“ und „Schattengeflüster“ befinden sich noch im Test. Parallel dazu wurden in der Abteilung Landespflege der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim weitere zehn Mischungen für halbschattige bis schattige Bereiche konzipiert, getestet und weiterentwickelt. Hierzu, insbesondere zu den Mischungen „Veitshöchheimer Schattenjuwelen, Schattengold, Rubinsaum und Goldsaum“, ist nun in den Veitshöchheimer Berichten 167/2014 unter www.lwg.bayern.de mehr zu lesen.


Hosta ‘El Nino‘ erwies sich als sehr robust und wüchsig auch unter eingewachsenen Bäumen. Im Bild ist diese großartige Funkie in der Mischung “Veitshöchheimer Schattenjuwelen“ zu sehen mit Carex conica ‘Snowline‘, Waldsteinia geoides und Lunaria rediviva.
© 2015 LWG Veitshöchheim

Erfreulicherweise werden in den getesteten Mischungen Hostas (Arten und Sorten) verwendet und dies mit gutem Ergebnis. Während in der vom Bund deutscher Staudengärtner publizierten Mischung „Schattenglanz“ Hosta ventricosa und Hosta lancifolia empfohlen werden, hat sich die LWG in Veitshöchheim auch getraut, Hybriden, wie Hosta sieboldiana ‘Blue Angel’ und ‘Elegans’, ‘El Nino’, ‘Minuteman’, ‘Sum and Substance’, ‘Gold Standard’, ‘First Frost’, ‘Twilight’, Francee’, ‘Wide Brim’, ‘Iniswood’ und ‘Stained Glass’ zu testen.


Die im Versuch überzeugende leuchtend grüngelbe Hosta 'Stained Glass' kontrastiert hier mit der bläulichen Hosta ‘Halcyon‘, dunkelgrüner Euphorbia sowie verschiedenen Gräsern in der Mischung “Veitshöchheimer Schattengold“.
© 2015 LWG Veitshöchheim

Als erstaunlich robust erwiesen sich die Hosta x tardiana-Sorten ‘Halcyon’ und ‘El Nino’. Besonders überzeugen konnte aufgrund ihrer Leuchtkraft die gelbgrüne, wüchsige Hosta ‘Stained Glass’. Hosta ‘Stained Glass’ war mir bisher in Gärtnereien oder in der Literatur nie besonders aufgefallen. Gezüchtet von H. Hansen, registriert 1999, eingeführt 2001 und 2006 „Hosta of the Year“ der American Hosta Growers Association verdient sie Beachtung, da sie ein Sport von ‘Guacomole’ (R. Solberg 1994) ist, und somit zu den wenigen duftenden Hostas zählt. Umso bedeutender ist es, dass diese Sorte nun eine hohe Würdigung in den getesteten Mischpflanzungen erfahren hat. Die breite goldene Blattmitte mit einem schmalen grünen Rand passt ausgezeichnet in die Mischungen „Schattengold“ und „Goldsaum“ der LWG Veitshöchheim, die für Aufhellungen in schattigen Partien sorgen. Schnecken sollen bei den getesteten Hosta-Sorten kein großes Problem dargestellt haben. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass das Weinbauklima in Veitshöchheim generell kein so großes Problem mit Schnecken verursacht wie anderswo.

Ebenso unverzichtbar wie strukturgebend sind in den Veitshöchheimer Mischungen neben den Hostas die trockenverträglichen, früh blühenden Helleborus foetidus und Helleborus orientalis-Sorten. In den Gehölzrandmischungen mit mehr Sonne und keinem Wurzeldruck durch Gehölze wurde die Wüchsigkeit der eingesetzten Paeonien, wie Paeonia peregrina und Paeonia mlokosowitschii, positiv beurteilt. Wegen ihrer Ausbreitungstendenzen wurden Viola labradorica und Viola odorata sehr gelobt. Letztere füllen Lücken in den Rabatten ohne jemals einzelne Pflanzen zu bedrängen bzw. zu dominieren. Dies kann ich bestätigen.


In der Staudenmischung „Veitshöchheimer Schattensilber“ sorgen weiß panaschierte Stauden und Gräser wie Hosta ‘Patriot’, Brunnera 'Jack Frost’ oder Miscanthus ‘Morning Light‘ für die silbrige Note.
© 2015 LWG Veitshöchheim

Staudenmischpflanzungen beschränken sich nicht nur auf die Anwendung im Öffentlichen Grün sondern geben viele und wichtige Hinweise für private Gartenbesitzer, die neben Beruf, Kindererziehung, Elternbetreuung etc. mit ihrer Freizeit haushalten müssen und sich über Bepflanzungsvorschläge mit vergleichsweise wenig Pflege und dennoch ästhetisch ansprechendem Erscheinungsbild freuen.

Nachtrag: Laut Auskunft von Herrn Schulte von der LWG Veitshöchheim bleiben die Mischpflanzungen auf dem Waldfriedhof in Veitshöchheim bestehen. Die überarbeiteten neuen Mischungen stehen bei der LWG auf dem Gelände und werden uns bei einem Besuch gern gezeigt.

 

HVX - ein neues Virus an Hosta

Artikel aus Der Gartenbau, Ausgabe 8/2011

Hosta sind wegen ihrer Mutationsfreudigkeit und Formenvielfalt beliebte Sammlerpflanzen, Für Neuheiten, insbesondere, wenn sie noch nicht im Labor massenvermehrt wurden, zahlen zum Beispiel in den USA Liebhaberinnen häufig 150 bis 300 US-Dollar bei Auktionen. Da Hosta sich langsam entwickeln und durch herkömmliche Teilung nur in geringem Umfang vermehrbar sind, stellte die Entwicklung der Meristemkultur-Methode für sie Ende der 1970er-Jahre durch Markus Zillis und Walter Gardens (USA) einen Durchbruch dar. Plötzlich waren neue Wosfa-Raritäten in relativ kurzer Zeit für ein grosses Publikum erhältlich.

Damals wurde übersehen, dass durch teils virenbefallenes Mutterpflanzenmaterial massenhaft infizierte Jungpflanzen auf den Markt kamen, in den 1980er-Jahren traten vermehrt neue Hosta auf, die ungewöhnliche Blattzeichnungen und Sprenkel hatten. Spätestens seit 1985 ist die Existenz von Hosta-Viren bekannt. 1996 wurde das HVX-Virus von Prof. Ben Lockhart, einem führenden Pflanzenvirologen an der Universität Minnesota, entdeckt und bestimmt. Jetzt stand fest, dass bei den neuen, ungewöhnlichen Sorten keine stabile Mutation, sondern ein Virusinfekt die Ursache der ungewöhnlichen Zeichnung war. Der Hunger nach Neuigkeiten hinderte manche Züchter aber nicht daran, nach dieser Entdeckung weiterhin wissentlich mit HVX infizierte Sorten registrieren zu lassen, z.B. 'Eternal Father' (1999), "Leopard Frog' (2000) oder 'Breakdance' (2001).

Eigenschaften und Symptome des HVX-Virus
Ein Infekt mit HVX bringt eine Hosta nicht zum Absterben, bewirkt aber veränderte Blattzeichnungen und teils verkrüppelten Wuchs. HVX gehört zur Guppe der Potex-Viren. Dies sind pflanzenspezifische Viren, die meist ein sehr enges Wirtspflanzenspektrum haben. Andere bekannte Arten der Potex-Gruppe sind diverse Ringflecken- und Mosaik-Viren an Zierpflanzen- und Gemüsekulturen. Das HVX-Virus ist relativ beständig in seiner äusseren Form, was wichtig für die Entwicklung zuverlässiger Testmethoden ist. Die Ansteckung mit HVX erfolgt mechanisch durch das Übertragen von virushaltigem Pflanzensaft auf eine gesunde Hosta mit einer kleinen Verletzung. Dies geschieht bei den meisten Pflegearbeiten, Versuche von Prof. Lockhart ergaben ausserdem, dass im Frühjahr oder Frühsommer, zu Beginn der Wachstumsperiode, viel häufiger eine Ansteckung erfolgte, als nach der Blüte, wenn die Pflanzen auf die Ruhephase zugehen.

Aus pflanzenpathologischer Sicht hat HVX ein geringes Verbreitungsrisiko, da es nicht über sonst übliche Wege wie Pollen, Insekten, Spinnmilben oder Nematoden sowie Pilze übertragen wird. Unklar ist, ob das Virus auch im Samen infizierter Pflanzen enthalten sein kann. In einem aktuellen Informationsblatt der Amerikanischen Hosta-Gesellschaft (AHS) wird dies ausgeschlossen. Forschungsergebnisse des Koreaners K. H. Ryu lassen es aber möglich erscheinen.

Nach einer Ansteckung vergehen häufig zwei bis sieben Jahre, bis erste Symptome auftreten. Es sind auch Fälle bekannt, bei denen Hostas in einer Saison Virusschäden zeigten und im Folgejahr wieder symptomfrei erschienen. Es gibt drei typische Symptome für einen HVX-Befall.

Einbluten (ink bleed), Verfärbungen entlang der Blattnerven
Leicht zu beobachtendes und wahrscheinlich häufigstes Anzeichen einer Infektion, das früh auftritt. Meist hebt sich deutlich verfärbtes Gewebe entlang einer Blattader vom ungebenden Gewebe ab. Es wird angenommen, dass das Virus aus der Blattader austritt, das angrenzende Gewebe befällt und so die Verfärbung bewirkt. Je nach Blattfarbe variiert die Verfärbung: Hellgrüne oder gelbe Blätter zeigen dunkle Verfärbungen, grüne Blätter aufgehellte Partien.

Eingesunkenes Gewebe (Collapsing Tissue)
Meist Anzeichen eines stärkeren Befalls. Das veränderte Gewebe im Blatt ist zusammengefallen, oft dunkler und teils kleinteilig gewellt. Es ist aber nicht abgestorben, sondern wirkt, als würde Pflanzensaft an diesen Stellen fehlen. Häufig kann neben dem eingesunkenen Gewebe auch noch «Ink bleed» auf der gleichen Pflanze beobachtet werden.

Fleckiges, gesprenkeltes Gewebe (Mottled Tissue)
Dieses dritte Symptom kann sowohl durch HVX als auch durch andere Viren wie Tomaten-Ringflecken- oder Impatiens-Flecken-Virus verursacht werden. Zeigen Hosta diese eigenartigen Sprenkel oder Flecken, ist davon auszugehen, dass sie auf jeden Fall mit einem Virus infiziert sind und entsorgt werden sollten. Diese Zeichnung kann nie als Mutation einer gesunden Hosta auftreten.

Übertragung bei der Vermehrung
Die Ansteckung kann durch die vegetative Vermehrung infizierter Mutterpflanzen durch herkömmliche Teilung bzw. unsterilisiertes Werkzeug bei der Teilung erfolgen. Sie ist aber auch bei Invitro-Kultur infizierter Mutterpflanzen möglich. Da das Gewebe der Triebspitzen, das für die Meristemkultur verwendet wird, meistens relativ wenige Viren enthält, können zwar virusfreie Jungpflanzen entstehen. Entscheidend ist aber, dass die neu gewonnenen Jungpflanzen auf Viren getestet und nur die virusfreien zur weiteren Vermehrung verwendet werden. Unterbleibt diese Kontrolle, werden infizierte Pflanzen in grossen Stückzahlen vermehrt.

Übertragung bei der Jungpflanzenproduktion
Bei massenvermehrten Jungpflanzen, die zur Weiterkultur auf Feldern aufgepflanzt werden, erfolgt die Ernte maschinell. Befinden sich infizierte Pflanzen im Bestand, wird ihr ansteckender Pflanzensaft durch die Rodemesser auf andere Pflanzen übertragen. Anschliessend werden die Hosta in der Regel mit Hochdruckreinigern abgespült, um die Wurzeln von Erde zu reinigen und sie als wurzelnackte Ware an Gärtnereien zu versenden. Durch das im Kreislauf geführte Wasser werden dann alle Pflanzen dem Virus ausgesetzt, sodass die gesamte Charge infiziert sein kann. Alle nachfolgenden Pflanzen werden höchstwahrscheinlich ebenfalls infiziert.

Übertragung bei Pflegearbeiten
Beim Teilen, Rückschnitt von Blütenständen oder Laub und Umpflanzen kann HVX durch Pflanzensaft an Händen, Spaten oder Schnittwerkzeug auf gesunde Hosta übertragen werden.

Ein überraschendes Ergebnis von Prof. Lockharts Versuchen war, dass eine Übertragung durch Gartenboden bei Ersatzpflanzungen möglich ist, wenn infizierte Pflanzenteile im Boden verblieben sind und eine gesunde Hosta an die gleiche Stelle gesetzt wird. Langfristige Untersuchungen ergaben, dass noch nach mehr als zwei Jahren ansteckende HVX-haltige Pflanzenreste vorhanden waren.

Vorsichtsmassnahmen für Wiederverkäufer und Gärtnereien

  • Bezug der Jungpflanzen nur bei Produzenten, die ihr Material routinemässig auf Viren testen und virusfreie Pflanzware garantieren.
  • Jungpflanzenlieferungen kritisch auf Symptome prüfen. Zeigt auch nur eine Pflanze Symptome, ist davon auszugehen, dass zahlreiche weitere infiziert sind. Die Charge solle dann nicht angenommen werden. Verdächtig sind ebenfalls alle anderen Sorten des gleichen Produzenten (siehe Übertragung bei der Jungpflanzen Produktion).

Von Bill Meyer, einem Hosta-Experten und Züchter aus den USA, wurde auf der Internet-Seite der Hosta Library (Hosta-Blibliothek] eine Liste von Sorten veröffentlicht, von denen häufig infizierte Pflanzen im Handel auftauchen. Die Sorten selber sind nicht mangelhaft. Aber in den letzten Jahren wurde infiziertes Pflanzmaterial vor allem beliebter Sorten zu Tausenden vermehrt, sodass häufiger infizierte Pflanzen dieser Sorten im Grosshandel und in Gärtnereien auftauchen. Lieferungen der aufgelisteten Sorten sollten dementsprechend gründlich begutachtet werden. Einige Gärtnereien haben diese häufig infizierten Sorten bereits aus ihrem Sortiment genommen, um das Risiko zu vermeiden.

In der Tabelle (dritte Spalte) sind Sorten aufgeführt, deren Erscheinungsbild nur durch eine Virusinfektion, nicht durch eine Mutation, verursacht wurde und die auf keinen Fall gehandelt werden sollten.

Vobeugungsmassnahmen bei Pflegearbeiten und Teilung
Das Übertragen von Pflanzensaft einer Hosta auf die nächste gilt es zu vermeiden. Verwendete Werkzeuge sind zu desinfizieren (Abflammen, 70%iger Alkohol oder sonstige gegen Viren wirksame Reinigungsmittel). Die Gerätschaften und auch Hände müssen gründlich geschrubbt und Pflanzenteile oder Spuren von Boden entfernt werden. Durch leicht veränderte Pflegearbeiten lässt sich das Übertragungsrisiko fast ausschliessen:

  • Einzelne verletzte oder unschöne Blätter abreissen statt abschneiden.
  • Den herbstlichen Reinigungsschnitt aufschieben, bis Blätter vollständig eingetrocknet sind; dann einfach abreissen.
  • Zum Teilen kann man mit etwas Geschick das Herz auseinanderbrechen und dabei vermeiden, auf die Bruchflächen zu fassen. Wird doch ein Werkzeug benötigt, ein glattes Messer verwenden und es nach jeder Pflanze desinfizieren.
  • Befallene Hostas ausgraben und über den Müll entsorgen, nicht kompostieren. Nachpflanzung an gleicher Stelle eher vermeiden.
  • Bei generellen Gartenarbeiten vermeiden, mit dem Mäher oder Freischneider Hosta zu verletzen.

Testmethoden und Testmöglichkeiten in der Schweiz
Sogenannte Elisa-Tests, die jeweils für spezifische Anti-Körper zugeschnitten sind und in der Human- und Tiermedizin sowie im Pflanzenschutz verwendet werden, wurden auch für den HVX-Virus entwickelt. Hosta mit deutlichen Symptomen enthalten meist die notwendige Mindestkonzentration an HVX-Viren, sodass die Ergebnisse zuverlässig sind. Die Teststreifen können vor Ort einfach und schnell verwendet werden. Positive Ergebnisse sind eindeutig, bei negativen sollte man den Test im Zweifelsfall im nächsten Jahr wiederholen.

Für die Analyse symptomfreier Pflanzen oder zur Untersuchung von Meristemkultur-Jungpflanzen werden molekularbiologische Methoden oder ein Elektronenmikroskop eingesetzt. Mit Letzterem können auch unbekannte Viren erfasst werden. Gärtnereien und Interessierte können verdächtige Hosta im Labor von Agroscope Changins-Wädenswil kostenlos untersuchen lassen. Carole Balmelli, die zuständige Virologin, sagt, dass bei eindeutigen Symptomen meist ein Blatt ausreicht. Bei unklaren Verdachtsfällen, die mit dem Elektronenmikroskop untersucht werden, sind etwa 20 g notwendig.

Ausblick
Engagierte Züchterinnen, Hosta-Gärtnerinnen und -Sammler/nnen sind sich einig, dass virenfreie Bestände angestrebt werden müssen. Um langfristig die Hosts-Kultur zu sichern, ist eine «Null-Toleranz»-Haltung angebracht. Eine Zusammenarbeit muss auch international erfolgen, da die Hosta-Produktion inzwischen ein weltumspannendes Geschäft ist. Weil HVX kein meldepflichtiger Quarantäneorganismus ist, liegt die initiative in der Hand von Einzelpersonen oder Hosta-Gesellschaften, staatliche Aufsichtsbehörden sind meist nicht eingebunden.

Ein wichtiger Akteur ist die Amerikanische Hosta-Gesellschaft [AHS], die 2007 Prof. Lockhart mit einem zweistufigen Forschungsprojekt beauftragt hat und auch die Finanzierung der zweiten Projektphase sichert. Die Ergebnisse sollen an alle Akteure der Hosta-Kultur in Form von Richtlinien und Veröffentlichungen zurückfliessen und durch Aufklärung erfolgreiche Gegenmassnahmen initiieren.
Mit Sorge verweist Bill Meyer, USA, auf zahlreiche Massenproduzenten in den Niederlanden, einem Zentrum der Jungpflanzenproduktion, die eine «Fünf-Prozent-Lösung» anstreben. Danach verpflichten sie sich, Ware mit höchstens 5% offensichtlich symptombehafteter Jungpflanzen zu liefern. Wegen der oft jahrelangen Latenzphase des Virus heisst dies, dass sie eine tatsächliche Infektionsrate von 50% und mehr billigend in Kauf nehmen, das Problem herunterspielen und immer noch verschweigen.

Ein holländischer Produzent mit virusfreien Beständen, der auch aktiv über HVX aufklärt, berichtet sogar von Problemen, die ihm Branchenkollegen wegen seines Engagements machen, und möchte anonym bleiben. Da es letzten Endes um Marktanteile und Gewinnspannen geht, wird sich der Widerstand gegen die «Nulltoleranz» nicht so schnell legen. Dass sich gute Qualität und Engagement lohnen, zeigt das Beispiel des auf Hosta spezialisierten Staudengärtners Chris Wilson, der eine eigene Webseite betreibt und dort auch ein HVX-Forum moderiert. Unermüdlich gibt er aktuelle Erkenntnisse weiter, beantwortet Fragen und stellt Diagnosen anhand von Fotos von HVX-Verdachtsfällen.

So leistet Wilson nicht nur effektive Aufklärungsarbeit, sondern hat auch inzwischen eine richtige Fangemeinde von Stammkunden.

Quellen (Tabellen) Datenmaterial von Bill Meyer (USA, 2008:, ergänzt mit Beobachtungen von Chris Wilson. (USA, 2010, gekennzeichnet mit *)

Weitere Informationen

  • www.perennialnursery.com/forums/viewforum.php?f=63 – Forum zu HVX mit sachkundiger Moderation [englisch]
  • Agroscope Changins-Wädenswil ACW für Anfragen wg. HVX-Analysen: carole.balmelli@acw.admin.ch
  • Teststreifen erhältlich bei der Firma Linaris, 25 Teststreifen mit Zubehör für ca. 180 € (inkl. Frachtkosten)

 

Schädlinge und Krankheiten

von A. Wiesmet

Hosta zählen zu den robustesten und langlebigsten Stauden. Wenn nur die Schnecken nicht wären!

Sie gilt es zu bekämpfen, sei es durch Standort- und Kulturbedingungen, Förderung natürlicher Gegenspieler oder/und auch der schnellen und einfachen Anwendung von Schneckenkorn, das zwar ein chemisches Schneckengift darstellt, aber im Vergleich zu chemischen Substanzen unseres Alltags, die wir oft gar nicht mehr wahrnehmen, relativ harmlos ist (Zigarettenrauch, Haarfärbemittel und Nagellack, synt. Farben und Fasern, Schwermetalle, Konservierungsstoffe oder Benzin und Diesel usw.). Schneckenkorn wird leider oft falsch angewendet. Schon Mitte März sollte man rund um das Grundstück (nicht um die Pflanzen) dünn und breitflächig ausstreuen. Nur so lockt man schon die winzigen Jungschnecken von den Pflanzen weg. Einzelne Pflanzen kann man ausnahmsweise mit wenigen Körnern nur so schützen.

Über die verschiedenen Arten von Schneckenkorn und deren Wirkweise sowie Alternativen dazu kann man bei Wikipedia nachlesen. Zwei als Alternativen genannte Methoden scheinen interessant zu sein: Das Besprühen der Pflanzen mit Lebermoos-Extrakt bewirkt, dass die Schnecken selbst dann die Pflanzen meiden, wenn keine andere Nahrungsquelle zur Verfügung steht, sowie der Koffein-Schock: 1–2%ige Koffein-Lösung wirkt tödlich auf Schnecken.

Die Anfälligkeit auf Schneckenfraß ist bei den Sorten sehr unterschiedlich, von fast resistenten bis hin zu sehr beliebt bei den Schnecken reicht das Spektrum. Generell sind Hosta mit duftenden Blüten auch bei Schnecken beliebt, während sie diejenigen mit festen Blättern (Tetraploide!) weniger mögen.

Der Dickmaulrüssler und seine engerlingartigen Larven schaden in eher trockenen, rohhumusreichen Pflanzungen. Blattränder sehen aus wie mit dem Locher bearbeitet. Gegenmaßnahmen sind schwierig, am Besten in der Dämmerung die trägen Käfer absammeln. Man muss aber schnell und gezielt zugreifen, denn sie lassen sich sofort auf den Boden fallen!

Zunehmend ist der Älchenbefall zu beobachten, den man nur an den partiell braun absterbenden Bereichen zwischen den Blattadern erkennt. Der Schädling breitet sich über Werkzeug und Boden aus. Die befallenen Pflanzen sind zu entsorgen.

Ein großes Problem ist Virusbefall. Häufig verkaufen Baumärkte befallene Pflanzen von skrupellosen Großhändlern. Hinweise darauf werden meist ignoriert. Befallene Pflanzen zeigen Abnormitäten in einzelnen Blattpartien. Am Besten im Vergleich mit Bildern aus dem Internet zu erkennen. Sofort in den Restmüll! Lieber eine Pflanze zu viel als eine zu wenig wegwerfen!

Siehe auch:

http://gaertnerblog.de/blog/2009/hvx-funkie-krank/#more-7505

http://hosta-virus-x.blogspot.com/

http://www.hostalibrary.org/firstlook/HVXsymptoms.htm

Pilzkrankheiten spielen kaum eine Rolle.

Blattverfärbungen haben als Ursachen Standort- oder Düngefehler, Sonnenbrand oder auch mechanische Verletzungen.

 

Überwinterung

Der folgende Text wurde uns vom Hosta-Forum, der dort als als Diskussionsbeitrag geliefert wurde, zur Veröffentlichung überlassen. Wir danken sehr dafür.

Thema Überwinterung

Von Volker Eschenbach (Gärtnerei Planwerk)

Nach dem doch recht schadensträchtigen Hostawinter 2011/12 möchte ich in paar Tipps zur Überwinterung geben. Ganz speziell die im Topf kultivierten Hostas hatten teils große Verluste zu verzeichnen.

Die Schäden resultierten nicht aus der extremen Kälte Anfang Februar. Diese Temperaturen überleben Hostas normalerweise ohne Probleme. Die warme Vorgeschichte des Winters mit überdurchschnittlichen Temperaturen im Dezember und Januar haben die Pflanzen zu weit antreiben lassen. Damit waren die Knospen im Februar sozusagen zu weich um die -20°C unbeschadet überstehen zu können.

Hier in der Gärtnerei besonders betroffen waren Sorten mit Hosta plantaginea und Hosta sieboldiana in der Ahnenreihe. Ausfälle gab es wohlgemerkt ausschließlich im unbeheizten Folienhaus. Im Freiland diente ein weißes Vlies und die vorhandene dünne Schneedecke als Schutz, was ausreichend war.

Als Beispiele für nahezu komplett ausgefallene Sorten seien angeführt:

  • - Guacamole, Fragrant Bouquet, Stained Glass, Flower Power, Adorable, Ming Treasure, Venus, Aphrodite und Hosta plantaginea selbst bei der plantaginea-Verwandschaft.
  • - Hosta sieboldiana Elegans, Blue Angel, Grey Ghost, Big Daddy, Ryans Big One, Bressingham Blue und noch einige andere bei der sieboldiana-Verwandschaft.
  • - Daneben waren auch bestimmte Hosta-Urgesteine wie z.B. Hosta montana Aureomarginata, fortunei Gigantea, Abba Dabba Do, Fair Maiden, Magic Fire und Pauls Glory und weitere stark betroffen.

Interessanterweise haben dagegen bekannte Überwinterungszicken wie Pandoras Box oder Tattoo keine Ausfälle zu verzeichnen. Das soll einer verstehen...

Hinweise zur Überwinterung im Topf
1. Trockener Stand, d.h. keine Nässe von oben.
Wenn das Substrat im Topf komplett gefroren ist, kann das Wasser (von schmelzendem Schnee oder vom Regen) nicht mehr ablaufen. Selbst bei ganz milden Temperaturen dauert es sehr lange bis der gefrorene Kern im Topf auftaut. Stehendes Wasser über einen langen Zeitraum verursacht Fäulnis an den Knospen. Steht Wasser im Topf auskippen, oder den Topf gleich auf der Seite liegen lassen.

2. Schattiger Stand
Vor allem im Spätwinter hat die Sonne schon eine ganz schöne Kraft und heizt die Töpfe ziemlich auf. In kalten Nächten kann die tägliche Differenz zwischen Maxima und Minima im Gefäß leicht mal 30°C ausmachen. Diese Differenz der Temperatur sollte vermieden werden. Die Nordseite des Hauses oder ein Platz unter einem immergrünen Strauch beugt dem vor.

3. Vliesabdeckung
Die Abdeckung mit einem weißen Gartenbauvlies ab 85g/qm hat sich gut bewährt. Das Vlies mindert die Temperaturschwankungen, schützt vor übermäßiger Nässe und vor austrocknenden Winden.
Denken Sie aber daran, den Mäusen, die sich so geschützt auch wohl fühlen, einen Snack anzubieten oder Mausefallen zu stellen. Sonst ist im Frühjahr im ungünstigsten Fall nur der Wurzelballen ohne Knospen übrig.

4. Kontrolle der Substratfeuchte, bzw. auf Trockenheit
Nach langen Trockenzeiten im Winter oder ganz speziell im zeitigen Frühjahr (Stichwort Frühjahrstrockenheit) sollte man Tontöpfe auf Trockenheit prüfen und gegebenenfalls gießen, insofern das Substrat nicht gefroren ist. Wobei bei Topfgrößen ab 5 Liter dies normalerweise nicht notwendig ist. Selbst ein trockener Topf ist kein Beinbruch, wichtig ist es dann bei milden Temperaturen über einen Zeitraum von zwei Wochen gut zu wässern, damit sich die Wurzeln zum Austrieb hin richtig mit Wasser vollsaugen können.

5. Sonstiges zur Überwinterung
Hostas benötigen eine Ruhephase, um im Frühjahr kräftig austreiben zu können. Wichtig dabei ist eine Temperatur von unter 4°C über einen Zeitraum von mindestens 8 Wochen. Ist dies nicht gegeben, wachsen sie sich quasi tot. Daher sind temperierte Keller oder Wintergärten nicht zur Überwinterung geeignet. Dagegen eignen sich Gartenhäuschen oder ein offener Werkzeugschopf sehr gut. Bitte an solchen Plätzen auch an die Mäuse denken.

Ein wichtiges Thema bei der Überwinterung (und selbstverständlich bei der Topfkultur im allgemeinen) ist das Substrat. Wir verwenden seit Jahren eine eher durchlässige, humose, recht grobfaserige Staudenerde die mit gebrochenem Blähton und Bims versetzt ist. Diese Zusammensetzung hält das Substrat auch bei Dauerregen oder Schneeschmelze vom kompletten Vernässen ab. Keinesfalls sollten Sie sogenannte Blumenerden verwenden. Die bestehen meist nur aus gefrästem Torf und sind einfach nicht luftig genug.