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Projekte
 Der Staudengarten für die Insel Mainau |
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Der "New German Style": Ganzjährig attraktive Pflanzungen mit üppigen Blüten, die man auch aus Prachtstaudenbeeten kennt. Foto © 2010 Nina Busse |
von Stefan Körner
Die Pflanzenverwendung ist zum einen dadurch geprägt, dass in immer höherem Tempo Pflanzen in immer neuen Arten und Sorten auf den Markt geworfen werden und Abnehmer suchen. Dies gilt immer mehr und besonders auch für Stauden. Sie sind im Trend. Gerade hier ist aber die Vielfalt der einzelnen Varietäten auch für den Fachmann oft schwer zu überblicken. Zum anderen hat sich ein neuer Gestaltungsstil durchgesetzt, die sog. naturalistische Pflanzenverwendung.
Unter „naturalistisch“ versteht man Pflanzungen, die zwar naturnah wirken und auch in der Staudenpflanzung bislang noch kaum genutzte Gestaltaspekte betonen, wie den Winteraspekt, vor allem aber die interne Dynamik der Pflanzenbestände stärker zur Geltung kommen lassen. Es wird entweder sehr selektiv gepflegt, um ein möglichst naturnahes Bild entstehen zu lassen, oder – zumindest dem Anspruch nach – sehr schematisch, um Pflegekosten zu minimieren. Zudem wird ein großer Anteil neuer und fremder Pflanzen verwendet. Für Gärtner ist der Einsatz fremder Pflanzen eigentlich trivial, aber seit der Naturgartenbewegung war die Verwendung fremder Pflanzen mehr oder weniger tabuisiert und die Berücksichtigung ästhetische Aspekte zugunsten des Ziels der „ökologischen Korrektheit“ der Gärten in den Hintergrund getreten.
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| Dies zu ändern aber doch naturnah wirkende Pflanzungen zu verwirklichen, war daher vor allem auch die niederländische Pflanzenverwendung z. B. Piet Oudolf und Henk Gerritsen angetreten. Die naturalistische Pflanzenverwendung ist daher eine Synthese aus traditionellen gärtnerischen Interessen und „ökologischen“ Zielen, die sich in einer neuen Ästhetik äußern. |
 |  | Pastellig-kühle Farbkombination, dazu silberfarbiges Laub: Frühsommer-Aspekt Foto © 2010 Nina Busse | |
| | | Damit sind in der Pflanzenverwendung Gestaltung und Schönheit wieder zentral. Gleichzeitig hat sich in den USA die Präriegartenbewegung herausgebildet, die zunächst aus naturschützerischen Gründen die kaum noch vorhandenen und dort heimischen Präriepflanzen sammelte, um Prärien zu rekonstruieren oder Präriebeete in Gärten anzulegen. Dies führte zunehmend zur gärtnerischen Veredelung der Pflanzen durch Selektionen.
Die Grenzen zwischen diesen neueren Trends moderner Staudenverwendung sind fließend, denn viele Präriepflanzen sind zum einen schon seit alters her als Prachtstauden in Kultur zum anderen wurden sie auch von der „naturalistischen“ Pflanzenverwendung neu eingesetzt und mit neuen Arten und Sorten ergänzt.
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 |  | Sehr farbiger Hochsommer-Aspekt Foto © 2010 Nina Busse | |
| | | Über das Thema eines neuen Stils hinaus ist die deutsche Debatte sehr stark auch durch praktische Erwägungen und durch die Entwicklung einer extensiven Pflanzenverwendung geprägt. Daher werden mittlerweile eine große Anzahl standardisierter und schematisch zu pflegender Staudenmischungen ursprünglich für sonnige, mit Schotter abgemagerte Flächen und mittlerweile auch für andere Standorten entwickelt. Mit diesen Entwicklungen versucht man auf die restriktiven Pflegebedingungen und die zunehmend geringere Pflanzenkenntnis der Gärtner vor allem in öffentlichen Freiräumen zu reagieren und dafür zu sorgen, dass dennoch Stauden eingesetzt werden.
Auch im Privatgartenbereich kann man gewöhnlich nicht voraussetzen, dass großen Pflanzenkenntnisse vorhanden sind, wenn es sich nicht um Liebhaber handelt, so dass die Mischungen auch hier verwendbar sind. Der Gala-Bau hält sich zudem gern auch an geprüfte Staudenpakete, bei denen er kein hohes Risiko eingeht. Der Sinn diese Strategie ist aber nicht ganz unumstritten: Zum einen muss man realistisch auf die herrschenden Umständen vor allem auch im öffentlichen Bereich eingehen, zum anderen unterstützt man dadurch aber auch, dass immer weniger qualifizierte Kräfte zum Einsatz kommen und auch immer weniger individuelle Lösungen verwirklicht werden. Dennoch erregt diese Art der deutschen Pflanzenverwendung als Mischung von „naturalistischem“ Stil und praktischen Erwägungen so Aufsehen, dass schon von einem „New German Style“ die Rede ist. |
 |  | Kombination mit Staudenmohn und Salbei Foto © 2010 Nina Busse | |
| | | Konzept des neuen Staudengartens auf der Mainau
Vor diesem Hintergrund soll auf der Mainau passend zu ihrem Image als Blumeninsel eine alternative Konzeption verwirklicht werden. In einem ersten Bauabschnitt soll begrenzt durch alte Weinbergsmauern und zwischen einem alten Maulbeerbaum und einer Gruppe von Küstenmammutbäumen auf ca. 3000 m2 eine individuelle und üppige Pflanzung mit Beetstaudencharakter verwirklicht werden. Die Gesamtkosten der Anlage belaufen sich auf ca. 275.000 € netto, wovon ca. 52.500 € netto auf den Einkauf von Pflanzen fallen.
Die GdS unterstützt dieses Projekt mit 10.000 €. Hiervon werden u.a. die Reisekosten des Fachgebiets Landschaftsbau/Vegetationstechnik der Universität Kassel im Zeitraum von drei Jahren beglichen. Das Fachgebiet Landschaftsbau/Vegetationstechnik ist Vertragspartner der Insel Mainau GmbH. Es hat den Vorentwurf für den neuen Staudengarten verfasst und damit die Entwurfsidee formuliert, die Entwurfsplanung begleitet und zeichnet für die Pflanzplanung verantwortlich. Die Fachgruppen der GdS waren aufgefordert, hierfür Vorschläge zu unterbreiten.
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 |  | Baustelle auf der Mainau Anfang 2010 Foto © 2010 Nina Busse | |
| | | Die Pflanzung orientiert sich an der Theorie der Lebensbereiche und integriert Elemente moderner naturalistischer Staudenpflanzungen, wie vor allem die Bedeutung des Winteraspekts. An den Randbereichen werden in trockenen Partien Pflanzungen mit eher mediterranem Steppencharakter angelegt und in Gehölzbereichen waldartige Krautschichten. Das Zentrum der Pflanzung bilden aber Beetbereiche. Dominieren werden warme Farben in Gelb und Orange, vor allem aber auch in Rot. Es kommen jedoch auch weiße Partien, blaue und welche in Rosa-Lila vor, um nicht nur ein bestimmtes Arten-, sondern auch Farbenspektrum zu zeigen.
Die mit der Mainau abgestimmten wesentlichen Prinzipien der Pflanzung sind:
• Vielfalt/Üppigkeit
• Langlebigkeit der Stauden
• Verwendung alter und neuer „Klassiker“
• klare Ordnung der räumlichen Gestaltung
• einfache Mittel
• Arbeiten mit dem Bestand
• Orts- und Landschaftsbezug
Neben möglichst üppiger, dennoch nicht übertrieben unnatürlich wirkender Blüte und interessanten Habitus interessiert uns vor allem auch die Langlebigkeit der verwendeten Stauden, um eine alterungsfähige Pflanzung herzustellen. Dieses Thema wird in den Debatten über aktuelle Staudenpflanzungen oft vernachlässigt.
Das bedeutet, dass auf der Mainau vorrangig kein Liebhabersortiment gezeigt werden soll, sondern ein Arten- und Sortenspektrum, das sich auch im Privatgarten bewährt (hat) und den Besuchern vorgestellt werden kann. Daher werden sowohl alte, bewährte Arten und Sorten, sog. Klassiker, als auch neue moderne Formen, z. B. von Taglilien, verwendet, die das Potential haben, zu Klassikern zu werden. Unter alten und neuen Klassikern werden somit Pflanzen verstanden, deren Gestalt die Laien u. U. noch aufgrund ihrer Kindheitserfahrungen kennen, wie Mageriten, Iris, Lilien, Päonien, Phloxe, Orientalischer Mohn etc. Es handelt sich oft auch um Pflanzen von berückender Einfachheit aber mit einem starken Charakter. Neue „Klassiker“ sind dagegen solche, die noch nicht so bekannt aber ebenfalls sehr ausdrucksstark sind, wie z. B. Agastache, die modernen Formen von Taglilien oder die noch wenig bekannten winterharten Schmucklilien (Agapanthus).
Ausnahmen vom Prinzip der Einfachheit sind in Grenzen erlaubt, um die Pflanzung gestalterisch zu steigern, d. h. den Pflanzenkombinationen einen gewissen Pfiff zu verleihen, oder besondere Orte zu betonen. Mitunter werden daher auch sehr üppige und auffallende Stauden und Strauchpäonien verwendet oder bei den Taglilien eine schon fast schrille Farbe. Alterungsfähigen Stauden haben oft eine lange Entwicklungszeit, bis sie voll zur Geltung kommen. Zur Überbrückung dieser Phase werden sie daher mit kurzlebigen „Füllern“ kombiniert, die sich immer wieder auch aussäen können, wobei zu bedenken ist, dass man sich dadurch nicht ein Pflegeproblem selbst schafft.
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 |  | Baustelle auf der Mainau Anfang 2010 Foto © 2010 Nina Busse | |
| | | Das Prinzip der Einfachheit der Mittel durchzieht den ganzen Entwurf und bezieht sich daher auch auf die Verwendung der baulichen Elemente, vor allem auch auf die Erschließung der Flächen. Nichts soll vom Schwerpunkt der Planung, die Stauden, ablenken. Gleiches gilt für das Ziel einer klaren Ordnung. Die Entwurfsidee für den neuen Staudengarten ist daher sehr einfach und funktional.
Parallel zu einem vorhandenen Asphaltweg und zu ebenfalls vorhandenen Weinbergsmauern verlaufen die zwei Hauptwege, die den Garten erschließen und die Besucher stufenlos ins Gelände ziehen sollen. An drei markanten Stellen finden sich quadratische Plätze, auf denen man sich aufhalten kann und besondere Blicke auf die Pflanzung oder den See genießen kann. Von den Hauptwegen gehen diagonal Wege zweiter und dritter Ordnung ab, die zum einen eine regelmäßige Beetstruktur entstehen lassen und der Pflege dienen sowie zum anderen den Besuchern ermöglichen, die Pflanzung zu durchgehen und den einzelnen Pflanzen möglichst nahe zu kommen.
Die Pflanzflächen sind somit rechtwinklig angelegt, wie typische Beete, und bilden mit ihrer Erschließung ein klares Raster. Die einzelnen Farbthemen werden bestimmten Partien zugeordnet, so dass farblich spezifizierte Bereiche entstehen. Allerdings laufen die Farben ineinander und changieren, so dass z. B. keine rein weißen oder blauen Teilgärten entstehen, wie dies gängig ist. Das Gelände wird zudem gegliedert durch assymetrisch verlaufende Heckenpflanzungen aus Taxus und Fagus silvatica. Letztere wird im Winter mit ihrem kupfernen Laub einen Farbakzent setzen, der durch wenige Sträucher, u. a. durch Weiden mit farbigen Rinden, und durch Gräser in blonden bis rötlichen Tönen ergänzt wird. Die Sträucher werden im Frühjahr mit dem Staudenschnitt ebenfalls zurückgenommen, d. h. auf Stock gesetzt. Die Pflanzung ist somit auch im Winter attraktiv und repräsentiert ein wesentliches Prinzip „naturalistischer“ Pflanzenverwendung, nämlich die Dynamik der Pflanzung durch ihre interne Entwicklung und durch den Einfluss der Jahreszeiten erlebbar machen.
Unter dem Prinzip des Orts- und Landschaftsbezugs wird vor allem die Öffnung des Staudengartens zur umliegenden Landschaft, d.h. zum Bodensee aber auch zum umgebenden räumlichen Kontext auf der Mainau selbst, verstanden. Vom ursprünglich vorhandenen und in die Jahre gekommenen Roseninformationsgarten wurde nahezu alles entfernt, insbesondere auch seine Randbepflanzung. Diese Öffnung soll nicht nur der Anlage Großzügigkeit verleihen, sondern sie auch mit den Nachbarräumen verbinden. Durch das Roden einiger Gehölze entstehen zudem Teilflächen, die frei von Wurzelkonkurrenz sind. Die Wirkung dieser Öffnung war mit Beginn der Bauarbeiten im Herbst 2009 schon deutlich zu spüren. Die vorhandenen Weinbergsmauern werden wieder erlebbar und prägen den künftigen Staudengarten erheblich. Die darüber liegende alte Esskastanien- und Platanenallee ist ebenso wieder sichtbar wie der von malerischen efeubewachsenen Robinien umstandene alte Wehrturm. Richtung Bodensee werden Sichtachsen geöffnet, die von verschiedenen Plätzen der Anlage einsehbar sein werden.
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 |  | Baustelle auf der Mainau Anfang 2010 Foto © 2010 Nina Busse | |
| | | Stand der Arbeiten
Als Grundlage der Kostenschätzung und der Abbrucharbeiten wurden 2009 in intensiver Zusammenarbeit ein Vorentwurf und ein Entwurf für den künftigen Staudengarten angefertigt. Parallel dazu wurden erste Listen zu verwendender Stauden angefertigt und nach mit Gesprächen mit einzelnen Staudengärtnereien auch Reservierungen vorgenommen.
Der Abbruch des alten Rosengartens wurde 2009 abgeschlossen und vor Ort durch Mitglieder des Fachgebiets die entstehende Raumsituation besichtigt. Weitere Detailabstimmungen wurden mit der Mainau getroffen.
Mitte Januar 2010 wurde nach den Weihnachtsferien die detaillierte Pflanzplanung begonnen. Hierbei werden in Listen weitere Pflanzenkombinationen erfasst und diese räumlich in 33 Einzelplänen M 1:50 verortet.
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