Über Gräser

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Gräser im Garten Wagner

Gräser in meinem Garten

Text ©2018 Elke Wagner

Es folgt eine Beschreibung der in meinem Garten kultivierten Gräser, unterteilt nach Gattungen und Arten bzw. Sorten, die ausschließlich auf eigener Beobachtung und Erfahrung beruht. Sie wurde erstellt  unter den spezifischen Bedingungen des Standorts sowie der Bodenverhältnisse, wie ich sie  in meinem Garten vorfinde. Hier liegt ein sandig-humoser, durchlässiger, durchaus fruchtbarer Boden vor. Die Jahresmitteltemperaturen sind eher als niedrig zu bezeichnen. Der Garten liegt auf etwa 650 m im Erzgebirge.

Ich kultiviere hauptsächlich die Echten Gräser oder Süßgräser (Poaceae), aber auch einige wenige Sauer- oder Riedgräser, also Seggen, (Cyperaceae) sowie Simsen, die zu den Binsengewächsen (Juncaceae) gehören. Zur groben Unterscheidung kann dieser kleine Reim dienen, den ich im Buch „Gräser im Garten“ von Nancy J. Ondra fand, und der sich auf die Beschreibung der Blütenhalme bezieht: „Seggen sind eckig, Binsen sind rund, Gräser sind hohl und rascheln im Bund.“ (Es muss sich ja auch reimen!)

Generell erfolgt der Rückschnitt aller sommer- und wintergrünen Gräser im zeitigen Frühjahr, was bei mir oftmals erst Mitte März heißt. Dabei werden die sommergrünen bodeneben mit der Heckenschere abgeschnitten, sofern sie noch aufrecht stehen. Die wintergrünen werden höchstens handbreit über dem Boden abgeschnitten. Bei Teilung dieser Gräser ist zu vermerken, dass die Teilstücke von der Mutterpflanze eher abgerissen werden sollten. Sie müssen dann etwas tiefer als die Mutterpflanze eingepflanzt werden. Die wenigen immergrünen Gräser, die ich kultiviere, werden in der Regel nicht zurückgeschnitten, höchstens etwas ausgezupft, sofern sich vertrocknete Halme zeigen. Sie werden aber auch durch den zeitigen Neuaustrieb recht schnell überwachsen.

 

Achnatherum calamagrostis

Neuerdings zur Gattung Stipa gestellt. Es wächst horstig mit schmalen mattgrünen Blättern und schöner langer, schmaler gelbbrauner Rispe. Manchmal wintergrünes Blatt. Es wird als ein wärmeliebendes Gras bezeichnet; ich hatte jedoch bislang keinerlei Ausfälle zu verzeichnen. Es kam auch in jedem Jahr zur Blüte. Nicht verschwiegen werden darf, dass sich das Gras besonders nach starken Regenfällen oder Stürmen unschön umlegt. Andererseits wiegen sich seine Ähren aber auch besonders schön im Wind. Dem Hang zum Umlegen kann man mit durchdachter Platzierung im Garten und schottrigem, abgemagertem  Boden etwas entgegenwirken. So habe ich mehrere hohe Terrakotta-Töpfe mit dem Gras bepflanzt sowie es in Reihe und zwischen Kniphofia galphinii und Nepeta auf ein Mäuerchen im Kiesgarten gesetzt in der Hoffnung, dass es dort elegant überhängt. Es sollte immer vollsonnig gesetzt werden und bevorzugt trockene Plätze. Es ist eher als ein Begleitgras anzusehen.


Achnatherum calamagrostis
©2018 Helga Meyer

 

Andropogon gerardii ‚Weinheim Burgundy‘

Es ist eines der unverzichtbaren, hohen Präriegräser. Als solches treibt es sehr spät aus und gehört zu den C4-Gräsern. Die vorliegende Sorte punktet mit spektakulärer burgunder-rosa Herbstfärbung. Ansonsten erreicht der Große Blauhalm oder Gambagras eine stattliche Höhe von etwa 150/200 cm, ist aber trotzdem eine recht filigrane Erscheinung. Die Blätter hängen leicht über und können als stumpf blaugrün bezeichnet werden. Er trägt eigenartige, rotbräunliche Blütenrispen, vielleicht mit einem Vogelfuß vergleichbar. In meinem Garten steht er in der Großen Herbstrabatte zusammen mit höheren Astern, Helenium, Heliopsis und Kugeldistel. In diesem Zusammenhang muss Helenium ‚El Dorado‘, einstmals ausgelesen von Eva-Maria Bottke, besonders herausgestellt werden. Es ist eindeutig die beste Sorte, die ich kultiviere; schier endlos lange Blütezeit mit immer neuen großen, gelben Blüten, Trockenheit ertragend und jederzeit eine gute Figur abgebend. Mein Blauhalm ist bislang sehr standfest, was wohl mit meinem an dieser Stelle recht mageren und trockenen Boden zusammenhängt. Auf zu fetten Böden soll er nicht sehr standfest sein und eine Stütze benötigen.

 

Andropogon hallii

Dieser Blauhalm bleibt niedriger als voriger mit ebenfalls blaugrauen Blättern, luftigeren Blütenständen und imposanter Herbstfärbung. Er wurde einstmals ausgesät und wächst sehr langsam heran. Er hat seinen Platz im Kiesgarten, steht ausgesprochen mager und begleitet Amorpha canescens, Artemisia ludoviciana, verschiedene Penstemonarten, Epilobium lanata und andere trockenheitsverträgliche Pflanzen.

Es wurden ebenfalls Aussaat- und auch Pflanzversuche mit Andropogon ternarius gemacht, die aber allesamt erfolglos blieben.

 

Bouteloua gracilis

Recht unscheinbares Präriegras (Moskitogras); der Blatthorst wird etwa 20 – 25 cm hoch, Blätter schmal und mattgrün. Interessant und ein wenig bizarr sind jedoch die abstehenden Blütenähren, die sich hoch über den Horst erheben. Deshalb sieht es im Gegenlicht besonders reizvoll aus. Es möchte vollsonnig, mager und warm stehen. Standort im Garten: Kiesbeet zusammen mit Solidago parmicoides, Oenothera pilosella, Sporobolus heterolepis, Euphorbia corollata, Amorpha canescens und anderen trockenheitsverträglichen, hauptsächlich nordamerikanischen Gewächsen.


Bouteloua gracilis
©2018 Helga Meyer

 

Calamagrostis x acutiflora ‚Karl Förster‘

Das Gartensandrohr oder Gartenreitgras ist ein unverwüstliches Gras, dessen gestalterische Qualität bereits Karl Förster herausstellte. Es wächst horstig und straff aufrecht und ist deshalb als Leitstaude einzusetzen. Ein weiterer Vorzug ist, dass es früh austreibt und in Blüte geht, die einen ganzen Sommer lang hält, auch nach herbstlichen Stürmen noch gut dasteht und auch plötzlichem Nassschnee trotzen kann, also als sehr standfest bezeichnet werden kann. Im Garten steht es in mehreren Exemplaren im Hintergrund der Großen Herbstrabatte. Da es streng horstig und straff aufrecht wächst, kann es gut zur Rhythmisierung eines größeren Beetes eingesetzt werden.

Es erreicht etwa eine Höhe von 100 bis 150 cm, ist sommergrün mit schmalem, aufrechtem grünen Blatt und zunächst grünlicher Rispe, die sich später nach gelbbraun verfärbt. Es sollte vollsonnig stehen und gedeiht in normalen Gartenböden, solange sie nicht zu nass sind. Schön sieht es aus, wenn es aus niedrigerer Bepflanzung herausragen kann.


©2018 Helga Meyer

C. x acutiflora ‚Overdam‘

Habitus ähnlich wie voriges, jedoch nicht ganz so hoch, Es wächst ebenfalls horstig und straff aufrecht, aber mit weißen Streifen an den Blatträndern, was ihm einen edleren Habitus verleiht. Es mag zwar ebenfalls sonnig stehen, aber bevorzugt etwas frischeren Boden.


Calamagrostis acutiflora 'Overdam'
©2018 Helga Meyer

Calamagrostis brachytricha

Das Diamantgras wird etwa 70 – 100 cm hoch, wächst horstbildend und aufrecht. Seine Blätter sind dunkelgrün und hängen leicht über. Es geht relativ spät mit einer lockeren graugrün-rosa Rispe in Blüte, die später weiter aufhellt. Der deutsche Name ist gut gewählt, weil sich die herbstlichen Tautropfen in der Rispe verfangen und dann tatsächlich im Gegenlicht wie Diamanten funkeln. Es ist eher ein Begleitgras und umspielt in meinem Garten z.B. Actaea simplex ‚Brunette‘ und an anderer Stelle Bistorta amplexicaulis ‚Fat White‘. Das Gras stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden, will möglichst vollsonnig stehen und samt sich an geeigneten Standorten aber auch gut aus.


Calamagrostis brachytricha
©2018 Helga Meyer

 

Chasmanthium latifolium (Syn.Uniola latifolia)

Das Plattährengras hat seinen deutschen Namen treffend auf Grund seiner auf zarten Halmen schwebenden platten Ähren erhalten. Es treibt sehr spät aus. Ansonsten wächst es horstig, mit leicht überhängenden grünen, recht breiten Blättern und wird in meinem Garten maximal 70 cm hoch. Die Herbstfärbung ist bestechend bräunlich-rosa. Es ist ein wärmebedürftiges Gras, möchte nicht vollsonnig, jedoch frisch-humos stehen. Es hat sich in meinem Garten bislang sehr zögerlich entwickelt; ich vermute, dass der Standort zu mager und zu trocken ist. Ich werde es in den Gehölzbereich verpflanzen in die Nähe von Zizia aurea, Frauenmantel, u.a. und unterpflanzen mit Camassia cusickii.


Chasmanthium latifolium
©2018 Helga Meyer

 

Deschampsia caespitoa

Die reine Art der Rasenschmiele ist eigentlich blühend ein sehr schönes Gras: Immergrüner Blatthorst mit dunkelgrünen riemigen Blättern und hoch aufragende, locker 150 cm aufragende, luftige und leichte Blütenwolken in einem hellen Goldton -  wenn da nicht seine heftige Versamung wäre. Das wird wirklich lästig, da das vitale Gras auch keine Probleme hat, sich in andere Stauden und – ganz gemein – in andere Gräserhorste einzunisten. Ich möchte es aber trotzdem nicht missen und erhalte immer einige wenige Exemplare, wobei ich besonders aber darauf achte, sich entwickelnde Sämlinge im Umkreis zu jäten. Das Gras altert ziemlich schnell, und wenn die Blatthorste unansehnlich werden, entferne ich sie. Nachschub gibt es immer. Günstiger und entspannter ist es jedoch, verschiedene Sorten zu kultivieren. Im Garten gibt es derzeit drei davon, die aber noch weiter beobachtet werden müssen. Bislang habe ich keinen Hang zur Versamung festgestellt. Die Art sowie auch die Sorten stellen keine besonderen Ansprüche an den Boden.


Deschampsia caespitosa
©2018 Helga Meyer

D. caespitosa ‚Goldschleier‘

Das Gras ist ein wahres Schätzchen unter den Rasenschmielen, blühend gut kniehoch und wahrlich goldfarben luftig im Blütenstand. Es beginnt früh mit der Blüte, die sehr lange hält. Im Garten dient es derzeit etlichen strauchigen Rosen als Begleitpflanze, was besonders der dunkelroten ‚Rose de Resht‘ gut zu Gesicht steht.

D. caespitosa ‚Goldtau‘

Der ‚Goldtau‘ hat sich nach zwei Standjahren sehr gut entwickelt, so dass der Horst geteilt werden kann. Er ist ebenso hoch wie ‚Goldschleier‘: die Blüte ist jedoch nicht ganz so leuchtend golden, aber ebenso luftig. Er ist ausschließlich mit den reichlich in meinem Garten vorhandenen Bistorta amplexiaulis vergesellschaftet, besonders gerne mit den roten und dunkelroten Formen.

D. caespitosa ‚Tardiflora‘

Diese Sorte steht noch auf der Versuchsfläche. Es ist das niedrigste der drei Sorten, entwickelt sich aber gut und wird ebenfalls hauptsächlich als Begleiter verschiedener Kerzenknöteriche Verwendung finden.

Über die Lebensdauer der Sorten kann noch kein Urteil abgegeben werden. Um sie aber zu erhalten, werden die Horste nach Möglichkeit im zeitigen Frühjahr geteilt und neu aufgepflanzt.

 

Eragrostis curvula

Es ist das aus Südafrika stammende Liebesgras. Seine Blätter sind schmal, graugrün und in wärmeren Regionen wintergrün. Es bildet einen dichten Blatthorst; die Blütenrispe ist nicht sehr spektakulär. In meiner Region nicht lange ausdauernd, aber gut versamend. Es steht im Kiesgarten, ziemlich trocken und nährstoffarm und begleitet verschiedene Kniphofia-Horste.


©2018 Helga Meyer
 

Eragrostis spectabilis

Trotz seines aufregenden Namens habe ich mit diesem Gras keine guten Erfahrungen gemacht. Es stammt aus südlichen Gefilden der USA und braucht wahrscheinlich, um die so begehrten violettrosa Blütenwolken hervorzubringen, viel mehr Wärme über das Jahr gesehen. Im Topf bei Überwinterung im kalten Gewächshaus kann ich es zwar erhalten, Blüten zeigen sich aber ebenfalls nicht. Stufe es deshalb als verzichtbar ein.

 

Festuca glauca (cinerea)

Der Blauschwingel ist ein kleinbleibendes Gras für den Vordergrund, für Heideflächen, Stein- und Kiesgärten. Er bildet horstartige Polster aus ganz schmalen blau-grünen, steifen Blättern und ist immergrün.  Er will unbedingt sonnig und sehr mager stehen; und wirkt gut als kleinere Fläche in Verbindung mit Steinen. Im Garten besetzt er eine ganz trockene und vollsonnige Ecke im Bereich der großen Lärche. Er steht dort zusammen mit Walzenwolfsmilch und Aster radula, im Hintergrund Miscanthus ‚Gracillimus‘. Die Fläche grenzt an die Fläche mit Hakonechloa macra, optisch getrennt durch einen größeren Stein.


Festuca glauca
©2018 Helga Meyer

 

Festuca mairai

Der Atlasschwingel ist wie der Name bereits ausdrückt im Atlas-Gebirge beheimatet, braucht im Garten einen vollsonnigen Platz und durchlässige Erde. Er hat graugrüne, dünne, wintergrüne Halme und wächst zu großen Horsten heran, die durchaus 70 cm erreichen können. Die Blüte ist eine dünne Rispe, die den Blatthorst überragt. Das Gras sollte auf Grund seiner doch dominanten Struktur eher in Einzelexemplaren gepflanzt werden. In meinem Garten unterstützt es die Sichtachse zur Laube, indem es jeweils in die Lücken zwischen höhere Eibenquader gesetzt ist, mit einer Vorpflanzung aus Frauenmantel. Es ist gut zu erkennen, dass das letzte Exemplar, das teilweise im Schatten einer Hainbuchenhecke steht, schwächer als die übrigen Horste entwickelt ist. Das Gras wird im zeitigen Frühjahr in Handbreite zurückgeschnitten.


Festuca mairai
©2018 Helga Meyer

 

Hakonechloa macra

Vom Japan-Waldgras oder Hakonegras gibt es mittlerweile ganz unterschiedliche Sorten bzw. Auslesen. Nicht alle sind wüchsig, nicht alle stellen eine Bereicherung des Sortimentes dar. Ich persönlich finde die reine Art am schönsten und elegantesten. Es bildet mit der Zeit dichte Horste durch kurze Ausläufer, hat glänzende, frisch-grüne Blattspreiten, die auf drahtigen Enden stehen. Die Blüten sind nicht spektakulär; das Gras wirkt allein durch seinen schönen, aufgeräumten Habitus, besonders wenn es in vielen Exemplaren flächig gepflanzt ist. Nur so zeigt es eigentlich seine wunderbare Leichtigkeit und Eleganz. Es behält lange seine frisch-grüne Farbe, um dann im Herbst und Winter mit kupfrigen Tönen zu punkten. Es ist einfach ein fabelhaftes Gras, bringt Ruhe in aufregende Bepflanzungen und ist erstaunlich anpassungsfähig. Es erträgt durchaus vorübergehend Trockenheit und auch Sonne. Ich kultiviere es flächig im halbsonnigen Gehölzbereich. Es umschmeichelt einerseits verschiedene Buchselemente und tritt andererseits als Gegenspieler zu Festuca glauca auf, das in den dann trockenen und vollsonnigen Bereichen übergeht. Die gesamte Fläche begrenzen Phlomis russeliana, Paeonia mascula u.a.  Es sind lt. Literatur 5 Pflanzen/qm vorgesehen; ich habe etwas dichter gepflanzt, da sich das Gras in den Anfangsjahren nicht so schnell entwickelt. Es braucht dann auch etwas mehr Zuwendung, will heißen, Wassergaben bei trockener Witterung und gelegentliche Humusgaben. Pflanzen, die ich in der Vergangenheit aus den Niederlanden mitbrachte, etablierten sich in meinem Garten leider nicht.


Hakonechloa macra
©2018 Helga Meyer

H. macra ‚Aureola‘

Diese Sorte befindet sich schon sehr lange in meinem Besitz. Der Habitus ist ähnlich wie die Art, seine Blätter sind jedoch fast zitronengelb mit grünen Streifen, was ihm eine leicht heitere Ausstrahlung verleiht. Im Herbst nimmt das Laub eine erstaunliche rosa Färbung an. Ich hatte bislang noch keine Ausfälle zu verzeichnen. Das Gras steht in meinem Garten halbsonnig, einerseits im Vordergrund eines Mäuerchens oberhalb des kleinen Topfgartens, andererseits im Formalen Bereich überhängend in den schottrigen Weg zusammen mit verschiedenen bräunlich-grünen Heuchera bzw. Tellima grandiflora ‚Rubra‘ .Gut wirkt es sicherlich auch in halbschattigeren Bereichen zusammen mit Epimedium und graublaublättrigen Hosta, da es aufhellend wirkt. In einen Terracotta-Topf ausgepflanzt konnte ich es nicht erhalten.


Hakonechloa macra 'Aureola'
©2018 Helga Meyer

 

Melica altissima ‚Atropurpurea‘

Das Sibirische Perlgras wächst locker aufrecht und treibt Ausläufer. Dadurch wirkt es etwas unordentlich. Die Blattspreiten sind hell graugrün gefärbt und relativ breit. Spannend ist die Blüte, die sich deutlich über den Blattschopf erhebt und purpurrote, glänzende Hüllspelzen hervorbringt, die einseitswendig am Stiel hängen. Das sieht interessant aus. Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass es sich heftig aussamt in meinem lockeren Boden. Im Garten steht es zusammen mit Aster ageratoides ‚Asran‘ im sonnigen Gehölzbereich und neuerdings in Verbindung mit Rosen. Ganz glücklich bin ich jedoch mit diesem Gras nicht.


©2018 Helga Meyer

 

Melica nutans

Es ist ein relativ unscheinbares Perlgras, etwa 30 cm hoch und Ausläufer bildend. Es soll sich ein dichter Wurzelfilz entwickeln, was bislang nicht der Fall  war. Es bildet leicht überhängende grüne Blätter, ist sommergrün und hat nickende bräunliche Blütchen an einer lockeren Rispe. Das Gras liebt Halbschatten und lockeren, humosen Boden. Es steht im asiatischen Beet zusammen mit Epimedien und Astern.

 

Melica transsylvanica

Das Siebenbürger Perlgras wird höher als voriges und ist mit seinem lockerhorstigen, aufrechten Wuchs durchaus ansprechend. Im Frühsommer bilden sich hellbraune, walzenförmige Blüten, die später ausbleichen. Es bildet Sämlinge, jedoch keinesfalls so heftig wie das ähnliche M. ciliata. Im Garten ist es mehrfach zu finden; es darf gelegentlich herumwandern und begleitet mal die eine oder andere Pflanzkombination. Im Übrigen liebt es volle Sonne und Trockenheit und ist sommergrün.


Melica transsylvanica
©2018 Helga Meyer

 

Miscanthus sinensis

Miscanthus, das Chinaschilf, sollten generell einen sonnigen Standort erhalten und während der intensiven Wachstumsperiode etwa ab dem Frühsommer gut versorgt werden. Es handelt sich um ein C4-Gras, wobei ich persönlich gut eingewachsene Exemplare nur in Ausnahmefällen bei allzu großer Trockenheit bewässere. M. sind durchweg als Leitstauden einzusetzen. Gelegentlich erhalten sie im späten Frühjahr etwas organischen Dünger.

M. sinensis ‚Gracillimus‘

In meiner Region nicht blühendes Gras. Der ausgewachsene Horst ist etwa gut hüfthoch, hat eher schmale und filigrane, grüne Blätter. Die Herbstfärbung setzt spät ein kann etwa beschrieben werden mit gelbbraun ausbleichend. Später bei ausreichend Frostereignissen kringeln sich die Blattenden zu schönen runden, spiralartigen Formen. Es entwickeln sich mit der Zeit große Horste, die innen nicht verkahlen, sind aber keineswegs lästig und wirken leicht und beschwingt. Im Garten an mehreren Stellen vertreten, so im Formalen Teil am Zaun zur Straße zusammen mit verschiedenfarbigen Phloxen und Kugeldistel. Weiterhin in zwei Exemplaren als Hintergrund im Beet hinter dem Gewächshaus, nunmehr mit Achillea ‚Coronation Gold‘, Rudbeckia, Nepeta, Salvia und anderen asiatischen Steppenpflanzen vergesellschaftet. Ein schöner, ruhiger Aspekt entsteht in  Zusammenhang mit mehreren statisch wirkenden Buchskugeln, wo das aufstrebende grazile Gras für Dynamik am Rande des Gehölzgartens sorgt. Schon sehr lange in meinem Besitz. Ich kann es mir auch sehr  gut vorstellen am Rande eines Wasserbeckens.


Miscanthus sinensis 'Gracillimus'
©2018 Helga Meyer

M. sinensis ‚Morning Light‘

Sport von ‚Gracillimus‘, Habitus ähnlich, feine Blätter mit weißen Längsstreifen. Das macht das Gras noch luftiger und lockerer. Etwas schwachwüchsig. Damit es gut zur Geltung kommt, steht es in einem größeren Kübel im kleinen Topfgarten zusammen mit einer kleinen Sammlung verschiedenfarbiger Heuchera. In einer höheren, skelettreichen Bepflanzung geht seine Schönheit meines Erachtens unter.


Miscanthus sinensis 'Morning light'
©2018 Helga Meyer

M. sinensis ‚Kleine Silberspinne‘‘

Das Gras gibt es schon lange in meinem Garten, und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich wirklich ‚Kleine Silberspinne‘ erhalten hatte. Es sieht mir eher nach ‚Silberfeder‘ oder ‚Silberspinne‘ aus, was auch die beachtliche Höhe sowie die Farbe der Blütenrispen erklären würde.öhesowie die Farbe der BlütenrispenHh Zunächst aufgepflanzt in der Großen Herbstrabatte mit vielen anderen Großstauden, drohte ich es dort zu verlieren. Es ist nicht sehr durchsetzungsstark. Die Höhe beträgt blühend etwa 1,80 bis 2,00 m, Blüten hell rosa-bräunlich, weißlich-bräunlich verblühend. Blütenstand aufrecht, keinesfalls überhängend. Die Blätter sind ebenfalls als feinlaubig zu bezeichnen. Herbstfärbung hellbraun ausbleichend. Steht nunmehr in Reinkultur und in vielen Exemplaren vor einer Garagenwand, die von den Gräsern fast völlig verdeckt und überragt wird. Das Gras steht straff aufrecht, wächst horstig und wuchert nicht.

M. sinensis ‚Maleparthus‘

Dominant und blühend etwa 2,00/2,30 m Höhe erreichend und früh blühend. Blätter grob strukturiert, mit schönster roter Blüte und beeindruckender, attraktiver orangeroter Herbstfärbung. Nach der frühen Blüte verfärben sich die wolligen Fruchtstände in hellbraune, fast weißliche, flauschige Gebilde, die in besonderer Form das herbstliche Licht einfangen. Große und ältere Horste kahlen von innen her aus. Gegenmaßnahme: das Innere so gut es geht ausputzen und die entstandene Lücke mit gutem, nahrhaften Kompostboden füllen. Oder den Horst teilen, was aber einem Kraftakt gleichkommt. Im Garten ausschließlich als Hintergrundpflanze eingesetzt, einmal am Zaun zum östlichen Nachbarn, dort kombiniert mit Veronicastrum ‚Fascination‘ und Kugeldistel. Ein weiteres Exemplar steht als Sichtschutz zur Straße zusammen mit Silphium laciniatum,  unterpflanzt mit niedrigem Sedum. Das Gras ist gut wüchsig und bildet hier nach zwei Standjahren bereits einen ansehnlichen Horst.


Miscanthus sinensis 'Malepartus'
©2018 Helga Meyer

M. sinensis ‚Ferner Osten‘

Eines der niedrigeren Sorten, etwa 0,80 bis 1,20 m hoch und frühblühend. Rote Blüte mit weißen Spitzen, spektakuläre rote Herbstfärbung. Es ist die intensivste Herbstfärbung der in meinem Garten vorhandenen Sorten. Vergesellschaftet mit einer ebenso hohen, kleinblütigen blassrosa Aster und seitlich davon Kugeldistel.

Miscanthus sinensis ‚Hermann Müssel‘

Eleganter, leicht überhängender Wuchs, etwa 1,40 bis 1,80 m hoch, silbrige Blüte. Ist neu in meinem Garten, Frühjahrspflanzung 2017. Es scheint zögerlich zu wachsen und nicht sehr durchsetzungsstark zu sein und hat im ersten Standjahr so gut wie keinen Höhenzuwachs hervorgebracht mit nur einem einzelnen blühenden Halm. Bislang liegen noch keine weiteren Erfahrungen vor. Standort: am südlichen Zaun neben einem Rosenbogen mit dunkelrotem Rambler und in Zusammenhang mit Silphium laciniatum.

M. sinensis ‚Kaskade‘

Eine wunderbare Neuerwerbung, die bei mir niedriger bleibt als in der Literatur angegeben, höchstens 1,50 m mit Blütenähre. Sehr schöner rosafarbener Blütenstand, kaskadenartig überhängend und nach weiß verfärbend. Hat sich im Pflanzjahr (Frühjahrspflanzung) bereits sehr gut bestockt. Während der Herbstfärbung gehen manche Blattspitzen ins Rötliche über, was sehr gut zum Blütenstand harmoniert. Standort im Garten: An der Südseite des Hauses vor rötlichem Granitsockel. Es ist kombiniert mit einer hochwachsenden Nepeta und Knautia macedonica und begleitet eine dunkelrote Strauchrose. Es sollte keinesfalls als Hintergrundpflanze Verwendung finden, eher als Solitär und gut sichtbar.

M. sinensis ‚Federweißer‘

Neuerwerbung Herbst 2017. Es ist eine hohe Sorte, gut 2,00 m hoch, mit weißgoldener Blüte und aufrechtem Wuchs. Im Gegenlicht strahlen die Blüten in unvergleichlich hellem Glanz. Nach Totalrückschnitt vor der Pflanzung scheint es gut angewachsen zu sein und treibt Blätter nach. Die Blätter sind grün und eher von feiner Textur. So wirkt die Pflanze trotz ihrer beachtlichen Höhe leicht und luftig. Standort im Garten: Im Formalen Garten als Hintergrundpflanze zusammen mit hohem, weiß blühendem Eupatorium fistulosum ‚Bartered Bride‘ sowie ‚Alba‘ und Thalictrum ‚Elin‘. Vorpflanzung weißlich blühendes Bistorta amplexicaulis ‚Fat White‘ und weiße Herbstanemone.

M. sinensis ‚Goldglanz‘

Neuerwerbung Herbst 2017. Die Sorte ist noch höher als ‚Federweißer‘, mit gelblich-goldenen Blüten und etwas gröberer Textur. Wächst aufrecht und keinesfalls überhängend. Die Blüten leuchten besonders in der Abendsonne in einem herrlichen, hellen Goldton. Es steht im Garten an der südlichen Grundstücksgrenze als Sichtschutz zum Nachbarn, direkt in einer Lücke zwischen Hainbuchenhecke und Cornus mas sowie hinter Cornus alba ‚Sibirica‘ und soll, so meine Intension, besonders mit der herbstlichen Laubfärbung der Gehölze wirken. C. alba ‚Sibirica‘ wird jeweils zweijährig auf Stock gesetzt. Beigepflanzt ist weiterhin eine hohe, hellviolett blühende Neuenglandaster sowie ein hohes Mädchenauge, Coreopsis tripteris ‚Pierre Bennerup‘ in mehreren Exemplaren.

 

Molinia caerulea ‚Bergfreund‘

Es handelt sich um eine Auslese des Moor-Pfeifengrases, das ich einstmals von Christian Kress hatte. Er kann aber auch keine weiteren Angaben dazu machen. Das Pfeifengras ist sehr ausdauernd, wächst horstig mit grünlichen Halmen und leicht überhängend, eigentlich sehr formschön. Im Spätsommer entwickeln sich aufrechte, recht dunkelbraune Blütenrispen, die lange bis in den Winter hinein standfest bleiben. An der Basis befindet sich ein einziger Knoten, was das Gras eindeutig identifiziert. Standort im Garten: Locker eingestreut in eine Matrix aus Sesleria autumnalis im Gräserbeet des Formalen Gartenteils.

 

Molinia arundinacea ‚Transparent‘

Das Riesenpfeifengras bildet tatsächlich mit der Zeit einen gigantischen Blattschopf, über den sich dann ab Hochsommer lange, grazile Blütenhalme mit feinen, leichten Blütenständen erheben, die elegant überhängen und tatsächlich sehr transparent wirken. Die Höhe insgesamt beträgt gut 200 cm. Das Gras bildet einen hellgrünen, dichten Horst, ebensolche Blütenhalme und geht über in eine goldgelbe Herbstfärbung. Gut wirkt es, wenn es andere Pflanzungen locker überragen kann. Es kann sowohl sonnig, als auch halbschattig stehen und erfährt in meinem Garten keinerlei besondere Pflege in Form von Düngung bzw. Wassergaben. Ich habe es an verschiedenen Stellen im Garten platziert, meist mit niedriger Vorpflanzung, z. B. Geranium.  Gut wirkt es, wenn z.B. eine Ecke betont (Ende des Formalen Bereiches) wird oder es sich über statische, dunkelgrüne Buchselemente neigen kann (Gehölzgarten). Besonders im Herbst ist das sehr wirkungsvoll. Für mich dient es als ein adäquater Ersatz des wunderschönen Stipa gigantea, dass ich in meinem Garten nicht etablieren kann, auch wenn ich es noch so gerne hätte.


©2018 Helga Meyer

Molinia arundinacea ‚Windspiel‘

Dieses Pfeifengras wächst aufrecht, erreicht eine ebensolche Höhe und zeigt eine ähnliche Blattfärbung. Eigentlich auch sehr schön; in meinem Garten entwickelt sich jedoch nur ein mickriges Pflänzlein. Ich werde es  entfernen; möglicherweise steht es bei mir doch zu mager und zu trocken, braucht mehr einen lehmigen Boden.

 

Nasella tenuissima

Das mexikanische Federgras wird etwa 40 cm hoch, bildet einen horstigen Blattschopf mit ganz feinen, graugrünen Blättern und feinen, mähnenartigen Blütenständen. Die Grannen haften lange an den Halmen, was seine flauschige Textur wirkungsvoll unterstützt. Das Gras will warm, sehr sonnig und mager stehen. Winternässe und starken Frost verträgt das Gras gar nicht, ist darüber hinaus kurzlebig und erhält sich über Sämlinge, die bei entsprechender Witterung zahlreich und auch in weiter entfernten Gartenbereichen auftauchen können. Lange Zeit konnte ich es nicht zur Blüte bringen, verlor es also nach dem Winter immer wieder. Erst in den letzten drei Jahren gelingt es, das schöne und attraktive Gras über Sämlinge zu erhalten. Es ist ein C3-Gras! Es hat seinen Platz im abgeschotterten Kies- bzw. Steppenbeet und sucht sich seine Plätze selbst aus, aber immer passend. Über ein Zuviel an Sämlingen kann ich bislang nicht klagen.


Nasella tenuissima
©2018 Helga Meyer

 

Panicum virgatum

Ich kultiviere unterschiedliche Sorten der Rutenhirse, die aber alle viel Freude bereiten, sehr ausdauernd sind und teilweise mit spektakulärer Herbstfärbung daherkommen. Auch die sehr zarten und filigranen Blütenrispen sind sehr ansprechend. Ich habe bislang noch keine witterungsbedingten Verluste zu verzeichnen, obwohl die Wuchsstärke durchaus unterschiedlich ist. Es gibt grob gesagt zwei unterschiedliche Blattfärbungen: Hell- oder grasgrün, das eine gelb-rote Herbstfärbung annimmt und blaugrün, das dann nach violett oder fahlgelb färbt.

P. virgatum ‚Rotstrahlbuch‘ oder ‚Hänse Herms‘

Dieses Gras gibt es schon lange in meinem Garten, und ich kann es nicht mehr genau zuordnen. Es wird etwa 50 cm hoch, ist ausläufertreibend und entwickelt bei mir keine Blütenrispen. Spannend ist die Herbstfärbung, die recht früh einsetzt. Das Gras färbt sich strahlend gelb mit feurig roten Blattspitzen. In der Großen Herbstrabatte umspielt es einerseits Sedum ‚Matrona‘ und an anderer Stelle webt es durch Rudbeckia fulgida var. deamii. Auch zusammen mit Echinacea ‚Pica Bella‘ macht es eine gute Figur.


Panicum Virgatum 'Rotstrahlbusch'
©2018 Helga Meyer

P. virgatum ‚Heiliger Hain‘

Diese Rutenhirse (Auslese Camehl aus ‚Heavy Metal‘) hat ein blaugraues Blatt, wird max. 50 cm hoch und nimmt eine spektakuläre dunkelpurpur-violette Herbstfärbung an. Leider ist das Gras ziemlich schwachwüchsig; man muss es im Auge behalten und keinesfalls starke Nachbarn dazu gesellen. Es steht im Vordergrund des Inselbeetes zusammen mit Liatris spicata und Blauraute. Einen ähnlichen Habitus entwickelt ‚Heavy Metal‘, wird etwas höher als voriges. Es findet sich ebenfalls im Inselbeet, das insgesamt trockenheitsverträgliche Pflanzen beherbergt und abgeschottert ist.


©2018 Helga Meyer

P. virgatum ‚Shenandoah‘

Es wird höher als die vorgenannten, gut 80 cm hoch und ist mit seinen feingliedrigen, bräunlichen Rispen ausgesprochen zart und elegant. Die grau-grünen Blätter färben sich hellgelb ausbleichend, manchmal mit rötlichem Hauch. Es steht einerseits zwischen Collinsonia canadensis und andererseits in größerer Gruppe bei einem rosa Phlox.


©2018 Helga Meyer

P.virgatum ‚Northwind‘

Es wächst regelrecht säulenförmig straff aufrecht, wird etwa 150 cm hoch und ist sehr standfest. Das Blatt ist blaugrün, relativ breit und färbt im Herbst gelblich-golden, ebenso wie seine luftigen Blütenrispen. Es steht im Eckbeet zusammen mit Bistorta amplexicaulis, Geranium phaeum, Veronicastrum sibiricum u.a.

 

Pennisetum alopecuroides

Das Lampenputzergras ist das einzige, dem in meinem Garten besondere Aufmerksamkeit zuteil wird. Denn es ist mit seinen walzenförmigen, dichten Ähren zu schön, als dass es nur als Blätterhorst daherkommt. Es bekommt also, wie anderweitig beschrieben, bei Trockenheit Wassergaben und bei Austrieb eine Extraportion organischen Dünger. Ich kultiviere die folgenden Sorten:

P. alopecuroides ‚Cassian‘

Dieser Lampenputzer ist recht neu in meinem Garten, hat sich jedoch in zwei Standjahren äußerst gut bestockt. Es bildet einen halbkugelförmigen, dichten, grünen Blattschopf, eigentlich recht unspektakulär. Wunderbar sind jedoch seine dunklen, borstenartigen Grannen, die in großer Zahl über dem Horst erscheinen, sowie seine leuchtende, goldgelbe Herbstfärbung. Das Gras treibt spät aus (C4), blüht jedoch sehr früh, manchmal bereits Ende Juli, je nach Witterungsverlauf. Es steht in mehreren Exemplaren gut sichtbar im Inselbeet.

P. alopecuroides ‚Hameln‘

‚Hameln‘ macht mir nach beschriebener Sonderbehandlung viel Freude. Es geht später in Blüte als ‚Cassian‘; seine dichten Grannen sind heller und wirken besonders im spätsommerlichen Gegenlicht aufhellend und leuchtend. Ansonsten hat es den gleichen Habitus wie voriges. Es steht im asiatischen Beet mit gelben, kleinblütigen Lilien, Achillea ‚Coronation Gold‘, Nepeta, Salvia nemorosa u.a.

P. alopecuroides fo. viridescens ‚Moudry‘

Es wird in der Literatur als wertvolle Neuentdeckung bezeichnet, bildet einen breitlagernden, runden Blatthorst. Die breiten Blätter besitzen einen aparten Olivton, der zum Herbst hin gelborange färbt und später pergamentartig ausbleicht. Das Gras blüht in meiner Region nicht, was ich auch gar nicht erwarte. Seine großartige Wirkung geht allein von der interessanten Blattfarbe sowie seinem aufgeräumten Habitus aus. Zusammen mit verschiedenen, höheren, auch rotlaubigen Sedum, weißen Echinacea spec. wirkt es großartig.

 

Sesleria autumnalis

Das schöne Herbstkopfgras ist wohl erst in den letzten Jahren verstärkt in das Blickfeld der Gestalter gerückt. Und das aus gutem Grund. Es treibt früh aus, geht jedoch erst relativ spät im Jahr mit weißlichen, schmalen Ähren in Blüte. Es bildet einen lockeren Blatthorst, der über das gesamte Jahr sehr zierend durch seine hellen, gelbgrünen Blätter ins Auge fällt. Es mag Sonne, höchstens Halbschatten; im tiefen Schatten fällt es unschön auseinander. In meinem Garten sind verschiedene Bereiche mit diesem Gras gestaltet. Zunächst setzte ich es als Matrix-Gras im gepflanzten Gräserbeet ein, zusammen mit verschiedenen, grasartigen Stauden, Sedum, verschiedenen Echinacea-Sorten u.a. Weiterhin ist es  am Abendsitzplatz zu finden. Dort ist eine zurückhaltende, gelb-weiße Bepflanzung entstanden mit weißen Echinaceen, Kalimeris incisia, Euphorbia seguieriana ssp. niciciana und Sedum maximum. Zu guter Letzt begrenzt es die Laube in Reinkultur, nur mit Frauenmantel vorgepflanzt.


Sesleria autumnalis
©2018 Helga Meyer

 

Spodiopogon sibiricus

Das Zotten-Raugras wächst horstig, straff aufrecht und hat mit seinen breiten, hellgrünen Blättern fas bambusartige Anmutung. Es treibt spät aus und  entwickelt erst ab August seine zierlichen, rotbraunen Blütenähren, die den Blattschopf deutlich überragen. Es wird in meinem Garten maximal 130 cm hoch und steht im Eckbeet zusammen mit Bistorta amplexicaulis und blauvioletten Phloxen.


©2018 Helga Meyer

 

Sporobolus heterolepis

Das Tautropfengras ist ein echtes Präriegras, mag Sonne und kommt auch mit Trockenheit und mageren Böden zurecht. Es braucht ein paar Jahre, bis es sich zu seiner vollen Schönheit entwickelt. Es bildet dann dichte Horste aus ganz feinen graugrünen Blättern und feinverzweigten, hellbraunen Blütenähren, die duften. Es gibt verschiedene Auslesen, am besten ist womöglich ‚Cloud‘, mit anderen hatte ich weniger Glück. Auch zeigt sich in meinem Garten nicht die Üppigkeit der Blütenrispen; sie zeigen sich eher vereinzelt. Es hat seinen Platz im Inselbeet zusammen mit verschiedenen Penstemon-Arten, aber auch Amsonien.


Sporobolus heterolepis
©2018 Helga Meyer

 

Und noch ein paar Seggen und Marbeln

Diese Gattungen spielen in meinem Garten eine untergeordnete Rolle; einige will ich jedoch erwähnen:

Carex buchananii Die Fuchsrote Segge gibt es nur deshalb in meinem Garten, weil sie zusammen mit Rhododendron yakushimanum, Epimeduim, großblättriger blaugrauer Hosta ein spannendes Ensemble unterschiedlichster Blattstrukturen bzw. Farben bildet. Dazu sind keine Blüten notwendig.


Carex buchananii
©2018 Helga Meyer

Carex ornithopoda und C. plantaginea finden sich ausschließlich im Gehölzgarten als Unterpflanzung bzw. Bodendecker zusammen mit verschiedenen Helleboren und anderen schattenvertraglichen Stauden. Dabei ergibt sich mit der Breitblattsegge eine schöne Situation als Unterpflanzung des rotrindigen Cornus alba ‚Sibirica‘.


Carex plantaginea
©2018 Helga Meyer 

Carex pendula finde ich interessant wegen seiner langen, herabhängenden Blütenähren. Die unangenehme Versamung fand bislang bei mir nicht statt. Erstmals 2017 zeigte ich einige Sämlinge.


Carex pendula
©2018 Helga Meyer

Luzula sylvatica und L. nivea dienen hauptsächlich als Bodendecker unter dem Gehölzsaum am Zaun zum südlichen Nachbarn. Insbesondere Luzula sylvatica ist dazu geeignet, auch den Giersch wirkungsvoll zu unterdrücken.


Luzula sylvatica
©2018 Helga Meyer


Luzula nivea
©2018 Helga Meyer

 

Weiterführende Literatur:

  • Karl Foerster, Einzug der Gräser und Farne in die Gärten
  • Martin Haberer, Taschenatlas Ziergräser
  • Bernd Hertle, Mit Gräsern gestalten
  • Nancy Ondra, Gräser im Garten
  • Perderau/Willery, Filigrane Leichtigkeit
  • Verschiedene Artikel in der „Gartenpraxis“ zum Thema Präriegräser aus den Jahren 2006/2007 sowie Hakonechloa macra aus dem Jahr 2009

 

Ein kleiner Exkurs zu C3- und C4-Pflanzen

Haben Sie sich auch schon einmal gewundert, warum eine Maispflanze, obwohl sie erst Anfang Mai ausgesät wird, so schnell wächst, dass sie innerhalb kürzester Zeit den Weizen in einem benachbarten Feld in Biomasse und Wuchshöhe übertrifft?

Der Mais ist, wie viele Gräser der amerikanischen Prärie, eine sogenannte C4-Pflanze. Im Laufe der Evolution haben sie einen speziellen Mechanismus der Photosynthese entwickelt, der ihnen erlaubt, die warmen aber trockenen Sommermonate zum effizienten Wachstum zu nutzen. Eine Pflanze steht immer vor dem Dilemma wie weit und wie lange sie ihre Spaltöffnungen (Stomata) öffnet, um Kohlenstoffdioxid (CO2) für die Herstellung von Zucker (Photosynthese) aufzunehmen, da sie gleichzeitig Wasser durch Transpiration verliert. Im Gegensatz zu C3-Pflanzen (z.B. heimische Gräser) können nun C4-Pflanzen Kohlenstoffdioxid in speziellen Räumen ihrer Blätter anreichern und somit ihre Spaltöffnungen bei warmen Bedingungen ganz oder teilweise schließen. Dieser Prozess bringt zwei entscheidende Vorteile mit sich. Zum einen haben C4-Pflanzen eine höhere Wassernutzungseffizienz, das heißt sie können Wasser ökonomischer nutzen als C3-Pflanzen. Zu anderen „sparen“ sie Stickstoff (beim Anbau weniger Dünger nötig), da durch die höhere Kohlenstoffdioxidkonzentration in den Blattzellen die Enzyme der Photosynthese effektiver arbeiten.

Ziergräser werden häufig in Warm-Season-Gräser, welche C4-Pflanzen sind, und Cool-Season-Gräser (C3-Pflanzen) unterteilt. Erstere treiben erst sehr spät bei Bodentemperaturen über 8°C aus und haben ihr Wachstumsoptimum bei Temperaturen von ca. 25 °C. Sie blühen erst im Sommer oder Spätsommer, haben oft eine spektakuläre Herbstfärbung und ergeben in der Regel attraktive Winterbilder. Warm-Season-Gräser sind in unserer Klimazone niemals wintergrün! Sie sollten nur im aktiven Wachstum im Frühsommer und vor Blühbeginn verpflanzt und geteilt werden. Cool-Season-Gräser hingegen entgehen der Hitze und Trockenheit des Sommers, indem sie ganz oder teilweise einziehen (in dieser Zeit sollten sie daher auch nicht geteilt oder verpflanzt werden). So liegt auch ihre optimale Wachstumstemperatur bei deutlich unter 20°C. Die Gräser grünen früh und sind oft winter- oder halbwintergrün. Das bedeutet aber auch, dass sie in den Sommermonaten oft ein wenig „ruppig“ und nicht sehr ansehnlich dastehen. Da können gelegentlicher Rückschnitt und wenn nötig Bewässerung ein wenig Abhilfe schaffen.

Einige wichtige Grasarten, die zu den Cool-Season-Gräsern gehören, sind:

Calamagrostis x acutiflora, C. brachytricha, Carex sp., Deschampsia sp., Festuca sp., Hakonechloa macra, Helictotrichon sempervirens, Hystix patula, Koeleria sp., Melica sp., Millium effusum, Nasella tenuissima, Sesleria sp., Spodiopogon sibiricus, Stipa sp.

Einige wichtige Grasarten, die zu den Warm-Season-Gräsern gehören, sind:

Andropogon sp., Bouteloua gracilis, Chasmanthium latifolium, Imperata cylindrica ‚Rubra‘, Miscanthus sp., Molinia sp., Panicum virgatum, Pennisetum sp., Sorghastrum nutans, Sporobolus heterolepis, Schizachyrium scoparius

Text: © Dr. S. Wagner & E. Wagner

 

Gartenpraxis-Seminar 2015 – Großartige Gräser

Ein Resümee

Seit längerer Zeit verfolge ich die Ankündigungen in der „Gartenpraxis“ über die jährlich stattfindenden Seminare in der Bildungsstätte Gartenbau Grünberg zu den unterschiedlichsten Gartenthemen. Sie werden gleichermaßen angeboten für einschlägige Berufsgruppen als auch für interessierte Laien. Ich gehöre zu Letzteren, gleichwohl versprach das Thema interessante Inhalte, ausnahmslos vorgetragen von exzellenten Referenten. Ich meldete mich also an nicht ohne gewisse Bedenken, ob ich der Sache denn auch gewachsen wäre. Diese Zweifel zerstreuten sich jedoch bereits während der Begrüßung der Teilnehmer durch den Chefredakteur der GP, Jonas Reif, der kompetent und humorvoll durch das gesamte weitere Programm führte.

Großartige Gräser – dieses Thema wurde in den letzten Jahren mehr und mehr bestimmend sowohl für naturnahe als auch für architektonische Pflanzenverwendung. Das Sortiment der kultivierten Arten hat sich in kürzester Zeit vervielfacht. Das Seminar gab deshalb einen Überblick über das heutige Gräsersortiment und zeigte Gestaltungspotentiale auf, die in ihm steckt. Es wurden so ziemlich alle Gattungen vorgestellt und angesprochen einschließlich ihrer unzähligen Arten und Auslesen bzw. Sorten.

Der erste Beitrag befasste sich mit gestalterischen Verwendungsmöglichkeiten von Gräsern. Referent war Prof. Cassian Schmidt. Er ging insbesondere noch einmal auf die zunehmende Sortimentsvielfalt ein, was besonders augenfällig ist bei den Gattungen Panicum, Pennisetum, Hakonechloa, aber auch wieder verstärkt bei Miscanthus. Diese Tatsache birgt jedoch auch Risiken. Nicht alles was neu ist, ist auch zwangsläufig gut. Zudem liegen oftmals keine gesicherten Erfahrungen über Gartenwert und Winterhärte vor. Deshalb wird sich die Staudensichtung dieses Themas wohl verstärkt annehmen, die Spreu vom Weizen trennen. Ebenfalls neue Sortimente kamen mit dem Boom der Präriestaudenverwendung. Damit erfolgte eine Überleitung zum Wachstumsrhythmus der Gräser, die diesbezüglich in zwei Gruppen eingeteilt werden: Früh grünende Cool-Season-Gräser (C-3-Gräser) und spät grünende Warm-Season-Gräser (C-4-Gräser). Erstere treiben früh aus, sind oftmals wintergrün, blühen früh und stellen ihr Wachstum während der warmen Jahreszeit ein. Solche Gräser können gut im Herbst gepflanzt werden, da sie dann noch Wurzeln bilden und deshalb anwachsen. Gräser der zweiten Gruppe treiben sehr spät aus, sind in unseren Breiten niemals wintergrün, wachsen und blühen nur in der warmen Jahreszeit und warten mit einer oftmals spektakulären Herbstfärbung auf. Diese Gräser benötigen in der Hauptwachstumszeit (später Frühling bis Hochsommer) ausreichend Bewässerung. Sie sind sehr wärmebedürftig und sollten ausschließlich im späten Frühjahr bei guter Bodenerwärmung gepflanzt werden.

Anschließend ging Prof. Schmidt auf die ästhetischen Funktionen der Gräser in verschiedenen Pflanzungen ein. Besonders wurde die lang anhaltende und meist strukturstabile Funktion als Gerüstbildner hervorgehoben. Durch ihre vertikale Ausrichtung unterstützen sie die Raumbildung und gliedern bei wiederholter Verwendung eine Pflanzung rhythmisch. Aber auch die Kontraste zu den Blattformen der Stauden sind unverzichtbares Gestaltungselement (Harfe-Pauke-Effekt). Nicht zuletzt sind die filigranen Grannen der Gräser besondere Lichtfänger, und besonders in der kalten Jahreszeit zeichnen Tau bzw. Raureif zauberhafte Bilder. Als weiteres Gestaltungselement sollten die unterschiedlichen Laubfärbungen nicht unterschätzt werden. So hellen gelbliches Laub oder panaschierte Formen beschattete Bereiche auf. Herbstfärbungen, besonders der Präriegräser, können dramatische Farbakzente setzen. In Verbindung mit nordamerikanischen Korbblütlern lassen sich so wunderbare Assoziationen an die Prärie wecken; man sollte jedoch größere Stückzahlen ins Auge fassen, um solche Effekte zu erzielen.

Einmal mehr wurde das wunderbare Herbstkopfgras Sesleria autumnalis hervorgehoben. Es ist langlebig, trockenheitstolerant, als Matrixgras bestens geeignet und durch seine gelbgrüne Blattfärbung vielseitig mit vielen anderen, vorzugsweise trockenheitsverträglichen Stauden zu kombinieren.

Der zweite Tag war vorrangig der Vorstellung einzelner Gräsergattungen gewidmet. Los ging‘s mit „Cortaderia und Co.“, Referent Sven Nürnberger. Es wurde hauptsächlich sein Beitrag, veröffentlicht in der GP 10/15, als Grundlage verwendet und um etliche Anmerkungen erweitert. Für mich persönlich ist die wärmeliebende Südamerikanerin kein Thema, obwohl ich zugeben muss, dass die imposanten Riesen, richtig in Szene gesetzt, durchaus faszinieren können. Neben der allseits bekannten Cortaderia selloana wurde Cortaderia araucana besonders hervorgehoben, da sie frostfester, früher blühend und besonders die weiblichen Exemplare schöner sein sollen. Ausgesprochen schön sei C. ‚Sunningdale Silver‘ im Garten von Peter Janke. Das entsprechende Foto ist in vielen Veröffentlichungen zu bestaunen. Für alle aber gilt: Sie benötigen Winterschutz, Sommmerfeuchte und bieten m. E. nur in größeren Anlagen ansprechende Bilder.

Der nächste Beitrag befasste sich mit der Vorstellung der Staude des Jahres 2015 – CAREX. Till Hofmann gliederte seinen Beitrag vornehmlich nach Standorten, um so die riesige Gattung übersichtlich darzustellen. Stark vertreten ist der Lebensbereich Gehölz/Gehölzrand, da die Mehrzahl aller Arten und Sorten eigentlich Nischenbewohner sind, Schatten und feuchte Bereiche lieben. Es gibt jedoch auch Arten für die Felssteppe, Steppenheide, Steinanlagen und Heide. Alle Arten und Sorten wurden mit Bild vorgestellt und ergänzende Kommentare bzw. Pflanzvorschläge gemacht. So erhielt man eine umfassende Übersicht über die Sauergräser, ihre Ansprüche und ihr Wuchsverhalten. Der Rat vom Fachmann lautet: lieber auf horstwüchsige Arten und Sorten zurückgreifen, wenn man sich nicht sicher über das Konkurrenzverhalten ist.

Danach wurde uns eine dreiseitige Liste der Carex-Arten Neuseelands näher gebracht. Referentin war Anne Humbug, die längere Zeit an verschiedenen Naturstandorten verbrachte und die Arten vor Ort studierte, aber auch über Erfahrungen aus dem heimischen Garten berichtete. Um es grob auszudrücken: es sind allesamt heikle Pfleglinge und erfüllen nach meinem Dafürhalten in unseren Breiten nie und nimmer die Ansprüche, die von Aufnahmen natürlicher Standorte suggeriert werden. Sie sind – betrachtet man die riesige Auswahl geeigneterer Gattungen – für eine ansprechende Gartengestaltung eigentlich verzichtbar, sofern man nicht Sammler neuseeländischer Pflanzen ist. Das jedoch ist lediglich die unbedeutende Meinung des Autors.

Der nächste Beitrag befasste sich mit dem wachsenden Sortiment des Japanwaldgrases. Jonas Reif bezog sich in seinem Referat hauptsächlich auf die Veröffentlichung in GP 09/15 und beschrieb erfrischend burschikos seine Reise nach Japan, bei welcher er trotz akuter Flugangst zwei Ziele fokussierte: Hakonechloa am Naturstandort zu finden und den Fuji mit eigenen Augen zu sehen. Beides ging mehr oder weniger schief; der Gipfel des Fuji verbarg sich hartnäckig unter Wolken, und die eigentlich anvisierten Standorte des Japan-Waldgrases in den Wäldern der Provinz Honshu erwiesen sich als ungeeignet, da im Unterholz ausschließlich dichte Bambusbestände vorherrschten. Im Folgenden beschrieb Herr Reif seine Erfahrungen, die er im eigenen Garten mit dem wunderbaren Gras gemacht hatte und gab Empfehlungen zu einzelnen Sorten und geeigneten Standorten. Als nicht empfehlenswert wurden die Sorten ‚Nicolas‘, Sunny Delight‘ und ‚Naomi‘ eingestuft.

Ein weiteres Thema befasste sich mit Gräsern eurasischer Steppen und Wiesensteppen, Referent wiederum Prof. Cassian Schmidt. Ausgangspunkt war eine Expedition ins zentralasiatische Kirgisistan, um dort die üppigen Steppengesellschaften des Tien-Shan zu studieren. Es handelt sich in der Regel um trockenheitsverträgliche, wärmeliebende und störungstolerante Arten, die sommerliche Trockenperioden und winterliche Kälteperioden überstehen können. Niederschläge gibt es im Frühsommer und im Herbst. Dadurch trumpft die Steppenvegetation im Frühsommer bis etwa Mitte Juli mit üppiger Blüte auf. Vor allem Vertreter der Familien der Laminaceen und Asteraceen sind häufig vertreten. Gräser verweben die gesamte Situation. Man erkennt, dass die stabilen Strukturen der Samenstände der Stauden und Gräser bis weit in den Winter hinein erhalten bleiben. Dies macht den ästhetischen Reiz einer Steppenpflanzung aus und sollte unbedingt berücksichtigt werden bei der Umsetzung einer solchen Pflanzengesellschaft im eigenen Garten. Prof. Schmidt verwies auf die etwa 400 m² große Salbei-Schafgarben-Pflanzung im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof, wo eine solche Pflanzung beispielhaft umgesetzt wurde. Als Gräser eignen sich das noch wenig bekannte, jedoch sehr gelobte Achnatherum splendens sowie Festuca-Arten, Helictotrichon-Arten oder Melica-Arten. Als verwebende Elemente dienen Galium-Arten. In diesem Zusammenhang wurden weiterhin Chrysopogon gryllus (zart, attraktiv, straff aufrecht), Stipa gigantea (langlebig, attraktive goldgelbe Grannen) und Achnatherum calamagrostis ‚Lemperg‘ (standfester als die Art) als sehr empfehlenswert erwähnt.
Es folgte eine Aufstellung gartenwürdiger europäischer Gräser, deren Standortvorlieben und möglicher Benachbarung. Die Palette reichte von Luzula-Arten über Melica, Festuca bis wiederum zu Carex-Arten, die wegen ihrer großen Standortamplitude einen breiten Raum einnahmen. Jedes Gras wurde durch Fotos vorgestellt und ergänzende nützliche Angaben dazu gemacht. Diese Aufstellung brachte Till Hofmann zu Gehör.

Nach der Kaffeepause gab es einen Exkurs zu gräserartigen Stauden, deren Vorteil sowohl in der strukturbildenden Wirkung als auch im dekorativen Blüheffekt dieser Stauden zu suchen ist. Es ging hauptsächlich um kleine Stauden für Steinanlagen (Armeria, Plantago u.a.), Lilien- und Affodillgewächse (Asphodeline lutea, Kniphofia-Arten, Zigadenus elegans und weitere) und Schwertlilliengewächse. Sie alle wurden durch Pflanzbeispiele von Sven Nürnberger erläutert.

Am Ende des Tages ging es noch einmal um Gräser der Prärie, selbstverständlich vorgetragen von Prof. Schmidt. Er spannte den Bogen von den niedrigen Gattungen Bouteloua, Sporobolus über mittelhohe und hohe Gräser wie Eragrostis und vor allem Panicum mit seinen vielfältigen Sorten und Auslesen, Schizachyrium, Sorghastrum und Andropogon. Zu vielen genannten Arten gab es nähere Erläuterungen bzw. Hinweise zu sehr guten Auslesen. Sie alle verlangen frischen Boden, um gut zu gedeihen. Das bedeutet, in der warmen Jahreszeit wenn nötig zu wässern, da es sich ausschließlich um C-4-Gräser handelt.

Der Sonntag begann mit der Vorstellung verschiedenster, in der Regel kleinwüchsiger Gräser für den Steingartenbereich, untergliedert nach bevorzugten Standorten, Farbeffekten und Aufgaben, die diese Gräser im Lebensbereich Steingarten übernehmen. Sie können gerüstbildende, begleitende, aber auch solitäre Aufgaben erfüllen. Nicht zuletzt sichern sie Schuttränder und Halden vor dem Abrutschen. Wer je im Hochgebirge unterwegs war, erinnert sich mit Sicherheit lebhaft an die Gräsersäume der schmalen alpinen Steige.

Der nächste Beitrag kann als Kontrastprogramm zum vorhergehenden angesehen werden. Es ging um die großartigen Miscanthus sinensis; alle gartenwürdigen Arten aufgelistet mit bevorzugten Eigenschaften und Größenverhältnissen. Herr Friedrich Camehl, Inhaber der gleichnamigen Spezialgärtnerei, wartete mit eindrucksvollen Fotos aus dem Mutterpflanzenquartier seines Schaugartens auf. Mir war bis dato nicht geläufig, welch riesiges Sortiment die Gattung beinhaltet. Da tat es not, Lieblingspflanzen herauszugreifen, um nicht komplett die Orientierung zu verlieren, was wiederum Jonas Reif in bewährter Art tat. Hier also seine Auswahl: M. sinensis ‚Gracillimus‘, ‚Morning Light‘, ‚Kaskade‘, ‚Malepartus‘ und ‚Ghana‘.

Die Veranstaltung neigte sich langsam dem Ende zu; es gab noch zwei Beiträge. Der erste befasste sich mit empfehlenswerten Pennisetum, vorgestellt von Prof Schmidt. Das Sortiment wurde unterteilt in drei Rubriken: Mehrjährig und winterhart für sonnige und warme Lagen. Dazu zählen alle Arten von P. alopecuroides und bedingt P. orientale. Es sind allesamt C-4-Gräser für überwiegend frische Böden. Etliche wurden besonders durch Bild und Vortrag hervorgehoben. Dazu zählt z.B. Pennisetum fo. viridescens ‚Moudry‘, das einen aparten Olivton aufweist, breitblättrig und mit niedrigem Horst daherkommt. Es kommt selten zur Blüte und braucht eine gute Drainage. Ich werde es ausprobieren. Zur zweiten Rubrik zählen mehrjährige, aber nur bedingt winterharte Pennisetum. Hier wurde besonders Pennisetum macrourum hervorgehoben und eindrucksvolle Bilder aus dem Hermannshof gezeigt. Die dritte Rubrik umfasste einjährige bzw. nicht winterharte Pennisetum. Besonders verwiesen wurde auf Pennisetum glaucum, die Perlhirse, ein wichtiges Getreide in Afrika. Weitere Vertreter dieser Gruppe sind P. x advena sowie P. purpurea.

Noch ein wichtiger Beitrag von Till Hofmann zum Schluss zur Gräserpflege. Sie unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der Staudenpflege, jedoch sind einige Besonderheiten zu beachten, die sich vor allem aus dem Wachstumsrhythmus der Gräser ergeben, siehe weiter oben. Zu beachten ist bei den C-3-Gräsern, als Beispiel diente wiederum Sesleria, dass kein bodenebener Rückschnitt erfolgt im Frühjahr, was eigentlich auf alle immergrünen Gräser zutrifft. Vermehren sollte man sie möglichst im September/Oktober und zwar dergestalt, dass einzelne Teilstücke abgerissen und etwas tiefer als die ursprüngliche Pflanze einzusetzen sind. Till Hofmann erläuterte weiterhin die im Hermannshof entwickelten 5 Pflegestufen, die aufeinander aufbauend eine Zunahme an Ordnung und Ästhetik nach sich ziehen. Es wurden weiterhin Tipps zum Umpflanzen von Großgräsern sowie zur Rückschnitttechnik gegeben. Ein weiteres Thema waren Gräser und Unkraut. Gräser können selbst zum Unkraut werden (starke Ausläuferbildung, starke Versamung). Erforderliche Gegenmaßnahmen wurden erläutert. Es wurde in diesem Zusammenhang eine spezielle Warnung vor Muehlenbergia mexikana ausgesprochen.

Nach einer kurzen Abschlussdiskussion erfolgte die Verabschiedung durch Jonas Reif, und damit war das überaus spannende, abwechslungs- und lehrreiche Seminar beendet.

Fazit: Für mich stellten diese 3 Tage eine ungeheure Bereicherung meines fachlichen Wissens über Gräser dar; es gab Dutzende von Anregungen für die eigene Verwendung. Hervorzuheben waren weiterhin die entspannte Athmosphäre und die Möglichkeit, in den Pausen mit den Referenten bzw. anderen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen. Das eröffnete mir nebenbei auch einen Blick auf die Probleme der professionellen Gartengestalter, die sich grundsätzlich von denen der Autodidakten bzw. gärtnerischen Laien unter den Pflanzenverwendern unterscheiden. Ich denke, dass ich nicht das letzte Mal in Grünberg gewesen bin, interessante Themen vorausgesetzt.

Aufgestellt: Elke Wagner/ im Februar 2016

Sesleria caerulea – die pure Konfusion

Sesleria caerulea ist ein Gras, das ganz sicher zum Standartsortiment der Staudenbetriebe gerechnet werden kann. Zumindest taucht der Name in den meisten Katalogen und Listen auf. Es ist kein spektakuläres Gras, wie etwa das Diamantährengras oder gar ein Chinaschilf. Und so existiert es in aller Bescheidenheit in den Sortimenten.

Im Handel ist unter dem Namen "S. caerulea" das Moor-Blaugras. Allerdings wird es mit deutschem Namen oft als "Kalk-Blaugras" bezeichnet u. die Standortempfehlungen sind die des Kalk-Blaugrases. Da besteht aber doch ein großer Unterschied:

Moor-Blaugras
nach Adler, Oswald, Fischer: feuchte bis nasse Wiesen, Flachmoore; vom Hügelland bis in die Bergstufe
nach Foggi/Nardi/Rossi: hauptsächlich auf feuchten Standorten, in Torfsümpfen, lichten Wäldern, selten auf steinigen Böden

Kalk-Blaugras
nach Oberdorfer: Selten aber gesellig in alpinen Steinrasen, in praealpinen Trocken- und Halbtrockenrasen, in lichten Kiefern- und Buchenwäldern auf +/- sommerwarmen, frischen, kalkreichen, neutral-milden, humosen, lockeren, flach- bis mittelgründigen, steinigen Lehmböden oder feinerdearmen Steinböden, auf Abwitterungs-Halden, bis 80 cm tief wurzelnde Pionierpflanze, Schuttstauer und Humusbildner, Licht-Halbschattpflanze, vom Hügelland bis ins Gebirge (Alpen bis 2560 m)
nach Foggi/Nardi/Rossi: hauptsächlich in trockenem, kalkreichen Grasland, selten auch in Kalk-Flachmooren (var. pseudouliginosa)

Weil das Moor-Blaugras eine große Standorttoleranz hat, verträgt es auch trockene Standorte. Aber: es verträgt eben auch "nasse Füsse". Allerdings ist es keine Uferstaude.

Sogar die Experten (Staudengärtner und Pflanzenverwender, u.a.) kennen oft nicht die Unterschiede zwischen dem Moor-Blaugras und dem Kalk-Blaugras. Auch in der Literatur finden sich daher falsche Angaben, so etwa in dem renommierten Buch von Hansen/ Stahl, „Die Stauden und ihre Lebensbereiche“ (4.Aufl.). Hier wird die Beschreibung beider Arten bei den Blättern vertauscht: vom Moor-Blaugras heißt es: „grüne, schwach bereifte, schmale, rinnige, lange Blätter“, vom Kalk-Blaugras hingegen: „derbe, oberseits bläulich bereifte, unterseits grüne, lineale, breite Blätter“. Richtig ist es genau umgekehrt. Da der „Hansen/Stahl“ ein anerkanntes Werk ist, könnte darin die Ursache liegen, dass viele deutsche Staudengärtner das „Sesleria caerulea des Handels“ - also das echte Moor-Blaugras - als Kalk-Blaugras bezeichnen, verbunden mit der Standortempfehlung: "für trockene Standorte".

In einem weiteren, sonst sehr guten Buch, der „Enzyklopädie der Gräser“ von Rick Darke (Ulmer Verlag Stuttgart 2010) geht es durcheinander. Er nennt das Kalk-Blaugras „S. caerulea“ mit dem Synonym „S.albicans“ und gibt die richtigen Standortbedingungen an. Die Beschreibung aber, wie auch die Bilder, sind die vom Moor-Blaugras. Möglicherweise wird in den USA letzteres unter dem Namen des ersteren kultiviert. Das Moor-Blaugras wird in der Kopfgras-Auflistung bei Darke gar nicht erwähnt.
Dabei lassen sich die beiden Arten ganz leicht voneinander unterscheiden, wenn man weiß, worauf es ankommt.

Moor- und Kalk-Blaugras – eine nomenklatorisches Drama
Wenn ich bislang vermieden habe, den beiden deutschen Namen Moor- bzw. Kalk-Blaugras botanische Namen zuzuorden, dann weil da ein echtes Problem vorliegt. Linné gab dem Moor-Blaugras einen Namen. Allerdings nannte er es „Cynosurus coeruleus“. In Schweden, auch in der Gegend von Upsala, kommt es sehr häufig vor. Da in Schweden das Kalk-Blaugras nicht heimisch ist, hatte Linné bei der Benennung sicherlich das Moor-Blaugras vor Augen, bzw. in Händen. Vom Hören-und sagen kannte er das Kalk-Blaugras. Damals meinte man, dass es sich um Standortformen einer Art handelt u. warf die beiden in einen Topf. Heute zweifelt keiner mehr daran, dass es sich um zwei "gute" Arten handelt. Mehrere Experten haben sich schon daran versucht, die richtigen Namen der beiden Arten zu belegen. Aber das wurde von anderen Experten nicht anerkannt.

Unter Berücksichtigung aller gesichteten Literatur ist die Untersuchung von Bruno Foggi, Enio Nardi und Graziano Rossi so schlüssig, dass es wohl doch nötig ist, eine Umbenennung vorzunehmen. Die Drei kommen zum Schluss, dass das Moor-Blaugras botanisch S. uliginosa Opiz, das Kalk-Blaugras S. caerulea (L.) Ard. genannt werden muss. Das jedoch ist vom Standpunkt der Gärtner und Pflanzenverwender die reinste Katastrophe. Denn mit Sicherheit ändern nicht alle Staudengärtner bzw. Staudenproduzenten ihren Bestand an Moor-Blaugras um und nennen es "S.uliginosa". Das Kalk-Blaugras wird nur von wenigen Betrieben angeboten - leider. Denn es ist ein sehr wertvolles Gras für trockene Standorte, besonders südgeneigte Böschungen. Wenn dieses dann als "S. caerulea" in den Listen steht, ist das Chaos perfekt. Wer ungesehen "S. caerulea" bestellt, darf gespannt sein, ob er das Moor- oder Kalk-Blaugras erhält.
Besser wäre es - aus gärtnerischer Sicht - das Kalk-Blaugras weiterhin "S. albicans" zu nennen. Das Moor-Blaugras könnte durchaus in "S. uliginosa" umbenannt werden. "uliginosa" heißt Sumpf u. somit gibt der Name einen Hinweis auf die Standortansprüche. Wenn der Name "S. caerulea" nicht mehr auftauchen würde – was unwahrscheinlich ist, da sich so manche Staudengärtner wenig um die richtige Benennung der Pflanzen kümmern -, wäre es nur von Vorteil.

Moor- und Kalk-Blaugras in der Verwendung
Noch einmal zurück zu den Standortansprüchen der beiden Arten und einige Empfehlungen zu deren Verwendung.
Wie schon geschrieben, verträgt das Moor-Blaugras Trockenheit wie Nässe. Es hat eine große Standortamplitude. Wie die eingangs genannten Beschreibungen der natürlichen Standorte zeigen, liegt die Präferenz jedoch im eher feuchten Bereich. Als ich dies vor Jahrzehnten schon erkannt hatte, pflanzte ich meine Exemplare um. Vorher wuchsen sie im trockenen, sandigen Boden des Gartens. Dann kamen sie in ein ca. 1,5 m² großes "Kalk-Flachmoor". Mittels einer Teichfolie, die mit Lehm - durchsetzt mit Kalksplitt u. –schotter in den oberen Schichten – aufgefüllt wurde. Im Winter und bei langen Regenperioden stand das Wasser bis zu 15 cm über der Bodenoberfläche – und das manchmal für Wochen. Das machte dem Moor-Blaugras überhaupt nichts aus. Einige der Staudennachbarn aus dieser Gemeinschaft: Carex davalliana, Epipactis palustris, Primula farinosa.

Die Fähigkeit zeitweilig sogar „nasse Füsse“ zu ertragen, sollte jedoch nicht dazu verleiten, das Gras als Uferstaude für Teiche zu empfehlen. Uferstauden sind etwas anderes; sie gehören zu ganz anderen Pflanzengesellschaften. Das Moor-Blaugras findet dort seinen Platz, wo auf (frischen bis) feuchten (bis nassen) Böden eine Staudengemeinschaft etabliert werden soll. Dies wird weniger eine klassische Staudenrabatte sein, sondern eher eine naturhafte Feuchtwiese. Zu Berücksichtigen ist jedoch, dass ein Individuum im Laufe der Jahre von Zentrum radial nach außen wächst, so dass die Mitte immer mehr leer wird. Damit dadurch keine Lücken entstehen, ist es gut, wenn es in der Pflanzung versamende Arten gibt, die entstehende Lücken wieder füllen.

Alleine oder zusammen mit anderen niedrigen Süß- und Sauergräsern kann das Moor-Blaugras eine „Decke“ unter den mittelhohen bis hohen Stauden bilden. Als Nachbarn denkbar sind: Sibirische Wieseniris (Iris sibirica), Blutweiderich (Lythrum), Mädesüß (Filipendula palmata, F. purpurea), Wiesenknopf (Sanguisorba), Bach-Nelkenwurz (Geum rivulare), Primeln (Primula denticulata, P. japonica, P. florindae, u.a.), Trollblumen (Trollius), Bachdistel (Cirsium rivulare ’Atropurpureum’), Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre), Schlangen-Knöterich (Bistorta officinalis ’Superba’), Jakobsleiter (Polemonium caeruleum). Natürlich gibt es für solche Standorte auch Zwiebel- und Knollenpflanzen: Schachbrettblume (Fritillaria meleagris), Sommertürchen (Leucojum aestivum), Dichter-Narzissen (Narcissus poeticus), Zwerg-Osterglocken (Narcissus lobularis = N. pseudonarcissus), Präriekerzen (Camassia), Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale), Sumpf-Gladiole (Gladiolus palustris) und einige andere.

Bedauerlich, dass das echte Kalk-Blaugras bislang fast nicht kultiviert wird. Nur wenige Staudenbetriebe bieten es an. Dabei ist es eine sehr wertvolle Art. Durch den kriechenden, aber trotzdem horstigen Wuchs ist es in der Lage loses Gestein in Splitt- und Schottergröße zu stauen und zu binden. Es eignet sich zur Dachbegrünung. Überhaupt passt es gut zu Steinen (bis Felsengröße). In der alpinen Stufe bildet es zusammen mit der immergrünen Horst-Segge (Carex sempervirens) den Blaugras-Horstseggenrasen. Das sind die arten- und blütenreichen Bergwiesen auf kalkreichen Böden. Blaugras u. Segge bilden einen sehr dicht verfilzenden Wurzelkörper, der sich wie eine schützende Haut über das Erdreich legt und so vor Erosion schützt. Trotzdem kann dieser verfilzte Wurzelkörper von anderen Pflanzen durchwachsen werden, beispielsweise von der Schneeheide. Mit ihr findet sich das Blaugras auch in den Schneeheide-Kiefernwäldern auf kalkreichen Südhängen oder kalkreichen Auen-Kiesböden. Die Schneeheide ist wohl in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Vielleicht liegt das auch an der früher oft monotonen Verwendung der Schneeheide: Heidepflanze dicht an dicht (eventuell verschiedene Sorten, auch buntlaubige), dazwischen vielleicht einmal eine Zwerg-Kiefer, das eine oder andere Gras und mitunter den einen oder anderen Findling. Wie viel attraktiver könnte die Schneeheide kombiniert werden, wenn wir uns die Natur als Vorbild nehmen. Eine ganze Menge Stauden, die auch in Halbtrockenrasen vorkommen, vertragen sich mit der Heide und erweitern die Blütezeit der Fläche über das ganze Jahr.

„Halbtrockenrasen“ ist das nächste Stichwort. Alle gartentauglichen und Gärtnerei-verfügbaren Stauden aus diesem Lebensraum – ebenso wie Arten der echten Trockenrasen – sind Nachbarn für das Kalk-Blaugras. Solche Pflanzengemeinschaften könnten beispielsweise auf Dächern entstehen, wenn die Vegetationsschicht mehr als 30 cm beträgt. Hermann Müssel schrieb: „In Gärten und landschaftlichen Pflanzungen kommt das Wesen des Kalk-Blaugrases allein im sonnigen Bereich in Verbindung mit Stein und Schotter zur Geltung. Als Charakterpflanze steiler Kalksteinfluren passt es so recht in den Lebensbereich Felssteppe, womit durch Gestein und Schotter unterlagerte und durchsetzte Flächen zu verstehen sind, die durch eine darauf abgestimmte Bepflanzung naturhaft belebt werden.“

Nun hoffe ich, dass vor allem auch die Staudengärtner und Pflanzenproduzenten sich diesen Beitrag zu Herzen nehmen und die falschen Angaben in den Katalogen und Listen korrigieren, dass sie aber auch bereit sind, sich mit der richtigen Benennung auseinanderzusetzen.

Klaus Kaiser, Coburg ( www.gartenkaiser.de )

Quellen:
• https://de.wikipedia.org/wiki/Blaugr%C3%A4ser
http://www.kew.org/data/grasses-db/www/gen00578.htm
• Janchen, Erich: Der korrekte Name des Kalk-Blaugrases (Wien, 15. Jan. 1964), Download unter http://www.biologiezentrum.at
• Foggi/Nardi/Rossi: Nomenclatural notes and typification in Sesleria Scop. (Poaceae)
• Oberdorfer, Erich: Pflanzensoziologische Exkursionsflora, 7. Aufl. 1994, Ulmer-Verlag Stuttgart
• Adler/Oswald/Fischer: Exkursionsflora von Österreich, 1994, Ulmer-Verlag Stuttgart
• Müssel, Hermann: Sesleria-Arten für naturnahe Gartenbereiche, Gartenpraxis Heft 2/1994, S. 24
• Foerster, Karl: Einzug der Gräser und Farne in die Gärten, Verlag Neuman-Neudamm, Melsungen, 4. Aufl. 1978

Staude des Jahres 2015

Carex muskingumensis, die Palmwedelsegge

Carex muskingumensis, die Palmwedelsegge ist in die Gräser- und Staudenpflanzung an vielen Orten prägend eingebunden
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Der Bund der Staudengärtner hat die Gattung Carex zur Staude des Jahres 2015 gewählt. Es erschien mir recht ungewöhnlich, dass ein Sauergras Staude des Jahres wird, ist aber per definitionem korrekt.

"Staude" ist eigentlich ein gärtnerischer Begriff, wird auch von Botanikern in Bestimmungsbüchern verwendet, ist aber ohne taxonomische Bedeutung.
"Stauden sind ...mehrjährige ausdauernde krautige Pflanzen,... deren oberirdische Pflanzenteile krautig weich sind und in der Regel nach jeder Vegetationsperiode absterben. ... Das Spektrum der Stauden reicht von kleinen Sukkulenten (fleischig-saftige Stauden, die sich besonders der Trockenheit angepasst haben, allerdings üblicherweise nicht als Stauden bezeichnet werden) bis hin zu großen Prachtstauden. Neben den eigentlichen „Blütenstauden“ zählen auch die meisten winterharten Farne sowie viele Gräser, Zwiebel- oder Knollenpflanzen und Wasserpflanzen zu den Stauden." (Wikipedia)

In unserem "Wassergarten am Sündenborn" haben wir mittlerweile im und am Wasser, aber auch in den Staudenpflanzungen eine ganze Reihe Carex- Arten- und Sorten gepflanzt. Besonderen Wert bei der Auswahl haben wir auf pflegerische Anspruchslosigkeit und Farbigkeit gelegt, gleichgültig, ob die Pflanzen im normalen besonnten Gartenteilen, im Halbschatten von Gehölzen oder im Wasser oder Sumpfbereich der Teiche angesiedelt wurden.

Arten, mit intensiver Ausläuferbildung wie Carex riparia, Carex gracilis, aber auch andere Sauergräser, wie Cladium mariscus wurden von vorn herein ausgeschlossen. Einmal angesiedelt, sind solche recht invasiven Sauergräser nur mit viel Aufwand wieder zu entfernen.

Carex pendula

Carex pendula
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Seggen für den Staudengarten
Schon seit einigen Jahren pflegen wir Carex grayi, die Morgensternsegge in unserem Garten. Den Namen erhielt die Art wegen der an Morgensterne, eine mittelalterliche Kriegswaffe erinnernden Blüten und Fruchtstände. Sie ist eine Art, mit breiter ökologischer Amplitude. Die aus dem östlichen Nordamerika stammende Art wächst in nahezu jedem nicht zu trockenen Gartenboden und steht auch mit den Wurzeln im Wasser des Kiesfilters unseres Schwimmteiches. Hier gedeiht sie gemeinsam mit den im Anschluss behandelten Carex muskingumensis und Carex pendula.
Carex grayi lässt sich wegen ihrer Anpassungsfähigkeit in den verschiedensten Gartensituationen verwenden und wird, trotzdem sie sich hin und wieder versamt, nie lästig.

Carex grayi Foto

Carex grayi
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Eine der unglaublich flexiblen Seggen, die sowohl in der prärieartigen Pflanzung, als auch am Gehölzrand, erstaunlicherweise auch im Wurzeldruckbereich einer großen Birke, die bekanntlich sehr viel Wasser absaugt, ebenso im Flachwasserbereich des Kiesfilters des Schwimmteiches gedeiht, ist die Palmwedelsegge Carex muskingumensis. Sie stammt aus dem zentralen bis östlichen Nordamerika und ist eine der essentiellen Präriepflanzen. Der aufrechte bis leicht überhängende Wuchs und die wechselständig über die gesamten Halme angeordneten Blätter führten zum Namen der Pflanze. Bei Starkregen drückt es vor allem die zu schattig stehenden Pflanzen zu Boden, so dass es angezeigt ist, sie mit kräftigeren Stauden seitlich zu stützen. Ansonsten ist die Art sehr standfest. Hin und wieder tauchen bei etwas freiem Boden Sämlinge auf, die aber kaum lästig werden. Von der Palmwedelsegge sind einige Sorten im Handel.

Carex umbrosa

Carex umbrosa
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Während die zuvor genannten Arten und Sorten sich nur wenig versamen, ist die Hängesegge Carex pendula ausgesprochen fertil. Sie verstreut sich in ihrer Umgebung sehr freigiebig. Die Blätter der Art werden bei nährstoffreichem Boden und ausreichend Feuchtigkeit schon mal über einen Meter lang. Aus einem gut zwei Quadratmeter messenden, älteren Horst erheben sich die, unbestritten attraktiven, bis zwei Meter lang werdenden Blütenstände. Eine wahrlich imposante Erscheinung. Die Art ist wintergrün, dörrt aber bei uns regelmäßig in den austrocknenden, eisigen Ostwinden winters zusammen. Das geschieht leider auch bei andern wintergrünen Stauden. Solch vertrockneter Blattschopf regeneriert nur zögerlich und es ist besser, vom reichlich aufgelaufenen Nachwuchs Jungpflanzen nachzuziehen. Nicht verhehlen möchte ich, dass der Gärtner, der die Pflanze dauerhaft pflegen möchte, einer gewissen Leidensfähigkeit bedarf...

Carex buchananii

Carex buchananii
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Aus Neuseeland kommen ausgesprochen attraktive, farbige Seggen in unsere Gärten. Nicht alle sind gleichermaßen sicher winterhart und frieren in besonders kalten Wintern aus. Wir lassen uns davon aber nicht weiter beeindrucken und ersetzen die wenigen Verluste umgehend wieder.
Schon seit einigen Jahren pflegen wir die Fuchsrote Segge Carex buchananii im Garten. Sie wird so um 60 Zentimeter hoch und besitzt eigentümlich spiralig gedrehte Spitzen der Halme. Basal fuchsrot austreibend wirken die Blattspitzen oft etwas ausgeblichen. Der elegante Aufbau der Pflanze und die kräftig leuchtende Farbe machen die "immergrüne" Art zu einem besonderen Kontrast in der Staudenpflanzung. Besonders gut wächst Carex buchananii in feucht griffigem Gartenboden, kann aber auch kurzzeitig Trockenphasen ertragen. Die meist niederliegenden Blütenstände der Fuchsroten Segge sind unauffällig und werden bis zu 80 Zentimeter lang. Die Art wird nicht zurückgeschitten. Im Frühjahr rauft man die abgeblühten Blütenstände aus dem Horst aus. Wir pflanzen fast alle Gräser in dekorativen Gruppen mit bis zu 10 Einzelpflanzen, wobei gerade Carex buchananii, rhythmisch als Einzelpflanze in grünlaubige Matrixpflanzungen eingestreut, eine besondere Wirkung entfaltet.

Carex comans 'Bronze Form'

Carex comans 'Bronze Form'
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Eine weitere farbige Segge mit feiner Belaubung ist Carex comans. Wir pflegen seit vielen Jahren die Sorte 'Bronze Form', auch als 'Bronze' im Handel. Die sehr schmalen, bronzefarbenen Blätter hängen weit bogig perückenartig über. Ebenso wie die vorgenannte Art bevorzugt sie frischen Gartenboden und ist ausgesprochen pflegeleicht. In größeren Gruppen mit mehr als fünf Exemplaren kommt diese Pflanze besonders zur Geltung. Beide versähen sich reichlich und ich bin mir nicht sicher, ob es, werden mehrere Arten der Neuseeland- Seggen auf engem Raum kultiviert, zu Hybridisierungen kommt. Nachwuchs der braunen Seggen entsteht reichlich und ich pflanze immer reichlich Sämlinge auf, um ausreichend Jungpflanzen vorrätig zu haben, weil diese schönen Sauergräser nicht sehr langlebig sind. Beide Arten sind aber nur sicher winterhart bis Winterhärtezone 7 (-17,8°C bis -12,3°C). Bei "Ostwetterlagen" sinken bei uns die Wintertemperaturen oft auch darunter. Wenige Zentimeter große Jungpflanzen haben jedoch erstaunlicherweise jeden Winter überstanden.

Carex testacea 'Pairie Fire'

Carex testacea 'Pairie Fire'
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Carex testacea, eine weitere bräunlich bis bronzefarbene Art aus Neuseeland verträgt dagegen etwas tiefere Temperaturen (WHZ 6). So ganz kann man sich darauf aber nicht verlassen, denn sie ist mir bereits in milderen Wintern ausgefallen. Da waren es wahrscheinlich die Nässe und ständig wechselnden Witterungsbedingungen. Eine besonders schöne Auslese ist die Sorte 'Prairie Fire'. Trockenheitsverträglich ist die obendrein. Zwei oder drei starke Sämlinge habe ich zum Herbst hin gefunden und werde mir eine größere Gruppe daraus aufbauen.

Carex siderosticta 'Banana Boat'

Carex siderosticta ' Banana Boat '
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Eigentlich bin ich kein Freund der panaschierten Pflanzen, da sie irgendwie nicht zu mir und in unseren Garten passen. Eine Ausnahme gestatte ich mir allerdings (u.a.) und das ist Carex siderosticta 'Banana Boat'. Leuchtend gelb mit auffällig grünem Rand gefiel sie mir sofort, als ich sie auf englischen Internetseiten gesehen hatte. Drei Jahre hab ich gebraucht, ehe ich sie bei der Gräserspezialistin Lianne Pot in De Wilp in den Niederlanden endlich bekommen habe.
Carex siderosticta 'Banana Boat' soll sicher in der Winterhärtezone 6 überdauern (-23,4°C bis -17,8°C). Halbschatten und ein immer etwas griffig feuchter Gartenboden reichen aus. Wenn sie doch mal ein wenig mehr Kälte abbekommt, sollen die erfrorenen, eigentlich wintergrünen Blätter willig wieder durchtreiben.

Carex montana

Carex montana
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Bleiben von den unendlich vielen gartenwürdigen Seggen noch drei niedrig bleibende, teils für Steinbeete, Felssteppen, aber auch Trockenmauern sowie schattenverträgliche Carex Arten, mit denen ich Erfahrung sammeln konnte.

Carex montana, die Bergsegge, ist eine sich schwach ausbreitende, polsterartig bis horstig wachsende Segge, die etwa 20 bis 25 Zentimeter hohe Halme treibt. Die Blütenstände, die je nach Witterung, ab März erscheinen, sind auffällig dunkel gefärbt. Die Art ist nahezu unverwüstlich. Hauptsache, sie steht sonnig auf etwas durchlässigem Boden. Unverzichtbar im Steinbeet, auch der Felssteppe hält die Art jahrzehntelang aus und bildet währenddessen wunderbar sattgrüne Polster aus.

Anders Carex plantaginea und Carex umbrosa. Beide Arten sind wintergrün und bei uns absolut winterhart (WHZ 4-5). Unverzichtbar in schattigen bis halbschattigen Lagen wachsen beide zuverlässig auch im Wurzeldruck von Gehölzen. Sollte längere Zeit Barfrost drohen, dann reichen ein paar Fichtenzweige zur Abdeckung.

Carex pseudocyperus

Seggen für Feuchtbiotope
Von den Seggen, die am und im Teich Verwendung finden können, will ich beispielgebend nur zwei Arten nennen, auf die ich keinesfalls mehr verzichten möchte.
Die Schein Zyperngras Segge, Carex pseudocyperus fühlt sich bei uns im Flachwasser des Uferbereichs am wohlsten. Sie wird so gegen 80 Zentimeter hoch und wächst willig, sowohl in voller Sonne als auch im Halbschatten. Sie ist in der Natur Bestandteil von Großseggenrieden und Röhrichtgesellschaften und fällt dort durch ihre grazil überhängenden walzlichen, weiblichen Blütenständen auf. Diese Infloreszenzen schmücken die Art bis in den Herbst. Eine unverzichtbare Art für den naturnahen Teich.

Carex elata 'Aurea'

Carex elata 'Aurea'
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Der englische Gärtner E.A. Bowles führte einen farbintensiven Findling der Steifsegge Carex elata in die gärtnerische Kultur ein und so wurde die Sorte lange Zeit und oftmals heute noch, ihm zu Ehren, als Carex elata 'Bowles Golden' gehandelt. Weithin leuchtend goldfarben treibt die Sorte aus und jedes Blatt ist zart hellrün gerandet. Der goldgelbe Gesamteindruck bleibt übers Jahr erhalten und nur im Schatten vergrünt die Sorte etwas. An zusagenden, etwas feuchteren bis nassen Standorten gedeiht die Schlanksegge hervorragend. Soll der farbige Eindruck noch verstärkt wirken, ist eine flächige Aufpflanzung von wenigstens fünf Einzelpflanzen vorteilhaft. Im Gegensatz zu manch anderen Seggen der heimischen Feuchtgebiete verbreitet sich Carex elata 'Aurea' nur sehr schwach, so dass jedes Jahr etwas größere Horste entstehen, sich aber kaum Ausläufer breit machen.

Carex elata 'Aurea'

Carex elata 'Aurea'
Foto © 2015 Claus-Peter Gering

Die heimische Carex elata ist eine Art der Verlandungszonen stehender Gewässer, kommt aber auch in langsam fließenden Bächen vor. Sie trägt, ihres mächtigen Wurzelstockes wegen, zur Verlandung der Gewässer bei und kann schon mal um die 120 cm Höhe erreichen. Die Blütezeit reicht von April bis Mai.
Wir haben Carex elata 'Aurea' seit langem und sind nach wie vor von ihr begeistert.

Text und Fotos Claus Gering

Erfahrungsbericht zu Pennisetum

„Gräser pflanzt man – und dann bewundert man sie.“

Dieser Aussage, gelesen auf dem Cover des Buches „Filigrane Leichtigkeit“, Perdereau/Willery, kann ich nur bedingt folgen. Zumindest nicht so, wie von den Autoren suggeriert. Ich denke hierbei in erster Linie an meine Erfahrungen mit Pennisetum alopecuroides, über die ich nun berichten will. Vor etlichen Jahren wechselte ein ansehnliches Teilstück des dort herrlich blühenden Grases in meinen Garten. Es handelte sich wahrscheinlich um die hervorragende Sorte ‚Hameln‘, und es zog quasi um vom Rande der Münchner Schotterebene mit seinen nahrhaften lehmigen Böden ins sächsische Mittelgebirge und entwickelte mit der Zeit einen prächtigen Blatthorst – ein Gras eben. Nur Blütenähren wollten sich nicht zeigen; manchmal – und das war das höchste der Gefühle – zeigte sich ein mickriger Blütenansatz in der Blattspreite. Das war‘s. Zu allem Unglück hatte sich auch noch ein Deschampsia-caespitosa-Sämling mittig im Pennisetum-Horst breitgemacht und zeigte unbeeindruckt auch dort seine filigranen Blütenstände. War immerhin kurios: Pennisetum mit Deschampsia-Blüte. Der Laie mag das wohl gar nicht recht unterscheiden, ist der Habitus beider Gattungen mit seinen gleichmäßig verteilten Laubblättern doch etwas ähnlich. Ich jedoch beschloss, diesem Treiben ein Ende zu bereiten und den Lampenputzer wegen Blühfaulheit in meiner Region dem Kompost zu überantworten. Ich war der Meinung, das Gras – immerhin ein C4-Gewächs – brauche einfach über einen längeren Zeitraum mehr Wärme, was ich ihm wohl nicht bieten konnte. Ich gärtnere immerhin auf knapp 650 m Höhe in schneereicher Region mit langen Wintern und kühlen Temperaturen, die sich oftmals bis in den Frühsommer hinein halten. Einschlägiger Liste nach Winterhärtezone 6b. Der Boden ist eher sandig-humos, sehr leicht und  wasserdurchlässig und in geringer Auflage vorhanden. Der Untergrund wird schnell steinig (Granit) und reagiert neutral bis leicht sauer.

Andererseits wollte ich aber auch nicht so schnell aufgeben, und Pflanzen entwickeln sich oftmals nicht nach Lehrbuchmeinung. Ihre Anpassungsfähigkeit ist durchaus nicht zu unterschätzen. Ich beschloss also, noch einen Versuch zu wagen. Angeregt durch einen Beitrag von Prof. Cassian Schmidt zum Thema Pennisetum während eines Gräserseminars erwarb ich zunächst noch mehrere Exemplare von ‚Cassian‘. Es wurde beschrieben mit früherer Blüte und etwas dunkleren Blütenwalzen gegenüber ‚Hameln‘. Darüber hinaus ist die Geschichte der Entdeckung dieses Grases hochinteressant, zumal wenn sie auch noch vom Entdecker höchstselbst dargebracht wird. Die Beschreibung gipfelte in der genüsslichen Bemerkung, dass er nun für lange Zeit im Battery-Park New York sitze mit Blick auf „Miss Liberty“. Aber Spaß beiseite. Selbstverständlich gab es auch umfangreiche Informationen zum Wachstumsrhythmus der Gräser, insbesondere zu den Warm-Season-Gräsern (C4-Gräser). Und diese treiben bekanntermaßen sehr spät aus, sind in der intensiven Wachstumsphase äußerst wärmebedürftig und vertragen keine Sommertrockenheit, da dann keine Wurzelbildung mehr erfolgt. Für Düngung in der Hauptwachstumszeit sind sie besonders empfänglich. Das also konnte meinen Misserfolg erklären, zumal das ‚Hameln‘-Teilstück aus nahrhafter, lehmiger Erde des Voralpenlandes stammte.  Ich bin in der Regel ein ausgemachter Gegner von ständiger Zusatzbewässerung! Außer in der Anwachsphase erhalten meine Pflanzen keinerlei Bewässerung während der Sommermonate, auch wenn sie mitunter etwas erbarmungswürdig daherkommen.

Ich tat also trotzdem, wie mir geheißen, düngte und wässerte meine Lampenputzer sorgsam. Auch die blühfaule ‚Hameln‘ wurde geteilt, frisch aufgepflanzt (im späten Frühjahr bei ausreichend Bodenerwärmung) und gut versorgt. Und siehe da: Wie aus dem Lehrbuch setzten zunächst die ‚Cassian‘-Exemplare Blüten an, und zwar bereits Ende Juli und mit aparten dunklen Blütenwalzen. Und drei Wochen später schoben auch ‚Hameln‘ wunderbare Blüten, dessen Grannen heller, fast durchscheinend, und im Gegenlicht herrlich leuchtend  waren. Nur ein Exemplar versagte mir nach wie vor Blüten. Es stand im Topf im Eingangsbereich und bekam frühestens Nachmittagssonne. Ansonsten erfuhr es die gleiche Behandlung.

Fazit: Pennisetum alopecuroides brauchen bei den vorhandenen Bedingungen, wie sie oben beschrieben wurden, in der intensiven Hauptwachstumsphase ausreichend Bewässerung und Dünger, wollen vollsonnig und nicht bedrängt stehen. Eigentlich ziemlich einfach, wenn man es denn verinnerlicht hat und bereit ist, diese Mühe auf sich zu nehmen.

Das alles geschah 2016. Um jedoch gesicherte Erkenntnisse zu erlangen, sollte noch ein Jahr beobachtet werden. Voller Ungeduld betrachte ich meine Pennisetum-Horste. Ende Juli 2017 ging vorüber, ohne dass sich Blütenansätze bei den Cassian-Exemplaren zeigten. Leichte Zweifel stellten sich ein und dann aber – Entwarnung! P. alopecuroides ‚Cassian‘ schob erste Blütenansätze in der letzten Augustdekade und steht nun am 1. September in voller Blüte. Diese Zeitverzögerung ist sicherlich damit zu erklären, dass heuer ein ausgesprochen kühles Frühjahr zu verzeichnen war mit Spätfrostperioden und anderen Gemeinheiten. So hoffe ich nun auch noch auf das Blühereignis von P. ‚Hameln‘, das im vergangenen Jahr mit dreiwöchiger Zeitverzögerung daherkam. In diesem Jahr verzeichne ich also Blüten bei ‚Hameln‘ etwa gegen Ende September. Besonders die Sorte Hameln sollte man pflanztechnisch so in Szene setzen, dass man die wunderbaren hellen Blütenwalzen im Gegenlicht betrachten kann,

Alles in Allem betrachtet, spielt wohl neben der besonderen Behandlung wie oben beschrieben, doch auch der durch uns nicht beeinflussbareTemperaturverlauf eines Jahres eine größere Rolle. Man sollte also insbesondere in rauen Gegenden mit niedrigeren Jahresmitteltemperaturen auf die früher blühenden Sorten einer Art zurückgreifen, da man sonst tatsächlich riskiert, dass spätere Sorten nicht mehr zur Blüte gelangen.

Wagner/Oktober 2017