Startseite | Mitglieder-Forum | Impressum
über den Verein   Fachgruppen   Publikationen   über Stauden   Aktuelles   Kontakt   
Veranstaltungen   Regionalgruppen   Samentausch   Projekte   Offene Gärten   Links   
Regionalgruppe München / Südbayern
Reiseberichte
Eine Reise nach Graz
Frühling am Lago Maggiore
Eine Gruppenreise in den "Hohen Norden"
Frühling auf Sizilien
Potsdam + Berlin
Eine Busrundreise durch Schottland
Narzissenblüte in den Vogesen
Zeeland
Südengland 2007
Südengland 2007
Chelsea Flower Show
Special Review 1
Südengland 2007
Chelsea Flower Show
Special Review 2
Veranstaltungen
Frühling auf Sizilien
 

 
  
Gruppenreise der RG München / Südbayern vom 4.4. – 13.4.2003

Text: Robert Schombacher

Bilder: Brigitte Peglow, Heribert Frisch

Am Freitag den 4. April trafen wir uns auf dem Flughafen in München. "Wir", das waren 25 Pflanzenfreunde aus der Regionalgruppe München/Südbayern. Wir bestiegen "unseren" Airbus nach Neapel und erreichten bereits am frühen Nachmittag Pompeji, unsere erste Station auf dem Weg nach Sizilien, wo uns auch gleich ein paar Südfrüchte in Empfang nahmen.


 
  
Pompeji ist eine beeindruckende Ausgrabungsstätte, die aber mangels Pflege zusehends verfällt. Die meisten der Seitenstraßen waren gesperrt, doch der noch allen zugängliche Rundweg ließ uns erahnen, mit welchem Glanz Pompeji in der Antike aufwarten konnte.


 
  
Um diese Jahreszeit kann man Pompeji noch ziemlich unbehelligt von Menschenmassen besichtigen, einzig vor dem ehemaligen Bordell drängen sich die Massen. Es gab für die ca. 20.000 Einwohner (davon ca. 5.000 Sklaven) zwei Theater (Schauspiel), ein Amphitheater (Gladiatorenkämpfe), mehrere Tempel, Regierungsgebäude, Forum, Bibliothek, Thermen (Bäder), städtischer Markt und Sportanlagen. Da der einfache Römer keine Küche hatte, finden wir in Pompeji nebst 20 vornehmen Gaststätten sage und schreibe 120 Kneipen, das waren die antiken Vorläufer der heutigen McDonalds, offene Garküchen entlang der Straßen. Der Historiker Tacitus berichtet, daß es im Jahre 59 n. Chr. im Amphitheater (20.000 Zuschauer!) während eines Gladiatorenkampfes zu heftigen Krawallen gekommen sein soll, weil die Fans und Hooligans der Nachbarsiedlung Nuceria den pompejianischen "Schlachtenbummlern" in die Quere gerieten. Daraufhin verbot Kaiser Nero für 10 Jahre jegliche Spiele in Pompeji.

79 n.Chr. brach dann bekanntlich der Vesuv aus und begrub Pompeji unter einer ca. sieben Meter hohen Schicht von Lava und Asche. Dieses schreckliche Unglück, das das damalige Pompeji vernichtete, hat es paradoxerweise für die Nachwelt "am Leben erhalten".

Dann ging es in unser Hotel oberhalb von Sorrent, von dem wir einen fantastischen Blick über den Golf von Neapel genießen konnten.

Am nächsten Tag fuhren wir Richtung Reggio Calabria und setzten in kurzer Zeit mit der Fähre über nach Messina. Im Hotel in Taormina stärkten wir uns noch am Buffet, damit wir am nächsten Tag auch den Aufstieg auf den Ätna schaffen werden. Das ging dann auch ganz problemlos ( der Bus brauchte nur 45 Minuten ), doch oben wurden wir von dichtem Nebel umhüllt. Botanisch war der Ätna zu dieser Zeit noch nicht so spannend, da hier oben noch ca. 20 cm Schnee lagen. Nach einer interessanten Abfahrt durch die verschiedenen Lavaströme vergangener Ausbrüche ging es nach Taormina. Wir schlenderten durch die engen Gassen, erfreuten uns an den früchtetragenden Orangen- und Zitronenbäumen, staunten über Agaven, die hier eine ungekannte Größe erreichten und kauften das berühmte Marzipanobst.

Selbstverständlich besuchten wir in Taormina auch das Amphitheater; leider blieb uns von hier der auf allen Postkarten abgebildete Blick auf den Ätna durch einen Wolkenhaufen, der sich hartnäckig am Gipfel hielt, verwehrt. Wir spazierten durch den Park der Villa Communale, in dem eine Engländerin pittoreske Bauten errichten ließ, die von einer Vielzahl fremdländischer Pflanzen umgeben sind.


 
  
Besonders im Herbst ist der Besuch lohnend, da zu dieser Zeit die in großer Zahl ausgepflanzten Bougainvillea und Hibiscus in voller Blüte stehen. Dafür erfreuten uns jetzt einige Vigandia mit wunderschönen blauen Blütenrispen. Dann ging es zurück ins Hotel und zum Buffet, dazu die sehr empfehlenswerten sizilianischen Weine, die bei uns leider nur schwer zu bekommen sind.

Am folgenden Tag stand Syrakus auf dem Programm. Wir kämpften uns durch die Innenstadt von Syrakus, in der – wie in allen Städten Siziliens - Verkehrsschilder "nur eine bunte Verzierung des Straßenrandes" darstellen ( Zitat von unserem Führer). Wir begannen mit der Insel Ortigia, wo wir die von barocken Bauten gesäumten Straßen durchwanderten. Wir bewunderten die berühmte barocke Fassade von S. Maria delle Colonne, die im 5.Jhdt. v.Chr. als Tempel der Athena errichtet worden ist. Er schaffte es, fast unverändert in die Neuzeit kommen, weil aus ihm im 6. Jhdt. n.Chr. eine christliche Kirche gemacht worden ist: Man hat einfach die Zwischenräume zwischen den Säulen zugemauert. Auch die Quelle der Aretusa haben wir besucht, eine Süßwasserquelle mitten im Meer. Bemerkenswert ist der inmitten der Quelle wachsende Papyrus, der in Europa überaus selten ist. Erstaunlich auch, daß inmitten des Quellbeckens ein Palme steht, die auch noch glänzend damit zurechtkommt, daß der komplette Wurzelballen im Wasser steht. Machen Sie das mal mit Ihrer Palme zuhause ! Bemerkenswert ist auch der Parkplatzwächter des öffentlichen Parkplatzes auf Ortigia. Selbst für sizilianische Verhältnisse etwas klein geraten, jedoch mit einer lauten, ständig trillernden Pfeife "bewaffnet", dirigierte er den Zufluß auf "seinen" Parkplatz. Auch wenn offiziell keine Parkgebühr erhoben wird, sollte man seinem Begehr nach einer angemessenen Schutzgebühr nachkommen, da, wie er andeutete, dummerweise die Autos hier doch ziemlich oft verkratzt werden.

Nachdem wir uns auf dem örtlichen Markt mit einigen schmackhaften Erzeugnissen der hiesigen Landwirtschaft versorgt hatten, ging es wieder auf das Festland, wo wir die Ausgrabungen rund um das griechische Theater besuchten. Wir bestaunten das größte Theater der griechischen Welt mit 138 m Durchmesser und 15.000 Sitzplätzen, in dem immer noch im 2-Jahresrhythmus griechische Tragödien von Aischylos, Sophokles oder Euripides aufgeführt werden. Wir bestaunten den riesigen Opferaltar von Hieron II., auf dem 450 Stiere gleichzeitig geopfert werden konnten und besuchten die Latomia del Paradiso. Natürlich mußten auch wir die Akustik im Ohr des Dionysos testen, einer riesigen, nach oben spitz zulaufenden Höhle, die durch den Abbau des Baumateriales für Tempel und Theater entstanden ist.


 
  
Es geht die Legende, daß hier Dionysos seine politischen Gefangenen eingesperrt habe, damit er sie aufgrund der hervorragenden Akustik problemlos belauschen konnte.

Wußten Sie eigentlich, daß schon die Griechen Jeans kannten ? Ein gut erhaltenes Exemplar fanden wir in einem der Sarkophage beim Anfiteatro!


 
  
Dann ging es weiter in unser Hotel in Agrigent.

Eine Übernachtung in Agrigent oder den umliegenden Orten sollte man nach Möglichkeit vermeiden. Obwohl wir in der Kategorie 3+ bzw. 4-Sterne reisten, bekommt man in den dortigen Hotels doch sehr deutlich zu spüren, daß man hier nur ein "Durchlaufposten" ist und man es deshalb nicht der Mühe wert findet, etwas freundlicher zu sein, ein gutes Essen zu servieren oder in die Möblierung der Zimmer zu investieren.

Am nächsten Tag besuchten wir das "Valle dei Templi". Obwohl es "Valle", also Tal, heißt, liegen die Tempel allesamt auf einer langgestreckten Anhöhe, von der man einen fantastischen Blick auf Agrigent selbst und auf der anderen Seite auf das Meer hat. Gerade wegen des weiten Blickes in die umgebende Landschaft, waren die Tempel hier noch beeindruckender. Man konnte es sich richtig vorstellen, wie prächtig und gewaltig dies im Altertum ausgesehen haben muß. Die Tempel und insbesondere der Concordia-Tempel sind noch relativ gut erhalten. Bei einem Besuch dieser Tempel sollte man beim Juno -Tempel beginnen und dann die Via Sacra zum Concordia-Tempel hinunterlaufen. Auf diese Weise hat man stets einen wunderbaren Blick auf diesen Tempel und die umgebende Landschaft.


 
  
Wer sich dann noch entschließt, den westlichen Teil der Ausgrabungen zu besuchen, wird mit dem Blick auf ein kleines Paradies belohnt. Hier leuchten die Blumen in kräftigen Farben und die herrliche Landschaft bildet einen traumhaften Rahmen dazu. Leider halten es die dortigen "Gärtner" für Ihre Pflicht, dem freien Blick auf den Boden und eventueller dort verborgener antiker Steine den Vorrang gegenüber der Schönheit der Natur zu geben und mähen die Blütenpracht gnadenlos nieder. 2 Tage später und das Paradies welkte blütenlos dem Sommer entgegen!


 
  
Nun verließen wir Agrigent und fuhren weiter nach Eraclea Minoa. Diese Ausgrabungsstätte ist eher etwas für fantasiebegabte Archäologen, zumal das einzige deutlich erkennbare Bauwerk, nämlich das Amphitheater, zur Zeit restauriert wird und deshalb unter einer riesigen Plastikplane verborgen liegt. Viel sehenswerter ist die Steilküste und die umgebende Natur. Hier fällt der weiße Kalkstein 100 m fast senkrecht ins blaue Meer.


 
  
Achtung: der in vielen Reiseführern erwähnte Wanderweg zur Mündung der Ciane, ist vom Parkplatz vor den Ausgrabungen nicht mehr erreichbar, der Weg endet in einem Acker.

Ein wunderschöner Sandstrand ist nur 30 Minuten Fußmarsch entfernt und auf den weißen Kalkhügeln warteten einige Pflanzen-Highlights auf ihre Entdeckung.


 
  
In leuchtendem Rot präsentierten sich die Blüten von Gladiolus italicus und auch der schöne rosarote Blütenschopf von Orchis italica wurde von uns nicht übersehen.


 
  
Beim Bus gab es dann ein kleines, liebevoll aufgebautes italienisches Buffet mit verschiedenen Wurst- und Käsesorten, Oliven und Rotwein, das von unserem Busunternehmen gespendet worden ist. An dieser Stelle möchte ich die sehr gute Zusammenarbeit mit unserem Busunternehmen Efinger in Aichach lobend hervorheben und vor allem unseren Fahrer Michael, der uns sicher und nervenschonend durch die verwirrtesten sizilianischen Verkehrsverhältnisse chauffierte! Da die Sonne ihr Möglichstes gab, brachen wir nur schweren Herzens wieder auf und fuhren zu unserem nächsten Ziel, nach Selinunt. Wir wohnten hier im Hotel Paradise Beach, weit und breit nur von Natur umgeben und direkt an einem herrlichen Sandstrand gelegen, der zum Teil geschützt ist, da es sich hier um eines der letzten intakten Dünengebiete Siziliens handelt. Für die größte Attraktion der Dünen, die Strandlilie ( Pankratium maritimum ) , die hier zu Hunderten vorkommt, waren wir noch etwas zu früh, so ca. 4-5 Monate. Dafür besichtigten wir ein weiteres Naturschutzgebiet, die Gorghi Tondi, die vor allem in "Reptilienkreisen" wegen der nur hier vorkommenden Sumpfschildkröte bekannt sind. Am nächsten Tag war es nicht mehr ganz so sonnig, es blies bereits am Morgen ein heftiger Scirocco, der uns etwas kühl und wasserhaltig die andere Seite des Frühlings auf Sizilien zeigte. Da wir aber auch für solche Fälle gerüstet waren, besichtigten wir unverzagt die sturmumtosten Reste der Akropolis von Selinunt ( Kein Wunder, daß bei diesem Wind kein Stein mehr auf dem anderen lag!!! ). Anschließend ging es dann hinüber zu dem noch relativ gut erhaltenen Hera-Tempel.


 
  
Hier ging dem Scirocco zwar das Wasser aus, aber die Botanik war immer noch sehr unruhig. Doch man kann sich eine Ophrys speculum auf einem so ungewöhnlichen Platz nicht entgehen lassen.


 
  
Ich finde es hochinteressant, daß sich auf einer Säulentrommel mit einem Durchmesser von ca. 1,5 m und einer Höhe von ca. 1,80m Ophrys speculum angesiedelt hat. Sie standen auf der Oberseite, die der Witterung völlig preisgegeben ist, in einer kleinen Vertiefung. Im Sommer brennt die Sonne hier voll drauf, und Wasser gibts ab Mai sowieso nicht mehr.

Nach der Stärkung in einer naheliegenden Bar fuhren wir weiter zu den Cave di Cusa. Das ist ein alter Steinbruch, in dem die Säulen für die Tempel in Selinunt aus dem Felsen geschlagen worden sind. Es ist schon beeindruckend, wenn man die Maße der Säulenstücke so unmittelbar im Steinbruch sieht; es wird einem hier erst so richtig bewußt, was für ein Abenteuer die Erzeugung und der Transport dieser riesigen Säulentrommeln gewesen sein muß. Man sieht einige zerbrochene Exemplare, die anscheinend schon zu Beginn des Transportes auseinander gebrochen sind. Sehr gut zu erkennen ist auch, wie die Säulentrommeln stehend aus dem Felsen geschlagen worden sind, da hier verschiedene Stadien der Entstehung noch erhalten sind. Entgegen den Erklärungen der gängigen Reiseführer, daß der Grund für die verschiedenen Bearbeitungsgrade ein Überfall von Phöniziern gewesen sein soll und der Steinbruch anschließend nicht mehr bewirtschaftet worden ist, gehen neueste Forschungen davon aus, daß aufgrund der hohen Zahl von Schäden beim Transport ( und wohl auch beim Aufstellen der Säulen ) vorsichtshalber bis zur Fertigstellung des Tempels die Säulen weiter produziert worden sind.


 
  
Botanisch sind die Cave di Cusa bekannt für ihren Orchideenreichtum; leider waren die vorhergegangenen Wochen nicht optimal, so daß wir nur Ophrys lutea blühend vorfanden. Sollte hierüber der eine oder andere etwas gefrustet gewesen sein, so konnte er dies bei der Besichtigung der Kellerei Pellegrino in Marsala mit einem guten Tropfen hinunterspülen. Da die Witterung uns mit nur leicht bewölktem Himmel ermutigte, noch das Dörfchen Erice zu besuchen, kämpften wir uns durch sämtliche Umleitungen hinauf bis zum Gipfel, auf dem Erice thront. Erice ist noch sehr ursprünglich und mit den engen Gassen, der normannischen Kirche, dem aufwendigen Pflaster und mit der sensationellen Sicht absolut sehenswert. Irgendwie hatten wir es aber mit dem Wettergott verscherzt, sandte er uns doch zeitgenau eine Nebelwand von Trapani herauf, so daß wir zumindest auf der windzugewandten Seite eine eher geringe Fernsicht genießen konnten. Das störte uns aber nicht besonders, hatten wir doch einen Tag mit vielen schönen Eindrücken erlebt.

Als wir uns dann am Abend im Foyer zum Abendessen trafen, wurde uns mitgeteilt, daß dieses nicht im Hotel, sondern in einem Restaurant stattfindet, nur "due kilometri" entfernt. Einige spielten mit dem Gedanken, die 2 Kilometer zu Fuß zu gehen, die Busfraktion setzte sich aber durch. Gott sei Dank, denn die "due kilometri" entpuppten sich als 4,3 kilometri ! Aber wir wollen nicht ungerecht sein, das Essen hier war sehr gut; nicht unerwähnt bleiben sollen hier die Makkaroni mit Bärlauch, etwas ungewöhnlich, aber äußerst schmackhaft.

Am nächsten Tag fuhren wir Richtung Mozia, bewunderten die Salinen, in denen nach uralter Methode das Meersalz gewonnen wird ( hierzulande als "Vollwertsalz" bei Rapunzel zu bekommen ) und setzten mit dem Boot zu der Insel Mozia über. Die Insel Mozia war von den Phöniziern besiedelt; beeindruckendstes Zeugnis ihrer Kunst ist ein gut erhaltener, lebensgroßer Jüngling aus weißem Marmor, dessen wohlgeformte Proportionen besonders bei den weiblichen Museumsbesuchern ein seltsames Leuchten in den Augen hervorriefen. Interessant waren auch die verschiedenen Ausstellungsstücke, vor allem die miniaturisierten Gegenstände des täglichen Lebens, die als Grabbeigaben dienten. Anschließend ging es nach Segesta. Der dortige Tempel steht völlig frei in der Landschaft und ist im Frühling von sattem Grün umgeben. Noch interessanter war jedoch der Weg hinauf zum Teatro. Die Landschaft war ein Traum in orange, lila und gelb vor dunkelblauem Himmel. Es mischten sich Chrysanthemum, Calendula und Echium zu einer Farborgie, die wir in dieser Verschwendung nirgendwo mehr fanden.


 
  
Hier lohnt es sich wirklich, den Aufstieg zum Teatro (und auch den Abstieg) trotz der Wärme zu wagen. Wer mit offenen Augen geht, wird auch die kleineren Schönheiten wie Ophrys speculum oder O. lutea nicht übersehen. Schön anzusehen waren auch die überall vorkommenden Eidechsen, mal eher bräunlich-grün, mal leuchtend wie längliche Edelsteine.

An dieser Stelle möchte ich unserem Reiseleiter Michael herzlichst danken, der stets versuchte, uns das Altertum durch kleine Geschichten und Anekdoten möglichst unterhaltsam und spannend nahe zu bringen. Ohne ihn hätten wir nicht so viel über das Leben und Treiben der Römer und Sizilianer und auch über deren doch recht umtriebige Götter erfahren.

Am nächsten Tag stand eine größere Wanderung an. Wir fuhren in das Naturschutzgebiet Lo Zingaro, in dem wir ein paar Stunden wandern wollten. Die Sonne gab wieder ihr Bestes und wir nahmen den Weg, der direkt an der Küste entlang führt. Nach einiger Zeit kam eine Abzweigung zum Meer hinunter, wo eine traumhafte kleine Badebucht mit frischem Meerwasser lockte.


 
  
Einige botanisch nicht so gefestigte Teilnehmer konnten dem nicht widerstehen und so war es dann nur noch ein kleines Grüppchen "hartgesottener" Botanikfreunde, die den Weg so weit wie möglich erkundeten. Sie wurden dafür auch reich mit Blüten belohnt, es begann mit Asphodelus microcarpus, Verbascum creticum, Muscari commutatum, Lithodora rosmarinifolium, Cerinthe major bis hin zu Ophrys lutea, für die wir anscheinend gerade zur richtigen Zeit auf Sizilien waren. Die Zeit war natürlich viel zu kurz; wer den Zingaro auf dem kürzesten der Rundwanderwege einigermaßen erkunden will, sollte schon einen ganzen Tag einplanen.

Wie bereits erwähnt, trafen sich trotz der noch etwas frischen Wassertemperatur die erholungsbedürftigeren Teilnehmer der Reise am meeresumspülten Ufer einer kleinen romantischen Bucht, mit wunderbar klarem Wasser. Und einer zeigte dem verweichlichten Rest, daß man(n) hier sogar schon baden kann !


 
  
Weil Gegensätze anziehend sind, fuhren wir anschließend nach Palermo. Dort erfreuten wir uns, die leise rauschende Brandung des Zingaro noch im Ohr, am Ineinandergreifen des palermitanischen Verkehrsflusses. Doch unserer Fahrer Michael "durchkreuzte" das Geschehen absolut cool.

Wir wohnten in Palermo direkt am Hafen; hier konnten wir einerseits das rege Treiben des Schiffsverkehres beobachten, hatten aber auf der Rückseite auch die schlimmen Lebensumstände der ärmeren Bevölkerung vor Augen, die direkt hinter unserem 4-Sterne-Hotel in erbärmlichsten Behausungen ihr Dasein fristen.

Deshalb waren in unserem Panorama-Restaurant im 7.Stock nach hinten auch die Vorhänge zugezogen!

Wir besuchten den arabischen Markt, in dem – im Gegensatz zum Vucciria - auch am Nachmittag noch die Waren angeboten werden. Doch ist dieser Markt für Auge und Nase nicht so erfreulich, außer man hält so direkte Erfahrungen wie das Häuten eines Schafes unmittelbar neben den Angeboten von Käse und Dolci für unverzichtbar.

Auch sind beim Vucciria die Seitengassen architektonisch interessanter: hier gibt es Gassen, wo quer zwischen den Hausfronten Stämme und Balken eingezogen sind, um die Häuser vor dem Einsturz zu bewahren !

Palermo wartet mit einer Vielzahl von Sehenswürdigkeiten auf, einige haben wir besichtigt: In der Kathedrale zeigte uns unsere Führerin die Einlegearbeiten auf dem Fußboden und die Grabmale von Heinrich IV und von Friedrich II., die in schlichten aber kostbaren Porphyrsarkophagen bestattet sind. Wir gingen weiter zur Capella Palatina im Palazzo Reale, einem arabisch-normannischen Kleinod, deren Innenraum komplett mit feinsten Mosaiken ausgekleidet ist und besuchten dann San Giovanni degli Eremiti, ein ehemaliges Benediktinerkloster, das im 9.Jhdt. zur Moschee umgebaut wurde, jetzt teilweise Ruine, mit einem wunderschönen Kreuzgang und – neben reich fruchtenden Zitrusgewächsen - einigen botanischen Raritäten, wie z.B. riesigen Philodendren oder einem gewaltigen Elefantenfuß der an der Basis einen Durchmesser von fast 2 Metern hatte. Am nächsten Tag stand der Botanische Garten von Palermo auf dem Programm. Wir fanden einige interessante Topfkulturen, u.a. blühende Scilla peruviana. Auch entdeckten wir einige ( leider unbenamte ) Bäume mit einer wunderschönen hellblauen Blüte. Die Blüten hatten einen Durchmesser von ca. 6 – 8 cm.


 
  
Vielleicht kennt einer der Leser dieses Artikels diese Art und mailt mir den botanischen Namen ( roschograben@web.de ) . Leider ist das Frühjahr für den Besuch des Botanischen Gartens nicht so geeignet, da er überwiegend mit südafrikanischen Gehölzen bepflanzt ist. So wie auch im übrigen Palermo, entfaltet sich die Blütenpracht erst später im Jahr. Überraschenderweise haben sich die Bäume auf das hiesige Klima sehr gut einstellen können. Die in Palermo sehr verbreiteten Chorisien ( Chorisia insignis ), die im Herbst verschwenderisch blühen, warten offensichtlich nach der Blüte mit dem Laubaustrieb, bis der sizilianische Winter vorüber ist, ebenso die Jakaranda oder Plumeria, die noch völlig kahl waren.

Ein paar Teilnehmer machten noch einen kleinen Shopping-Spaziergang durch die naheliegende Via Roma, andere ließen den Besuch Palermos mit einer Tasse Espresso und einigen Dolci ausklingen.

Dann fuhren wir weiter nach Messina, wo wir wieder mit der Fähre übersetzten. Am letzten Tag besichtigten wir noch die riesige Anlage von Paestum. Bei strahlendem Sonnenschein erkundeten wir das weitläufige Gelände, in dem u.a. der besterhaltene Tempel der Antike steht. Danach mußten wir leider zum Flughafen in Neapel und nach wunderschönen Tagen im Frühling auf Sizilien unseren Rückflug nach München antreten.

 
nach oben
© 2005 - 2012 Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.