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Frühling am Lago Maggiore
 
Ein Rückblick auf unsere Gruppenreise vom 29.März bis 2.April 2001

Am 29. März 2001 brachen 22 Mitglieder der Regionalgruppe München/Südbayern zu einer 5-tägigen Reise an den Lago Maggiore auf. Wir starteten um 7 Uhr in München und fuhren über Lindau und Chur in Richtung Süden. Das Wetter war nicht so besonders, aber wir trösteten uns damit, daß wir ja in den Süden fuhren.
Da wir mit unserem bewährten Reisebüro ProSenTo fuhren, wurden wir mit einem üppigen Bordfrühstück verwöhnt. Es wurde Kaffee, Tee, Cappuccino, Wurst
und Käse gereicht, dazu frische Semmeln und Brezen. Um den Beinen etwas Bewegung zu verschaffen , machten wir dann an der Via Mala eine kleine Rast. Wir bewunderten die tiefe Schlucht und auch die ersten Blüten von Saxifraga oppositifolia. Dann ging es weiter zum San Bernardino-Paß, der uns mit tiefhängenden Wolken und dichtem Schneegestöber empfing.
Am Nachmittag erreichten wir den Luganer See, wo wir bereits den ersten Park besuchen wollten. Wir waren zwar nun im Süden, dem Wetter jedoch war das egal; es regnete, obwohl wir doch den Parco Scherrer besichtigen wollten.

Aber wer ein richtiger Pflanzenfreund ist, läßt sich von solchen Widrigkeiten nicht aufhalten.
Allein schon die architektonische Vielfalt, die in diesem Park untergebracht ist, macht ihn zu einem der sehenswertesten Parks im Tessin.

Besonders ins Auge stach uns eine riesige Kamelie, die uns mit ihren weißen gefüllten Blüten bereits am Eingang empfing.

Durch dichte Bambuswälder, vorbei an griechisch und maurisch inspirierten Bauten kämpften wir uns durch den feuchten Garten.
Der Parco Scherrer war es durchaus wert.


Dann ging es weiter auf dem Weg nach Verbania zu unserem Hotel. In Verbania angekommen, drehten wir zuerst einige Erkundungsrunden. Dabei erfreuten wir uns an
dem beliebten Spiel " Wer erkennt unser Hotel ?". Obwohl die Hotelleitung alles getan
hat, die Identität des Hauses zu verschleiern, erkannte Frau Schlotz bereits beim dritten Versuch unser Hotel; so konnten wir zeitig unsere Zimmer in Besitz nehmen und freuten uns auf das Abendessen.

Wir wohnten in einem kürzlich renovierten 4-Sterne Hotel aus der Jahrhundertwende direkt am Ufer des Lago Maggiore, das uns sofort durch sein Flair gefangennahm.

Bei einem 4-Gänge Menü und gutem italienischem Wein tauschten wir unsere Eindrücke des ersten Tages aus und freuten uns auf unsere Inselrundfahrt am nächsten Tag.

Beim Frühstück am nächsten Tag stellten wir fest, daß unsere nächtlichen Gebete durchaus von Nutzen gewesen sind. Es hat aufgehört zu regnen, es kam sogar
schon teilweise die Sonne zum Vorschein. Da wir für diesen Tag ein eigenes Boot gemietet hatten, konnten wir in Ruhe frühstücken und machten anschließend einen kurzen Verdauungsspaziergang zu dem Landungssteg in der Nähe unseres Hotels. Unser Boot erwartete uns bereits, so daß wir sofort in See stechen konnten.

Als erstes steuerten wir die Isola Madre an, wo wir von einer üppigen Blütenfülle erwartet wurden.

Zuerst besichtigten wir das Schloß, dessen Einrichtung noch komplett erhalten war;
besonders originell war das sehr gut erhaltene Marionettentheater, durch das
sich die Herrschaften früherer Jahrhunderte unterhalten ließen. Man stelle sich das mal
heute vor, in Zeiten von Big Brother, Formel 1 oder Champions League: Marionettentheater als gesellschaftliches Ereignis !

Daß die Besichtigung ein solcher Erfolg war, verdanken wir der Führerin, einer älteren Dame, die uns mit viel Engagement und sehr gutem Deutsch durch das Schloß führte. Auch gab sie einige , aus heutiger Sicht etwas skurrile Gepflogenheiten zum Besten, so z.B. , daß die Dienerschaft ihre Uniformen auspolstern mußte, damit Besucher sehen konnten, daß in diesem Haushalt alle genug zu essen hatten! Auch fielen die bodenlangen Tischdecken auf; früher gab es keine Servietten, so putzte jeder seinen Mund und seine Hände am extralangen Tischtuch ab !

Wer die Möglichkeit hat, die Isola Madre zu besuchen, sollte auch das Schloß besichtigen; die Zeit lohnt sich auf jeden Fall.

Nicht minder sehenswert ist jedoch der Park, mit unzähligen Kamelien und Magnolien, die uns in ihrer Blütenfülle und –pracht sofort in ihren Bann zogen.

Als "Farb"-Tüpfelchen gab es noch weiße Pfaue zu bewundern, die sich zuerst etwas zierten, dann aber doch recht spektakulär ihre Pracht entfalteten.

Dazwischen huschten farbenprächtige Fasane durch das Unterholz und über allem rang die Sonne die letzten Wolkenreste nieder.

Anschließend ging es weiter zur Isola Pescatori. Es ist eine reine Wohninsel für die örtlichen Fischer. Wir durchschritten die "Hauptstraße", die in der Mitte der Insel verläuft, besichtigten eine winzige Kirche und waren schon durch. An der Anlegestelle befand sich ein nettes Restaurant mit Terrasse, deren Mittelpunkt eine prächtige Kamelie war. Fazit: man muß nicht auf dieser Insel gewesen sein.

Nun ging es zur Isola Bella. Nachdem sich ein paar Teilnehmer gestärkt hatten, ging
es zum Schloß, das man zwangsweise durchlaufen muß, um in den Garten zu gelangen. Das Schloß in der Monumentalität seiner Räumlichkeiten ist durchaus beeindruckend, es fehlt aber weitgehend die Einrichtung, die das vorher besichtigte Schloß auf Isola Madre so außergewöhnlich machte. Auffallend jedoch waren die Grotten; allein schon wegen der Puzzlearbeit, die notwendig war, die Fußböden mit kleinen verschieden farbigen Kieselsteinen zu pflastern bzw. die Wände und Decken mit kleinen Tuffsteinbrocken zu verkleiden. Jeder Quadratzentimeter war bedeckt !

Dann war das Schloß geschafft und es ging raus in den Garten. Allein schon die Anlage der 10 Terrassen ist sehenswert. Jede Wand ist mit einem anderen Gehölz abgepflanzt; mal sind es Oleander, mal Kamelien, mal Citrusgewächse, die teilweise noch Früchte trugen.

Von der obersten Terrasse hat man einen herrlichen Blick auf den Lago Maggiore, die
umliegenden Ufer und nicht zuletzt einen umfassenden Blick auf die Gartenanlage.

Auch hier wurde das Auge des Besuchers wieder von der Blütenpracht überflutet. Neben Prunusarten und Kamelien blühten bereits die ersten Rhododendren, so daß man gar nicht wußte, wo man mit dem Fotografieren anfangen soll !
Die Isola Bella ist – ebenso wie die Isola Madre – ein Muß für jeden Pflanzenfreund.

Nachdem wir noch etwas Zeit hatten, beschlossen wir, nach Stresa zu fahren und die Villa Pallavicino zu besuchen.
Da wir ja mit unserem eigenen Boot unabhängig von irgendwelchen Fahrplänen waren, konnten wir problemlos unser Besichtigungsprogramm erweitern und so waren wir kurze Zeit später bereits bei der Villa Pallavicino. Erwähnenswert ist die Allee aus Kamelien, die in voller Blüte standen. Der Rest des Gartens war noch im
Winterschlaf, so daß wir uns bald wieder auf den von Daphniphyllum gesäumten Rückweg machten.

Zwischenzeitlich hatte ein kleines Tief gegenüber der Sonne die Oberhand gewonnen und blies uns recht kräftig durch. An der Anlegestelle unseres Bootes angekommen, mußten wir zur Kenntnis nehmen, daß auch die Wasseroberfläche des Lago Maggiore etwas in Wallung geraten war und ein Anlegen des Bootes an dieser Stelle nicht mehr möglich war.

Schnell waren jedoch zwei Kleinwagen mit Chauffeuren beschafft, die uns recht flott
zu einer geschützten Anlegestelle in der Nähe brachten. Nach dem Genuß der italienischen Variante der Hochgeschwindigkeitsbeförderung, konnten uns die Wellen des Lago Maggiore nicht mehr schrecken. Der Bootsführer bugsierte uns gekonnt durch die hohen Wellen und brachte uns sicher in den ruhigen Windschatten der Inseln und weiter zur Anlegestelle in Verbania.


Am Samstag begann der Tag mit einem herrlichen Sonnenaufgang über den verschneiten Gipfeln. Die schneebedeckten Berge wurden von der aufgehenden Sonne in Orange und Rot getaucht und ließen uns schon am Morgen wissen, welch herrlicher Tag uns erwarten wird.


Nach einem gemütlichen Frühstück fuhren wir mit unserem Bus in Richtung Schweiz und nahmen Kurs auf die Gärtnerei Eisenhut. Aufgrund der guten Wegbeschreibung, die ich von der Gärtnerei Eisenhut hatte, war es kein Problem dorthin zu finden.

Etwas mehr Probleme hatte unser Busfahrer, mußten doch 3 ziemlich enge Spitzkehren durchquert werden. Nach gekonntem Rangieren wurde aber auch dies gemeistert, so daß wir bereits am späten Vormittag die Gärtnerei Eisenhut erreichten.

Dann hielt uns aber nichts mehr in den Sitzen, allein schon die vom Bus aus erkennbare Blütenpracht ließ eine gewisse Hektik aufkommen; jeder Pflanzenfreund kennt das Gefühl, wenn man am liebsten noch vom fahrenden Bus abspringen möchte – man könnte ja was versäumen !

Aber es war dann wie immer – auch am Nachmittag stand alles noch an seinem Platz und wir konnten alles in Ruhe besichtigen und fotografieren. Und es gab Einiges zum Fotografieren ! Eingerahmt von 2 Bächen ist der Nordhang ein Pflanzen- und Blütenmeer, das seinesgleichen sucht.

Erst ist man ziemlich erschlagen von der Vielfalt, aber wenn dann geistig mal alles sortiert ist, erkennt man an der Vielfalt der Pflanzenwelt und der Art der Anlage das gärtnerische Können und Wissen, das Herrn Eisenhut befähigt hat, eine solche Anlage zu schaffen.

Unter einem wolkenlosen Himmel blühen Magnolien mit Rhododendren und Kamelien um die Wette, da blinkt der blaue Lago Maggiore durch die Blüten der Kamelien, im Hintergrund blitzen schneebedeckte Gipfel über blühenden Magnolien.

Und schon kommt wieder eine neue Blütenform, die man noch nicht betrachtet hat. Außergewöhnlich waren die Büsche von Edgeworthia Mitsu Mata, die noch ohne Laub, aber bereits mit vielen weißen Blütenbällen behangen waren, deren Einzelblüten mit ihrer leuchtend orangefarbenen Innenseite einen interessanten Kontrast bildeten.

Praktischerweise gibt es auch Einiges zum Kaufen, so daß viele Erinnerungen gut verpackt die Rückreise antraten.

Anschließend nahmen wir noch auf der Terrasse des benachbarten Restaurants "Gamborogno" ein kleines Mittagessen ein, das durch die wärmende Sonne und den herrlichen Blick über den Lago Maggiore dieses unvergeßliche Erlebnis abrundete.

Nachdem wir die Spitzkehren auch bergabwärts gut hinter uns gebracht hatten, ging es weiter ins Maggiatal, um auch noch etwas Bergatmosphäre zu genießen. An der Ponte Brolla machten wir Pause, wo wir den Gletscherschliff und das herrlich klare, grüne Wasser bewunderten.

Da solche Betrachtungen besonders kräftezehrend sind, waren zwischenzeitlich von unserem Busfahrer Biertische und – bänke aufgestellt worden; er hatte Kaffee gekocht und reichte dazu Kuchen.

So gestärkt wagten wir uns weiter ins Maggiatal und fuhren bis Cevio, wo wir Halt machten. Von hier unternahmen wir einen kleinen Spaziergang durch den Ort.
Wir erkundeten ausgiebig die Gegend und das Bachbett der Maggia, einige sammelten besonders schöne Steine zur Erinnerung. Über uns, in den Felsspalten, blühte Primula hirsuta.

Auch am nächsten Tag strahlte die Sonne vom Himmel. Am Morgen besuchten wir zuerst eine Kamelien-Ausstellung in der Villa Giulia, gleich in der Nähe unseres Hotels.
Die Messe entpuppte sich als eine Ausstellung von Kamelienblüten, die in Vasen präsentiert wurden. Jedoch gab diese Art der Präsentation einen guten Überblick über das gängige Kameliensortiment. Als Hinweis für die Kamelienfreunde unter Ihnen: Im Jahr 2005 findet in Locarno der Weltkongreß der Kamelie statt.

Dann ging es gemeinsam zur Villa Taranto. Auch um diese Jahreszeit ist die Villa Taranto einen Besuch wert. Es gibt bereits viele blühende Gehölze wie z.B.
Enkianthus campanulatus var. albiflorus, frühe Rhododendren, z.B. Rh. grandis oder Rh. "Bows Bells" mit seinen rosa Knospen und rein weißen Blüten oder weniger bekannte Arten wie Rh. schlippenbachii , einige bestachen durch ihren leuchtenden Austrieb ( Acer palmatum "Capt. McEachearn"), andere offenbarten ihre Schönheit erst bei näherem Hinsehen, wie z.B. Osmanthus delavayi.

Als Abschluß machten einige von uns noch eine kurze Mittagspause in dem kleinen Restaurant am Eingang der Villa Taranto; das Essen war gut und preiswert, die Bedienung schnell und freundlich.

Währenddessen wurde unser Bus von einem Eisverkäufer belagert, der sich bei der
wärmenden Sonne ein gutes Geschäft versprach.

Dann ging´s weiter zum Orta-See. Vorbei an einem Steinbruch am Südende des Lago Maggiore, aus dem der rosa Marmor des Mailänder Domes stammt, erreichten wir den Orta-See. Wir mischten uns unter Tausende von italienischen Ausflüglern, gingen bis zum Hauptplatz, bewunderten das alte Rathaus und bestiegen eines der vielen Boote, die eine Überfahrt zur Insel San Giulio anboten.

Wir besichtigten die Kirche, in der der heilige Julius begraben liegt und umrundeten die Insel, was bei der Größe der Insel nur ca. 10 Minuten dauerte. Dann fuhren wir mit dem Boot zurück. Einige wollten noch die kleinen Gassen erkunden, andere erkundeten das Angebot der Eiskarte und genossen die herrlichen Eisbecher in der warmen Sonne.

Am nächsten Tag mußten wir leider wieder abreisen. Damit die Abreise etwas versüßt wurde, war noch ein Gartenbesuch in Porto Ronco geplant. Ich habe mich bei der Planung der Reise daran erinnert, daß in einem alten "Staudengarten" unter der Rubrik
"Gartenbesuche unterwegs" ein Hotel EDEN seinen Garten als besuchenswert angepriesen hat. ( Ausgabe 1/1990 !).
Wir wurden von der Besitzerin sehr freundlich begrüßt und in die Geschichte des Gartens eingeweiht. Da die frühere Besitzerin, die auch Kamelien züchtete, inzwischen aus Altersgründen den Garten nicht mehr perfekt pflegen kann, war er zwar etwas verwildert, was dem Garten aber einen gewissen Reiz gab. Blühende Kamelien, Palmen, Aloe africanus und eine wegen ihrer schönen Farbe erwähnenswerte leuchtend rosarote Azalee. Auch die Mauern aus Gneis mußten bewundert werden, waren sie doch ein Meisterwerk der Baukunst, die den gesamten Steilhang stützten und gleichzeitig als Wärmespeicher dienten. Dazu kam die wunderbare Lage des Gartens und des Hotels über dem Lago Maggiore, die mit einem herrlichen Panoramablick wirklich einen Garten Eden entstehen ließ.
Zum Abschluß gab es noch eine gemütliche Tasse Kaffe und schon mußten wir wieder Abschied nehmen.

Über den verschneiten San Bernardino, der uns diesmal mit Sonne und blauem Himmel empfing, ging es weiter in Richtung Heimat.

Nachdem wir in Lindau noch einen kurzen Abstecher zur Alpenpflanzengärtnerei Sündermann gemacht haben, kamen wir am frühen Abend wieder wohlbehalten in München an, wo bereits der familieninterne Heimfahrdienst wartete.

Die Mitbringsel wurden alle gut verstaut und so ging eine wunderschöne und harmonische Reise zum Frühling am Lago Maggiore zu Ende.

An dieser Stelle sei mir noch gestattet, ein persönliches Wort an Sie zu richten: Dank Ihrer Begeisterung und Ihrem - wie man heute so schön sagt – vorbildlichen Teamgeist, ist diese Reise ein solcher Erfolg geworden; Sie haben dadurch auch für mich diese Reise zu einem wunderschönen Erlebnis werden lassen; dafür möchte ich mich nochmals recht herzlich bedanken.

 
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