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 |  |  Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
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 |  | Erläuterungen in der Villa Remigio Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | Magnolienblüte im Tessin und am Lago Maggiore - mit diesem Motto lockten Sibylle und Klaus Zimmermann fünfundzwanzig Gartenfreunde auf die Alpensüdseite. In der Hoffnung, den nicht endenden Winter abzukürzen, verließen sie blühende Krokusse, Winterlinge und Schneeglöckchen in der letzten Märzwoche. "Wenn Sie erst so spät kommen, kommen Sie zu spät.", diese Prognose von Sir Peter Smithers sollte sich nicht bewahrheiten, denn auch in dieser Klimanische Europas, an durch eiszeitliche Gletscher ausgeschürften Seen, ist die Natur heuer um zwei bis drei Wochen zurück.
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 |  | Villa Remigio Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | Dennoch waren die Vorzüge dieses Garten Eden für die Pfälzer spürbar. Eingestimmt wurden sie in Ascona: gestutzte Platanen an der Uferpromenade, Bananenstauden (Musa basjoo), Palmen und Kamelien in den Hausgärten zeigen die reizvolle Mischung aus Mediterranem und Tropischem, die weiter nach Süden, dem Ufer des Lago Maggiore folgend, immer bunter, wilder und ausgefallener wird. Gesteigert wird sie durch die Weite der Wasserfläche und die Bergkulisse. Hotelzimmer mit Seeblick, ein gediegenes Ambiente im italienischen Stil mit Kristalllüstern, bunten Glaskuppeln, Teppichen und Raffgardinen, eine gepflegte Küche - hier blieb kein Wunsch offen. Während des Frühstücks verfolgten wir den Sonnenaufgang überm See. Wo alle Welt im Sonntagsstaat flanierte, suchten sich die eher zünftig gekleideten Pfälzer wenigstens eine elegante Umgebung für ihre erste Exkursion, nämlich die Villen San Remigio und Taranto (beide in Verbania).
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 |  | Villa Taranto Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | Wie es scheint, haben alle Gärten der Region mit Liebe zu tun. Meist verliebte sich jemand in eine Gegend und erschuf sich dort sein eigenes Paradies. Im Falle von Silvio della Valle di Casanova und Sofie Browne kam die persönliche Liebe hinzu, der sie in der Gestaltung ihres Gartens (1896-1916) Ausdruck verliehen. Auf einem Fels über dem See legten sie Terrassen an, jede einem Thema aus dem Buch des Lebens gewidmet. Auf der Terrasse der Wehmut fehlen Blüten. Das ausschließliche Grün und eine stille Wasserfläche vermitteln eine melancholische Stimmung, die auf der Terrasse der Fröhlichkeit von Venus in ihrem rauschenden Brunnen verscheucht wird. Vor der Kulisse der romanischen Kapelle San Remigio (1132) wird ein mittelalterlicher Garten nachempfunden. Zypressen, Eiben und Lorbeer symbolisieren den Tod. Ein leise plätscherndes Wasserbecken in Form eines Vierpasses eröffnet philosophische Ideen zum Kreuz, zu Gott und seiner Schöpfung. An die Vergänglichkeit wird man auch auf der Terrasse der Stunden erinnert. Der Duft von Myrthe, Thymian und Falschem Jasmin (Philadelphus coronarius) vertreibt trübe Gedanken. Den grandiosen Höhepunkt bildet der Garten der Liebe, zu dem man eine elegante Treppe hinabsteigt. Rund um den Liebesbrunnen werden Facetten der Liebe symbolisiert, wobei Pflanzen miteinbezogen werden. So steht Johanniskraut für den Zauber, böse Geister zu verjagen. Insgesamt ein philosophischer Garten, der mittels Schönheit und Sinnlichkeit eine Brücke zwischen Tod und Leben spannt.
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 |  | Villa Taranto, Edgeworthia Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | Demgegenüber will der Nachbargarten der Villa Taranto nur eins, ein botanisches Paradies sein. Diesen Lebenstraum erfüllte sich der Schotte Kapitän Neil B. Mc Earchan (1884-1964), indem er das zwanzig Hektar große Terrain landschaftlich grundlegend veränderte, um Pflanzen aus aller Welt anzusiedeln. Beruflich und auf botanischen Exkursionen weit gereist, trug er Azaleen, Rhododendren, Kamelien und Magnolien zusammen, pflegte und pflanzte Raritäten wie Cinnamomum camphorum, Emmenopteris henryi, Davidia involucrata und Paulownien. Sammlungen von Prunus - Prunus subhirtella in zartrosa Blütenwolken - Cornus, Acer, Virbunum, Daphne und Hydrangea erweitern das Pflanzeninventar auf etwa 8500 Arten. Ein Erfolgsgeheimnis des passionierten Schotten bestand in seinem genialen System, seine Pflanzen zu akklimatisieren. Nach sorgfältiger Aufzucht in seinen Gewächshäusern pflanzte er sie an mindestens drei Stellen aus. Ein Platz entsprach den botanischen Bedürfnissen optimal, ein zweiter befriedigte ästhetische Gesichtspunkte, ein dritter wies theoretisch nur Nachteile für die Sorte auf. Auf diese Weise gelang es ihm, z.B. die empfindlichen Gardenien im Freiland zum Blühen zu bringen.
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 |  | Isola Bella Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | Die Borromäischen Inseln, seit dem 17 Jahrhundert bis heute im Besitz der stein-und einflußreichen Mailänder Fürstenfamilie Borromeo, zeigen, was aus Felseilanden werden kann, ein Fischerdorf im Fall der Isola dei Pescatori, oder ein Gartenparadies wie die Isola Bella und Madre. Einer mächtigen Galeone gleich scheint Isola Bella im See vor Anker zu liegen. Der Felsen wurde vollkommen terrassiert, sodass der Eindruck hängender Gärten entstand. Diese betraten wir erst nach einer Führung durch den Palazzo. Gewürzt mit romantisch-rheumatischen Wortspielen und einem burlesken Humor reizten uns die Ausführungen des Cicerone immerhin so oft zum Lachen, dass wir in den frostigen Sälen und Grotten nicht froren. Vom riesigen Kampferbaum aus blickt man auf die mit Obelisken und Statuen gezierte Stufenpyramide, die von der Skulptur eines springenden Einhorns (Wappentier der Borromäer) bekrönt wird. Alle vertikalen Flächen sind mit Spalieren aus Agrumen, Rosen und Kamelien bedeckt. Blickfang für die meisten Besucher waren die weißen Pfauen, die vor barocker Kulisse ihr Fächerrad entfalteten.
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 |  | Isola Madre Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | Die Isola Madre ist im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt. Eine mächtige Dattelpalme (Phoenix canariensis) markiert die Südseite der Villa, darunter Zitronen- und Orangenhaine, auf der Nordseite eine gigantische Himalaya-Zypresse (Cupressus cashmeriana). Auf stillen Waldpfaden, kleinen Lichtungen und im Bambushain verrieten sich Gold- und Silberfasane durch Rascheln im Laub, während die buntschillernden Pfauen den exponierten Platz auf dem Steinkreuz am Giebel der Schloßkapelle bevorzugten.
Der Tag am Luganer See sollte trotz Dauerregens ein Höhepunkt werden. Wie uns Otto Eisenhut tröstete, ist dies das ideale Wetter für Magnolien. Am Himalaja beheimatet, lieben sie Nebel- und Regenschwaden, eine hohe Luftfeuchtigkeit ohne pralle Sonneneinstrahlung. Diese führt zum Verbrennen, d.h. Braunwerden der Blütenblätter durch Brennglaswirkung der Wassertropfen. |
 |  | Garten Sir Peter Smithers Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | In Vico Morcote, einem der schönsten Erdenwinkel, hat Sir Peter Smithers vor ca. dreißig Jahren seinen Alterssitz gewählt und am Hang überm See einen Garten angelegt. Jahrgang 1913, 0xford-Student, als Diplomat rund um den Erdball tätig, zuletzt als Generalsekretär des Europarats in Straßburg, ist Sir Peter seit früher Kindheit vom „gardening virus" befallen. Stecklinge und Sämlinge auf den Balkonen an der Westseite seines Hauses verrieten uns die kundige Hand des erfahrenen emsigen Gärtners, der uns leider nicht selbst begrüßen konnte, da er sich einer Krankenhausbehandlung unterziehen musste. Sein Wohnhaus im japanischen Stil überspannt einen Wildbach. Von dort geht der Blick über die Wipfel der Magnolienbäume auf das Westufer des Luganer Sees. Schon die Knospen ließen den Zauber der Weiß-Rosa-Töne erkennen. Dieser Magnolienhain ist wirklich nur mit Superlativen zu beschreiben. Der Hang ist terrassiert, mit Azaleen, Päonien und Kamelien unterpflanzt. Sir Peters Motto, mit dem Älterwerden des Besitzers solle sich die Arbeitslast des Gartens vermindern, ist augenfällig. Gerade von der daraus resultierenden Naturhaftigkeit und Natürlichkeit geht ein zusätzlicher Reiz aus. Ein neugierig-ehrerbietiger Blick durch eines der großen Fenster auf dem Boden Töpfe blühender Nerinen (sie gehörten zu seinem Zuchtprogramm),an der Wand die Blüte einer Paeonia-Rockii-Hybide, eine Fotografie von ca. zwei mal zwei Meter Größe - gigantisch in den Abmessungen, der technischen Qualität und ihrem Ausdruck.
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 |  | Botanischer Garten San Nazzaro Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | Um eine kranke Magnolie zu retten, wandte sich Sir Peter seinerzeit an Otto Eisenhut in San Nazzaro und inspirierte ihn, statt Obstbäumen Magnolien und Kamelen zu züchten. So entstand auch der Magnolienwald am Steilhang neben der Gärtnerei Eisenhut, ebenfalls mit Kamelien, anderen Teestrauchgewächsen, Rhododendren und Azaleen im Unterholz. Liebevoll weist der rüstige Achtzigjährige auf die reinen Farben der Magnolienhybriden hin, auf die frostharte gelbe Magnolia acuminata x soulangia oder die weiß-fluoreszierende Blüte der Sorte `Elisabeth´. Weitere Anziehungspunkte, die wir bereits in anderen Gärten sahen, waren die zartgelb blühenden Scheinhaseln (Corylopsis glabrescens) sowie die betörend duftenden Edgeworthien (E. papyrifera) in gelber und orangefarbener Blüte. Im Dickicht waren Gärtner beschäftigt, von den mit Nummern versehenen Kamelienbüschen Zweige zu schneiden, zu beschriften und in Paletten zu stecken, Vorbereitung für die Präsentation auf der 10.Internationalen Kamelienschau in Locarno (29.3.-2.4.2006). In den Gewächshäusern überraschte uns das reichhaltige Sortiment der Zitrusgewächse. Die bizarre Frucht von Citrus medica `Buddha's Hand´ lässt Liebhaberherzen höher schlagen. |
 |  | Auf der Isola Brissago Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | Donner bei der Überfahrt von Laveno nach Verbania, Regenbögen über den im Neuschnee leuchtenden Berggipfeln, Bilderbuchwetter am nächsten Tag. Da geriet man auf der Isola di Brissago ins Schwärmen. Aus dem Refugium der legendären Baronin St. Leger, die 1885 hierher kam, ist inzwischen ein botanischer Garten geworden. Auf ca. 2,5 Hektar verteilen sich 1600 Pflanzenarten, angeordnet nach geografischen Zonen. Man durchwandert die Kontinente. Imposant sind Baumriesen wie der 32 Meter hohe Eucalyptus viminalis, mit 120 Jahren der älteste der Schweiz, der ebenso hohe, erst 1951 gepflanzte Urmammutbaum Metasequoia glyptostroboides und der hundertjährige Cinnamomum glanduliferum (Falscher Kampferbaum). Die aus China stammende Hanfpalme (Trachycarpus fortunei) ist im Tessin und Umgebung verwildert. Amseln, Liebhaber der schwarzen Beeren, sorgten für die Verbreitung. Im Hain dieser von manchen abschätzig als Unkraut betrachteten Bäume wachsen prachtvolle Baumfarne (Dicksonia antarctica). Hier verbinden Pflanzenfreund und Natur das Banale mit dem Seltenen, kontinentübergreifend, lebendige Globalisierung auf einer winzigen Insel irgendwo in Europa. Schauen und Staunen, sich hinreißen lassen und sich zufrieden geben mit den begrenzten Möglichkeiten des eigenen geliebten Gartens. Begeistert, inspiriert und ein wenig nachdenklich kehrten die Pfälzer in die Heimat zurück. |
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