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 |  | Frühstück in Apen-Remels Foto © 2006 Klaus Goldbeck | |
| | | In die Niederlande sollte es gehen. Für 5 Tage. Das waren die Vorgaben, als wir uns im November 2005 hinsetzten, um die Gartenreise 2006 der Regionalgruppe Hamburg zu planen. Wir, das waren Margot Sinning, Klaus Goldbeck, Gabriele Renneberg (Leiterin der Regionalgruppe) und der Autor dieser Zeilen, Jan Renneberg. Da wurden Erinnerungen an frühere Besuche ausgegraben, Bücher und Zeitschriften gewälzt, das Internet abgesucht und auch Rat aus anderen Regionalgruppen eingeholt. Schließlich stand fest: es geht in das Gelderland. Die folgenden Monate waren anstrengend: ein Reiseverlauf mußte geplant, Kosten kalkuliert und ausreichend Mitfahrer gefunden werden. Dann ging es an den Feinschliff: Bus, Zimmer, Gärten und Gärtnereien buchen, eine Infomappe anfertigen, Fahrstrecken planen und Anfahrpläne erstellen. Dazwischen immer wieder kurze Treffen der Organisatoren zwecks Abstimmung. Die Zeit verging wie im Fluge.
Endlich war es soweit, die Reise begann. Am Dienstag, 12.06.2006 ging es morgens los Richtung Oldenburg. Am Autohof Apen-Remels wartete ein leckeres Frühstück auf uns. Weiter führte uns die Fahrt durch das Emsland zu den Gärten von Mien Ruys im niederländischen Dedemsvaart. |

Gartenräume bei Mien Ruys Foto © 2006 Jan Renneberg |
1924 begann Mien Ruys damit, im Gemüse- und Obstgarten der elterlichen Gärtnerei ‚Moerheim‘ mit Pflanzenkombinationen zu experimentieren. Was wächst in der Sonne gut, welche Pflanzen benötigen feuchten Boden und welche lieben trockene Füße. Aus diesen Anfängen entstanden 25 Mustergärten auf einer Fläche von 2,5 Hektar, die heute im Besitz einer Stiftung sind.
Unser Besuch erfolgte an einem heissen, sonnigen Tag, der auch noch fast windstill war. Neben dem Waldgarten boten die restlichen Schaugärten nur gelegentlich erholsamen Schatten, und so konnte das bestellte Mittagessen aus den Händen der bemühten Stiftungsmitarbeiterinnen auch ruhig eine Weile länger dauern, als gedacht. Lecker war es allemal. Das Fazit: Schöne Gärten, eine kleine Gärtnerei und das Versprechen, das Rezept für die Currysuppe per E-Mail zu erhalten.
Anschließend ging es weiter zum Van der Valk-Hotel ‚Westend‘. In unmittelbarer Nähe zu Arnhem und den wichtigsten Verkehrsverbindungen gelegen, bot es den idealen Ausgangspunkt für die Touren der nächsten Tage. |

Steingarten im botanischen Garten Utrecht Foto © 2006 Jan Renneberg |
Am Mittwoch war die 1.Station der botanische Garten der Stadt Utrecht. Er gehört zur Universität und liegt auf dem ehemaligen Gelände von Fort Hoofddijk, welches Bestandteil der neuen holländischen Wasserlinie ist und aus dem Jahr 1879 stammt.
Imponierendster Bestandteil ist der Steingarten, der bei den ehemaligen Remisen angelegt wurde. Trotz bereits vorhandener Höhenunterschiede wurden noch 2100 Tonnen Gestein aus den Ardennen angefahren, um ihm ein Gesicht zu geben. Einige Mitglieder waren so begeistert, daß sie gleich den ganzen Tag hier verbringen wollten. Neben dem Steingarten sind aber auch der Themengarten, die Treibhäuser und der Schmetterlingsgarten erwähnenswert. |

Die historische Innenstadt von Utrecht Foto © 2006 Jan Renneberg |
Als nächstes hatten wir uns den Besuch der historischen Innenstadt von Utrecht vorgenommen. Ausgestattet mit einem Stadtplan und einer schriftlichen Stadtführung konnte jeder nach Herzenslust Utrecht erkunden. Einige ließen sich per Boot durch die wunderschönen Grachten fahren, andere erkundeten die verwinkelten Straßen und entdeckten skurile Läden und urige Märkte. Pünktlich zur angesetzten Zeit waren aber alle wieder am Bus, und es ging weiter zur Gärtnerei Ploeger in De Bilt. |

Pflanzenexperten bei Ploeger in De Bilt Foto © 2006 Jan Renneberg |
Diese 1931 gegründete Gärtnerei bietet ein Sortiment von ca. 4000 verschiedene Sorten Stauden an, von denen gut die Hälfte als Containerpflanzen direkt erhältlich sind. Vor einigen Jahren wurden auch Sträucher und Kletterpflanzen in das Sortiment aufgenommen. Hier brach nun zum erstenmal das Fieber des Pflanzenerwerbs bei den Mitreisenden aus. Nach 90minütigem Aufenthalt hatte fast jeder einige Pflanzen neu in seinem Besitz. Gut, das es danach wieder ins Hotel zum gemeinsamen Abendessen ging. |

Einer von 170 Mustergärten in Appeltern Foto © 2006 Jan Renneberg |
Der Donnerstag brachte uns zum nächsten Höhepunkt dieser Gartenreise: den Gärten von Appeltern, dem größten Garteninformationspark der Niederlande. Über 170 Mustergärten waren zu entdecken, jeder einzelne hatte seine eigene Atmosphäre. Stadtgärten, Balkongärten, Gärten am Wasser, englische Gärten, Bauernhofgärten – in jedem Garten waren neben den vielen verschiedenen Pflanzen andere Materialien für Wege, Mauern oder Sitzecken verbaut. 3 Stunden hatten wir inklusive einem kleinen Mittagsimbiß hier eingeplant, man kann gut und gerne die doppelte Zeit hier verweilen, ohne sich zu langweilen. Im riesigen Areal finden sich neben Gärten, die von bekannten niederländischen Garten- und Landschaftsarchitekten gestaltet wurden, auch ein Architekturpavillion und ein kleiner Pflanzenmarkt. |

Im Privatgarten von Riet Brinkhof Foto © 2006 Jan Renneberg |
Nur schwer konnten wir uns von Appeltern trennen, doch das nächste Ziel wartete schon: der Privatgarten von Riet Brinkhof in Hernen. 1970 erwarb die gebürtige Müllerstochter gemeinsam mit ihrem Mann ein romantisches, 350 Jahre altes Reetdachhaus mit ca. 2800 qm verwilderter Obstwiese. Im Laufe der Jahre entstanden schön gestaltete Beete voller Frühlingsblumen, Rabatten mit alten Rosen, mit von niedrigen Buchsbaumhecken eingefassten Kräutern und immer wieder Stauden.
Natürlich hatten wir uns für den Besuch angemeldet, aber irgendwie hatte uns Frau Brinkhof in die falsche Terminleiste gesteckt. So erlebten wir ein lustiges „Wie? Die Hamburger? Jetzt?" und nach einem kurzen "Umzug" gab es eine nette und informative Einführung in den Garten. |

Beratungsgespräch in der Gärtnerei De Hessenhof Foto © 2006 Jan Renneberg |
Den Abschluß bildete auch an diesem Tag wieder der Besuch einer Gärtnerei: De Hessenhof in Ede. Hans Kramer und sein Team sind seit mehr als 20 Jahren im Geschäft und bieten ein sehr großes Sortiment an mehrjährigen Pflanzen an. Eine führende Rolle hat die Gärtnerei bei der Anzucht von Helleborus. Die Auswahl ist riesig. Im Angebot sind aber auch Pelargonien, Agapanthus, Farne, Salvien, Euphorbien und und und ... Wieder fand so manche Pflanze ihren Weg in unseren Bus. |

Der Schaugarten von Piet Oudolf Foto © 2006 Jan Renneberg |
Am Freitag drehten wir den Ablauf einmal um: zunächst stand der Besuch der Gärtnerei Oudolf in Hummelo auf dem Programm. Piet Oudolf ist weltweit durch seine naturhaften Gartenentwürfe bekannt geworden, einige Bücher haben ihn als Autor. Seine Frau Anja Oudolf begrüßte uns kurz, anschließend konnten wir den Privatgarten besichtigen. Er imponierte mit seinen schwungvoll geschnittenen Eibenhecken und den Kompositionen aus Großstauden und filigranen Gräsern. Ungewöhnlich, wenn nicht sogar verkaufsmindernd ist das aufwendige Ordnungssystem in der Gärtnerei. Die Pflanzen stehen nicht alphabetisch, sondern in zahlreichen Fächern. Am Tresen gibt es leihweise eine große Liste mit Sortennamen und dem Standort innerhalb der Fächer. So läuft man auf der Suche viel hin und her. Dies hinderte uns aber letztendlich nicht wirklich am Kauf. |

Die Reisegruppe in Spaensweerd Foto © 2006 Jan Renneberg |
Danach wartete ein zweiter Privatgarten auf unseren Besuch: Das historische Spaensweerd nahe Brummen. Henk Hummelen führte uns über seinen Besitz im Überschwemmungsgebiet der Ijssel mit dem wunderschönen Herrenhaus aus dem Jahre 1650. Ungefähr 1835 wurde der ehemals formal und zentral angelegte Garten durch eine mehr parkartige Anlage im englischen Landschaftsstil ersetzt. Neben den vielen Blumenbeeten und dem umfangreichen Staudensortiment sind die monumentalen Bäume und die zugeschnittenen Taxus- und Buxusfiguren wahre Blickfänger. Ganz spontal entschlossen wir uns, hier ein Gruppenfoto mit dem schönen Haus im Hintergrund zu machen. Herr Hummelen fungierte gerne als Fotograf. |

Internationale Pflanzentage in Bingerden Foto © 2006 Jan Renneberg |
Weiter ging's zum Höhepunkt des Tages: den internationalen Pflanzentagen in Bingerden, einem der ältesten niederländischen Landgüter und seit 1660 im Besitz derselben Familie. Bingerden selbst bietet einen englischen Park, einen Barock- und einen Gemüsegarten, alles umgeben von einem ehemaligen Festungsgraben. Bei den internationalen Pflanzentagen präsentierten über 60 Gärtnereien aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland eine riesige Auswahl an Pflanzen aller Art. Daneben waren auch einige Stiftungen und Vereine sowie der eine oder andere Anbieter von Gartengeräten vor Ort. Aufgrund der sehr großen Besucherzahlen kamen die Caterer nur schwer mit ihren Imbißangeboten hinterher. In Bingerden trafen wir auch auf Herrn Dr.Mosebach von der Regionalgruppe Dortmund, dem wir auch hier noch einmal herzlich für seine Tips zu dieser Reise danken möchten. Natürlich konnten wir diese Veranstaltung nicht ohne den Kauf so mancher Pflanze verlassen.
Am Abend vor der Heimfahrt haben wir dann alle gekauften Pflanzen mit der gebührenden Sorgfalt im Gepäckteil des Busses verstaut, die Mitnahme von Gepäck innerhalb des Fahrgastraums ist seit Anfang Mai diesen Jahres nicht mehr erlaubt! Zum letzten Mal genossen wir anschließend in unserem Hotel das gute und reichhaltige Essen. |

Musterpflanzung der Gärtnerei Fahner Foto © 2006 Jan Renneberg |
Der Sonnabend führte uns auf der Fahrt Richtung Hamburg über Hengelo. Ganz in der Nähe liegt die Staudengärtnerei von Freddy Fahner und seiner Frau, die uns nett begrüßten und den Betrieb kurz vorstellten. Die sehr gute Auswahl wird nur noch durch die absolut günstigen Preise übertroffen. Im wunderschön angelegten Schaugarten sind alle Pflanzen ausgeschildert, der Einkaufswunsch, dem viele noch einmal nachgaben, wird dadurch unterstützt. |

Einer der 50 Schaugärten bei Boomkamp Foto © 2006 Jan Renneberg |
Nur wenige Kilometer weiter, in Borne, befindet sich das Pflanzencenter 'Boomkamp Gardens'. Neben dem Pflanzenverkauf bietet Jan Boomkamp in einem abgeschlossenen Bereich über 50 Themengärten, leider ohne Ausschilderung der Pflanzen. Hier konnte man noch einmal durchatmen und die schönen Gärten und Teiche genießen, bevor es im geschmackvoll eingerichteten Restaurant zum kleinen Mittagsimbiß ging. So gestärkt konnten wir dann noch den Rest der Fahrt hinter uns bringen und kamen am frühen Abend wieder in Hamburg an.
Das war sie also, unsere Gartenreise ins Gelderland. Dafür, daß wir so etwas noch nie organisiert hatten, hat alles sehr gut funktioniert. Wir waren eine sehr lustige und nette Reisegruppe, die außerdem auch noch außerordentlich diszipliniert die vorgegebenen Zeiten eingehalten hat. Und schon wird über die Organisation der nächsten Reise nachgedacht. Mir persönlich hat diese Reise und ihre Vorbereitung soviel Spaß gemacht, daß ich, sehr zur Freude meiner Frau, spontan der GdS beigetreten bin. Und wenn Sie jetzt auf den Geschmack gekommen sind, helfen wir Ihnen gerne mit Tips zur Organisation oder zu den besuchten Gärten und Gärtnereien.
Jan Renneberg
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