über den Verein   Fachgruppen   Publikationen   über Stauden   Kontakt   
Veranstaltungen   Regionalgruppen   Samentausch   Projekte   Links   
| Startseite | Mitglieder-Forum | Impressum |

                                                                                                                                                                                                        
 
Gentiana
Lateinstunde
für Pflanzenfreunde
Trillium
Der Staudengarten
Staudenvielfalt
Leseprobe Staudenvielfalt
Broschüre:
Offene Gärten
Anzeigen schalten
im Staudengarten
Archiv







































Publikationen

Leseprobe Staudenvielfalt
 

 
  
Die großen Gartenmohne
Leuchtende Fackeln des Frühsommers


Etwa um 1701 kam der große Mohn, Papaver orientale, nach Europa. Er wurde von dem französischen Botaniker Pitton de Tournefort (1656-1708) in der Türkei in der Nähe von Erzurum entdeckt. Aus dieser und einer etwa 100 Jahre später entdeckten Art (Papaver bracteatum) wurden im Laufe der Zeit durch Sämlingsauslese und Kreuzungen viele Sorten erzielt.
Die Naturstandorte dieser Arten sind die Gebirgsregionen um 2000 m Höhe. Diese werden fachlich als Felssteppen bezeichnet. Dort gibt es schottrige Böden an Berghängen, also wasserdurchlässige, mehr oder weniger tiefgründige Böden. Diese werden im Sommer nach der Blütezeit sehr trocken: die Mohnpflanzen ziehen ein und gehen in eine Ruhezeit. Mit Beginn der herbstlichen Niederschläge wächst der Mohn erneut und bereitet sich auf eine neue Blütezeit vor. Der Schnee schützt die Pflanzen im Winter. Dieses Wissen hilft bei der Wahl des rechten Standortes im Garten. Der Mohn braucht durchlässige, tiefgründige Böden und verträgt keine Staunässe. Nötigenfalls ist durch Drainage für Wasserabzug zu sorgen. Natürlich sind auch vollsonnige Pflanzplätze erforderlich.

Als Nachbarpflanzen eignen sich besonders solche mit ähnlichen Ansprüchen an Boden und Kleinklima: Aster, Campanula alliariifolia und Campanula sarmatica, Centaurea dealbata, Centhranthus, Dianthus, Echinacea, Echinops, Eremurus, Euphorbia, Foeniculum, Gypsophila, Helichrysum, Iris barbata, Iris spuria, Jasione, Kniphofia, Lychnis, Malva, Nepeta, Origanum, Phlomis, Platycodon, Rudbeckia, Salvia, Stachys, Verbascum, Gräser wie Festuca, Helictotrichon, Koeleria, Miscanthus, Panicum, Pennisetum, iesleria und Stipa, aber auch frühblühende Zwiebelgewächse.
Ferner sollte beachtet werden, dass der Mohn während der Sommerruhe, wenn die braun gewordenen Blätter abgeschnitten sind (wenn er "eingezogen" ist), einen leeren Platz hinterläßt.
Um diesen zu überdecken, werden daneben Sommer- bzw. Herbstblüher gepflanzt. Wenn die Mohne einzeln gesetzt sind, ist dies natürlich leichter zu bewerkstelligen als bei dichten Gruppenpflanzungen.
Zwei Schädlinge können die Mohnkultur gefährden: Schnecken sind stark an den jungen Blattaustrieben der Pflanzen interessiert und die Wurzeln der Mohnstauden werden oft von Wühlmäusen und Mäusen abgefressen. Beide Gruppen von Schädlingen müssen gezielt bekämpft oder ferngehalten werden, wenn man an seinen Mohnen langzeitig Freude haben will. Die Vermehrung und Verpflanzung von Mohnen ist am allerbesten im Frühherbst, ab Ende August vorzunehmen, denn mit Wachstumsbeginn ist der Erfolg am sichersten.
Will man Kultursorten vermehren, so entnimmt man Wurzeln der Mohnpflanze, schneidet sie in Stücke von wenigen Zentimetern Länge und steckt diese Stücke in ihrer natürlichen Haltung oder, falls diese nicht mehr erkennbar ist, in waagerechter Lage in Töpfe mit Erde. Die Wurzelstücke werden mit 1 bis 2 cm Erde ab-gedeckt. Dann werden die Töpfe im Garten eingesenkt .
Zur Gewinnung der Wurzeln für die Schnittstücke gräbt man eine Pflanze seitlich an. So lässt sich eine der fast senkrechten Wurzel abtrennen, ohne die ganze Pflanze zu stören. Mohne lassen sich auch aus Samen vermehren (Sofortkeimer). Dies ist sinnvoll, wenn man entweder Samen aus reinen Wildherkünften zur Verfügung hat, oder wenn man den Weg des Züchters beschreiten will, der aus einer großen Zahl von Sämlingen wenige neue Elitepflanzen ausliest, unter denen dann gegebenenfalls eine neue, verbesserte Kultursorte gefunden wird. Im letzteren Falle wird man den Samen durch sorgfältige Kreuzungen zwischen hochwertigen Sorten gewinnen.
Am Naturstandort blüht der Mohn in orange bis roten Farbtönen. Dieser Farbbereich wird von vielen Pflanzenfreunden als unverträglich im Garten angesehen. Unter anderem, um diesen sensiblen Farbgestaltern entgegen zu kommen, haben die Züchter in den letzten Jahrzehnten Sorten in einem weiten Farbspektrum entwickelt. Dieses Spektrum reicht heute von dunklem Siegellack-Rot (meist P. bracteatum-Abkömmlinge) über Scharlachrot, Orange, Lachsrosa und Hellrosa bis zu Karminrosa, Lavendel, Violett und Weiß.
Außerdem ist bei der Züchtung eine breite Variation von Farbe und Größe der dunklen Basalflecke der Blüten aufgetreten. Diese reicht von Blüten mit großem schwarzen Basalfleck bis zu zartfarbigen Blüten ohne Basalfleck, Auch weißgrundige Blüten mit roten, rosa oder orangenen Blütenblatträndern sind aufgetreten.
Auch Größe und Gestalt der Blüten der Kultursorten variieren stark. Einige Sorten haben gefranste Blüten, andere zeichnen sich durch starke Wellung der Blütenblätter aus. Manche Blüten können voll geöffnet einen Durchmesser von bis zu 25 cm haben, während Zwergsorten wie `Kleine Tänzerin´ zierliche Blüten von etwa 8 cm Durchmesser produzieren.
Eine kritische Größe bei Staudenmohnen ist die Standfestigkeit der Stiele. Die Stielhöhen können zwischen 60 und 130 cm variieren. Bei manchen, insbesondere älteren Sorten, reicht die Stärke der Stiele nicht aus, um auch bei Wind und Regenbelastung die großen Blüten aufrecht zu halten. In solchen Fällen ist eine unauffällige Stützung der Stiele zu empfehlen. Viele der neueren Sorten sind jedoch in Bezug auf die Standfestigkeit deutlich verbessert.
Ein weiterer zierender Aspekt einer Staudenmohnpflanze ist das behaarte, mitunter fast borstenbesetzte Laub, bei dem die Behaarung unterschiedlich gefärbt sein kann.
Die Züchtung von neuen Mohn-Kultursorten ist in Deutschland besonders von der Staudengärtnerei Zeppelin in Laufen/Baden vorangetrieben worden. Bei einer Bewertungsaufpflanzung fast aller auf dem Staudenmarkt befindlichen Staudenmohnsorten durch die Royal Horticultural Society in Wisley errangen die Sorten dieser Gärtnerei den größten Teil der vergebenen Sortenprämiierungen unter über hundert geprüften Sorten. In den letzten Jahren werden Züchtungsaktivitäten und -ergebnisse auch aus England, den Niederlanden und den USA gemeldet, was auf noch viele neue Mohn-Schönheiten hoffen lässt.

Das abschließende Bild zeigt die Farbvielfalt der modernen Staudenmohne in der Vermehrungspflanzung einer Staudengärtnerei.

Isbert Preußler u. Tomas Tamberg

 

nach oben

© 2005 - 2010 Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.