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Orchideen im Garten
 
Von Dr. Heinrich Beyrle

Orchis morio
Foto © 2010 Dr. Heinrich Beyrle
 
  
„Die Pflege und Haltung von Orchideen gelten als hohe Schule gärtnerischen Könnens“. So schreibt Otakar Sadovský Mitte des letzten Jahrhunderts in seinem inzwischen als Klassiker geltendem Buch „Orchideen im eigenen Garten“. Aufbauend auf seinen Erkenntnissen hat sich unser Wissen über die Kultur der Erdorchideen seither stetig vermehrt. Heute kennen wir die Ansprüche von vielen heimischen Orchideen und einiger ihrer Verwandten aus Ländern ähnlicher Klimate. Glücklicherweise zeigten sich viele Orchideen durchaus gartenfreundlich. Dazu kommen zahlreiche Hybriden, welche aufgrund ihrer Wüchsigkeit und Blühfreude einen dauerhaften Platz im Garten verdienen. Einige einfach zu pflegende Arten möchte ich hier vorstellen.
Aufgrund ihres Wachstums lassen sich unsere Orchideen in zwei Gruppen gliedern. Die „normalen“ Orchideen wachsen im Sommer und ruhen im Winter. Einige andere Arten haben jedoch den Wachstumsrhythmus umgekehrt und bilden im Herbst Blätter oder eine Blattrosette. Sie überwintern dann als grüne Pflanzen und zeigen ein aktives Wachstum, sofern Kälte und Schnee dies zulassen. Nach der Blüte im Frühjahr oder Frühsommer ziehen sich die Pflanzen für eine Sommerruhe in den Boden zurück. Diese Orchideen sind während Warmzeiten aus dem Mittelmeergebiet in unsere Gegend eingewandert und haben sich später, als das Klima wieder kälter wurde, an die kalten Winter angepasst. Tatsächlich zeigt sich auch in unseren Tagen, wohl aufgrund der industriebedingten globalen Erwärmung, wieder eine Ausbreitung mediterraner Orchideen nach Norden.

Orchis morio
Foto © 2010 Dr. Heinrich Beyrle
 
  
Eine einfach zu pflegende wintergrüne Orchidee ist Orchis morio, unser Salep-Knabenkraut. Andere deutsche Namen sind das „Kleine Knabenkraut“ oder das „Gemeine Knabenkraut“. Der Name Salep deutet darauf hin, dass die Knollen der Art früher für medizinische Zwecke gesammelt wurden. Trotzdem war das Salep-Knabenkraut nicht selten, sondern in großen Beständen auf nährstoffarmen, trockenen, aber auch nassen Wiesen zu finden. Seit der Intensivierung der Landwirtschaft sind ungedüngte Wiesen selten geworden und damit auch das Salep-Knabenkraut. Die große Anpassungsfähigkeit dieser Orchidee zeigt sich auch im Garten. Sofern der Boden nicht zu sauer und nicht zu stark gedüngt ist, erscheint Ende April bis Mitte Mai der niedere, meist nur 10 bis 20 cm hohe Blütenstiel mit zarten, mittelgroßen, violettroten, selten auch rosa oder weißen Blüten. Dabei zeigen die Blüten eine enorme Variabilität in Größe, Färbung, Duft und Blütenzeichnung. Kaum eine Blüte gleicht der anderen. Orchis morio ist keine Pflanze die gerne für sich alleine lebt. Erst in kleinen Gruppen entfaltet sie ihre ganze Wirkung. Einmal im Garten eingewöhnt, kann sie ihren Besitzer für viele Jahre erfreuen. Besonders wohl fühlt sie sich im Steingarten oder im Blumenbeet in Gesellschaft mit anderen, niederen Pflanzen. Stark wachsende Nachbarpflanzen gefallen ihr dagegen gar nicht. Eine leichte, gelegentliche Düngung fördert das Wachstum nur, sofern Konkurrenzpflanzen klein gehalten werden. In einigen Jahren wird diese Orchidee auch für die eigene Vermehrung sorgen. Denn die Blüten werden gerne von Hummeln und Bienen besucht und die reifenden Früchte verstreuen Tausende winziger Samen. Keimlinge finden sich dann auch in anderen Ecken des Gartens. Allerdings gilt: je weniger der Boden gedüngt wird, desto mehr Pflänzchen erscheinen. In gut gedüngten Böden wird man vergeblich auf junge Pflanzen hoffen. Dies hat ihre Ursache in der Symbiose der Orchideen mit gewissen Bodenpilzen. Diese Pilze wachsen vom Boden in die Orchideenwurzeln und versorgen so die Orchideen mit Wasser und Nährstoffen. Das delikate Gleichgewicht zwischen den beiden Partnern, Pilz und Orchidee, wird durch übermäßige mineralische oder organische Dünger, insbesondere Stickstoff, zugunsten des Pilzes verschoben. Erwachsene, starke Pflanzen können zwar weiterhin den Symbionten kontrollieren. Sämlinge oder Samen dagegen können vom Bodenpilz nicht mehr profitieren und gehen zugrunde.

Ophrys fuciflora, die Hummel-Ragwurz
Foto © 2010 Dr. Heinrich Beyrle
 
  
Orchideen kreuzen sich in der Natur gelegentlich mit anderen Arten und bilden Hybriden. Da diese Hybriden ihre Elternarten oftmals in Anpassungsfähigkeit und Schönheit übertreffen, haben sie gerade für Garten- und Naturfreunde ihren besonderen Reiz. Ausgesprochen schöne Orchideen ergeben Kreuzungen von Orchis morio mit verwandten Arten aus dem Mittelmeergebiet. Dabei vererbt das Salep-Knabenkraut seine völlige Winterhärte, so dass die Nachkommen auch unseren mitteleuropäischen Winter überstehen. Durch die Kreuzung mit der nahe verwandten westmediterranen Orchis longicornu werden die Blütenstängel höher und farbenfroher. Eine Kreuzung mit dem Schmetterlingsknabenkraut Orchis papilionacea ergibt Orchideen, welche dem südlichen Elternteil sehr ähnlich sehen.

Ophrys insectifera x Ophrys mammosa, eine schöne und winterharte Hybride der Fliegen-Ragwurz
Foto © 2010 Dr. Heinrich Beyrle
 
  
Besonders faszinierend sind die wintergrünen Ragwurz der Gattung Ophrys. Die wenigen heimischen Arten wie die Spinnen-Ragwurz Ophrys sphegodes, die Fliegen-Ragwurz Ophrys insectifera, die Hummel-Ragwurz Ophrys holoserica und die Bienen-Ragwurz Ophrys apifera haben eine große Verwandtschaft, mit einem Verbreitungsgebiet von den Kanaren bis in den Iran. Die heimischen Ragwurz sind in Mitteleuropa auf sommerwarme Gebiete beschränkt, und auch im Garten ist ein geschütztes, warmes Kleinklima besonders wichtig. Die Ragwurz-Kultur erfordert einige Kenntnisse, ist aber nicht schwierig. Als sommerruhende Pflanzen benötigen sie einen nur leicht humosen, mineralischen und wasserdurchlässigen, luftigen, warmen Boden. An solchen Plätzen überdauern ruhende Knollen auch ergiebige Sommerregen unbeschadet, sofern das Wasser ungehindert abfliesen kann. Frühlings- und Herbstsonne erwärmen den Boden, doch gewarnt sei vor mangelndem Frühlingsregen. Trockenheit führt hier zu einem vorzeitigen Einziehen der Orchideen und zu kleineren, nicht blühenden Pflanzen im nächsten Jahr. Im Garten ist das kein Problem. Der aufmerksame Gärtner wird seinen Garten gießen, doch in der Natur gibt es nicht zuletzt deshalb gute und schlechte Orchideenjahre und die Anzahl blühender Orchideen schwankt in großem Maße.

Dactylorhiza majalis, das im Mai blühende Breitblättrige Knabenkraut
Foto © 2010 Dr. Heinrich Beyrle
 
  
Kaum ein Betrachter wird sich beim ersten Anblick einer blühenden Ragwurz ihrem Bann entziehen können. In Form und Farbe gleichen die Blüten gewissen Insekten und genau diese sind die potentiellen Bestäuber. Männliche Insekten verwechseln die Orchideenlippe mit ihren paarungsbereiten Weibchen. Duft und Behaarung der Blüte tun ihr übriges, doch nach einigen fruchtlosen Paarungsversuchen wird sich das Männchen enttäuscht einem anderen Ragwurz-Weibchen zuwenden. Dabei trägt es den Pollen von einer Blüte zur anderen. Jede Ragwurz-Art wird in der Regel von nur genau einer Insektenart befruchtet. Falls die Bestäuber ausbleiben, hilft sich die Bienen-Ragwurz selbst und lässt den Pollen auf die Narbe gleiten. Im Garten sind die sehr spezifischen Insekten kaum zu erwarten und die anderen Ragwurz-Arten werden keinen Samen tragen. Experimentierfreudige Orchideenliebhaber können die Pollen auf einfache Weise übertragen und so für Nachwuchs sorgen. Ob im darauffolgenden Jahr Sämlinge erscheinen, hängt allerdings vom Nährstoffgehalt und der Zusammensetzung des Bodens ab. Auch hier gilt, Nährstoffarmut begünstigt die Keimung. Da Nährstoffe jedoch für jegliches Pflanzenwachstum essentiell sind, ist die richtige Balance für eine erfolgreiche Aufzucht entscheidend. Wichtig für ein gutes Wachstum von Ragwurz-Arten ist auch eine ausreichende Menge säureausgleichender Basen im Boden. Eine gelegentliche Kalkgabe oder kalkführender Untergrund ist daher günstig.
Die Gattung Ophrys ist evolutionsbiologisch gesehen noch sehr jung. Alle Arten sind untereinander fruchtbar. Neugierige Insekten übertragen schon mal gelegentlich Pollen anderer Arten und Hybriden sind in der Natur nicht selten. Auch Rückkreuzungen sind möglich und Hybridschwärme am natürlichen Standort können oft nur schwer einer bestimmten Art zugeordnet werden. Meistens zeigen sich die Nachkommen intermediär zwischen ihren Elternarten, doch gelegentlich ist ein Elternteil dominant und der zweite Elter nur schwer zu erraten. Für die Züchtung von Gartenorchideen eröffnet sich hier ein riesiges Potential. Besonders bunte und farbenfrohe Orchideen ergeben Kreuzungen der Bienen- und der Hummel-Ragwurz mit mediterranen Arten. Farbkombinationen von Gelb, Blau, Grün und den verschiedensten Rot- und Brauntönen sind in einer Blüte möglich. Zeichnungen und weiße Bänderrungen der Lippe und selbst Spiegeleffekte steigern die Wirkung. Doch auch die Anmut der Fliegen- und der Spinnen-Ragwurz, ohne großes Farbenspiel, mag der wahre Orchideenfreund nicht missen.

Dactylorhiza-foliosa-Hybride mit großen Blüten und prächtigen Farben
Foto © 2010 Dr. Heinrich Beyrle
 
  
Bezüglich ihrer Ansprüche sind Ragwurz- und auch die Orchis-Hybriden viel gartenfreundlicher als die reinen Arten und schenken uns im Garten, in kleinen Gruppen gepflanzt, den Flair eines mediterranen Frühlings.
Kommen wir nun zu den sommerwachsenden Orchideen, welche im Frühjahr aus ihrem Winterschlaf erwachen. Am einfachsten zu pflegen sind Orchideenarten aus der Gattung Dactylorhiza, den Fingerwurz-Knabenkräutern. Die Knospen oberhalb der handförmigen Knollen treiben im Laufe des Monats April die ersten Blätter und die Pflanzen blühen, je nach Art, von Mai bis in den August. Zuhause sind diese Orchideen meist in Feuchtgebieten oder nassen Wiesen. Nur wenige Arten, wie das Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) bevorzugen etwas trockenere Standorte. Bezüglich der Bodenzusammensetzung ist die Gattung, mit Ausnahme einiger Spezialisten, anspruchslos und kommt mit durchschnittlicher Gartenerde gut zurecht. Bei konstant leicht feuchtem Boden und einem sonnigen bis halbschattigen Standort erscheinen zuverlässig jedes Jahr die hübschen Blütenstiele. Bei Trockenheit sollte jedoch regelmäßig gegossen werden.

Pleione limprichtii, eine frostharte Pleione aus dem Himalaya
Foto © 2010 Dr. Heinrich Beyrle
 
  
Dactylorhiza-Hybriden ergeben besonders robuste Gartenorchideen und bilden in wenigen Jahren durch zusätzliche Sprossbildung stattliche Gruppen. Hybriden mit der hochwüchsigen Dactylorhiza elata oder mit der großblütigen Dactylorhiza foliosa ergeben besonders schöne Orchideen. Beide sind als reine Arten nicht völlig winterhart, da Erstere in den höheren Regionen westlicher Mittelmeerländer zuhause ist und Letztere aus den Bergen Madeiras stammt. Kreuzungen mit heimischen Arten überstehen unsere Winter jedoch problemlos.

Cypripedium calceolus im halbschattigen Garten mit Morgensonne
Foto © 2010 Dr. Heinrich Beyrle
 
  
Die südasiatische Gattung Pleione bietet für erfahrene Gartenfreunde Blumen, welche in dieser Gestalt sonst nur in tropischen Orchideen zu finden sind. Die Kultur von Pleione ist an sich einfach. Deutlich schwieriger ist jedoch eine langfristige Kultur im Garten. Pleione limprichtii, die einzige winterharte Art, wächst gerne litophytisch, also auf Steinen oder Felsen in Nischen mit etwas Humusbildung. Eine Kultur ist auch auf Holzstämmen, Ästen oder selbst am Boden möglich. Wichtig ist vor allem viel Luft an den Wurzeln und den Bulben. Eine Kultur in lebendem Moos, also bryophytisch, ergibt in unserem Klima die besten Resultate. Dabei sitzen die Bulben im Moos und die Wurzeln verbreiten sich am Grunde des Mooses und sind so vor Austrocknung gut geschützt. Meine Pflanzen wachsen sehr gut im Bürstenmoos (Polytrichum spec.), welches sich auf einer dünnen Humusschicht von selbst angesiedelt hat. Die dunkelroten bis violetten Blüten erscheinen im April oder Mai noch vor den relativ großen Blättern. Den Sommer über lieben die Pflanzen eher etwas schattigere Plätze. Günstig ist ein Standort mit nur indirekter Sonne. An warmen Sommertagen sollte gewässert und gelegentlich leicht gedüngt werden. Mit den ersten Nachtfrösten welken die Blätter und die Bulben mögen dann bis zur Blüte ziemlich trocken stehen. Verluste im Winter sind fast immer auf Nässe zurückzuführen. Daher ist ein Abdecken sinnvoll, so dass zwar Luft, aber kein Regen die Pflanzen trifft.
Viel einfacher ist die Gartenkultur von Bletilia striata. Auch sie ist von tropischer Abstammung, wie ihre Blüten leicht erahnen lassen. Diese zeigen sich im Mai und Juni an hohen Blütenständen in den Farben rot, hellrosa oder weiß. Die Bulben werden im März oder April gepflanzt. Am besten gedeihen diese Orchideen in guter, lockerer Gartenerde. Je nach Ausgangsmaterial kann etwas Lehm oder Sand beigemischt werden. Der bevorzugte Standort ist sonnig, warm und windgeschützt. Eine Abdeckung des Pflanzbeetes mit Herbstblättern laubabwerfender Bäume lässt diese Orchidee auch in winterkalten Gebieten gut durch die dunkle Jahreszeit kommen.
Die Gattung Epipactis bietet Rhizomorchideen, welche in Europa in verschiedensten Habitaten vorkommen. Wälder, Wiesen, Wegränder, Feuchtgebiete und Trockenrasen sind mögliche Standorte. Die meisten Arten sind Waldorchideen und wegen ihrer speziellen Pilzabhängigkeit kaum für die Kultur geeignet. Die in dauerfeuchten Wiesen und Flachmooren verbreitete Sumpfwurz Epipactis palustris ist jedoch häufiger im Garten anzutreffen. Die recht anspruchslose Art vermehrt sich gut durch zahlreiche Ausläufertriebe und bildet bald kleine Gruppen. Geeignet ist diese Orchidee zur Pflanzung an Teichrändern oder in Gartenmooren. Für ein gutes Gedeihen benötigt sie neutrale oder kalkreiche Böden. Die nordamerikanische Epipactis gigantea scheint auch in trockeneren und saureren Böden gut zu wachsen. In sandig-humoser Erde vermehrt sie sich sehr schnell durch Ausläuferbildung. Beide Arten blühen im Frühsommer mit exotisch anmutenden Blüten. Epipactis ’Sabine’, die Kreuzung beider Arten, ist völlig anspruchslos und für jeden Naturgarten eine Bereicherung. Ebenso empfehlenswert ist Epipactis ’Renate’ (E. palustris x E. veratrifolia). Aufgrund ihrer starken Wüchsigkeit können die Hybriden schon nach wenigen Jahren geteilt werden.

Cypripedium 'Gisela', ein besonders einfach zu kultivierender Frauenschuh
Foto © 2010 Dr. Heinrich Beyrle
 
  
Eine der schönsten Pflanzen für den Garten ist immer noch die Frauenschuh-Orchidee der Gattung Cypripedium. Die schuhförmige Gestalt der Lippe und die Größe der Blüte wecken schnell die Aufmerksamkeit von Pflanzenfreunden. Cypripedium calceolus, der heimische Frauenschuh, entwickelt im Laufe der Jahre an einem ihm zusagenden Standort einen Stock oder Horst, also ein ausgedehntes Rhizom mit zahlreichen Trieben. Bei ausreichend Licht und Nahrung öffnet sich im Mai an fast jedem dieser Triebe eine süßlich duftende Blüte mit gelber Lippe und kontrastierenden braunen Blütenblättern. Cypripedium calceolus ist jedoch eine recht anspruchsvolle Pflanze und benötigt eine sorgfältige Standortwahl und einen erfahrenen Gärtner. Viel empfehlenswerter sind die seit einigen Jahren erhältlichen Frauenschuhhybriden. Cypripedium ’Emil’, die Hybride von Cypripedium calceolus mit dem nordamerikanischen, nahen Verwandten Cypripedium parviflorum ist deutlich wüchsiger. Dabei unterscheidet sich die Blüte kaum vom heimischen Frauenschuh. Noch wüchsiger und nicht weniger schön ist Cypripedium ’Gisela’ (Cypripedium parviflorum x macranthos). Diese Hybride hat in den letzten Jahren Zugang zu vielen Gärten gefunden.

Cypripedium 'Ulla Silkens' ist pflegeleicht und hat große Blüten
Foto © 2010 Dr. Heinrich Beyrle
 
  
Seit es möglich ist, Frauenschuh-Orchideen in-vitro aus Samen zu vermehren, hat das Angebot und Interesse an diesen Freiland-Orchideen als Gartenpflanzen stark zugenommen. Gerade Frauenschuh-Hybriden werden nun in vielen Kreuzungen mit den verschiedensten Farben und Formen angeboten. Ihnen allen gemeinsam ist ihre Anspruchslosigkeit und Langlebigkeit. Die Grundbedürfnisse der Gattung Cypripedium müssen jedoch erfüllt werden. Bereits vor der Pflanzung sollte der Gartenboden auf eine gute Luft- und Wasserführung geprüft und gegebenenfalls verbessert werden. Für diese Rhizomorchidee darf der Boden niemals völlig austrocknen. Eine leichte Mulchschicht aus feinen Holzhäckseln, Holzfasern oder Rinde wirkt deshalb günstig. Diese sich nur langsam zersetzenden Materialien können auch eingearbeitet werden, um einer Bodenverdichtung vorzubeugen. Doch Vorsicht, viele Frauenschuh-Arten sind Flachwurzler. Ein halbschattiger Standort sagt diesen Pflanzen am besten zu. Cypripedium wachsen auch im Garten gerne in Gesellschaft von Sträuchern oder Bäumen, welche etwas Wind- und Sonnenschutz bieten.

Der Königinfrauenschuh (Cypripedium reginae) wächst gerne etwas feuchter und sonniger im Vergleich zu den meisten Cypripedium-Arten. Diese in Nordamerika in Sümpfen heimische Pflanze hat große, hellrosa bis rote Blüten und blüht erst ab Ende Juni. Wirklich empfehlenswert ist die Kreuzung dieser Art mit dem asiatischen Cypripedium flavum, Cypripedium ’Ulla Silkens’. Ein noch freier Platz im Garten scheint dieser Orchidee gerade recht.
Der Siegeszug der Orchideen in unsere Gärten ist nicht mehr aufzuhalten. Jetzt, da die gärtnerischen Grundlagen der Vermehrung und Züchtung in Kultur gegeben sind, dürfen wir uns auf viele neue, faszinierende Blumen freuen.

Kontakt zum Autor: www.myorchids.de

 
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