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Hexenbesen im Alpinum
 

Kleine Gehölze geben der Steingartenanlage eine Struktur.
Foto © 2010 Angela Beck

Von Peter und Angela Beck


Kleine Bäume für kleine Anlagen
Wer wenig Platz hat, ein Alpinum oder eine Schale bzw. einen Trog hübsch gestalten will, für den eignen sich die sogenannten "Hexenbesen" oder Zwergkoniferen. Sie werden immer beliebter, weil große Grundstücke weniger und nahezu unerschwinglich werden. Zwergkoniferen sind deshalb "in", sind auch bei Bonsaifreunden heißt begehrt und werden im Fachhandel verstärkt angeboten. Zwergwüchsig und dekorativ (als optisches Gerüst) wirken Hexenbesen als begeisternder Blickfang.

Abies pinsapo, Spanische Tanne
Foto © 2010 Angela Beck
 
  
Verwendungsmöglichekiten
Die Verwendungsmöglkichkeiten von Hexenbesen für den Hobbygärtner und den leidenschaftlichen Pflanzensammler reichen von einfachen Schalen über rustikale Tröge, Planzgefässe und Balkonkästen aller Art auf Terassen und Dachgärten, als Schmuck von Hauseingängen und öden Balustraden bis hin zum begeisternden Alpinum.
Hexenbesen haben zwölf Monate lang Saison. Sind winterhart, leicht zu pflegen und für nahezu jeden Pflanzenfreund ein wahrer Schatz. Mit ihnen läßt es sich gut dekorieren und gestalten. Sie geben jedem Standort erst den letzten Pfiff.

Chamaecyparis obtusa 'Minima', Hinoki-Scheinzypresse
Foto © 2010 Angela Beck
 
  
Was sind Hexenbesen?
Entstanden sind Hexenbesen (wenn auch selten) aus einer Laune der Natur, auggrund einer Mutation an den Zweigen von ganz normalen Gehölzen. Meist einzeln vorkommend, zeigen sie immer einen stark verdickten Bereich rund um die Entstehungsknospe. Die Zweiglein, oft büschelartige oder ballförmige Gebilde, sind recht klein, die Nadeln können anders geformt (dicker, dünner, gedreht, härter oder weicher, länger oder kürzer) bzw. anders als die Mutterpflanze gefärbt sein. Man findet mit Glück Hexenbesen einzeln oder zu mehreren auf Laub- und Nadelbäumen.

Wie der Name entstand
Der Volksglaube nahm an, daß es sich bei den verkleinerten Trieben, die oft stark büschelig wachsen, um im Baum hängengebliebene Besen von Hexen handelt, die sie beim Flug durchs Geäst verloren haben. Hexenbesen waren uns lange suspekt, auch weil sie nicht gerade als Glücksbringer galten.
In Südtirol gibt es sogar eine Stelle im Lärchenwald bei Maria Saal, die als Hexenbödele bekannt ist und für manche Mär herhalten musste. Die Ursache: Ein relativ grosser Hexenbesen auf einer uralten Lärche überwuchert dort ein Kruzifix. In unserer aufgeklärten Zeit wissen wir, daß es sich bei den ungewöhnlichen Wachstumsformen um Mutationen handelt, die weltweit sogar auf relativ vielen Baumarten vorkommen.

Picea abies 'Acrocona Push', Zwerg-Zapfen-Fichte
Foto © 2010 Angela Beck
 
  
Achtung, Doppelgänger!
Es gibt auch Hexenbesen auf, die für unsere Zwecke ungeeignet sind. Sie werden durch zerstörerisch wirkende Mikroorganismen (Pilze bzw. Viren) besonders auf Birken und anderen Laubbäumen (Hainbuchen aber auch auf Obstbäumen wie Kirschen) hervorgerufen. Solche büscheligen Gebilde sind an der Basis meist dicktriebig und werden zur Triebspitzte immer dünner und ausserdem meist dürr. Solche sind für Gartenzwecke nicht brauchbar, weil das Veredeln zwecklos ist. Sie wachsen nicht mehr weiter und sind höchsten als Krippendekoration zu gebrauchen.

Pinus leucodermis 'Schmidtii', Schlangenhaut-Kiefer
Foto © 2010 Angela Beck
 
  
Grüne Hexenbesen vermehren
* Den Trieb mit einem scharfen Messer schräg ab- bzw. anschneiden (am besten einen erfahrenen Gärtner machen lassen).
* Vorbereitete Unterlage (3-4jährige Planzen der gleichen Art) seitlich anplatten (mit dem Messer seitlich in die Rinde bis zum Kambium schneiden) und den Minitrieb einsetzen.
* Den Minitrieb gut am Stämmchen fixieren und wie Veredelungen weiterbehandeln.
* Die Hexenbesen-Veredelung am besten geschützt aufstellen (im Glashaus oder Folientunnel).
* Hexenbesen wachsen so wie ihre Mutterpflanzen gartenwillig weiter.
* Selbst auf Hexenbesen entstehen noch kleinere Exemplare die es wie beschrieben zu erhalten gilt.

Zwergkoniferen können natürlich auch aus Sämlingen entstehen. Echte Zwerge findet man allerdings recht selten im Sämlingsbeet oder in der Natur, zumal Zwerggehölze sehr lange brauchen, um Samen anzusetzen.

Tsuga canadensis 'Cole', Zwerg-Hemlocktanne
Foto © 2010 Angela Beck
 
  
Hexenbesen pflegen
Voraussetzung für optimales Gedeihen ist eine gute Drainage, ein lockerer, leicht saurer, sandiger bis lehmig-humoser Boden und ein lichter Standort. Wer dann noch wohldosiert gießt (Staunässe unbedingt vermeiden), während der Wachstumszeit alle vier Wochen düngt (Koniferendünger, Bittersalz) und die ersten zwei Winter abdeckt und sie an frostfreien Tagen etwas gießt, der wird an den Hexenbesen lange Jahre seine Freude haben.
Der Tipp: Zwergkoniferen wollen immer “erhöht“ und luftig, vor allem nicht in Mulden stehen.

Große Vielfalt
Es gibt mittlerweile von fast allen Nadelgehölzen Hexenbesen in vielen Arten und Sorten. Beim Kauf sollte man sich jedoch vergewissern, daß es sich auch wirklich um Markenware, also einen echten "Zwerg" handelt. Zwergige Weiden sind zwar keine Hexenbesen, sie passen aber ebenfalls gut in den Steingarten. Dies gilt auch für die Hokaido-Ulme (Ulmus davidiana ssp. pygmaea).

Eine kleine Auswahl geeigneter Hexenbesen
Der Jahreszuwachs dieser Arten und Sorten beträgt nur wenige Zentimeter.
Abies alba ’Badenweiler’
Abies balsamea 'Nana', 'Piccolo'
Abies grandis ‘van Dedens Dwarf’
Abies koreana 'Blauer Eskimo'
Abies koreana ’Doni-Tajuso’, ’Kohouts Hexe’, ’Pinoccio’, ’Silberkugel’, 'Silberperl'
Abies lasiocarpa 'Logan Pass’
Abies nordmanniana 'Münsterland'
Abies pinsapo
Abies procera
’Robenek’
Cedrus deodara 'Pygmy'
Chamaecyparis lawsoniana 'Aurea densa', 'Elwoodii', ’Gnome’, 'Green Globe', 'Pixii'
Chamaecyparis obtusa 'Draht-Hexe’, ’Elf’, ’Minima’, ’Nana lutea'
Chamaecyparis pisifera ‘Hime-Sawara’, ‘Rogersii’
Cryptomeria japonica 'Juvenile’, ‘Tenzan'
Juniperus communis 'Anna Maria’, ’Berkshire', 'Brien’, ’Haverbek', 'Windsor Gem'
Juniperus horizontalis ’Neumann’
Larix decidua 'Karsten'
Microbiota decussata
Picea abies
'Acrocona Push', ’Bally’, 'Häsin', 'Little Gem', ‘Luz HB’, 'Mariae Orffiae', ‘Micukasevile’, 'Motala', 'Rosengarten', 'Sonnenberg'
Picea glauca var. albertiana
Picea glauca
‘Blue Wonder’, ‘Tiny’
Picea omorica ‘Schneverdingen’
Picea orientalis 'Juwel', ‘Prottranger’, ‘Tom Thumbgold’
Picea pungens ‘Blue Ball’
Pinus aristata ‘Banksiana’, ‘Cembra’, ‘Grüne Kugel’, ‘Schneverdingen’, ‘Tamangur’
Pinus leucodermis 'Schmidtii'
Pinus mugo 'Almhütte', 'Humphy', ‘Hyozdany’, ‘Mops Sport', ‘Nymphenburg’
Pinus parviflora ’Pygmy Katsubosa’
Pinus peuce ’Nana’
Pinus sylvestris ‘Fjell-Teppich’, ‘Troll’
Pinus uncinata ‘Etschtal’, ‘Süße Perle’
Pseudotsuga menziesii ‘Brookines’, ‘Hillside Pride’, ‘Mont Hood’
Taxus baccata 'Green Diamond', ‘Goldener Zwerg’, 'Standishii'
Tsuga canadensis 'Cole', 'Curly', ‘Minuta’

 
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