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Sarracenia flava und ihre Klone
 
Von Johannes Betz

Sarracenia flava var. atropurpurea
Foto © 2010 Johannes Betz
 
  
Als ich mich vor 20 Jahren das erste Mal mit Carnivoren beschäftigte, hatten es mir besonders die Sarracenien angetan. Mittlerweile kultiviere ich über 50 verschiedene Klone. Teils habe ich sie in meinen künstlich angelegten Mooren ausgepflanzt, oder ich kultiviere sie in meinen Gewächshäusern.
Das größte Interesse bringe ich jedoch immer noch für Sarracenia flava auf, die mich mit ihren großen kräftigen, farbenfrohen Schläuchen und den im Frühjahr erscheinenden gelben Blüten immer wieder erfreut. Einige möchte ich Ihnen hier vorstellen.

Sarracenia flava ‘Pure Green Pitcher’
Die Schläuche sind ganz grün, ohne jegliche Pigmentierung; ca. 20 - 25 cm hoch, Schlauchöffnungsdurchmesser bis 2 cm (kleinste Öffnung unter den flavas).

Sarracenia flava ‘Coppertop’
Sie wurde von Donald Schnell im „Carnivorous Plant Newsletter“ im Dezember 1998 (Vo-lume 27, Nr. 4) als S. flava var. cuprea vorgestellt. Es ist eine meiner schönsten S. flava: der Deckel und das obere Viertel des Schlauches sind kupferfarben. Dies kommt besonders gut zur Geltung, wenn im Frühling die ersten Sonnenstrahlen auf die jungen Schläuche treffen. Von dieser Pflanze kultiviere ich drei verschiedene Klone.

Sarracenia flava var. rubicorpora
Foto © 2010 Johannes Betz
 
  
Sarracenia flava var. atropurpurea
Dieser Klon kam als S. flava 'ALL RED’ in meine Sammlung und wurde von Donald Schnell in dem oben erwähnten Artikel als S. flava var. atropurpurea registriert. Die Schläuche und der Deckel dieser Varietät sind ganz rot gefärbt, obwohl es schon Jahre gab, in denen diese Färbung nicht so intensiv war. Im nächsten Jahr trat dann wieder die volle rote Färbung auf. Woran dies liegt, ist mir noch ein Rätsel. Wahrscheinlich spielt hier die Lichtintensität eine Rolle, die für die Anthocyanbildung verantwortlich ist. Sämlinge (auch anderer Klone), die ich in den Wintermonaten unter eine Natriumdampflampe stellte, färbten ihre Keimblätter ganz rot ein.

Sarracenia flava var. cuprea
Foto © 2010 Johannes Betz
 
  
Sarracenia flava var. rubicorpora
Diesel Klon wurde, bevor ihn Donald Schnell 1998 als rubricorpora benannte, als S. flava 'Red Tube-Green Lid’ in Umlauf gebracht. In vielen Büchern, Zeitschriften und Sammlungen ist diese Pflanze als Sarracenia flava 'BURGUNDY’ zu finden. Wie der Name schon sagt, sind hier die Schläuche rot und die Deckel mehr oder weniger grün. Diese Pflanze macht wie S. atropurpurea Schläuche bis zu 70 cm.

Sarracenia flava var. ornata
Eine wunderschöne Pflanze, deren Schläuche eine intensiv dunkelrote, geordnet erscheinende Musterung aufweisen. Die kräftigen Schläuche werden bis zu 30 cm lang und besitzen eine große Schlauchöffnung.

Sarracenia flava var. rugelii
Diese Varietät besitzt zwischen Schlauch und Deckel einen roten Kragen und ist ansonsten absolut anthocyanfrei. Von diesen Pflanzen kultiviere ich derzeit drei Klone:
1. Dieser Klon ist sehr gedrungen und macht Schläuche von bis zu 30 cm; der rote Kragen ist nur schwach ausgebildet.
2. Hier werden die Schläuche bis 70 cm und der rote Kragen ist sehr intensiv und kräftig aus-gebildet.
3. Der Klon gleicht dem vorigen, nur dass hier der Deckel gewellt ist, weshalb der Klon als Sarracenia flava var. rugelii 'WAVY LID’ bezeichnet wird.

Sarracenia flava 'Heavy Veined’
Hier wird es etwas schwierig, denn zwischen den grünen und roten Schläuchen gibt es einige sehr schöne Übergänge von grün zu rot. Dadurch ist die Aderung der Schläuche bei den verschiedenen Klonen sehr individuell. Der Unterschied zu S. flava var. ornata wird durch die tiefrote intensive Zeichnung der Schläuche deutlich.

Sarracenia flava ‘Maxima’
Unter dieser Bezeichnung habe ich schon einige Pflanzen sowie Samen bekommen. Leider konnte ich bis jetzt bezüglich der Schlauchlänge keinen großen Unterschied gegenüber den anderen S. flava-Unterarten feststellen.

Sarracenia purpurea ssp. purpurea f. heterophylla
Foto © 2010 Johannes Betz
 
  
Die Kultur
Als Substrat verwende ich Torf mit etwas Quarzsand, Perlite und Vermiculit, das ich zu einer lockeren Mischung verarbeite. Die Pflanzen werden (außer gelegentlich Sämlinge) nicht gedüngt.
Bei Versuchen mit Tongranulat zeigten die Pflanzen einen gedrungeneren Habitus. Auch das Wurzelwachstum war eingeschränkt, doch die vorhandenen Wurzeln waren sehr kräftig. Längere Anstauverfahren wurden allerdings aufgrund des Wurzelwachstums nicht mehr so gut vertragen.
Versuche mit verschiedenen Sand-Torfmischungen (mit saurem bzw. neutralem bis leicht alkalischen Sand) zeigten immer wieder eine Moosbildung auf der Substratoberfläche, was zu einer schlechten Luftführung im Substrat führte. Dies wirkte sich ungünstig auf die Gesunderhaltung des Rhizoms aus.
Es ist mir ein großes Anliegen, durch diese Kulturbedingungen den natürlichen Habitus dieser schönen Pflanzen zu erhalten, um sie standhaft für die Freilandkultur zu machen, wo sie Wind und Wetter ausgesetzt sind.

Sarracenia- Naturhybriden
S. flava x purpurea = S. x Catesbaei W (= winterhart)
S. flava x leucophylla = S. x Mooreana W
S. flava x alata = S. x ? W
S. flava x rubra = S. x Popei W
S. flava x minor = S. x Harperi W
S. flava x psittacina = S. x ?
S. purpurea x leucophylla = S. x Mitchelliana W
S. purpurea x alata = S. x Exornata W
S. purpurea x rubra = S. x Chelsonii W
S. purpurea x minor = S. x Swaniana W
S. purpurea x psittacina = S. x Courtii
S. leucophylla x alata = S. x Aureolata W
S. leucophylla x rubra = S. x Readii
(syn. x Farnhamii)
S. leucophylla x minor = S. x Exellens
(syn. x Cantabridgiensis)
S. leucophylla x psittacina = S. x Wrigleyana
S. alata x rubra = S. x Ahlesii W
S. alata x psittacina = S. x ?
S. rubra x minor = S. x Rehderi
S. rubra x psittacina = S. x Gilpini
S. minor x psittacina = S. x Formosa

S. purpurea
ssp. purpurea x purpurea ssp. venosa = S. purpurea ‘New Jersy Intergrade’ entsteht in New Jersey wo sich beide Unterarten treffen. W

Sarracenia-Kulturhybriden
S. x Diesneriana = S. x Courtii x flava
S. x Evendine = S. x Catesbaei x leucophylla W
S. x Illustrata = S. x Catesbaei x alata W
S. x Lashkei = S. x Courtii S. x Moorei
S. x Marston Hill = S. leucophylla x (f x pr) x f)
S. x Melanorhoda = S. x Catesbaei x purpurea W
S. x Sanderiana = S. x Readii X leucophylla
S. x Swaniana = S. minor x purpurea
S. x Umlauftiana = S. x Courtii x S. x Wrigleyana
S. x Vetteriana = S. x Illustrata x S. x Catesbaei W
S. x Vittata Maculata = S. purpurea x S. x Chelsonoo W
S. x Vogeliana = S. x Courtii x S. x Catesbaei
S. x Willmottae = S. x Catesbaei x purpurea W
S. x Willisii = S. x Courtii x S. x Melanorhoda
S. x Willisii x leucophylla
‘Dark RED Top’

941 S. purpurea ssp. Venosa x S. x Exellens
942 S. (rubra x flava
‘Super Ornata’) x purpurea ssp. purpurea ‘Carbon’ W
943 S. purpurea ssp. Venosa x (rubra x flava ‘Super Ornata’) W
944 S. x Mooreana x purpurea ssp. Venosa ‘Louis Burke’
945 S. x Mooreana x S. x Chelsonii
946 S. x Chelsinii x minor


‘DIXIE LACE’ = (leucophylla x alabamensis ssp. wherry) x (psittacina x ?) 1993 xx
‘COTTON PEACH’ = S. leucophylla x alabamensis ssp. wherry xx
‘LADIES IN WATTING’ = S. leucophylla x (rubra x psittacina) 1985 xx
S. leucophylla x minor x leucophylla
S. flava
‘ALL RED’ x alata ‘ALL RED’ W
S. flava ‘Very Heavy Veined’ x purpurea ssp. venosa ‘Maroon’= S. x Catesbaei ‘Down Under’ W

xx = nicht registrierte Sortennamen
W = winterhart nach eigenen Erfahrungen

Kontakt zum Autor: Betz.Johannes@t-online.de

 
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