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 |  |  Foto © 2010 Dr. Hugo Herkner | |
| | | Von Gerd Stopp
Pleionen sind meist erdbewohnende Orchideen aus dem Himalaya. Nur die Pleione limprichtii ist unter unseren Klimaverhältnissen als absolut winterhart zu bezeichnen und wird seit vielen Jahren in Europa kultiviert.
Die ersten Exemplare wurden von dem schwedischen Botaniker Dr. Harry Smith 1934 in der Nähe von Kanding, Provinz Sichuan, in SW-China gefunden und über die Gärtnereien Magnus Johnson und van Tubergen verbreitet. Am Standort besiedeln die Pflanzen bemooste Felsen in 2900 – 3100 m Höhe mit winterlicher Schneedecke.
Vermutlich ist nur ein einziger, wüchsiger Klon der Grundstock aller Bestände, denn die in Kultur befindlichen Pflanzen sind in allen Merkmalen identisch.
Die in den letzten Jahren erfolgten Beobachtungen am Naturstandort zeigen eine große Variabilität von Pleione limprichtii in der Blütenfarbe und eine weitaus größere Verbreitung als bisher angenommen.
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 |  |  Foto © 2010 Dr. Hugo Herkner | |
| | | Kultur im Garten
Im Garten gehört Pleione limprichtii zu den am besten wachsenden Orchideen, wenn man ihre Ansprüche nur einigermaßen erfüllt. Der Standort sollte generell halbschattig bis schattig und leicht feucht sein. Im Schatten von Gehölzen, z.B. kleineren Rhododendren, fühlt sich die Art sehr wohl. Aber auch in moosigen Felspalten, trockeneren Bereichen von Moorbeeten und in Topfkultur kann man gute Erfolge erzielen.
In den letzten Jahren vorgenommene Versuche mit der Kultur auf alten, bemoosten Tuffsteinen waren sehr erfolgreich, die Wurzeln wachsen unmittelbar auf dem Kalk. Pleione limprichtii ist also auch kalkverträglich.
Das Substrat kann aus sehr verschiedenen Materialien gemischt werden: Buchenlauberde, Torf, Sand, Moos oder feinere, handelsübliche Orchideensubstrate bringen gute Erfolge. Ich kultiviere seit einigen Jahren fast ausschließlich in reiner Pinienrinde der Körnung 0-8 mm. Französische Pinienrinde ist preiswert in vielen Baumärkten erhältlich. Dieses Substrat hat den großen Vorteil nicht zu vermoosen und über lange Jahre stabil zu bleiben. Allerdings muß man in der Vegetationszeit regelmäßig leicht düngen, denn Pinienrinde enthält kaum Nährstoffe.
Alle Substrate sollen sehr durchlässig sein, das Gießwasser muß schnell abziehen.
Der Vegetationszyklus
Pleione limprichtii beginnt ihr Wachstum, je nach Wetterlage, im März oder April und blüht Ende April bis Mitte Mai. Kleine Pseudobulben treiben zuerst eine schöne, rosafarbene Blüte. Schon kleinste Bulben, ab etwa Erbsengröße, entwickeln eine Blüte von 4-5 cm Durchmesser, größere Bulben tragen bis zu vier Blüten!
Aus dem Blütentrieb entwickelt sich dann der Neutrieb, meist zwei Stück pro Bulbe, und außerdem einige kleine Brutbulben ("Bulbillen") auf der Oberseite der alten Pflanze.
Im Laufe des Sommers entstehen die neuen Bulben und die alte vergeht. Im Herbst, nach dem Blattfall, stehen dann zwei bis drei neue Pflanzen am Standort. Das erklärt auch die gute Vermehrung von Pleione limprichtii.
Während der Wachstumszeit von etwa Mai bis September sollte das Substrat nicht austrocknen; an heißen Tagen kann man etwas sprühen, um eine kühlere Umgebung zu schaffen. Je nach Substrat sollte alle 2-3 Wochen leicht gedüngt werden. Handelsüblicher Orchideendünger, auch milde organische Dünger wie Hornspäne, Knochenmehl oder Rinderdung leisten gute Dienste. Es ist besser, häufig und dafür in geringeren Mengen zu düngen.
Im Herbst, nach dem Blattfall, beginnt die Ruhezeit. Die alten Wurzeln sterben den Winter über ab. Eine winterliche Abdeckung mit etwas Laub, Vlies oder Fichtenreisig und darüber einem Regenschutz ist günstig, aber nicht unbedingt erforderlich. Ich habe an verschiedenen Stellen kleine Horste von Pleione ohne jeden Schutz über einige Jahre kultiviert. Wenn der Standort stimmt, gibt es auch keine Verluste.
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Mögliche Probleme bei der Kultur
Einige Pflanzenliebhaber klagen über Schwierigkeiten und Totalverluste bei der Kultur. Nach meinen über 35-jährigen Erfahrungen mit der Kultur von Pleione limprichtii kann es folgende Probleme geben: Die Bulben stehen den Winter über zu warm und zu trocken. Die kleinen Bulben haben nur einen geringen Wassergehalt, sie vertrocknen in relativ kurzer Zeit. In der Heimat sind die Pflanzen unter einer Schneedecke gegen Austrocknung geschützt.
Die für andere Pleionen angegebene trockene Überwinterung ist daher für Pleione limprichtii völlig falsch! Die Bulben sollten immer in noch leicht feuchtem Substrat stehen. Auch eine Aufbewahrung im Kühlschrank bei etwa 1-3°C in einer Plastikhülle ist über die kalte Jahreszeit möglich.
Im langen Winter 2005/2006 wurden meine Bestände im November abgedeckt und erst Ende März, nach langer Schneebedeckung und Kälte, wieder aufgedeckt. Unter der Folie war alles naß, aber keine Pleione zeigte Schäden.
Ein weiteres Problem sind Kahlfröste und Spätfrost im Frühjahr. Wenn im Winter die Bulben hart gefroren sind und von wärmenden Sonnenstrahlen getroffen werden, können sie innerhalb kurzer Zeit Schaden nehmen. Bei schattigem Standort und, damit verbunden, langsamerem Auftauen gab es auch ohne jede Abdeckung kein Problem.
Bei Spätfrösten im Frühjahr und krassen Temperaturwechseln zwischen Tag und Nacht können die schon vorhandenen Blütenknospen und Neutriebe erfrieren. Eine einfache Abdeckung mit Vlies bringt hier Abhilfe.
Nach einiger Zeit entwickelt Pleione limprichtii durch ihre hohe Vermehrungsrate schöne Horste mit zahlreichen Blüten – ein bezaubernder Anblick. Doch sollten alle zwei bis drei Jahre im zeitigen Frühjahr, vor dem Austrieb, die Bulben ausgebuddelt und im Abstand von ca. 3 cm neu aufgepflanzt werden. Die obere Hälfte der Bulbe muß dabei aus dem Substrat herausschauen.
Pleione limprichtii ist eine schöne Orchidee, die in keinem Stein- oder Staudengarten fehlen sollte. Auch dem Anfänger gelingt die Kultur, wenn die Kulturbedingungen einigermaßen stimmen.
Kontakt zum Autor: Gerd.Stopp@t-online.de
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