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Meconopsis - Himalaya-Scheinmohne im Garten
 

Meconopsis x sheldonii 'Lingholm'
Foto © 2011 Robert Eiler

Ein Erfahrungsbericht von Robert Eiler

Seit über 15 Jahren befasse ich mich mit der Kultur von Scheinmohnen (Meconopsis). Zum ersten Mal begegnete ich einigen dieser "großen Blauen" ( Meconopis betonicifolia, M. grandis, M. x sheldonii) und dem stachligen M. horridula im Botanischen Alpengarten auf dem Schachen ( 1850m über N.N. ) im Wettersteingebirge.
Fasziniert von diesen imposanten Erscheinungen hatte ich sogleich den Wunsch, die Kultur solcher Arten im Garten zu versuchen. Unser Grundstück liegt auf etwas über 600 m Meereshöhe im nördlichen Ostallgäu. Das Klima ist hier noch deutlich atlantisch geprägt; die Sommer sind eher feucht, lange Hitzeperioden die Ausnahme. Das kommt den im Sommer durch den Monsun bedingten, luftfeuchten Bedingungen an den Naturstandorten entgegen. Nun sind aber die meisten asiatischen Meconopsis-Arten in einer Höhenzone von 3000 bis über 5000 m anzutreffen. In unseren Alpen liegt dieser Bereich aufgrund ihres nördlicheren Verbreitungsgrades in der subalpinen Stufe deutlich niedriger. Kann so ein Kulturversuch in einer collinen Lage in Deutschland mit entsprechend höheren Temperaturen im Sommer und meist mild-feuchten Bedingungen im Winter gelingen? Ermutigt wurde ich durch die Tatsache, dass M. betonicifolia und M. grandis auch im Botanischen Garten in München, zu dem übrigens auch der Garten auf dem Schachen gehört, blühten.

Meconopsis prattii
Foto © 2011 Robert Eiler
 
  
Bedingungen für das Gedeihen im Garten

Wie man leicht vermuten kann, ist der größte Feind bei der Kultur dieser Pflanzen die sommerliche Hitze. Eine kühle, luftfeuchte Stelle im Garten, z. B. im Halbschatten von Bäumen ist unumgänglich. Im Sommer sollte die Sonne vom späten Vormittag bis in die Abendstunden nicht mehr an den Standort gelangen. Der Standort sollte auch windgeschützt sein, denn die Blätter der meisten Arten sind recht brüchig. Meconopsis betonicifolia verlangt darüber hinaus eine saure, kalkfreie Bodenreaktion. Das Substrat sollte ferner gut durchlässig sein, damit sich in unseren, meist feucht-kühlen Wintern keine Staunässe bilden kann. Die Wurzeln würden sonst leicht faulen. Während des Wachstums benötigen diese Arten dagegen viel Feuchtigkeit. Von Gärtnern des Alpengartens auf dem Schachen erfuhr ich, dass die Pflanzen zu dieser Zeit auch reichlich Nährstoffe brauchen. Zum Düngen während der Vegetationszeit verwendete ich bisher nur organischen, käuflichen Rhododendrendünger.

Anlage eines geeigneten Beetes

Der schwere, kalkhaltige Lehmboden von ca. 1,30 m Dicke in unserem Garten ist für die Kultur von Meconopsis-Arten denkbar ungeeignet. Daher musste ich erst den geeigneten Untergrund für die Pflanzung schaffen.
In der irrigen Annahme, dass alle Meconopsis-Arten eine saure Bodenreaktion wünschen, legte ich im Schatten von Bäumen zwei Beete wie folgt an: Die Seitenwände eines Aushubs von ca. 50 cm Tiefe kleidete ich mit übrig gebliebener Teichfolie aus, um zu verhindern dass durch Regenwürmer kalkhaltige Erde aus der Umgebung wieder in das Beet eingebracht wird. Dann füllte ich eine ca. 10 cm hohe Drainageschicht aus zerbrochenen Dachziegeln ein, die ich mit einem sehr dünnen, wasserdurchlässigen Vliesmaterial abdeckte. Anschließend wurde ein humoses, aber gut durchlässiges und nährstoffreiches Substrat mit den Hauptkomponenten Laubkompost und handelsüblicher Rhododendronerde sowie Granitsplitt und Quarzsand unter Zusatz von einigen, wenigen Hornspänen eingebracht.
Später fand ich in der Rock Garden Plant Database (Internet) M. x sheldonii, M. napaulensis und M. horridula als indifferent gegenüber der Bodenreaktion angegeben, nur M.betonicifolia als kalkfliehende Art.

Meconopsis betonicifolia
Foto © 2011 Robert Eiler
 
  
Von mir kultivierte Arten

Meconopsis betonicifolia

In Fachbüchern und Zeitschriften zeigen Abbildungen von Blüten dieser mehrjährigen Art in der Regel ein wunderbares, reines Blau. Samen und Jungpflanzen bekommt man in vielen größeren Gartenmärkten. M. betonicifolia wurde bei mir bis ca. 70cm hoch mit einem Blütendurchmesser bis 9cm bei älteren, voll geöffneten Blüten.
Es ist vielleicht die robusteste Art unter den "Blauen". Eine in unserem Garten im Allgäu bereits seit einigen Jahren etablierte Pflanze hat selbst den denkwürdigen Sommer 2003 (sehr trocken, extreme Temperaturen bis 38 °C) überstanden und kam auch 2004 wieder voll zur Blüte. Die Blütezeit liegt in unserem Garten zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Im Spätherbst ziehen die Pflanzen vollständig ein.
Bei meinem Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten hatte ich erfahren, dass sich die Bodenreaktion bei M. betonicifolia auf die Blütenfarbe auswirkt. Kalk im Substrat bringt zum Beispiel unansehnliche Farben hervor. In früheren Versuchen mit weniger sorgfältig ausgewählten Erdmischungen erzielte ich stumpfe, leicht rotstichige Blütenfarben. Ein Berufsgärtner, der sich auch mit der Kultur von Meconopsis befasst, meinte, dass ein Befall mit Mehltau die Blütenfarbe verändere.
Trotz der oben beschriebenen, aufwändigen Anlage der Beete erreichten die Blüten bei mir im Garten nie das strahlende Blau, das die Bilder von Veröffentlichungen versprechen. Stets war die Farbe deutlich blasser.
Interessant wäre ein Vergleich der Blütenfarben mit Pflanzen aus Gebieten mit kalkarmen Böden und niedrigen, sauren pH-Werten.

Meconopsis x sheldonii 'Lingholm'
Foto © 2011 Robert Eiler
 
  
Meconopsis x sheldonii 'Lingholm'
M. x sheldonii ist eine Kreuzung aus M. betonicifolia und M. grandis. Wie bei vielen Kreuzungen sind die Pflanzen oft steril, es gibt aber auch fertile Hybriden. Dazu gehört die Sorte 'Lingholm'. Diese mehrjährige Spezies wird über 80 cm hoch, ist kräftiger im Habitus als die eingangs beschriebene Art und brachte auch größere Blüten mit bis zu 14 cm Durchmesser hervor. Auch diese Art blüht zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Lebt die einzelne Blüte auch nur wenige Tage, so öffnet sich in der Folge doch eine Knospe nach der anderen, so dass die Pflanzen insgesamt 4 bis 6 Wochen lang blühten. Dieser Blütenreigen trifft in etwa auch auf die weiteren, hier aufgeführten Arten zu.
Meconopsis x sheldonii 'Lingholm' zieht im Spätherbst vollständig ein.
Zu unserer Freude enttäuschten bei dieser Art, im gleichen Beet wachsend wie M. betonicifolia, die Blütenfarben nicht!

Meconopsis napaulensis
Foto © 2011 Robert Eiler
 
  
Meconopsis napaulensis
Samen von M. napaulensis, einer monocarpen Art, (d.h. sie stirbt nach der Fruchtreife ab) konnte ich erstmals 1998 erwerben. Ende Mai 2001 kam dieser großwüchsige Scheinmohn an einer halbschattigen Stelle in unserem Steingarten zur Blüte. Die Pflanzen wurden 1,40 m hoch. Das Spektrum der Blütenfarbe reicht von Rosa über Rot bis Violett. Diese Pflanze zieht im Gegensatz zu den bisher genannten Arten nicht ein, sondern überwintert oberirdisch mit einer kräftigen, stark behaarten Rosette. Spätestens ab Anfang August war bei allen, von mir gezogenen Pflanzen dieser Art folgendes zu beobachten: Die Blütenknospen, die sich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht geöffnet hatten, verfärbten sich bräunlich und entwickelten sich nicht mehr weiter. Die Blätter bekamen zunehmend Flecken in gleicher Farbe. Ebenso erging es den Samenkapseln; sie konnten nicht mehr ausreifen. War es ein Pilzbefall, ein Virus oder einfach doch zuviel Sonne, der Standort also nicht schattig genug? Mehrere Jahre probierte ich erfolglos, die Pflanzen zur Samenreife zu bringen. Meine Erfahrung: M. napaulensis kommt gut in Blüte, stirbt dann aber langsam ab, noch bevor reife Samen gebildet werden.

Meconopsis prattii
Foto © 2011 Robert Eiler
 
  
Meconopsis prattii
Diese monocarpe Art wurde erst vor einiger Zeit aus der Horridula-Gruppe ausgegliedert. Die Samen habe ich unter der Bezeichnung Meconopsis horridula erhalten. Wie der lateinische Name andeutet sind die mehrblütigen Stängel, die Blätter und selbst die Samenkapseln dieser Pflanzen mit Stacheln bewehrt.
Diese Art wurde in unserem Garten ca. 70- bis 100 cm hoch. Sie blühte im Juni in einem wunderbaren, tiefen Blau mit weißen Staubfäden. Zu unserer großen Freude hatte sie sich selbst ausgesät, auch außerhalb des speziell angelegten Beetes. In einem Vortrag hörte ich einmal, dass diese Art am Naturstandort auch über Kalkgestein vorkommen soll.

Meconopsis integrifolia
Foto © 2011 Robert Eiler
 
  
Meconopsis integrifolia
Diese ebenfalls monocarpe Art war mein letzter Versuch. Sie wurde erst im Januar 2008 ausgesät und später nicht ins "saure Beet" gepflanzt, denn die Art möchte gemäß Rock Garden Plant Database (Internet) einen gewissen Kalkgehalt im Substrat. Dazu wurde der bereits genannten sauren Erdmischung Kalktuffgrus hinzugefügt. Die Pflanzen zogen im Winter nicht ein, sondern überdauerten mit gelb behaarten, grundständigen Blattrosetten. Sie blühten ab Ende April 2010. Die Infloreszenzen sitzen auf ca. 30 cm hohen Stängeln. Die bei dieser Art gelben Blüten mit einem Durchmesser von ca. 5 cm wurden durch die überaus häufigen Regenfälle in diesem Jahr leider bald glasig und unansehnlich.

Meconopsi napaulensis
Foto © 2011 Robert Eiler
 
  
Vermehrung und ihre Probleme

Von Anfang an hatte ich größtes Interesse, die Arten selbst über Samen zu vermehren und zum Blühen zu bringen.
Nun gehören die Meconopsis-Arten aus dem Himalaya zu den Kaltkeimern, d. h. sie müssen einer längeren Kälteperiode ausgesetzt ("stratifiziert") werden. Gemäß ihrer Nähe zu Papaver und der geringen Korngröße ihrer Samen gehören sie wohl zu den Lichtkeimern. Sie keimten jedenfalls unbedeckt auf dem Substrat, wurden größtenteils aber mit einer sehr dünnen Schicht Quarzsand bedeckt, weil sie dann erfahrungsgemäß stabiler stehen und beim Gießen nicht so leicht verschwemmt werden. Die Aussaat erfolgte in der Regel im Spätherbst, meist im Dezember in eine Mischung aus handelsüblicher Aussaaterde und saurem Sand unter Zusatz von etwas Perlite. Die Schalen wurden anschließend für ca. eine Woche zum Quellen der Samen in einen kühlen Raum gestellt. Danach kamen sie ins Freie, nur geschützt vor einem Zuviel an Regen. Bei mir ist es ein zugiges, ungeheiztes Gewächshaus, die Türe bleibt meist offen. Dann ist das Wetter an der Reihe, die Keimhemmung der Samen zu brechen. Wenn Schnee liegt, werden die Aussaatschalen gelegentlich damit bedeckt.

Mehltau an Meconopsis x sheldonii
Foto © 2011 Robert Eiler
 
  
Die Keimung erfolgt meist Ende März bis Anfang April. Danach kommt die lange Zeit des Wartens. In den nächsten Wochen ist so gut wie überhaupt kein Wachstum zu bemerken. Wenn die Sonneneinstrahlung intensiver wird, muss auf genügend Schattierung geachtet werden. Spätestens ab Mai stehen die Jungpflanzen regengeschützt unter dem Dachvorsprung an der Nordostseite unseres Hauses, wo die Sonne bereits am späten Vormittag verschwindet. Wenn die Pflänzchen nach den beiden Keimblättern zwei echte Blätter entwickelt haben, kann pikiert werden. Bei mir war es meist Ende Mai so weit. Nun wird es spannend. Gefürchtet sind jetzt die heißen Tage mit 30 °C und mehr. Die Jungpflanzen werden dann schnell von Mehltau befallen. Irgendwann im Sommer trifft es praktisch jede Jungpflanze – je nach Dauer der Hitzeperiode mehr oder weniger stark ausgeprägt. Stark befallene Blätter wurden entfernt und stets haben einige Pflanzen überlebt. Ein Extrembeispiel: Von 29 Meconopsis X sheldonii 'Lingholm' aus der Aussaat vom Dezember 2003 waren nach einer Hitzeperiode im Juli und August 2004 nur zwei durchgekommen, die sich dann aber zügig weiterentwickelten und im Mai 2006 zum ersten Mal blühten. Es ist aber nur selten so dramatisch. Von der Aussaat im Dezember 2005 habe ich die meisten Jungpflanzen durchgebracht und auch die Sommer 2006 bis 2010 waren eher kühl und feucht gewesen. Man sollte sich nicht entmutigen lassen, denn eine blühende Pflanze einer attraktiven Art ist immer ein absoluter ‚Hingucker‘.
Schwache Jungpflanzen sollte man im ersten Jahr noch in den Töpfen belassen. Diese bleiben bei mir auch im Winter im Freien, nur geschützt vor einem Zuviel an Regen. Im zweiten Vegetationsjahr sind die Pflanzen dann wesentlich robuster als im Jahr zuvor und widerstehen am geeigneten Standort auch höheren Temperaturen im Sommer recht gut. Bei allen hier besprochenen Arten ist eine Blüte im nächsten bis übernächsten Jahr nach der Keimung zu erwarten.
Grundsätzlich lieben es die Himalaya-Arten, in der Wachstumsphase mit der Gießkanne überbraust zu werden. Bei Hitze darf aber nur in den frühen Morgenstunden gegossen werden, damit die Pflanzen bis zum Eintritt der Tageshitze wieder abtrocknen können; sonst schafft man günstige Bedingungen für Mehltaubefall.
Entgegen allen anderen Behauptungen gehen Schnecken in unserem Garten leider doch gerne an alle diese Pflanzen. Sogar vor Meconopsis horridula mit ihren stachelbewehrten Blättern machen sie nicht Halt. Es ist besonders ärgerlich, Jungpflanzen auf diese Weise zu verlieren. Ohne einen mäßigen Einsatz von Schneckenkorn (Wirkstoff Metaldehyd) komme ich hier nicht aus. Dieser Stoff wirkt austrocknend auf Mollusken. Oft werden die Präparate als schädlich für Igel und andere Tiere verteufelt. (Ein klares Wort zum Thema Schneckenkorn findet man in dem Artikel von Thomas Schuster in der Zeitschrift "Gartenpraxis", Heft 5/2006, Seite 45ff.).
Samen von allen genannten Meconopsis-Arten und noch weitere sind im Fachhandel (Jelitto) erhältlich. Der Zugriff auf die alljährlich neu erscheinenden Samenlisten der Gesellschaft der Staudenfreunde e.V. (GdS), der Alpine Garden Society in Großbritannien (AGS) sowie der North America Rock Garden Society (NARGS) ist nur durch Mitgliedschaft möglich.


Meconopsis integrifolia im Garten
Foto © 2011 Robert Eiler

Literaturhinweise:
Köhlein, Fritz: Mohn und Scheinmohn. Ulmer, Stuttgart 2003, Seite 69 - 75
Rock Garden Plant Database (Internet)
Zeitschrift Gartenpraxis, Ulmer, Stuttgart 2006, Heft 5, Seite 45 ff.

 
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