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Gentiana verna Foto © 2010 Dr. Hugo Herkner |
Von Dr. Hugo Herkner, München |
 |  | Gentiana verna Foto © 2010 Dr. Hugo Herkner | |
| | | Neben den verschiedenen, großblütigen Enzianen versuchen sich Liebhaber gerne auch mit den kleinwüchsigen Arten der Frühlingsenziane. Der bekannteste von ihnen ist wohl Gentiana verna ssp.verna. Eine Gruppe in voller Blüte bietet mit ihrem ansprechenden Blau ein eindrucksvolles Bild. Es gibt aber auch Varianten mit himmelblauer, violetter, weißer oder gar gelber Infloreszenz. Als weitere Angehörige von Gentiana verna sind Gentiana verna var. angulosa, G. verna var.brachyphylla, G. verna var. favratii, G. verna ssp. pontica, G. verna var. pupila sowie G. verna var. tergestina im Gespräch. Vor Änderungen in der Nomenklatur sind wir bei dieser Vielzahl von Unterarten nicht gefeit.
Leider sind alle Arten nicht gerade einfach zu kultivieren. Auch ich musste einige Zeit experimentieren, ehe sich der gewünschte Effekt bei Gentiana verna - ein Polster mit vielen Blüten - einstellte.
Standort
Der beste Platz ist in einem Steintrog mit viel Sonne. Die Blattrosetten brauchen jedoch den Streuschatten mehrerer Grashalme, die in der freien Natur über ihnen liegen. Bei einer Ansiedlung im Steingarten gehen die kleinen Blattrosetten meist verloren. Eine Notlösung ist die Pflanzung in einem Blumentopf aus Ton, der an der vorgesehenen Stelle im Alpinum versenkt wird, wobei der obere Rand als Markierung gerade noch sichtbar aus dem Boden herausragt.
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 |  | Gentiana verna Foto © 2010 Dr. Hugo Herkner | |
| | | Pflanzsubstrat
Wenn unserem Frühlingsenzian auch Kalkfreundlichkeit nachgesagt wird, so wächst er dennoch besser in kalkarmen Substrat. Ich nehme gerne Urgesteinsmaterial (Sand + feiner Splitt), das ich 1:1 mit normale, käuflicher Einheitserde vermische. Am liebsten verwende ich als organische Komponente Humus „Marke Eigenbau“, da ich dessen Zusammensetzung weitgehend kenne. Bewährt hat sich auch eine Quarzsand/Quarzkies (Durchmesser 2-4 mm)-Erde-Mischung im Verhältnis 1:1. Ebenfalls käufliche Aussaaterde ist der Einheitserde vorzuziehen. Torf anstelle der Erde ist nicht so empfehlenswert. Bims scheint dagegen ein brauchbares Substrat abzugeben. Kalkarme Rasenerde, ein bevorzugter Standort in der Natur, ist wegen ihrer lehmigen Beschaffenheit und Dichte wenig erprobt, bei entsprechender Auflockerung mit Quarzsand oder Perlite aber einen Versuch wert.
Zur besseren Bodendurchlüftung können der Substratmischung auch Perlite, Lava, Blähtonkügelchen oder Seramis nach Gutdünken hinzugefügt werden. Die Gefahr der Bodenverdichtung ist dadurch ebenfalls gemindert. Sehr wichtig ist nach meinen Beobachtungen eine Abdeckung der Substratoberfläche mit kalkarmen Splitt oder Quarzkies (Steinchengröße 3-5 mm), besonders um die Pflanzen herum. Sie hemmt die schnelle Austrocknung der Substratoberfläche und den Unkrautwuchs.
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 |  | Gentiana verna Foto © 2010 Dr. Hugo Herkner | |
| | | Pflanzung
Das A und O einer erfolgreichen Kultur ist die Gruppenpflanzung. Ein einzelner Frühlingsenzian stirbt eher ab als dass er weiterwächst. Als Ausgangspunkt für eine schnelle, gute Gruppenbildung sollten fünf bis zehn Pflanzen auf Tuchfühlung gesetzt werden.
Vermehrung
Sie erfolgt einmal durch Teilung großer Polster nach der Blüte oder durch Samen im Spätsommer (Aug./Sept.) entsprechend dem natürlichen Ablauf. Spätere Aussaaten keimen meist erst im Frühjahr übernächsten Jahres. Ein Teil der Samen wird neuerdings an erfolgversprechenden Stellen im Freiland ausgebracht. Auch im Rasen werde ich mein Glück versuchen. Die zuweilen propagierte mehrwöchige Wärmeperiode mit starker Wässerung zur Samenquellung und Aufhebung der Keimhemmung sowie anschließender Kältephase habe ich noch nicht ausprobiert. Die Stecklingsvermehrung ist mehr oder weniger eine Sache für den Spezialisten. Für das Ansetzen der Samen nehme ich persönlich gerne Plastiktöpfe mit wenigstens 8 cm Durchmesser und eine der oben angeführten Substratmischungen.
Auf den Topfboden kommt eine gut 1 cm hohe Drainageschicht aus Blähtonkügelchen, Quarzkies, Granit- oder Basaltsplitt (Durchmesser ca. 5 mm).
Die Samenkörner gebe ich in Häufchen auf die Erdmischung, um gleich von Anfang an eine Gruppenbildung ohne verlustreiches Umtopfen zu erzielen, und decke mit Quarzkies (Korngröße ca. 2,5 mm, Schichtdicke 4-5 mm) ab. Bis zum Keimen der Samen im Frühjahr stelle ich den Container in einen Untersetzer, der immer ca. 1 cm hoch mit Wasser gefüllt sein sollte. Da Gentiana verna ein sogenannter Frost- bzw. Kaltkeimer ist, steht das Ganze den Winter über im Freien. Starker Frost bei fehlender Schneedecke sollte aber nicht einwirken. Normalerweise genügt für die Keimung eine Temperatur um 0 °C. Nach dem Erscheinen der Jungpflanzen im Frühjahr wird der Topf aus dem Wasserbad genommen und nur noch vorsichtig von oben gewässert (gesprüht).
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 |  | Gentiana verna mit Viola Foto © 2010 Angela Beck | |
| | | Düngung
Um die Blütenentwicklung anzuregen, werden die erwachsenen Enziangruppen gleich nach dem Schwinden des Schnees mit einem flüssigen Volldünger nach Gebrauchsanweisung gegossen. Zeigen sich die ersten Blütenknospen, wird die Düngung wiederholt. Als Notbehelf für die Flüssigdüngung kann Nitrophoska oder Thomas-Kali (1 Korn pro 2 Rosetten) zu den gleichen Zeitpunkten verwendet werden. Nach dem Verblühen wird für eine erfolgreiche Samenbildung und zum Wiedererstarken der Pflanzen ein drittes und letztes Mal gedüngt.
Schädigungen
Blattläuse sitzen gerne an den Blütenstängeln erwachsener Pflanzen. Wurzelläuse besiedeln den Übergang von Wurzel zu Stängel, sitzen also unter der Erdoberfläche. Sämlinge werden von hungrigen Kellerasseln oder Schnecken abgeweidet. Bekämpfungsmittel sind auf Grund ihrer Vielzahl und artspezifischen Wirkung im Fachhandel zu erfragen. Blattverfärbungen können einen Mangel bestimmter Nährstoffe anzeigen. Bei Topfkultur ist oft eine ungenügende Durchlüftung des Substrates durch Verdichtung des Bodens die Ursache.
Welke Blätter ohne Blattlausbefall deuten zum einen auf eine ungenügende Wasseraufnahme durch die Wurzeln hin. Die Ursache kann neben Wurzelläusen und einer Substratverdichtung eine Versalzung des Bodengrundes durch Überdüngung sein. Hier ist mehrmaliges, gründliches Gießen mit reinem Wasser angezeigt, um die überschüssigen Düngestoffe auszuschwemmen.
Bei Verfärbungen oder Welkerscheinungen der Blätter ohne erkennbare Ursache ist ein sofortiges Umtopfen in neues, frisches Substrat zu versuchen. Meist haben diese Krankheitssymptome ihren Ursprung in nicht ersichtlichen Stoffwechselstörungen durch überaltertes, ausgelaugtes Substrat. Bei Topfkultur ist ein Austausch ohnehin spätestens alle zwei bis drei Jahre angezeigt.
Moos oder gar Lebermoos sind arge Wachstumshemmer. Sie haben, wie auch andere Gewächse, in nächster Nähe unseres Frühlingsenzians nichts zu suchen.
Diese Kulturhinweise sollen Sie nun nicht beflügeln, den ohnehin geschützten
Gentiana verna aus der Natur zu entnehmen. Diese Pflanzen sind ohnedies bedeutend schwieriger zu kultivieren als Gartenformen aus Spezialgärtnereien
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Gentiana verna var. oschtenica Foto © 2010 Josef Buchner |
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