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| Von Manfred Weisbarth und Dr. Hugo Herkner |
 |  | Cyclamen hederifolium f. album Foto © 2010 Manfred Weisbarth | |
| | | Allgemeines
Neben Rot, Rosarot und Rosa findet sich bei Cyclamen nur Weiß als abstechende Blütenfarbe. Ein Umstand, der übertriebenen Hybridisierungsversuchen Einhalt geboten hat. Auch das Rotbraun der Blattunterseiten hat die Alpenveilchen nicht berühmt gemacht. Es sind die Blattformen und die silbrigen, variablen Zeichnungen auf der Blattoberseite, die den Liebhaber faszinieren. Exemplare mit exzellenter Blattzeichnung haben oft Vorrang vor dem lückenlosen Sammeln der ca. 20 Arten.
Vorkommen
Die Heimat der meisten, bisher bekannten Arten dieser Primelgewächse ist das Gebiet rund um das Mittelmeer sowie Kleinasien.
In Deutschland finden sich im Südosten natürliche Vorkommen. Bei allen anderen Fundorten handelt es sich mehr oder weniger um angepflanzte Arten oder um Kulturflüchtlinge.
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 |  | Cyclamen purpurascens Foto © 2010 Manfred Weisbarth | |
| | | Arten
Das wohl bekannteste Alpenveilchen ist Cyclamen persicum. Dieser größte Vertreter seiner Gattung ziert in den Herbst- und Wintermonaten jeden Blumenladen, denn diese Art stellt die Eltern aller Fensterbank-Alpenveilchen. Neben einer Vielzahl von Blüten pro Topf begegnen wir auch Farbvarianten.
Zimmertemperaturen über 20 °C fördern allerdings nicht sein Wohlbefinden. Leider ist C. persica auch nicht winterhart. Während der Sommer- und Herbstmonate stellen wir den Blumentopf mit der Knolle auf den Balkon oder im Garten an ein halbschattiges Plätzchen. Vor Frostbeginn kommt er wieder auf die kühle Fensterbank. Der Standort soll hell, aber nicht zu sonnig sein. Bald nach der Hereinnahme zeigen sich die ersten Blätter.
Für das Freiland eignen sich lediglich die kleinerwüchsigen Arten C. purpurascens (= C. europaeum) und C. coum. Erstere erfreut uns im blütenarmen Spätsommer und Herbst mit rosaroten Blüten, die zweite setzt im zeitigen Frühjahr den Blütenreigen fort. Laut Literatur überdauern die kalte Jahreszeit auch die Arten C. cilicium, C. hederifolium (= neapolitanum ) und C. intaminatum an geschützten Orten ohne zusätzlichen Winterschutz. Alle anderen Arten und Varietäten benötigen eine schützende Abdeckung aus luftdurchlässigem Material oder gar eine Unterbringung im frostfreien Gewächshaus:
Freiland ohne Winterschutz
C. coum, C. hederifolium, C. purpurascens.
Freiland mit Winterschutz
C. cilicium; C. intaminatum, C. mirabile, C. parviflorum, C. pseudibericum, C. repandum, C. trochopteranthum.
Frostfrei im Gewächshaus
C. balearicum, C. creticum, C. graecum, C. repandum,
Bei 5 °C im Gewächshaus
C. africanum, C. cyprium, C. libanoticum, C. persicum, C. rohlfsianum. C. somalense.
Von der Wildform abweichende Sorten sind vorbeugend im frostfreien Gewächshaus unterzubringen. Auch weißblühende Exemplare winterharter Arten fühlen sich hier wohler. |
 |  | Cyclamen hederifolium in rosa Foto © 2010 Manfred Weisbarth | |
| | | Kultur
Alpenveilchen kommen in der Natur an beschatteten Stellen vor. Die Knolle sitzt mehr oder weniger tief in humusangereichertem, oft steinigem Substrat. Die Knolle wächst zeit ihres Lebens und kann bei manchen Arten Kindskopfgröße erreichen. Fast alle Cyclamen machen in ihrer Heimat eine etwas trockenere, sommerliche Ruheperiode durch. Von September bis zum späten Frühjahr aber brauchen sie Feuchtigkeit, um Blätter und Blüten zu entwickeln. Lediglich C. parviflorum liebt es das ganze Jahr hindurch feucht. Staunässe ist tunlichst zu vermeiden. Einem Faulen der Knollen beugen wir mit einer guten Drainage aus Kieselmaterial vor. Einmal ausgepflanzt, sollten winterharte Cyclamen an ihren Standorten im Freiland in keinster Weise gestört werden. Nur so entwickeln sie ihren von Jahr zu Jahr sich steigernden Blütenflor. Zahlreiche Sämlinge erscheinen, die nach einigen Jahren ebenfalls ihre Blüten entfalten. Ein regelrechter Cyclamenteppich wird entstehen.
Eine Düngung mit Nitrophoska bei Erscheinen der jungen Blätter beschleunigt diese Entwicklung sichtlich. Mit einem ausgewogenen Flüssigdünger steigern wir den Blütenansatz bei Erscheinen der ersten Blüten.
Bei der im Gewächshaus meist üblichen Topfkultur gelten die oben bereits angedeuteten Drainagemaßnahmen, Substratangaben und Düngemethoden. Die Knolle sollte beim Gießen nicht nass werden. Eine mehrminütige Bewässerung über einen Untersatz ist hier empfehlenswert. |
 |  | Cyclamen rohlfsianum Foto © 2010 Manfred Weisbarth | |
| | | Vermehrung
Cyclamenknollen bilden mit Ausnahme von C. purpurascens keine Tochterindividuen. Eine Vermehrung durch Knollenteilung oder Sprossabtrennung ist Glückssache. Am erfolgversprechendsten ist die Aussaat selbst geernteter, frischer, noch weicher, klebriger Samenkörner. Samenkörner älteren Datums legen wir
vorsichtshalber für 24 bis 48 Stunden in einen flachen Teller mit etwas kalkarmen Wasser (Regenwasser) und lassen sie quellen.
Ausgesät wird in einem Plastiktopf mit einem Durchmesser von mindestens 7 cm. Auf die Drainageschicht aus kleinkörnigem Blähton am Boden folgt käufliche Aussaaterde, die zusätzlich mit Perlit und kleinen Kalkkieselchen angereichert wird. Nach Aufbringen der Samen ist eine ca. 1 cm dicke Schicht aus Quarzkies (Körnchengröße 2 mm) als Abdeckung erforderlich. Sie verhindert bei einem Regenguss den Verlust von Saatgut und bietet die nötige Schattierung für diese Dunkelkeimer. Da wir den Feuchtigkeitsgrad des Substrates durch die Quarzkiesauflage schlecht kontrollieren können, kommt der Aussaattopf in einen Untersatz, in dem bis zum Erscheinen der Jungpflanzen immer etwas Wasser (ca. 1 cm) zu stehen hat. Dunkelheit und Feuchtigkeit können wir steuern. Den Zeitraum bis zum Keimen bestimmt nunmehr die Temperatur und das Alter der Samenkörner.
Gesät wird am erfolgversprechendsten im Spätsommer; ein erstes Pikieren der Pflanzen ist frühestens im Sommer des nächsten Jahres möglich. Bis zu einem Zeitraum von zwei Jahren können immer wieder Sämlinge auftauchen. Besonders bei seltenen Arten empfiehlt sich deshalb das Abwarten. Unnötiges Hantieren im Topfsubstrat ist zu unterlassen, um bereits gekeimte Samen nicht zu beschädigen. Die Blättchen erscheinen erst zu Beginn der Vegetationsperiode der betreffenden Art über der Erdoberfläche.
Bereits einmal pikierte Pflänzchen können meist im Sommer nächsten Jahres während ihrer Ruheperiode erneut umgesetzt oder an Ort und Stelle ausgepflanzt werden. Bewährt haben sich hier käufliche Einheitserdemischungen, die wir zusätzlich mit Perlit auflockern und mit einigen Kalkkieseln beschicken.
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 |  | Cyclamen graecum Foto © 2010 Manfred Weisbarth | |
| | | Schädlinge
Besonders unsere Jungpflanzen müssen wir vor Schnecken und Kellerasseln schützen. Eine ganze Reihe verschiedenartiger Milben und Läuse kann unsere Cyclamen schwächen. Dickmaulrüßler als Larven oder Käfer sind selbst für erwachsene Pflanzen eine ernstzunehmende Gefahr. Trotz ihrer Giftigkeit vergreifen sich Mäuse an den Knollen. Amseln und andere Vögel köpfen oder fressen gar die Blütenknospen.
Ungünstige Lebensbedingungen, z.B. ein Unterangebot oder Fehlen von Nährstoffen fördern Parasitenbefall oder Bakterien-, Viren- oder Pilzerkrankungen der geschwächten Pflanzen. Unsachgemäßes Gießen und Düngen führt zu Schimmelbildung oder Fäule.
Die Knollen der Cyclamen enthalten Giftstoffe. Organisch-chemische Verbindungen, sog. Triterpensaponine, erzeugen bei ihrem Genuss Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kreislaufprobleme, Krampfanfälle und Lähmungserscheinungen. So sind denn die Knollen als Nahrungsmittel denkbar ungeeignet.
Literatur
Beckett, Kenneth (Herausgeber): Encyclopaedia of Alpines. AGS Publications Limited, Worcestershire, 1993.
Grey-Wilson, Christopher: The Genus Cyclamen. Kew Magazine Monograph., London, 1988.
Kummert, Fritz: Pflanzen für das Alpinhaus. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1989.
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