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Primula - Europäische Primeln, Teil 2
 
Von Gerhard Hofmeister

Primula deorum
Foto © 2010 Dieter Schacht
 
  
Subsectio Cyanopsis

Primula deorum Velen., Götterprimel
Aus dem Rilagebirge in Bulgarien stammt diese nur dort heimische, somit endemische Primel. Sie wächst in einer Höhe von 2000 bis 2500 m auf feuchten, im Frühjahr von Schmelzwasser überfluteten kalkfreien Wiesen. Die kleinen Blätter sind schmal, spatelförmig, lederartig, ganzrandig und erstrahlen in einem leuchtenden Grün. Auf einem ca. 15 cm hoher Stängel sitzen bis zu 10 dunkelrote, nickende Blüten.
Ein schwieriger Pflegling, der nur im Halbschatten eines feuchten, kühlen Moorbeetes einen längeren Zeitraum überdauert. Eine Vermehrung ist nur durch Aussaat möglich. Bis zur ersten Blüte vergehen oft 4 Jahre.

Primula glutinosa
Foto © 2010 Klaus Patzner
 
  
Primula glutinosa Wulf.ex Jacq., Klebrige Schlüsselblume
In den Ostalpen auf kalkarmem Magerrasen oder tonigem Schutt in Höhen von 1900 bis 3000 m zu finden. Die ca. 4 bis 6 cm langen Blätter sind gesägt, knorpelrandig und zeigen ein mattes Grün. Mit vielen kleinen Drüsenhaaren besetzt, fühlt sich die Pflanze klebrig an. Der ca. 5 bis 7cm hohe Blütenstängel ist mit bis zu 8 blauen bis blauvioletten, gelegentlich sogar weißen Blüten besetzt. Sie zählt mit zu den schwierigsten Primeln. Nur in fast reinem Urgesteinssand mit etwas Torferde (4/5 Urgesteinssand und 1/5 Torferde) in halbschattiger, kühler, mildfeuchter Lage ist P. glutinosa über einen kurzen Zeitraum zu kultivieren und vielleicht auch zum Blühen zu bringen. Eine Vermehrung wäre durch Aussaat oder Teilung möglich.

Primula minima
Foto © 2010 Dr. Hugo Herkner
 
  
Subsectio Chamaecallis

Primula minima L., Zwergschlüsselblume, Hab mich lieb
Eine weit verbreitet Primel des ostalpinen Raumes. Wächst vorwiegend über Urgestein; über Kalk nur auf einer dicken Rohhumusschicht. Die keilförmigen, steifen Blätter sind glänzend grün. Der gezähnte Blattrand ist mit kurzen Drüsenhaaren besetzt. Die nahezu stängellose (0,2 bis 0,5 cm) Blüte ist rosa bis rosenrot gefärbt und besitzt ein weißes Auge. Sehr selten sind weißblühende Exemplare (Albinos) anzutreffen.
In Kultur wächst P. minima zufriedenstellend, ist aber sehr blühfaul. Leicht torfhaltiges Substrat, vermischt mit Urgesteinssplitt, und ein kühler, halbschattiger Standort sind gute Vorraussetzungen. Mit einer blütenanregenden Düngergabe sofort nach der Schneeschmelze kann eine Steigerung des Blütenflors erreicht werden. Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat oder Teilung eines Polsters.

Sectio Farinosae
Subsectio Eu Farinosae


Primula exigua (Velen.) Hayek, Bulgarische Mehlprimel
P. exigua teilt sich im Rilagebirge zusammen mit P. deorum den gleichen Lebensraum, blüht jedoch ca. 3 bis 6 Wochen vor P. deorum. Die Pflanze wird etwas größer als P. deorum und erscheint in der Blütenfarbe etwas dunkler als P. farinosa. Die 1 bis 5 cm langen Blätter sind verkehrt eiförmig und nicht immer bemehlt. Der zur Blütezeit ca. 6 cm hohe Blütenstängel wird während der Samenreife ca. 20 cm lang. Anfänglich zieren ihn bis zu 12 dunkellilafarbene Blüten.
Nicht leicht zu kultivieren; am ehesten noch in einem sehr feuchten Moorbeet.
Eine Vermehrung ist nur durch Aussaat möglich. Samen oder Pflanzen werden leider selten angeboten.

Primula farinosa L., Europäische Mehlprimel
Eine über die gemäßigten Breiten der ganzen Welt verbreitete Primel mit einigen Unterarten und Varietäten. P. farinosa ist ein Besiedler sumpfiger Wiesen, von Flachmooren und feuchten Senken. Die verkehrt eiförmigen Blätter sind leicht runzelig, fein gezähnt und glänzen auf der Oberseite etwas, während die Blattunterseiten und die Blütenstängel stark bemehlt sind. Die Blütenfarbe variiert von purpurrosa über helllila bis weiß, das Blüteninnere ziert ein sattgelber Schlund.
Im Garten muss man der P. farinosa einen ihrer Natur entsprechenden Lebensraum bieten und sie in größerer Stückzahl (10 bis 12 Exemplare) in torfig-lehmiges Substrat pflanzen. Je sonniger der Standort, desto feuchter der Untergrund lautet ein weiterer Erfolgshinweis. Die Vermehrung geschieht am besten durch Aussaat: eine Teilung der Pflanze ist nicht sehr ergiebig.

Subspecies und Varietäten

Primula farinosa var. albiflora Pax
Im ganzen Verbreitungsgebiet treten nur sehr, sehr selten weißblühende Exemplare auf.

Primula farinosa var. flexicaulis (Beauv.) Hegi
Kleine, dafür aber viele Blüten. Nur ein Fundort in der Schweiz in ca. 600 bis 700 m Höhe bei Biel bekannt.

Primula farinosa var. chrysophylla Trautv. et Mey.
Die östliche Form von P. farinosa mit deutlich goldgelber, mehliger Unterseite der tief eingekerbten Blätter.

Primula farinosa var. denutata Koch
Nur im bayrischen Voralpenland ist diese nicht bemehlte Variante mit ihren fast ungezähnten Blättern anzutreffen.

Primula farinosa var. acaulis Ahlq.
Diese samenbeständige Variante stammt aus dem Wallis (Schweiz).

Primula farinosa var. xanthophylla Smith et Flechter
Eine ostalpine Form mit geringer Bemehlung und helllilafarbenen bis fast weißen Blüten.

Primula farinosa ssp. exigua Velenovsky, Hayek.
Wird heute als selbständige Art geführt und ist hier als P. exigua beschrieben.

Primula farinosa var. littoralis Heslop Harrison
Ebenfalls aus dem ostalpinen Bereich stammt diese gegen Kalk und längere Trockenheit gefeite und somit für das Alpinum am besten geeignete Varietät.

Primula frondosa Janka, Bulgarische Mehlprimel
Im Piringebirge in Bulgarien findet man in feuchten, kalkfreien, schattigen Felsspalten diese größere Mehlprimelart. Die länglichovalen, schwach gezähnten Blätter sind an der Unterseite stark bemehlt und doppelt so groß wie bei P. farinosa. Bis zu 30 purpurrosafarbene Einzelblüten sitzen an einem Stängel.
P. frondosa ist unempfindlicher und reichblühender als P. farinosa und in einem mildfeuchten, halbschattigen und kalkfreien Substrat leicht zu halten. Eine Vermehrung ist durch Aussaat oder durch Teilung älterer Pflanzen möglich.

Primula halleri
Foto © 2010 Dr. Hugo Herkner
 
  
Primula halleri J. F. Gmel, Langröhrige Schlüsselblume
Ist in den West- und Ostalpen, also von den Seealpen bis zum Kleinen Kaukasus, in Höhenlagen zwischen 1600 und 2500 m anzutreffen. Besiedelt dort mildfeuchte, mit Kalkschotter durchsetzte Kurzrasen. Die länglich eiförmigen, leicht gezähnten Blätter glänzen oberseitig, zeigen aber eine Bemehlung auf der Unterseite.
P. halleri wächst fast in jedem normalen Boden, der mit Kalksplitt etwas aufgelockert ist. Die Blüten selbst sind hellviolett mit einem gelben Schlund. Der ca. 20 cm hohe Stängel trägt oft bis zu 25 Einzelblüten mit 2 bis 3 cm langen Kronröhren. Eine Vermehrung ist bei dieser Primel nur durch Aussaat zu erreichen.

Primula scandinavica Braun,
Primula striata Hornem. Nordische Primeln
Beides sind ein- bis zweijährige Primelarten, die in Island, Schweden und
Norwegen auf feuchten, kalkschotterhaltigen Wiesen vorkommen. Die verkehrt eiförmigen Blätter von P. scandinavica sind 2 bis 3 cm lang, ihre Unterseite auffallend weiß bemehlt. Der 4 bis 7 cm hohe Blütenstängel ist nur an der Spitze bemehlt und trägt bis zu 12 purpurviolettfarbene Blüten mit gelbem Schlund.
P. stricta bleibt im ganzen gesehen etwas kleiner und blüht hellviolett. Ihr Hauptvorkommen beschränkt sich auf Island. Sie ist eine reine Liebhaberpflanze. Die Vermehrung beider Primelarten ist nur durch Aussaat möglich.

Primula scotica Hook., Schottische Primel
Diese endemische, 1- bis 2- jährige Primel wächst nur in den nordschottischen Torfgebieten nahe der Küste oder auf alten Dünen in dieser Region. Die graufarben bemehlten Blätter sind zu kleinen Rosetten zusammengefasst, aus denen 2 bis 3 ca. 4 cm hohe Blütenstängel hervorgehen, die jeweils bis zu 8 purpurviolettfarbene Blüten mit einem leuchtend gelben Auge tragen.
Leicht zu halten in sandhaltigem, feuchtem Torfsubstrat, erfahrungsgemäß auch in Heideerde. Eine Vermehrung gelingt meist nur durch Aussaat sofort nach der Samenreife.

Primula elatior
Foto © 2010 Klaus Patzner
 
  
Sectio Vernales

Primula elatior (L.) Hill, Hohe Schlüsselblume
Eine über ganz Mitteleuropa verbreitete Primel, die an ihren Standort keine besonderen Ansprüche stellt. In Höhenlagen von 0 bis 1600 m findet man sie an halbschattigen, feuchten Stellen in Wiesen und lichten Wäldern. Die länglich-eiförmigen, runzelig anmutenden Blätter sind am Rand wellig und unregelmäßig gezähnt. Eine deutliche Behaarung und eine meist graugrüne Blattunterseite sind weitere Merkmale. Bis zu 15 hell- bis schwefelgelbe Einzelblüten sitzen am 20 bis 25 cm hohen Blütenstängel.
P. elatior gedeiht in fast jedem leicht feuchten Gartenboden. Eine Vermehrung ist durch Aussaat oder Teilung älterer Pflanzen gegeben.
Es werden in der Literatur 7 Varianten angeführt, die sich in ihrem Aussehen und in ihren Ansprüchen nur unwesentlich von der Nominatform unterscheiden.

Primula veris
Foto © 2010 Dr. Hugo Herkner
 
  
Primula veris L., Arznei-Primel
Das Verbreitungsgebiet von P. veris deckt sich mit dem ihrer Vorgängerin P. elatior. Sie blüht jedoch 1 bis 2 Wochen später, besiedelt mehr die sonnigeren und trockeneren Flächen und steigt im Gebirge nur bis maximal 1000 Höhenmeter hinauf. Die länglich-eiförmigen, runzeligen Blätter sind am Rand unregelmäßig gezähnt und ihre Oberfläche mit samtigen Haaren bedeckt. Auf dem ca. 25 cm hohen Stängel sitzen 8 bis 10 Einzelblüten. Sie zeigen eine mehr glockenförmige Gestalt und weisen am Schlund 5 orangefarbene Flecken auf.
In Bezug auf Bodenbeschaffenheit und Feuchtigkeit ist diese Primel sehr anspruchslos. Eine Vermehrung ist wie bei P. elatior möglich.
Es gibt 4 Unterarten, die sich kaum voneinander unterscheiden. Lediglich P. veris ssp. uraliensis aus dem europäischen Teil des Urals mit ihrer kräftig orangeroten Blüte ist erwähnenswert.

Primula vulgaris
Foto © 2010 Dr. Hugo Herkner
 
  
Primula vulgaris Huds., Kissenprimel
Im westlichen und südlichen Mitteleuropa sowie in Nordafrika und Kleinasien anzutreffen. Wächst hier auf Wiesen und in lichten Wäldern in mildfeuchtem, lockerem Humus. Die runzeligen, länglich-eiförmigen Blätter sind an der Blattunterseite teilweise stark behaart. Die kurzstieligen, fast der Blattrosette aufsitzenden, meist gelben Einzelblüten weisen orangerote Schlundflecken auf.
Primula vulgaris wächst problemlos in jeder Art von Gartenboden. Vermehrung durch Samen oder durch Teilung älterer Pflanzen ist problemlos.

Subspecies

P. vulgaris ssp. heterochroma (Stapf) Smith et Forrest
Stammt aus dem südlichen europäischen Teil Russlands. Ihr Charakteristikum ist die filzige, schneeweiße Blattunterseite. Die Blütenfarbe dieser sehr seltenen Art ist entweder schwefelgelb, graublau oder fahlrosa.

P. vulgaris ssp. sibthorpii (Hoffmgg.) Smith et Forrest
Wildvorkommen in Zentral-Griechenland, in der Westtürkei und im Kaukasus. Diese Unterart blüht als erste bereits im Februar an halbschattigen Standorten mit rosa- bis karminrotfarbenen Blüten. Verwildert kommt P. vulgaris ssp. Sibthorpii an verschiedenen Stellen im mittleren Neckarraum vor.

Primula vulgaris ssp. balearica
Foto © 2010 Gerhard Hofmeister
 
  
P. vulgaris ssp. balearica (Willk.) Smith & Forrest
Obgleich diese wohlriechende Primel aus den Bergen von Mallorca stammt, übersteht sie Frosttemperaturen bis -20 °C. Ihre Blütenfarbe ist weiß, der Schlund gelb. Blüht wie P. vulgaris ssp. sibthorpii bereits im Februar.

P. vulgaris ssp. ingwerseniana Helos-Harrison
Aus Griechenland vom Olymp beschrieben. Da sie jedoch stark Primula vulgaris ssp. balearica ähnelt, ist ihr botanischer Status umstritten.

Verwendete Literatur
AGS: Encyclopedia of Alpines. AGS Publications Ltd.
Köhlein, Fritz: Primeln. Ulmer Verlag, Stuttgart 1984.
Smith, G.F., B. Burrow und D.B. Lowe: Primulas of Europe and America. AGS Publications Ltd., 1984.

Kontakt zum Autor: g-hofmeister@t-online.de

 
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