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Fachgruppe Farne
Die Sporen-Aussaat
Wie vermehre ich Farne aus Sporen
Das Klima in den Hauptherkunftsgebieten unserer Farne
aber auch für alle anderen Pflanzen
von Rolf Thiemann
Plädoyer für eine "Arten(er)Findung" mit Augenmaß
von Wolfram Gaßner
Die Vielfalt der Farne
Internationales Treffen der Farnfreunde in den Niederlanden
vom 30. Juni bis 2. Juli 2011
Im Hortus Botanicus Leiden
Der Garten von Wim van Dam in Sassenheim
Wanderung durch die Dünen
Grachtenfahrt in Amsterdam
5. Internationales Treffen der Farnfreunde
Rita Thomsens Garten
Der Gottorfer Globus
Im Botanischen Garten Kiel
Berndt Peters Garten
2013 Jahrestreffen der Farnfreunde in den Vogesen
Jardin D'Altitude du Haut Chitelet
Wanderung zum Rainkopf
Wanderung zum Rainkopf
Teil 2
Das Arboretum des Eviats in Lalaye
Jahrestreffen der Farnfreunde in Hessen
Besuch im Botanischen Garten und Palmengarten Frankfurt
Ein ostasiatisches Gartenjuwel zwischen Wohnblocks
Ein Exotengarten nördlich des Mains
8. Internationales Treffen der Farnfreunde im Oldenburger Land
Garten der Stille
Ein Sammler-Garten in Stuhr
Park der Gärten in Bad Zwischenahn
Veranstaltungen
Plädoyer für eine "Arten(er)Findung" mit Augenmaß von Wolfram Gaßner
 
Seit einigen Jahren beobachte ich mit Unbehagen, wie einige Pteridologen - die sich im übrigen sehr um die Erforschung der Farne verdient gemacht haben - in mancher Hinsicht zunehmend über das erklärte Ziel des Forschers hinausschießen , nämlich die natürliche Ordnung der Arten zu entschlüsseln und praxisnah darzulegen.

Es kommt mir etwas vor wie: Das Terrain ist tausendfach durchforstet und nahezu 'abgegrast' - da schaffe ich mir einfach 'Neuland' als Betätigungsfeld und Berechtigung meines Forscherdaseins. Und so werden dann von Botanikern der Löwenzahn, die Brombeere, der Rotschwingel und manche Weidenarten in teilweise Dutzende neue 'Arten' (oder 'Unterarten') aufgesplittet.

Eklatantestes Beispiel bei den heimischen Farnen ist Dryopteris affinis.
Der augenscheinliche Grund: Die Art ist apogam, alle Individuen sind identisch, es sei denn, es ereignet sich einmal eine Mutation, was selten vorkommt. Die Nachkommen dieser Mutante sind wiederum allesamt identisch. Dies hat zur Folge, dass die Art Dryopteris affinis aus einer Ansammlung von im Laufe von tausenden von Jahren und Generationen als überlebensfähig selektierter Klone besteht.

Der "Vorteil" für den "splittenden Farnforscher": Es gibt mehr oder weniger große einheitliche Populationen zu jedem Typ, die homogen sind und sich ohne Zwischenformen von anderen Populationen abgrenzen.

Dieser "Vorteil" entfällt bei sich sexuell fortpflanzenden Arten, weshalb auch niemand auf die Idee kommt, hier mit Splitting anzufangen, obwohl die Variabilität z.B. bei Polystichum aculeatum und setiferum mindestens ebenso groß ist wie bei D. affinis. Nimmt man die z.T. in der Natur gefundenen und weitergezüchteten Kultivare hinzu, so übertrifft deren Vielfalt diejenige von D. affinis sogar bei weitem, insbesondere, wenn man an Veränderungen wie beispielsweise die Brutbulbenbildung denkt, für die sicherlich eine ganze Reihe von Genen mutiert sein müssen !

Aber auch andere heimische Arten weisen eine hohe Variabilität bzw. optische Heterogenität auf, z.B. Athyrium filix-femina, Dryopteris dilatata und Polypodium interjectum. Ganz zu schweigen von Cystopteris fragilis.

Auch dass es von D. affinis verschiedene Ploidiestufen gibt, rechtfertigt keine Artenaufspaltung. Unterschiedliche Ploidiestufen sind von etlichen Farnen bekannt, bei denen glücklicherweise die Zugehörigkeit zu nur einer Art nicht bestritten wird. Es würde auch kein Mensch auf die Idee kommen, ein durch künstliche Chromosomenverdoppelung erzeugtes Individuum - wie es in der Pflanzenzüchtung nicht selten vorkommt - als neue Art zu beschreiben. Und das, obgleich damit sogar eine Grunddefinition des Artbegriffs bewusst außer Acht gelassen wird, nämlich die uneingeschränkte fertile, sexuelle Fortpflanzungsfähigkeit der Nachkommen (üblicherweise sind die triploiden Nachkommen einer Kreuzung aus diploid x tetraploid nämlich steril - und die Sterilität von Nachkommen ist wiederum ein Kriterium dafür, dass die Eltern nicht einer Art angehören )

Apropos Artdefinition:
Ein riesengroßes Defizit in der "splitting-Arbeit" und allgemein der Beschreibung neuer Arten ist: Es wird die Artdefinition nicht überprüft, weil es kompliziert ist, noch mehr bei Farnen und erst recht bei apogamen Arten.

Eine Art wird wie folgt definiert: Wenn die Nachkommen von zwei Individuen einer sich ähnelnden Gruppe von Lebewesen wieder den Eltern ähneln und sich wiederum bei Weitergabe der Fertilität mit beliebigen Individuen der Gruppe fortpflanzen können, dann gehören diese Individuen zu einer Art.

Bei (höheren) Tieren einschließlich de Menschen ist dieser Test noch vergleichsweise einfach. Man ,muss meist nur Männchen und Weibchen eine Zeitlang zusammensperren und irgendwann "passiert" es.
Ich habe jedoch noch nie von einem Farnforscher gehört oder gelesen, der einen entsprechenden Arttest zur Verifizierung seiner Vermutung durchgeführt hätte. Ein großes Manko ! Eine solche Überprüfung würde sicher die Artenzahl insbesondere der ostasiatischen Farne, von denen etliche apogam sind und die dem Farnsammler im eigenen Garten doch oftmals allzu ähnlich erscheinen, spürbar reduzieren.

Schaut man über den europäischen Tellerrand hinaus, wir die Sache mit D. affinis noch haariger. So geht diese Art über viele Zwischenstufen nahtlos in D. wallichiana über, wenn man von Mitteleuropa zum Himalaya wandert.

Noch schlimmer: Ich habe Typen von D. affinis aus den Alpen im Garten, die - würde ich sie in eine Mischpflanzung verschiedener Typen von D. wallichiana integrieren - kein Pteridologe sicher herausfinden könnte, würde ich ihnen verbieten, nach dem mehr oder weniger schwach ausgeprägten dunklen Fiederstielansatz zu schauen. (Übrigens habe ich auch schon D. affinis in der Wildnis gefunden, bei denen diese Pigmentierung praktisch nicht vorhanden war, jedenfalls nicht mehr als auch bei manchen D.wallichiana).

Ganz schlimm wird es, zieht man in die Betrachtung noch weitere apomiktische Arten aus dem D.wallichiana-Komplex hinzu, die z.T. D.affinis so ähnlich sehen, dass sie "hier im Wald kaum auffallen würden ", wie D. neorosthornii, redactopinnata, yigongensis oder xanthomelas. Diese Arten beinhalten alle ebenfalls die "Klon-Problematik" !
(Hierzu sei die vielleicht ein wenig polemische Bemerkung gestattet: Diese Arten ähneln sich untereinander erheblich mehr als viele Kulturpflanzen-Arten in sich, man denke nur an Tomaten, Bohnen, Äpfel oder gar Kohl )

Und schaut man über den Atlantik hinüber: D. pseudo-filix-mas aus Mexiko ist optisch zumindest makroskopisch identisch mit einem D.affinis-Typ aus dem Tessin, bis hin zur ausgeprägten Wintergrünheit. Bei mir im Garten unterscheiden sich beide nur darin, dass der Mexikaner 1 - 2 Monate länger noch einzelne Wedel nachschiebt - eindeutig eine lokale Anpassung an das mexikanische Klima und als Merkmal nicht einmal tauglich, um auch nur eine Varietät abzugrenzen !

Übrigens haben die großen Farnforscher schon vor 150 Jahren festgestellt, dass D. wallichiana erstaunlicherweise nicht nur in Asien, sondern auch in Mittelamerika vorkommt. Warum soll das denn nicht auch die "Schwesternart" D. affinis geschafft haben - die Distanz wäre sogar noch kürzer.

Noch ein Letztes:

Wünschenswert und hilfreich wäre es auch, gärtnerische Erfahrungen mit einzubeziehen. Manchmal werden zwei geographisch weit entfernte Arten sich sehr - zu? - ähnlich, wenn sie im Garten unter gleichen Standortbedingungen kultiviert werden.

Ein krasses Beispeil, von dem ich im übrigen selbst nicht weiß, was ich davon halten soll:
Ich habe Asplenium cuneifolium von absolut vertrauenswürdigen Spezialisten bekommen (und obendrein selbst identifiziert), einmal aus Sachsen, einmal aus Österreich. Im Garten wurden beide Herkünfte dem A. adiantum-nigrum sehr ähnlich, so wie auch aus Sporen gezogene Nachkommen dieser A. cuneifolium, die im Falle der sächsischen Herkunft vom gleichen Spezialisten "eindeutig" als A.adiantum-nigrum identifiziert wurden (was ich im übrigen nachvollziehen konnte).

Die österreichische Herkunft war ebenfalls nicht mehr von einem schlanken Typen von A. adiantum-nigrum zu unterscheiden. Die gleiche Erfahrung machte eine Fansammlerin aus Mittteldeutschland.
Die vielzitierte Wintergrünheit von A, adiantum-nigrum versus Sommergrünheit bei A. cuneifolium taugt als diagnostisches Merkmal überhaupt nichts. Sie ist lediglich abhängig von der Länge und Strenge des Winters - und die sind nun mal im Verbreitungsgebiet von A. cuneifolium ausgeprägter. In milden norddeutschen Wintern und vor allem im Frühbeetkasten ist A. cuneifolium genauso gut wintergrün wie A. adiantum-nigrum !
Eindeutige Unterschiede betreffen die Winterhärte und Winternässeempfindlichkeit - ein gängiges Phänomen im Vergleich einer ozeanischen und einer kontinentalen Art.

Mein Appell an alle "splittingversessenen" Pteridologen:
Bitte haltet Euch zurück und rudert zurück !

Verkompliziert nicht einen natürlichen Sachverhalt und - ganz wichtig - erstellt nicht eine falsche Darstellung eines natürlichen Bildes !

Wenn Ihr neue Taxa von apomiktischen Arten wie D. affinis
ausweisen wollt, dann macht es als "Forma" oder "Varietas" in ganz wenigen 'gravierenden' Fällen als "Subspecies" - doch nieals als neue Art ("Species"), wenn nicht im mindesten die Artdefinition (s.o.) gewissenhaft und belastbar überprüft wurde !

Und nicht zuletzt: Hinterfragt die Sinnhaftigkeit dessen, jeden Klon erfassen und benamen zu wollen, denn darauf liefe es schlussendlich hinaus.





 
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