| |
 |  | Herbstliche Impressionen im Foersterschen Garten Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | Mitte September trafen sich in diesem Jahr fast 200 Mitglieder der GdS – was rekordverdächtig sein dürfte – in Falkenrehde, der Gutshof Havelland war ausgebucht und Haupt- und Nebengebäude von Staudenfreunden okkupiert! Das allein sprach schon zu Beginn dafür, dass die Tagung ein Erfolg werden würde, hatte doch das ansprechende Programm rund um das geschichtsträchtige Potsdam fast doppelt so viele Teilnehmer wie üblich ins Brandenburgische gelockt. So gab es dann auch ein großes Hallo und nettes Wiedersehen unter Mitgliedern, Gruppenleitern, Vorstand und allen, die irgendwie mit der GdS verbunden sind.
Erstaunlich reibungslos lief die Organisation der Fahrten, Besichtigungen, Essensausgaben und Führungen ab, die Berliner Regionalgruppe unter Leitung von Dr. Tomas und Christina Tamberg und unsere Geschäftsstelle hatten sich wirklich ordentlich ins Zeug gelegt. Für all die Vorbereitungen und Mühen im Vorfeld und während der Tagung nochmals vielen Dank, es war eine wirklich ganz besonderes Treffen. |
 |  | Andreas Händel führt die Besucher durch den berühmten Senkgarten Foto © 2005 Harald Berger | |
| | | Man könnte so viel darüber erzählen, doch sollen Ihnen auch einige fotografische Eindrücke zeigen, wie sehenswert Potsdam und Umgebung sind. Wie Sie darauf sehen, hatten wir großes Glück mit dem Wetter, was niemand erwartet hatte, da die meisten bei strömendem Regen angereist waren. Doch wenn die Staudenfreunde an die Wiege der Staudenkultur pilgern, in den Garten von Karl Foerster in Potsdam-Bornim, muss das natürlich so sein. Foerster, der als Gärtner, Mensch und Autor der Botanik Poesie einhauchte, war nicht nur Gründungsmitglied der GdS, die 1973 aus der 1950 gegründeten Deutschen Iris Gesellschaft hervor ging. Der berühmte Pflanzenkenner, Züchter und Sammler Karl Foerster war damals treibende Kraft und wurde unterstützt von ebenfalls großen Persönlichkeiten wie beispielsweise Gräfin Helen von Stein-Zeppelin, Gründerin der gleichnamigen Staudengärtnerei in Sulzburg/Laufen. Seit 1998 ist der Foerster´sche Senkgarten ein von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördertes Kulturgut und auch unsere Gesellschaft hat sich mit einer großzügigen Spende an dieser Förderung beteiligt. Zeitgleich mit unserer diesjährigen Jahrestagung in Potsdam erschien auch das von Marianne Foerster geschriebene Buch „Der Garten meines Vaters Karl Foerster“ (DVA), das nur wenige Tage vor unserem Treffen in Bornim vorgestellt wurde. |
 |  | Die Foerstersche Gärtnerei: Phlox, soweit des Auge reicht Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | Und am Samstag Morgen (nach einem spektakulären Sonnenaufgang) war es dann soweit: drei Busse mit sehr gespannten Staudenfreunden rollten in Richtung Bornim, um dort die gut sortierte und gepflegte Staudengärtnerei Foerster (mit einmaligem Phlox-Sortiment!) und den berühmten Senkgarten, der in vollster frühherbstlicher Blüte stand, zu besichtigen. Die Staudengärtnerei zog übrigens 1911 (gegründet im Jahr 1907) vom Berliner Westend nach Bornim mit um und überstand beide Weltkriege sowie allerlei wirtschaftliche und politische Widrigkeiten. Die für die Staudenfreunde angebotenen drei Führungen (unter anderem sehr humorvoll und einnehmend von Hepatica-Spezialist Andreas Händel) führten vom Senkgarten über den Frühlingsweg, am Herbstbeet vorbei in den Steingarten und endete (ausnahmsweise, da sonst Privatbereich!) im Wohngarten von Marianne Foerster. Sehr kurzweilig, voller schöner Anekdoten und erheiternder Episoden war der Vortrag von Dr. Konrad Näser am selben Abend im Tagungshotel. Als langjähriger Mitarbeiter im Staudenbetrieb von Karl Foerster (12 Jahre lang, bis zu dessen Tod im Jahre 1970), hatte er Gelegenheit, den begeisterungsfähigen und andere begeisternden Pflanzenliebhaber nahe kennen zu lernen, was seine späteren Werdegang entscheidend prägte. Nach dessen Ableben setzte sich Dr. Konrad Näser mit anderen Mitarbeitern des Betriebes dafür ein, das Foerster´sche Gedankengut zu bewahren und weiterzugeben bzw. durch eigene züchterische Arbeit und Forschung weiterzuentwickeln. In zahlreichen Veröffentlichungen, Vorträgen und Führungen gibt er seitdem mit bewundernswertem Engagement, viel Ausdauer und großem Fachwissen die Liebe zu den Stauden und anderen Pflanzen weiter. 2001 wurde Dr. Konrad Näser der Wilhelm-Foerster-Preis durch den URANIA-Verein verliehen, einer Stiftung, die diesen Preis an Wissenschaftler und Wissenschafts-Publizisten im Land Brandenburg für hervorragende Arbeit auf dem Gebiet der Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse verleiht. |
 |  | Beeindruckende Fuchsiensammlung im Garten Näser Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | Seinen eigenen Garten in unmittelbarer Nähe des Foerster-Gartens durften die Staudenfreunde an diesem Tag auch besichtigen. Und der „Blütengarten Näser“, der seit 1995 seine Pforten regelmäßig öffnet, empfing die Besucher mit einer schier unglaublichen Fülle von üppig blühenden Fuchsien in allen Farben, Formen und Größen, für die Christa Näser zuständig ist. Natürlich gab es auch interessante Stauden-züchtungen, darunter viele Clematis, Blattschmuckpflanzen, Gehölze, liebevolle Details und das alles unter vielen hohen Bäumen in vorwiegend schattierten Lagen. Die große Freude an der Natur, den Pflan-zen und dem eigenen Garten wirkte jedenfalls ansteckend und darin äußert sich vielleicht auch wieder ein wenig der Geist Karl Foersters in seinem Schüler und lebt so doch weiter.
Eine Bilderschau von zauberhaften bartlosen Iris von Dr. Tomas Tamberg geleiteten die vom straffen Programm doch mittlerweile ermüdeten Staudenfreunde an diesem Samstag Abend in ihr Bett und – wie sollte es nach diesem inspirierenden Tag anders sein – zu süßen Träumen. |
 |  | Gräserbeet im Garten Bräuer Foto © 2006 Sigrid Schröder | |
| | | Am nächsten Sonntag-Morgen ging es gleich nach dem zeitigen Frühstück (die Hotel-Mitarbeiter mussten sich noch ziemlich verschlafen und erstaunt über soviel muntere Staudenfreunde erst einmal den Schlaf aus den Augen reiben) die Reise weiter. In den, was Gestaltung und Lage angeht, sehr beeindruckenden Garten von Ekkehard Bräuer in Brielow. Auf etwa fünfeinhalbtausend Quadratmeter in Alleinlage am direkten Waldrand mit imposanter Baumkulisse rund um das weitläufige Grundstück. Geborgte Landschaft nennt man das in Japan, die einem Garten natürlich zusätzliche Substanz verleiht. Doch konnte der von Hermann Göritz (1902-1998) geplante Garten diesen Charakter englischer Woodland-Gärten meisterhaft aufgreifen und inszenieren. Göritz, ein bedeutender Gartenarchitekt seiner Zeit, war ebenfalls Schüler Foersters und bekannt für Gestaltungen, wie sie auch im Garten Bräuer zu sehen waren: große Pflanzeninseln mit runden oder geschwungenen Formen, großflächig bepflanzt mit Geranium, Alchemilla, dichtem Efeubewuchs und vielen Bodendeckern, dazwischen Solitärpflanzen wie Aruncus, Rodgersia, Anemonen, Cimicifuga, Rudbeckia, Farnen und hohen Knöterichen schuf die Plattform für besondere Gehölze wie Parrotia persica, den Eisenholzbaum, etliche Pfaffenhütchen (die ein Steckenpferd von Hermann Göritz waren) wie Euonymus planipes mit reichem Fruchtschmuck,Mespilus germanica, vielen Hortensien, Rhododendren und einigen Cotoneaster. Gepflegter Rasen umfloss die eleganten Pflanzenrondelle und wirkte genau wie die Bepflanzung selbst sehr beruhigend auf das Auge des Betrachters.. Doch das viel fotografierte Objekt allgemeiner Bewunderung war ohne Zweifel Heptacodium miconioides (Syn. jasminoides), wunderbarerweise gerade in voller Blüte. Die Gattung hat nur diese eine Art und stammt aus China. Völlig frosthart und mit attraktiver, abschälender, gelbbrauner Borke bringt er von Spätsommer bis Spätherbst cremefarbene, duftende Blütenrispen hervor. Der Garten Bräuer demonstrierte dem Gartenbesucher auf eindrucksvolle Weise, wie schön sich ausgesuchte Gehölze und Stauden zu einem Gesamtbild ergänzen. |
 |  | Teich und Badehaus im Garten Joop Foto © 2006 Klaus Zimmermann | |
| | | Leider konnten wir den Joop-Garten, den viele Teilnehmer mit Spannung erwartet hatten, wegen vorzeitiger Abreise mit der Bahn nicht mehr besichtigen, doch darüber können Sie Näheres im Bericht von Sigrid Schröder lesen. Für die, die da waren, muss es wohl ein ganz besonderes Erlebnis gewesen sein und, nun ja, wann bietet sich schon einmal Gelegenheit, solch ein Anwesen zu besichtigen.
Zu unserer Freude lag aber die Freundschaftsinsel direkt in Nähe des Potsdamer Bahnhofes, von dem aus unsere Rückreise in Richtung Kassel ging. Und da wir noch eine Stunde Zeit hatten, konnten wir dieses in neuem Glanz strahlende Kleinod auch noch besichtigen. Die Freundschaftsinsel gibt es schon sehr lange, doch über die Grenzen bekannt wurde sie erst, als Karl Foerster 1937 einen Schau- und Lehrgarten nach dem Vorbild Botanischer Gärten in Deutschland und England dort einrichtete. Ziel war tatsächlich, Sichtungsergebnisse zu veröffentlichen, doch in gleichem Maß, nicht nur der Fachwelt, sondern auch dem interessierten Laien die Freude an Pflanzen zu vermitteln. Mehr als 1.250 verschiedene Staudenarten und -sorten (Darunter auch viele Iris) wurden angepflanzt, doch nach dem zweiten Weltkrieg musste man in den 1950-er Jahren (mit tatkräftiger Unterstützung von Peter Altmann) wieder ganz von vorne anfangen. Die Sichtungen wurden nach und nach eingestellt und teils nach Marquardt verlegt, da Zerstörungen und Diebstähle neue Schäden angerichtet hatten. In den 1970-er Jahren wurde die Insel wiederholt teilweise umgestaltet, die Gartenanlage vereint folglich in sich drei gartengestalterische Perioden, was zugleich den besonderen gartenhistorischen Wert darstellt. Von 1997 bis 2000 wurden im Zuge der BUGA in Potsdam große Summen für die Wiederherstellung, Rekonstruktion und teilweise Neugestaltung der Pflanzungen und architektonischen Elemente auf der Insel aufgebracht. Die charakteristischen Handschriften von Hermann Mattern, Walter Funcke und Hermann Göritz, die den von Karl Foerster ins Leben gerufenen Inselgarten in den 1930er, 1950er und 1970er Jahre gestalteten und entwickelten, kam erneut zum Vorschein und so sind heute wieder die Sandstein-Pergola und Torhausanlage von Hermann Mattern, die Wasserachse und der Rosengarten zu bewundern. Die Bilder aus dem Schaugarten bei strahlend blauem Himmel mögen Ihnen einen Eindruck davon geben, wie eine erlebnisreiche Jahrestagung (für die Autorin und ihre Begleiterin) zu Ende ging.
Und die BUGA half zudem dabei, das Augenmerk der Öffentlichkeit wieder auf einen zweiten Schatz zu richten: den Foerster-Garten in Potsdam-Bornim und eine Stiftung zur Förderung und Erhaltung auch dieses Gartendenkmales zu ermöglichen. Wenn sie dieses förderungswürdige Projekt ebenfalls unterstützen wollen, hier noch einmal das Sonderkonto der deutschen Stiftung Denkmalschutz:
Marianne Foerster-Stiftung, Konto 212 799 402, BLZ 370 800 40, Dresdner Bank. Bitte vermerken Sie auf dem Überweisungsformular, ob es sich dabei um eine Zustiftung (Aufstockung des Stiftungskapitals) handelt oder um eine Spende, die zeitnah verwendet werden soll.
Barbara Poschmann |
|