Startseite | Mitglieder-Forum | Impressum
über den Verein   Fachgruppen   Publikationen   über Stauden   Aktuelles   Kontakt   
Veranstaltungen   Regionalgruppen   Samentausch   Projekte   Offene Gärten   Links   
Rund um die Staude
Tipps zu Pflege und Vermehrung
Staudenporträts
Die Blutblume
Sesleria caerulea - die pure Konfusion
Staude des Jahres
Interessantes aus Wissenschaft und Forschung
Staudensichtung
Die Blutblume - eine Kübelpflanze, schön, selten und robust!
 
Zum ersten Mal sah ich die Blutblume im "der Staudengarten" 3/1999 als Titelbild.

Das leuchtende Rot der strahligen Blütenbälle vor dem sattgrünen Hintergrund der Blätter gefiel mir auf Anhieb. Neugierig durchblätterte ich das Heft, um mehr über diese Pflanze zu erfahren, aber außer einer Aufnahme im Garten der Familie Tannert war nichts mehr zu finden. Damit war die Blutblume fürs Erste vergessen. Durch Zufall erfuhr ich von einer Blutblume im Nachbarort. Ein Gärtner im Ruhestand pflegt diese und andere Kübelpflanzen, sie sind sein ganzer Stolz, er vermehrt sie auch erfolgreich, aber genaueres über Kultur und Anzucht wußte er auch nicht. Dank Internet konnte ich mich etwas informieren, inzwischen sammle ich mit eigenen Pflanzen Erfahrungen.

Die Blutblume gehört zu den Amaryllisgewächsen. Der botanische Name Haemanthus gilt für Arten ohne Blattmittelrippe, Scadoxus bezeichnet Arten mit Mittelrippe. Am häufigsten findet man H. (Sc.) multiflorus im Angebot. Als Knolle wird sie oft von "fliegenden Holländern" verkauft. Sie blüht vor oder mit der Blattentfaltung und muß eher trocken gehalten werden. Meiner Meinung nach ist sie nicht kulturwürdig. Hier geht es aber um Scadoxus multiflorus ssp. katharinae. In Größe, Habitus und auch Pflege ist die Blutblume mit dem entfernt verwandten Agapanthus zu vergleichen: Über ca. 30cm hohem dünnfleischigen Laub erheben sich die Blütenbälle in leuchtendem Rot, die je nach Kultur Mitte Juli bis Ende August ungefähr drei Wochen lang blühen. Der Standort sollte licht- bis halbschattig sein, in praller Mittagssonne verbrennen die Blätter schnell. Je kühler und schattiger, um so länger wird die Blütezeit sein, zur Blattentwicklung ist ein warmer Standort von Vorteil. Wie der Agapanthus steht auch die Blutblume lieber etwas enger im Topf, das Substrat sollte lehmig-humos-mineralisch sein. Obwohl die Pflanze milde Feuchtigkeit mag, wird stehendes Wasser im Untersetzer nicht vertragen, dank der fleischigen Rhizome kommt sie auch über Trockenzeiten. Diese Eigenschaft nutzt man bei der Überwinterung. Ab September nicht mehr gegossen, zieht sie ein und kann fast trocken im dunklen Keller stehen. Wird sie mit Laub überwintert, was für den Zuwachs vorteilhaft ist, sollte es beim Austrieb der neuen Blätter entfernt werden. Wenn sie treibt, wartet man noch einige Wochen, bis man sie aus der Überwinterung nimmt. Warmes Antreiben kann zu Problemen mit der Standfestigkeit führen.

Daß die Blutblume so gut wie nie im Handel ist, dürfte an der unergiebigen Vermehrung liegen: kräftige, blühende Exemplare kann man ab ca. 40cm Topfdurchmesser vorsichtig teilen, wobei auf starke Triebe zu achten ist, denn nur diese blühen. Die Wurzelknollen sollen ähnlich wie Irisrhizome aus der Pflanzerde herausragen. Bis zur nächsten Teilung vergehen mindestens vier Jahre. Häufiges Düngen in der Hauptwachstumszeit, ich gebe Magnesium und Eisen zusätzlich, beschleunigt den Zuwachs und ergibt dunkelgrüne Blätter. Für die Blütenbildung ist eine Ruhezeit bzw. relativ trocken-kühle Periode bei 12-14°C nötig. Erst wenn die Pflanzen viele Jahre nicht geteilt und alle zwei bis drei Jahre umgepflanzt wurden, entwickeln sich prächtige Exemplare mit bis zu 50 Blüten! Für solche Schauexemplare werden viele hundert Euro verlangt und auch bezahlt. Die Vermehrung aus Samen ist leicht möglich, doch sehr langwierig: Die Blüten setzen zuverlässig Samen an, der erst Anfang Februar ungleichmäßig reift, er färbt sich von gelb in orange. Schon bei beginnender Gelbfärbung kann das Samenkorn von seiner fleischigen Hülle befreit werden. Der Samen gleicht eher kleinen Zwiebeln, die bei langer warmer Lagerung austreiben. Die erbsengroßen Körner zu ca. 20 Stck. in einen 10er Topf mit Sand legen, mäßig anfeuchten, den Topf mit Folie überspannen und warm (>20°C) stellen. Schon bald keimt das Saatgut und sollte dann hell gestellt werden. Die Jungpflanzen können einige Jahre gut im Zimmer (gerne weiter im Sand) ohne Ruhepause durchkultiviert werden. Einigen Sämlingen fehlt das Blattgrün, diese werden ausfallen. Sehr auffällig ist, dass die Sämlinge der Saison über kaum Zuwachs haben, aber im Frühjahr einen sehr kräftigen Wachstumsschub machen, der die Größe jeweils verdoppelt. Aber nicht alle Sämlinge tun dies, so dass sich nach einigen Jahren enorme Größendifferenzen ergeben. Evtl. kann ein Wachstumsschub auch bei Sämlingen durch eine Ruhepause – z.B. 4 Wochen kühl, trocken – angeregt werden, was eine enorme Zeitersparniss bringen würde. Ab und zu umtopfen, aber nicht vereinzeln. Im Winter etwas trockener halten. Können Schnecken die Blutblume erreichen, wird sie mit großem Appetit verspeist. Auf Wollläuse ist zu achten, vereinzelt tritt eine Pilzkrankheit auf, der Rote Brenner, der mit zugelassenen Mitteln bekämpft wird.

Saatgut reift zu spät für die Samentauschaktion, kann aber auf Anfrage abgegeben werden.

Artur Wiesmet

 
nach oben
© 2005 - 2017 Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.