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über Stauden

Nepeta – die Staude des Jahres 2010
 

Foto © 2010 Bund deutscher Staudengärtner (BdS)
 
  
Text: Dr. Folko Kullmann, BdS; Fotos: BdS

2010 ist das Jahr der Katzenminzen. Der Bund deutscher Staudengärtner (BdS) hat die Katzenminze zur Staude des Jahres 2010 gewählt. Katzenminzen (Nepeta) sind eine Gattung in der Familile der Lippenblütler (Lamiaceae). Je nach Auffassung werden 150 bis 250 Arten der Gattung Nepeta zugerechnet. Die Gattung ist in zwei Sektionen eingeteilt, Eunepeta mit zwittrigen und Oxynepeta mit eingeschlechtlichen Blüten.

Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung reicht von den gemäßigten Zonen Asiens mit der Himalaja-Region, wo sie bis in Höhen von 3300 m wachsen, bis in den Kaukasus und nach Japan. Außerdem kommen sie an den Küsten Nordafrikas, einige Arten auch in den Bergregionen des tropischen Afrikas vor. In Europa liegt der Verbreitungsschwerpunkt mit den meisten Arten im Mittelmeerraum, etliche Arten kommen aber auch nördlich bis Irland, Schottland, Südnorwegen und zum Baltikum vor. Verwilderte Gartenpflanzen haben sich in Nordamerika und Südafrika aus den Gärten in geeigneten Habitate ausgebreitet.


Foto © 2010 Bund deutscher Staudengärtner (BdS)
 
  
Habitat
Die meisten Arten kommen auf trockenen, nährstoffarmen, durchlässigen und kalkarmen Böden an warmen, sonnigen bis exponierten Standorten vor. Ausnahmen sind Arten wie Nepeta govaniana, N. sibirica und N. subsessilis, die eher frische bis feuchte Böden und einen halbschattigen Standort bevorzugen.
Katzenminzen gehören zur typischen Flora im siedlungsnahem Ödland, besiedeln lichte Gebüsche, Wegränder, Schuttplätze und Brachflächen sowie Trockenmauern. Trockene Heide, lichte Laub- und Kiefernwälder sind ebenso Habitate wie Kräutergemeinschaften oder der Unterwuchs lichter Wälder. Dabei kommt ihnen die Fähigkeit, auch längere Trockenperioden zu überstehen, zu gute. Schattenverträgliche Arten besiedeln zudem Gebüschränder und Flussufer.

Geschichte
Der griechische Arzt und Pflanzenkundige Dioscorides erwähnt im 1. Jh n. Chr. erstmalig eine Pflanze mit dem Namen Calamintha, die von den Römern Nepeta genannt wurde. Ob diese dieselbe Pflanze bezeichnen, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.
Sicher ist jedoch, dass in allen mittelalterlichen Kräuterbüchern, in denen Nepeta erwähnt wird, auch ihre Anziehungskraft auf Katzen beschrieben wird, so bei Albertus Magnus oder Hildegard von Bingen. Der englische Botaniker Pitton beschreibt in dem um 1700 entstandenen Werk >The Complete Herball< die Wirkung wie folgt: „Wenn eine Katze sie gerochen hat, macht sie sich entzückt darüber her, stürzt sich wie wild hinein, tollt um sie herum, reibt sich in den merkwürdigsten Haltungen ausführlich und lange an ihr und spielt mit ihr;
schließlich frisst sie sie vollständig auf.“


Foto © 2010 Bund deutscher Staudengärtner (BdS)
 
  
Herkunft des Namens
Nepeta ist von der alten Etruskerstadt Nepete abgeleitet. Heute ist dieser Ort als Stadt Nepi in der Toskana bekannt. Der Mittelmeerraum stellt in der Tat das Hauptverbreitungsgebiet der Gattung dar.

Nepeta als Heilpflanze
Seit dem 9. Jh n. Chr. kann auch die Verwendung als Heilpflanze nachgewiesen werden. 1735 schrieb K’Eogh im Irish Herbal über die Nepeta: „Es fördert Harnlassen und Menstruation; es treibt das totgeborene Kind aus; es öffnet Verstopfungen in Lunge und Gebärmutter; es ist gut bei inneren Quetschungen und Kurzatmigkeit.“ Hildegard von Bingen setzte Katzenminze pulverisiert bei unaufgebrochenen Skrofeln (d.h. Skrofulose) am Hals in Form von Brotaufstrich, Kuchen oder Mus ein. Bei aufgebrochenen Skrofeln verwendete sie die frischen Blätter als Umschlag. Als Tee wirkt die Katzenminze harntreibend, menstruationsfördernd, abtreibend, krampflösend und fiebersenkend. Schwangere dürfen daher keine Produkte, die Katzenminze enthalten, einnehmen. Außerdem soll sie gegen Brechdurchfall wirken und mit Salz vermischt und roh oder gekocht gegessen gegen Würmer helfen.
Die ätherischen Öle sollen – die Betonung liegt auf sollen – wie bei anderen Pflanzen der Familie der Lippenblütler eine abschreckende Wirkung auf Mücken besitzen.

Verwendung als Gartenpflanze
1760 wurde Nepeta sibirica erstmals nach England eingeführt und seit 1784 ist die bis heute bekannte und beliebte Hybride N. × faassenii (N. racemosa × N. nepetella) bekannt. Gertrude Jekyll, eine der Grandes Dames der englischen Gartenkultur, bevorzugte die Katzenminze bei vielen ihrer
Pflanzungen.


Foto © 2010 Bund deutscher Staudengärtner (BdS)
 
  
Aussehen
Katzenminzen wachsen meist staudig, einige Arten verholzen auch an der Basis und bilden niedrige Halbsträucher, einige wenige sind einjährig. Alle Arten kennzeichnen die vierkantigen Stängel, die völlig kahl bis stark behaart sind. Bei den meisten ist dieser gräulich grün wie die Laubblätter gefärbt, bei einigen aber auch rötlich.

Blätter
Die meist behaarten Laubblätter sind ungeteilt, haben aber einen gekerbten, gesägten oder gezähnten Rand und stehen dekussiert (kreuzgegenständig). Je nach Art sind sie 1–15 cm lang und 0,5–10 cm breit. Ihre Form variiert von eiförmig bis lanzettlich mit einer runden bis herzförmigen Basis. Der Blattstiel ist entweder kurz bis nicht vorhanden (dann sitzt das Blatt stängelumfassend). Die Blattfarbe variiert von gräulich grün bis dunkelgrün, bei einigen Arten ist das Laub auch rötlich durch Anthocyaneinlagerung überhaucht. Anhand der Blattform und Farbe lassen sich Rückschlüsse auf Lebensraum und damit auch die Ansprüche im Garten ableiten:
Katzenminzen aus Trockenregionen haben schmale, behaarte Blätter von gräulich grüner Farbe. Arten aus feuchteren Habitaten sind an ihren größeren, weniger behaarten und intensiver grünen Blättern erkennbar.

Blüten
Der lockere bis dichte Blütenstand ist 5-25 cm lang, oft verzweigt und besteht aus Scheinquirlen, an denen die mehr oder weniger deutlich gestielten, fünfzähligen Lippenblüten sitzen. Diese sind 0,5–5 cm lang und bei den meisten Arten stark zygomorph, die Kelchblätter sind verwachsen und bilden einen glockigen Röhrenkelch, der manchmal zweilippig ausgebildet ist. Die Unterlippe hat drei, die Oberlippe zwei Zipfel. Die Blütenfarbe variiert von Blau bis Lila, bei den meisten Arten ist sie Blaulila in allen Schattierungen. Weitere Farben sind Weiß wie bei Nepeta cataria, Rosa wie bei N. parnassica und Gelb wie bei N. govaniana. Die Blütezeit beginnt Ende April/Anfang Mai und reicht bis in den September/Oktober. Nach der ersten Blüte sollte ein Rückschnitt erfolgen, um einen zweiten Flor zu erhalten. Eine weitere Methode zur Blütezeitverlängerung beschrieb Gertrude Jekyll: „Entfernt man die ersten Blüten und schneidet man sie auf die Hälfte zurück, bildet sie schon Mitte Juni wieder neue Blütentriebe.“

Wuchs
Die Wuchshöhe variiert von niedrigen 20 cm bei Nepeta racemosa bis zur überbrusthohen Größe von N. grandiflora ‘Pool Bank’, die durchaus 1,50 m hoch wird. Während die kleineren Arten breit kugelförmig bis aufrecht buschig wachsen, sind die großen oftmals dicht verzweigt, sehr ausladend und fallen ohne Stütze auseinander.

Katzenminze im Garten
Nepeta ist eine ideale Pflanze für sonnige, trockene Pflanzbeete. Da sie sehr anspruchslos ist und wenig Pflege braucht, ist sie für unzugängliche und schwierige Standorte wie Hänge, Verkehrsinseln, Dächer, Trockenmauern und sandige oder kiesige Böden geeignet. Eine regelmäßige Bewässerung ist nicht nötig, im Gegenteil, an trockene, nährstoffarme Standorte angepasste Arten gedeihen im klassischen Prachtstaudenbeet weniger gut.
Die Arten Nepeta govaniana, N. grandiflora,
N. manschuriensis, N. sibirica
und N.subsessilis bevorzugen frische bis feuchte Standorte im lichten Schatten, z.B. in Rabatten, vor Hecken und in Gehölzrandbereichen.
Niedrige Arten eignen sich für Steingärten, Beeteinfassungen und Tröge, höhere auch für den hinteren Rabattenbereich. Alle Arten locken mit ihren Blüten zahlreiche Insekten an, darunter Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.

Empfehlenswerte Sorten
Im Rahmen der Staudensichtung wurde das Sortiment der Katzenminzen auf ihren Gartenwert geprüft. Gärtnerische Bedeutung haben von den vielen Arten vor allem Nepeta × faassenii, N. racemosa
und N. grandiflora. Die höchste Auszeichnung mit drei Sternen erreichten folgende Sorten:
Die Sorte N. × faassenii ‘Dropmore’ besticht mit ihren lilablauen Blüten. Sie blüht sehr gut nach, ist äußerst vital und standfest und wird 60–70 cm hoch. Eine violettblaue Blüte bietet N. × faassenii ‘Six Hills Giant’. Diese Sorte blüht ebenfalls gut nach, ist vital und standfest und wird 80–90 Zentimeter hoch. N. × faassenii ‘Walker´s Low’ ist die beste und die am intensivsten dunkelviolett blühende Variante. Sie ist überaus reichblühend, hat eine sehr hohe Schmuckwirkung und ist ein Insektenmagnet. Die Sorte wird 70–90 cm hoch, sie eignet sich auch als Schnittblume und blüht nach dem Rückschnitt gut nach.
N. racemosa ‘Superba’ zeigt ihre lilablauen Blüten von Juni bis September, sie wächst polsterartig breit und wird 20–30 cm hoch, ist sehr reichblühend mit einer guten Nachblüte.
Eine ebenfalls ausgezeichnete großblumige Neuheit, die mit einer langen Blütezeit überzeugt, ist N. grandiflora ‘Blue Danube’. Sie blüht tiefblau und hat einen aufrechten, kugeligen Wuchs und wird etwa 50 cm hoch.

 

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