Landgarten Frank

Text: Christine Bahlo / Fotos © Dr. Ekkehard Bahlo

Das Projekt "Landgarten Frank" der Gesellschaft der Staudenfreunde e.V. widmet sich der umfangreichen Päonien-Sammlung der bekannten Staudenexpertin und Buchautorin Reinhilde Frank, die im Jahr 2010 verstarb. Ziel ist es, die Sammlungen von Stauden, Rosen und Gehölzen, die im Laufe des engagierten Gartenlebens von ihr zusammengetragen und mit viel gestalterischem Geschick in den Garten integriert wurden, auf Dauer zu erhalten.


Paeonia lactiflora 'Doreen' (Sass 1949)
© Dr. Ekkehard Bahlo


Paeonia suffruticosa 'Yuki Zasa' (Japan)
© Dr. Ekkehard Bahlo

Die Rettung der Päoniensammlung

Seit über sechs Jahren wird die Päonien-Sammlung “Landgarten Frank” als GdS-Projekt geführt. In dem knapp 1.700 qm großen Garten hatte die Pflanzenliebhaberin Reinhilde Frank eine beachtliche Sammlung an Päonien zusammengetragen, darunter befinden sich auch eigene Züchtungen, wie ‚Angelika‘, die unter der Bezeichnung ‚Angelique“ im Handel erhältlich ist.


Paeonia lactiflora 'Angelika' (Züchter: Reinhilde Frank) 
© Dr. Ekkehard Bahlo


Paeonia mlokosewitchii Hybr. (Züchter Reinhilde Frank)
© Dr. Ekkehard Bahlo

Der Zustand des Gartens, den die Pflanzenliebhaberin und Buchautorin Frank altersbedingt in ihren letzten Lebensjahren nicht mehr pflegen konnte, verbessert sich ganz allmählich. So fand 2016 auf Initiative des Netzwerks Pflanzensammlungen erstmals eine größere Helferaktion dort statt. Christine und Ekkehard Bahlo haben sich als unterstützende Partner dem Netzwerk Pflanzensammlungen der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. angeschlossen. Damit zählt die Heppenheimer Päoniensammlung im „Landgarten Frank“ offiziell zu Deutschlands Gartenkulturerbe. Dem Garten sieht man auch heute noch an, dass er lange nicht mehr richtig gepflegt wurde. Also gibt es immer noch jede Menge zu tun. Nach und nach wird der ursprüngliche Gestaltungsrahmen wieder sichtbar, so geben Buchshecken dem Kern des Gartens immer noch seinen besonderen Charakter.

Sorgfältige Pflanzenkombinationen

Neben der Päoniensammlung gibt es im Landgarten Frank auch viele andere Stauden sowie Bäume und Sträucher. Zahlreiche Gehölze entwickelten sich in den vielen Jahren prächtig und verwandeln vor allem im Frühjahr den Garten zusammen mit den Obstbäumen in ein Blütenmeer.


Exocorda macranthe ‚The Bride‘ im Vordergrund, Cornus florida ‚Rubra‘ zusammen mit Syringa vulgaris ‚Andenken an Ludwig Späth‘
© Dr. Ekkehard Bahlo

Leider verschwand im Laufe der Jahre ein Großteil der ehemals vorhandenen Stauden. Keine Spur mehr von den von Reinhilde Frank beschriebenen herrlichen weißen und blauen Delphinium. Auch fehlen die auf die Päonien farblich fein abgestimmten Iris barbata. Übrig blieben robuste Gattungen und Arten, wie Acanthus, Bergenien, Phlomis, Iberis sempervirens, Phlox subulata, Hemerocallis, Farne u. a. Als sehr ausbreitungsfreudig hat sich der purpurblaue Steinsame (Lithospermum purpurocaeruleum, Syn. Buglossoides purpurocaeruleum) erwiesen, der die Päonien zunehmend bedrängt und sogar Giersch auf Dauer in seine Schranken weist. Diese Pflanzen haben die extremen Sommer der vergangenen Jahre unbeschadet überstanden und können von daher für die Bergsträßer Region mit ihrem Weinbauklima als trockenheitstolerant gelten.

Der in unterschiedliche Bereiche angelegte Garten erwacht zunehmend aus seinem Dornröschenschlaf. Für weitere Pflanzengattungen, wie z.B. Akeleien, Helleborus und Hemerocallis, wird Platz gemacht.


Hemerocallis Hybr. ‚Brunette‘ (Stout 1941) blüht bereits Ende Mai
© Dr. Ekkehard Bahlo


Hemerocallis Hybr. Slg. rot und apricot Spider von Harald Juhr
© Dr. Ekkehard Bahlo

Inzwischen sind viele neue Stauden in den Garten eingezogen, darunter Astern, Miscanthus und Rudbeckia. Diese Stauden zaubern im Herbst noch einmal Farbe in den Garten und erzeugen auch im Winter mit Frost und Schnee reizvolle Stimmungsbilder. Dazu gesellen sich immer mehr Pflanzenspenden von Unterstützern des Landgartens, die sogar per Post aus ganz Deutschland den Weg nach Heppenheim finden.

Ein Biotop für Tiere

Bei der großen Pflanzenvielfalt fühlen sich auch Tiere im Landgarten wohl. Die Blüten ziehen Bienen, Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen und andere Insekten an. Nicht alle Insekten werden allerdings mit Freude gesehen - so richtet der Buchsbaumzünsler mit wechselnder Intensität weiterhin erheblichen Schaden an.


© Dr. Ekkehard Bahlo


© Dr. Ekkehard Bahlo

Auch Vögel finden neben Nistplätzen in den Sträuchern und Bäumen reichlich Nahrung. Sie schätzen die vielen Beeren und Früchte sowie die Samenstände der Stauden.


© Dr. Ekkehard Bahlo

Im gemauerten Teichbecken im hinteren Gartenteil tummeln sich Frösche und Molche. Auf trockenem Gelände sieht man gelegentlich Eidechsen die Sonne genießen.


© Dr. Ekkehard Bahlo

Gemeinsam mit Pflanzenfreunden

Bis die einzelnen Gartenbereiche von Grund auf bearbeitet und neu bepflanzt werden, gehen sicher noch weitere Jahre ins Land. Die Entwicklung hin zu einem grünen und blühenden Paradies mit großer Artenvielfalt ist eingeleitet und wird weiter fortgesetzt.


"Viele machen mit" war das Motto der Mitmachaktion am 22. April 2017. Im Hintergrund sieht man gut die Starkenburg, das Wahrzeichen von Heppenheim.
© 2017 Sylvia Knittel

Reinhilde Frank hätte es gefallen, dass sich Pflanzenfreunde im Landgarten treffen und sich um das von ihr geschaffene Kleinod so liebevoll kümmern. Der Landgarten wird auch immer mehr zu einem Ort der Begegnung für Pflanzenfreunde. Schon so manche Stunde wurde neben der Arbeit bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse am Gartenhaus gefachsimpelt. Wie bei Staudenfreunden üblich, gehen die Besucher nicht ohne einige Pflänzchen und einem dankbaren Lächeln auf dem Gesicht nach Hause.

 

Projektleitung: Dr. Ekkehard und Christine Bahlo
Unterstützende Partner im Netzwerk Pflanzensammlungen

Literatur:
Reinhilde Frank: "Päonien. Pfingstrosen". Ulmer-Verlag 1989