Das Prinzip der Lebensbereiche

Richard Hansen, Wissenschaftler an der Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Freising-Weihenstephan, und Friedrich Stahl, Gartenarchitekt aus Nürnberg, entwickelten in den 1970er-Jahren ein Konzept, den Garten in verschiedene Lebensbereiche einzuteilen und jeweils standortgerechte und dadurch pflegeleichte Pflanzungen zu entwickeln. Der Grundgedanke: Stauden gedeihen besser, leben länger und brauchen weniger Pflege, wenn sie an einem Platz wachsen, an dem sie sich besonders wohlfühlen. Was ursprünglich nur für Stauden gedacht war, gilt natürlich auch für alle anderen Gartenpflanzen.

Nach diesem Prinzip wird der Garten in sieben Zonen eingeteilt, die Lebensbereiche:

- Gehölz

- Gehölzrand

- Freifläche

- Wasserrand

- Wasser

- Steinanlagen

- Beet


© 2006 Katharina Adams

Um den unterschiedlichen Standortverhältnissen wie Licht und Bodenfeuchtigkeit Rechnung zu tragen, erfolgt noch eine weitere Unterteilung. Hansen verglich diese Bereiche mit natürlichen Biotopen und Pflanzengesellschaften und stellte fest, dass es für jeden ein Pendant gibt. An einem Gewässer in der Natur wachsen dieselben Pflanzen wie rund um den Gartenteich. Anhand von Artengemeinschaften, wie sie in Feld und Wald gemeinsam vorkamen, entwickelte Hansen nun Gartenpflanzenkombinationen, die sich wie ihre natürlichen Verwandten über Jahre selbst erhalten, kaum oder gar nicht gepflegt werden müssen und wirklich dauerhaft sind. Eine Revolution zu einer Zeit, in der Beetbepflanzungen jedes Jahr aufwendig aus ein- oder kurzlebigen Sommerblumen und Beetpflanzen aufgepflanzt wurden. Das Besondere an den Pflanzengemeinschaften war, dass sie von Natur aus auch optisch harmonierten und perfekt zusammenpassten. Im Laufe der Zeit wurde das Konzept verfeinert und gärtnerisch weiterentwickelt, schließlich wollte man ja nicht nur einheimische Wildkräuter, sondern überdies prächtige Stauden im Garten kultivieren.

Staudenpflanzungen nach diesem Konzept sind heute internationaler Standard und gelten als Inbegriff des »New German Style«. Wie dauerhaft sie sind, zeigen die Anlagen im Münchner Westpark von Rosemarie Weisse, auf dem Stuttgarter Killesberg von Urs Walser, im Weinheimer Hermannshof von Cassian Schmidt oder die berühmten Kiesgärten von Beth Chatto in Essex. Sie bestehen zum Teil schon seit fast 40 Jahren.

Da in der Natur fast jeder Lebensraum von Pflanzen besiedelt ist, heißt das auch, dass jeder Garten attraktiv und pflegeleicht angelegt werden kann, wenn man aus der Fülle des Sortiments die richtigen Gewächse auswählt.

Neben Spezialisten, die sich nur in einem bestimmten Lebensbereich wohlfühlen und nur gedeihen, wenn wirklich alle Standortbedingungen erfüllt sind, gibt es auch eine ganze Reihe Allroundtalente wie Storchschnäbel, Seggen und Bergenien, die beinahe überall wachsen.