Blindengarten Radeberg

Am 30. Mai 2015 besuchten Mitglieder unserer RG den Botanischen Blindengarten in Radeberg. Die Anreise zum Treffpunkt auf einem dem Garten benachbarten Parkplatz erfolgte individuell mit dem Auto. Die Wartezeit bis zum Beginn der Führung wurde für Gespräche und einen kleinen Pflanzenaustausch genutzt.

Unsere etwa einstündige Führung begann 14.00 Uhr im großen Hof des Geländes. Gärtnermeister und Gartentherapeut Marcel Soblik sprach zu Beginn kurz zur Geschichte und Entwicklung der Anlage und der heutigen Nutzung und zeigte uns als erste Pflanzen die hier stehenden unterschiedlichen, in Töpfen gezogenen, Pelargonien- und Minzesorten.
Der Botanische Blindengarten im nordöstlich von Dresden gelegenen Radeberg (vor allem bekannt durch sein Bier) befindet sich am südlichen Stadtrand. Das heute als Gästehaus für mehrfach behinderte Menschen genutzte Gebäude war ursprünglich eine Industriellenvilla. Zu DDR-Zeiten wurde die Villa bis 1973 als Entbindungsklinik ("Storchennest" genannt) genutzt. Danach stand sie lange Zeit leer und auch der Garten ringsum entwickelte sich zur Wildnis. 1988 erwarb der Verein für Blinde und Taubblinde das Gelände samt Gebäuden. Der Verein entwickelte unter der Leitung der blinden Pastorin Ruth Zacharias nach und nach alles zu seiner heutigen Nutzung als Gästehaus mit umgebendem Botanischen Garten.

Die Größe des Gartengeländes war zu Beginn etwa 5.600 m². Ab dem Jahr 2000 wurde durch Zukauf benachbarter Grundstücke die Gartenfläche auf etwa 22.000 m² erweitert, so dass auch eine größere Gewächshausanlage (u.a. für die Überwinterung frostempfindlicher Pflanzen) gebaut werden konnte.
Während des Rundganges durch den Garten erläuterte uns Herr Soblik die Grundzüge der speziellen Gestaltung. Blinde und taubblinde Menschen sollen sich im Garten frei und weitgehend ohne fremde Hilfe bewegen können. Dies ermöglichen vor allem Handläufe aus Edelstahl, die die Hauptteile der Anlage erschließen. An den Handläufen sind an Abzweigungen Hinweise in Blindenschrift angebracht.

Auch unterschiedliche Wegebeläge (z.B. Pflaster, Platten, Sand, Mulch) sowie Wegränder dienen der Orientierung. Zahlreiche Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen und Genießen von Düften sowie dem Ertasten von Pflanzen ein.

In einem Bereich des Gartens wurden runde Hochbeete gebaut. Die darin wachsenden Pflanzen können bequem ertastet und der Duft kann wahrgenommen werden. Da taubblinde Menschen sich nur noch auf Tast-, Geruchs- und Geschmackssinn verlassen können, spielen Pflanzen, die diese Sinne anregen, eine besonders große Rolle im Garten.

So sind entlang der Wege unterschiedliche Gehölze und Stauden vorhanden, die bei Berührung Duft abgeben oder duftende Blüten haben, so z.B. Lavendel, Perovskia, Rosen, Flieder, Pfeifenstrauch, Thymian, Salbei, Lilien und die bereits erwähnten Pelargonien und Minzen.

Nach der Führung gab es noch etwas Zeit für eigene Erkundungen, bietet die Anlage doch für alle Gartenbegeisterten etwas. Der wunderbare und sehr informative Samstagnachmittag wurde mit einer Kaffee-/Kuchentafel im Gewächshaus abgerundet.

Text: Iris Wilhelm